Brunkhorst „komponiert“ Haustüren im Elbe-Weser-Dreieck. Vergleichbarkeit macht keinen Spaß - BM online
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Vergleichbarkeit macht keinen Spaß

Brunkhorst „komponiert“ Haustüren im Elbe-Weser-Dreieck
Vergleichbarkeit macht keinen Spaß

Was haben Haustüren mit Netflix und Musik zu tun? Für das ehemalige Hausboot und letzten Wohnsitz des Country-Sängers Gunter Gabriel vertrauten sich Musiker Olli Schultz und Fynn Kliemann der Brunkhorst Haustüren GmbH an. Die Tischlermeister und Hobbymusiker Andreas und Manuel Brunkhorst fertigten für das Netflix-Projekt „Das Hausboot“ zwei einflügelige Haustüren für ein Tonstudio auf dem Hausboot an. Aber damit nicht genug, die Tischlerei Brunkhorst hat noch viele weitere Haustür-Spezialitäten auf Lager.

Rainer Hardtke

Tischlermeister Andreas und Manuel Brunkhorst sind überzeugt: „Die schönsten Türen bauen wir hier in Norddeutschland“. Dabei konzentrieren sich die Hobbymusiker Vater und Sohn (beide Gitarre) fast ausschließlich auf den Werkstoff Holz, weil der so viele Gestaltungsmöglichkeiten biete. Gegründet hatte Vater Andreas das Unternehmen 1985 aus der Arbeitslosigkeit heraus: „Ich hatte meinen Meister frisch in der Tasche und stand zunächst auf der Straße. Perfekter Zeitpunkt für einen Neubeginn, dachte ich mir!“ Zunächst konzentrierte sich das junge Unternehmen auf Montagen und spezialisierte sich im Laufe der Zeit auf Haustüren, „weil viele Tischlereien sich damals zunehmend aus der Herstellung von Haustüren verabschiedeten“, wie Andreas Brunkhorst augenzwinkernd anmerkt.

Brunkhorst möchte nicht „be-türen“, sondern betören. So konzentriert sich der Familienbetrieb aus der Nähe von Stade eher auf die Einzelstücke, die Sonderbauten oder speziellen Wünsche. „Das fängt schon beim ersten Gespräch an“, sagt Andreas Brunkhorst: „Wir lassen die Kunden erst mal reden. Schließlich möchten wir erfahren, was sie sich vorgestellt haben und in welche Richtung es stilistisch gehen soll. Erst wenn wir das verstanden haben, versuchen wir mit dem Kunden eine Richtung festzulegen. Früher war es Aufgabe des Handwerkers, zu beraten und zu gestalten. Mit Holz, Leim und Bearbeitungsmaschinen kann jeder gute Tischler umgehen. Aber sich in die Wünsche des Kunden und den Stil des Hauses hineinzudenken, da sehen wir ein großes Unterscheidungsmerkmal zu anderen Betrieben.“

Wichtig sei die Zeichnung, der Entwurf, der ein möglichst genaues und anschauliches Bild der späteren Einbausituation vermitteln müsse. Außerdem müsse man hinter dem Entwurf stehen, von der eigenen Idee überzeugt sein, sonst sei der Entwurf (noch) nicht gut genug. „So viele Details können da schief gehen“, sagt Manuel Brunkhorst: „Manchmal möchte der Kunde auch nur Gewissheit vermittelt bekommen, dass seine eigene Idee zum Haus passt. Er sucht also den echten Expertenrat. Das Schlimmste, was da passieren kann, ist, dass der Kunde sagt, dass er sich den Entwurf ganz anders vorgestellt habe. Dann müssen wir den Fehler bei uns suchen und neu beginnen.“

Viele Kunden hat Brunkhorst nach der Zertifizierung als Anbieter von Haustüren für Passivhäuser nach Dr. Feist gefunden. Die Kunden hätten sich auf den bei Dr. Feist einsehbaren Listen informiert und seien so bei ihnen gelandet. Das habe auch dazu geführt, dass Brunkhorst zwar vornehmlich im geografischen Umkreis tätig sei, aber ebenso deutschlandweit Türen ausliefere, eine Zeit lang sogar nach Südkorea.

