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»Das sollten Sie zur PU-Schulungspflicht wissen«

BM sprach mit Soudal-Marketingchef Alexander von Vulté über die verpflichtende PU-Schulung
»Das sollten Sie zur PU-Schulungspflicht wissen«

Schreiner und Tischler greifen bei ihren Projekten gern zu PU-Schaum und PU-Holzleim, denn Polyurethan punktet u. a. mit hohen Klebeigenschaften. Eine neue EU-Verordnung beschert Verwendern nun eine Schulungspflicht. Über dies und vieles mehr gibt Soudal-Marketingchef Alexander von Vulté Auskunft.

BM-Redakteur Stefan Kirchner

BM: Unsere Handwerker arbeiten seit Jahrzehnten mit PU-Schaum, wieso gibt es nun eine verpflichtende Schulung?

Alexander von Vulté: Die Schulungspflicht für PU-Schaum dient dazu, Verarbeiter in ihrem Arbeitsalltag vor potenziellen Risiken zu schützen und die erforderlichen Schutzmaßnahmen bei der Arbeit mit PU-Schäumen zu beachten. Die neue Schulungspflicht ist rein präventiv. Mit diesem Ziel ist im Jahr 2020 eine europäische Chemikalienverordnung (REACH) in Kraft getreten. Sie regelt europaweit für Industrie sowie Handwerk – strenger als bisher – den Umgang mit Produkten, die Diisocyanate enthalten. Das betrifft auch Polyurethane, da diese durch Reaktionen von Diisocyanaten entstehen. Bei ordnungsgemäßer Anwendung ist PU-Schaum vollkommen ungefährlich. Daher ist es wichtig, Verarbeiter regelmäßig zu schulen. Im Übrigen ist es so, dass die Schulung andere Gesundheits- und Sicherheitsanforderungen weder ersetzt noch ändert – sie ergänzt sie.

BM: Ab wann greift die Schulungspflicht und für welche PU-Materialien gilt sie?

Alexander von Vulté: Verarbeiter müssen bis zum 24. August 2023 in der sicheren Handhabung mit diisocyanathaltiger Produkte geschult und zertifiziert sein. Dies gilt für alle gewerblichen und industriellen Verwender von Produkten mit einer Gesamtkonzentration an monomerem Diisocyanat ab 0,1 %. Diese werden ab 24. Februar 2022 mit einem Hinweis auf dem Etikett gekennzeichnet, der auf den Schulungsbedarf hinweist. Wichtig: Die neue gesetzliche Regelung betrifft nur PU-Produkte im gewerblichen und industriellen Bereich. Für private Endverbraucher trat vor einigen Jahren eine separate REACH-Beschränkung in Kraft.

BM: Neben PU-Schaum gibt es ja noch andere diisocyanathaltige Verarbeitungsmaterialien. Welche für Tischler relevanten PU-Materialien werden in der Schulung beleuchtet?

Alexander von Vulté: Das stimmt. Diisocyanate kommen nicht nur in Montageschaum vor, sondern z. B. auch in PU-Holzleimen, Klebstoffen und Lacken. Ob ein Produkt unter die neue Schulungspflicht fällt, kann seit Februar dem Etikett auf dem Produkt entnommen werden.

BM: Wer muss sich um die Schulung kümmern – der Anwender oder der Betrieb?

Alexander von Vulté: Der Arbeitgeber bzw. Montagebetrieb muss ab 24. August 2023 sicherstellen, dass professionelle Anwender vor der Nutzung entsprechender Stoffe eine Schulung über die Verwendung von Diisocyanaten erfolgreich abgelegt haben. Der Arbeitgeber ist zudem in der Pflicht, die Sicherheitsschulungen seiner Mitarbeiter zu dokumentieren. Über die Zertifizierungen können die Betriebe im Falle einer Kontrolle nachweisen, dass ihr Personal geschult wurde.

BM: In welchen Abständen muss die Schulung wiederholt werden?

Alexander von Vulté: Profi-Anwender haben mindestens alle fünf Jahre erfolgreich an einer Schulung zu PU-Schäumen teilzunehmen. Der Arbeitgeber muss das im Blick behalten.

BM: Wo werden solche Schulungen angeboten?

Alexander von Vulté: Wir von Soudal bieten vor allem Webinare und E-Learning an. Das Schulungsmaterial wird vom Verband der europäischen Kleb- und Dichtstoffindustrie (FEICA) in Abstimmung mit den europäischen Industrieverbänden der Diisocyanathersteller vorbereitet. Soudal ist Teil dieses Industriekonsortiums, das zudem eine Schulungsplattform entwickelt hat. Auf dieser wird Schulungsmaterial für Computer, Tablet und Mobilgeräte bereitgestellt. Der Inhalt variiert je nach Risiko der PU-Anwendung. Für jede spezifische Anwendung wird es passende Module und entsprechende Prüfungsfragen geben.

BM: Schulen Sie ausschließlich Soudal-Kunden?

Alexander von Vulté: Wir bieten Kunden Schulungsmöglichkeiten, da es unser Interesse ist, die Nutzer bestmöglich zu informieren und im Umgang mit unseren Produktenzu unterstützen. Über PU-Produkte und deren fachgerechte Anwendung können sich alle Verarbeitenden auch unter www.pu-training.com informieren. Aktuell ist die Seite auf Englisch. Sie wird allerdings in nächster Zeit in Deutsch und andere Sprachen übersetzt.

BM: Wie ist die Reaktion aus der Handwerksbranche zu der Schulungspflicht?

Alexander von Vulté: Die neue Regelung stößt nicht immer sofort auf Verständnis. Was manch einem erst mal wie ein überflüssiger Mehraufwand erscheinen mag, unterstützt jedoch alle professionellen Handwerker im sicheren Umgang mit PU-Schäumen. Das wird sicherlich nach und nach Akzeptanz finden. Durch die Auffrischung alle paar Jahre werden sie stets aufs Neue sensibilisiert. Das ist aus meiner Sicht äußerst sinnvoll.

BM: Welche grundlegenden Arbeitsschutzvorschriften sollten beim Umgang mit PU-Schaum beachtet werden?

Alexander von Vulté: Zur Sicherheit sollten Haut, Atemwege und Augen bei der Arbeit mit PU-Schaum geschützt werden. Arbeitshandschuhe und Schutzbrille sind daher unabdingbar. Zudem sollte der Raum gut durchlüftet werden. Mit beschädigten Dosen darf nicht gearbeitet werden.

BM: Ist aus der Prüfungspflicht zu schließen, dass der Umgang mit Diisocyanaten problematisch ist? Bietet Ihr Unternehmen alternative Produkte an?

Alexander von Vulté: Nein, der Umgang mit Diisocyanaten ist nicht kritisch zu sehen. Sie sind sicher, wenn die relevanten Risikomanagement-Maßnahmen berücksichtigt werden. Es geht auch nicht darum, die Verfügbarkeit der entsprechenden Produkte zu reduzieren. PU-Klebstoffe und -Dichtstoffe haben einzigartige Eigenschaften, weshalb sie weiterhin nachgefragt werden und zum Einsatz kommen. Und Soudal arbeitet natürlich auch an alternativen Technologien. Isocyanatarme sowie isocyanatfreie Rezepturen stehen bereits zur Verfügung, Soudafoam PURe ist beispielsweise ein halogenfreier, schwer entflammbarer, sehr isocyanatarmer, einkomponentiger Polyurethan-Füllschaum. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat ihn in puncto Nachhaltigkeit positiv bewertet.

Die Fragen stellte BM-Redakteur Stefan Kirchner

www.soudal.com

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