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Handwerk 4.0: Zargenmontage neu gedacht

Schreinerei Hofinger entwickelt neuartiges Türmontagesystem
Handwerk 4.0: Zargenmontage neu gedacht

Ist die traditionelle Türmontage noch zeitgemäß? Auf der Suche nach einem schnelleren und effektiveren Einbau von Innentüren hat die Schreinerei Hofinger aus Stubenberg ein Montagesystem entwickelt und zur Serienreife gebracht. Das Besondere an dem neuen System ist, dass die Zargenmontage ohne Ausschäumen funktioniert und mechanisch nach der DIN verankert werden kann.

BM-Redakteur Stefan Kirchner

Die Schreinerei Hofinger besteht seit gut 110 Jahren. Früher wurden prachtvolle Herrenhäuser mit selbst gefertigten Fenstern, Türen und Möbeln ausgestattet. Jetzt stehen die Schreinermaschinen zum Teil still. Der Grund dafür ist, dass sich die Auftragslage im klassischen Schreinerhandwerk in der dörflichen Region Niederbayern sich immer mehr verschlechterte und der Preisdruck zu groß wurde. Nun agiert die Schreinerei hauptsächlich noch als Montageunternehmen für zugelieferte Fenster, Haus- und Zimmertüren, Treppen, Fußböden und Garagentore.

Aus der Not ist eine Erfindung entstanden

Vor elf Jahren kam die Idee zum neuen Montagesystem eh-Zargenfix, als Seniorchef Erich Hofinger einen riesigen Wohnblock mit neuen Innentüren ausstatten sollte. „Da die Montagegeschwindigkeit uns die Preise kaputt gemacht hat, mussten wir uns was Neues einfallen lassen, um konkurrenzfähig zu bleiben“, erklärt der Schreinermeister. Vor rund sechs Jahren hat Erich Hofinger dann nach einiger Entwicklungszeit eine neuartige Montagelösung konzipiert, um Innentürzargen noch schneller, zum Teil ohne Montageschaum und Zargenspreizen zu montieren.

„Früher wurden die Böden mit einem 12 cm dicken, weichen Styroporaufbau hergestellt, dadurch haben sich die Böden zum Teil gesetzt und es entstanden 5 bis 7 mm Luft von der Türzarge zum Boden. Der Kunde reklamierte dies, und die Zargen mussten demontiert, tiefergesetzt und wieder neu montiert werden. Das war eine lästige und unnötige Arbeit. Dank des neuen Systems konnten wir solche Probleme schnell lösen und Reklamationen blieben bis heute aus“, so Hofinger.

2017/2018 wurde das Montagesystem weiter optimiert, zur Serienreife gebracht und zum deutschen Patent angemeldet. Die neuartige Montage eignet sich sowohl für industriell hergestellte Norm-Türzargen diverser Hersteller wie auch für ein- und zweiflüglige Dreh- und Schiebetüren oder Sondertüren. Mit der Technik können alle Standardzargen, stumpf einschlagende Türen sowie Wohnungsabschlusstüren und Brandschutztüren in Trockenbau, Holzständer- oder Mauerwerk montiert werden. Das System eignet sich besonders für kurzlebige Türen, die z. B. auf Messen oder bei Ausstellungen zum Einsatz kommen.

Und so funktioniert die Zargenmontage

Um das Montagesystem einzusetzen, muss gewährleistet sein, dass zwischen der oberen Mauerkante der Türöffnung und dem Zargenquerstück mindestens 8 mm Luft besteht, um die Zarge einzurasten. Das Montagesystem besteht aus einer Bohrschablone für die Türlaibung (eh-TML) und eine für das Futterbrett/Zarge (eh-TFU). Diese sind spiegelbildlich gleich zueinander. Die Schablone wird in die Mauerlaibung gestellt. Genau nach der integrierten Wasserwaage ausgerichtet und mit einer Pumpspreize fixiert. Durch vordefinierten Bohrhülsen werden in der Laibung und in der Aussenseite des Zargenfutters die Vorbohrungen durchgeführt. Nun werden die eh-Zargenfix-Beschlagteile angeschraubt. Generell reichen drei Hacken pro Laibungsseite. Bei breiteren Türzargen ab 250 mm Breite werden sechs Hacken pro Seite montiert.