Mittlerweile kämen die großen Haustürhersteller auf sie zu, wenn es zu kompliziert würde. 400 solcher Firmenkunden stehen inzwischen in der Adressdatei, sodass der Anteil der Belieferung anderer Tischlereien und Haustürhersteller mittlerweile bei 70 bis 80 % liege. Für die Firmenkunden halte man Preislisten bereit, damit diese besser planen könnten. Die Preisspanne für montagefertige Haustüren reichten von 2000 bis 20 000 Euro.

Neben stilbildenden Haustüren für Alt- und Neubau in 68 oder 88 mm Bautiefe und Passivhaustüren liefert der Türenspezialist auch flächenbündige Modelle und profilierte Landhaustüren für Fachwerkhäuser – alles auf Wunsch auch barrierefrei.

Eukalyptusholz und Haustür-Oberflächen in Klavierqualität

Die Kollegen im eigenen Betrieb haben eine Menge Erfahrung und außerdem ergänzten sich die Talente innerhalb des Betriebes. So bringe der Sohn viel Erfahrung aus der Möbelindustrie mit, in der er zeitweise gearbeitet habe. „Und mit seiner Schleiftechnik hat er unsere Oberflächen auf ein ganz neues Niveau gehoben“, freut sich Vater Andreas. Manuel, der in seiner Freizeit zum Ausgleich Akustikgitarren baut, ergänzt: „Ich habe einige Jahre in der Konzertflügelproduktion von Steinway & Sons in Hamburg gearbeitet. Da hatten wir zwar noch feinere Oberflächen, aber mit derselben Technik lassen sich auch Haustüren enorm verbessern.“ Ein Vorteil, den die Kunden schätzen, weiß Brunkhorst. Ebenso wie die Türdämmung, die stets Gegenstand der Anfragen seien. Vom Standard-U-Wert von 1,6 W/m2K liefere man einflügelige Türen mit festem Seitenteil bis 0,8 W/m2K und bis 0,66 W/m2K bei einflügeligen Türen mit geschlossenem Türblatt. Bei Brunkhorst verlasse keine Haustür das Unternehmen ohne Fünffachverriegelung. Aber mehr Sicherheit? Das frage man kritisch ab. Von Motorschließtechnik halte man nicht viel, biete sie aber auf Wunsch an. Beim Glas versuche man den Unterschied herauszustellen zwischen Glas als Gestaltungsmerkmal und Glas als Sicherheitsaspekt.

Beim Holz setzt Brunkhorst auf das mittel- und südamerikanische Eukalyptusholz Red Grandis mit einer Rohdichte von 450 bis 550 kg/m3. Es sei härter und würde vor allem für deckende Lackierungen verwendet. Lasieren lasse es sich schwerer. Ebenso gern setze man Mahagoni, Lärche und Eiche, aber keine Kiefer und immer weniger oder kaum noch Meranti. Holz-Aluminium-Kombinationen verwende man seltener und nur im Objektbau. Bei den Bändern vertraue man in erster Linie dem Zulieferer Simonswerk, bei den Beschlägen setze man viele Produkte von FSB ein.

Maschinen kommen bei Brunkhorst nur ins Haus, wenn sie etwas aushalten und standhaft sind. Bei der CNC von Homag schätzen die norddeutschen Tischler den vibrationsfreien Lauf und die Verlässlichkeit der Maschine. Vertrauen genießt auch das CAD/CAM-Softwareprogramm Cobus, das die Integration verschiedener Werkzeuge und Geräte unterschiedlicher Hersteller erlaube.

Ebenso arbeitet Brunkhorst mit externen Partnern zusammen, wenn Arbeiten nicht zum Spezialgebiet gehörten, fremd wären oder zu selten vorkämen: „Über einen Kollegen haben wir einen Bildhauer kennengelernt, mit dem wir nun zusammenarbeiten. Schnitzarbeiten geben wir ebenso ab wie krasse Profilwerke oder Bleiverglasungen. Aber sonst stürzen wir uns auf alles, was wir noch nicht gemacht haben. Vergleichbarkeit macht ja keinen Spaß“, sagt Manuel Brunkhorst.

Heute beschäftigt das Unternehmen fünf Gesellen, zwei Lehrlinge sowie Andreas und Manuel Brunkhorst mit deren Gattinnen. Von der Ausbildung neuer Fachkräfte sind Vater und Sohn überzeugt: „Wir nutzen jede Gelegenheit, um mit unseren Kollegen zu schimpfen. Man kann die Ausbildung des Nachwuchses nicht den anderen überlassen, man muss sich auch selbst engagieren“, betont der Obermeister der Kreishandwerkerschaft Elbe-Weser Andreas Brunkhorst: „Außerdem beleben junge Leute den Betrieb und bringen frischen Wind – auch bei knorrigen alten Gesellen.“ Woher denn der Nachwuchs käme, wenn so viele über Nachwuchsmangel sprächen, will der Autor wissen? „Es gibt hier nicht so viele, stimmt“, sagt der Obermeister, „aber hier und da findet man immer vernünftige Jungs und Mädels. Manchmal braucht man eben ein wenig mehr Geduld.“

Netflix-Projekt: Türen für „Das Hausboot“

Getreu dem Motto „vergleichbar macht keinen Spaß“, renoviert Brunkhorst nicht nur ein Hundertwasser-Haus in Hamburg, liefert aufwendige zweiflügelige Eingangselemente aus Holz-Alu mit Notausgangsfunktion, Obentürschließer mit Schließfolgeregelung und Klappoberlicht für eine Grundschule, sondern auch zwei Außentüren für das jüngste Projekt der Musiker Olli Schulz und Fynn Kliemann – „Das Hausboot“. Zwei Jahre lang begleitet von Kameraleuten, wurde die Renovierung mit einer vierteiligen Serie umgesetzt, die von Anfang März 2021 beim „Netflix“ lief. Mit dem Umbau wollten die Musiker die eigene Vision eines Ortes schaffen, der zur musikalischen Kreativität anregt und Platz für Konzerte, Jamsessions und Studioaufnahmen bietet. Ausgesucht hatten sich die beiden Idealisten das ehemalige Hausboot und letzten Wohnsitz des Country-Sängers Gunter Gabriel. Freund und Schauspieler Bjarne Maedel berichtet von den ersten Ideen: „Und dann hat Olli gesagt, es gibt das Hausboot von Gunter Gabriel zu kaufen. Tja, und das Boot war ein Haufen Schrott.“ „Aus ein bisschen renovieren, ein bisschen streichen“ (Originalton Fynn Kliemann) wurden zwei Jahre Arbeit mit einem Gesamtbudget von rund einer halben Million Euro. Nach reichlich Arbeit, Auseinandersetzungen und kleinen Streitereien ist das Boot fertig. Entstanden ist ein Veranstaltungsort mit Bühne, der auch für kleinere Festivals genutzt werden kann. Brunkhorst hat für das Projekt Innentüren geliefert, die in die aufwendige Smarthome-Steuerung des Hausbootes eingebunden sind. „Die Technik drinnen ist schon krass“, sagt Manuel Brunkhorst, selbst Musiker und bis vor ein paar Jahren aktiv auf Bühnen Norddeutschlands. Künftig können Musiker den Ort mieten und sich mit Zugangscode übers Netz ins Hausboot einloggen und betreten.

An den Auftrag gekommen ist der Haustüren-Hersteller über Fynn Kliemann, der aus einem Nachbarort der Brunkhorsts stammt und Haus- und Innentüren für ein Hausboot-Projekt suchte. Ein Treffen war schnell vereinbart, Musiker unter sich, kurze Beschreibung, nötige Kompetenz vorhanden – Auftrag! „Solche Projekte muss man zwischendurch einfach mal machen“, schmunzelt Manuel Brunkhorst. Geliefert wurden schließlich zwei einflügelige Haustüren für ein Tonstudio aus Meranti in 68 mm Bautiefe in Plattenbauweise und einem Ud-Wert von 1,4 W/m2K. Dazu gab’s eine Altbauschwelle ohne Bodeneinstand, mit senkrechter Nutfräsung innen und außen. Und damit sie dem Einbauort (Tonstudio) gerecht wird, bekam sie einen Schalldämmwert von 43 dB genehmigt. Selbstverständlich wurden auch diese Türen in das Smarthome-Konzept integriert. Wie? Das bleibt ein Geheimnis. Empfänger war die Firma „Floß und weg GbR Kliemann & Schulz“.

Brunkhorst Haustüren GmbH

27446 Anderlingen

www.brunkhorst.de


Der Autor

Rainer Hardtke beschäftigt sich seit rund 30 Jahren mit den Werkstoffen Holz, Glas und Kunststoff.

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