Nun werden die Schrauben in der Mauerlaibung mit einer modifizierten Wasserwaage genau ausgerichtet. Damit die aufrechten Zargenfutter auch parallel zueinanderlaufen, wird mithilfe einer Vorrichtung/Schiene die genaue Breite der Zarge definiert. Jetzt wird die Zarge in die Türöffnung gestellt und von oben in das Befestigungssystem eingerastet. Somit ist die Zarge lotrecht und nach DIN-Norm gerecht verankert. Dabei sind alle Befestigungspunkte unsichtbar. Bei Bedarf kann die Zarge auch ausgeschäumt oder mit einem Kompriband, z. B. 20/5-10 mm, abgedichtet werden, dies gilt hauptsächlich für T30-Brandschutz- oder Wohnungsabschlusstüren. Trotz einer schaumlosen Montage erreicht das System mit Kompriband die Schallschutzklasse 3. Für das Gewissen setzen die Monteure der Schreinerei aber immer wieder mal ein paar 1K-Schaumpunkte. „Das ist irgendwie hängen geblieben“, erklärt Hofinger

Abschließend werden die Zierbekleidungen aufgesteckt, Drücker montiert und Versiegelungsarbeiten durchgeführt. Damit die Tür nicht herausgehoben werden kann, werden noch zwei Holzstücke zwischen Zargenoberteil und Mauer geklemmt.

Welche Vorteile bietet das System?

Für die Montage sind keine Keile oder Spreizen erforderlich. Somit ist immer ein freier Durchgang gewährleistet. Die Türzarge ist sofort belastbar und das Türblatt kann eingehängt werden. Auch die Schmierereien mit Montageschaum, warten auf das Aushärten und Überreste des Schaumes mit einem Cuttermesser entfernen entfällt damit. Zudem kann die Türzarge in weniger als 60 Sekunden demontiert werden. Dadurch können z. B. Parkettfußböden besser abgeschliffen oder getauscht werden oder Malerarbeiten sauber ausgeführt werden. Das Montagesystem eignet sich auch für sensible Kunden, die Wert auf eine ökologische Bauweise legen. Denn somit muss kein PU-Schaum für die Türmontage verwendet werden.

„Wer unser Montagesystem einsetzt wird garantiert bei den ersten zehn bis 15 Türen etwas länger brauchen. Aber wenn man erstmal den Dreh raus hat, geht es schnell von der Hand“, so Hofinger abschließend. Das neue Montagesystem wird gerade in Serie gefertigt und kann bei der Schreinerei käuflich erworben werden.

Auch für Schiebetüren geeignet

Bei Schiebetüren, die in die Wand laufen, ist das Prinzip zum größten Teil identisch. Die Bohrschablone mittelt den Zargensitz der Schiebetür passend zur Führungsschiene genau aus. Die Bodenführung unten richtet sich dadurch selbst aus und braucht nicht mehr im Boden gedübelt werden. Die Bodenführungsschiene wird an der vertikalen Zarge einfach von hinten angeschraubt. Mit diesem System benötigt man laut Firmenangaben nur die Hälfte der Montagezeit im Gegensatz zu herkömmlichen Montagesystemen.

Verputzte Türlaibungen und Klappläden

Im gleichen Zuge wurde auch eine Putzschablone für Putzer entwickelt, damit bspw. die Laibungskanten für Türen gerade ausgeführt werden können. Derzeit gibt es die eh-Putzschablone für drei Mauerstärken (14,5/20,5 und 27 cm). Nach Bedarf können aber auch Sonderbreiten gefertigt werden. Diese sind untereinander kombinierbar und mit einer fixen Wasserwaage ausgestattet.

Auch für die Blindmontage von nicht beweglichen Klappläden wurde eine Montageschablone entwickelt. Insgesamt hat die Schreinerei 14 Patente auf diverse Schablonen.

Schreinerei Hofinger

94166 Stubenberg

www-schreinerei-hofinger.de


BM-Redakteur Stefan Kirchner

Das ist mir aufgefallen

Ideenreichtum ist gefragt

Oft wird aus einer Not eine Tugend und ich finde es immer wieder beeindruckend, dass selbst kleine Schreinerein wie Hofinger sich viele Gedanken machen, um Montageprozesse zu beschleunigen, um Kosten zu sparen. Mit dem Zargenfix-System wird ein neuer Weg zur herkömmlichen Innentürmontage beschritten. Da fragt man sich, ob die Montage mit Schaum noch zeitgemäß ist? Wir werden es sehen, ob sich die ökologische Türenmontage durchsetzen kann.

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