Sägewerker erfindet klebstofffreie Massivholzplatte. Das hält mit Schwalbenschwanz - BM online

Sägewerker erfindet klebstofffreie Massivholzplatte

Das hält mit Schwalbenschwanz

Dieter Junker, ein Säge- und Holzwerker aus dem Schwarzwald, hat eine Massivholzplatte entwickelt, die mittels Schwalbenschwanz-Verbindung zusammen gehalten wird. Die Platte ist aus heimischem Nadelholz und somit komplett frei von Bauchemie. Marc Wilhelm Lennartz

I Sein Leben lang hat Dieter Junker im elterlichen Sägewerk in Nordrach bei Offenburg gearbeitet. Aber er schaute auch immer wieder über den Tellerrand hinaus, suchte nach baubiologischen Alternativen für den Holzbau und entwickelte die sogenannte GFM-Platte. GFM steht für Glue-Free Massive, also leimfrei massiv.
Junker gelang es, die einzelnen Bretter durch eine bewährte Holzverbindung rein mechanisch statisch wirksam zusammenzufügen: den Schwalbenschwanz, der zusätzlich zur horizontalen Sicherung auch eine gewisse Beanspruchung auf Zug ermöglicht. Zudem schaffen die traditionelle Schwalbenschwanzverbindungen eine luftdichte Verbindung der Einzeldielen untereinander – ganz ohne Folie.
Bei der Entwicklung der Platte stand für Dieter Junker eine möglichst naturbelassene Bauweise im Mittelpunkt: „OSB-Platten oder Ähnliches sind für mich keine Alternativen. Im Holzhausbau legen immer mehr Bauherren großen Wert auf wohngesunde und natürliche Baustoffe.“ Daraus entstand die Idee, eine leimfreie Platte aus natürlichem Holz zu konstruieren. Diese Platte sollte luftdicht sein, statisch gute Werte bringen und sich einfach, schnell und ohne großen Verschnitt verarbeiten lassen.
Die Massivholzplatte gibt es in zwei Varianten: als Diagonalplatte zur Aussteifung von leimfreien und luftdichten Holzrahmenwerken und als Verlegeplatte zur leimfreien Beplankung von Boden-, Wand- und Deckenflächen. Die Brettlagen verfügen über eine Standarddicke von 30 mm.
Aus zertifizierter Weißtanne
Die Diagonalplatten weisen eine diagonale Linienführung auf, sodass statische Kräfte effektiver aufgenommen werden können. Zugleich wird der Verschnitt optimiert. Für eine Platte werden fünf Einzeldielen aus PEFC-zertifiziertem Weißtannenholz mit einer Restfeuchte von ca. 12 % verwendet, in die die Schwalbenschwanzverbindungen gefräst werden. Die Bretter werden unter hohem Druck zu rechteckigen, 3,21 m oder 3,91 m langen und 62 cm breiten Platten verpresst. Im Anschluss fährt ein Laserscanner über die Fläche und eventuelle vorhandene Fehlstellen werden mit Heißwachs versiegelt.
Die Platte ist mit zwei Neigungswinkeln (58° und 65°) erhältlich. Sie verfügt über ein mechanisches Einhängesystem und kann von zwei Personen angebracht werden. An den Breitseiten ist ein überlappendes Profil angefräst. Die GFM-Diagonalplatten werden in der luftdichten Ausführung bereits werkseitig mit einem Quellband versehen. Auf zusätzliche Dampfbremsen kann verzichtet werden.
Forschungsstudie mit Prüfqualität
Ein Prüfzeugnis der HFB Engineering GmbH, Leipzig, bestätigt je nach Einbausituation Luftdurchlässigkeiten bei einer Luftdruckdifferenz von 50 Pa zwischen 0,01 m³/(m²h) und 0,23 m³/(m²h). Die Ergebnisse stehen herkömmlichen OSB-Platten somit in nichts nach, so die Aussage des Unternehmens.
Junker meldete die GFM-Platte zum Patent an und stellte gleichzeitig einen Antrag für ein Forschungsprojekt beim Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie: Eine zweijährige Studie mit dem KIT (Karlsruher Institut für Technik) unter Leitung von Professor Dr.-Ing. Hans Joachim Blaß wurde 2013 erfolgreich abgeschlossen. Seit diesem Zeitpunkt ist die Platte auf dem Markt. In Kürze wird die bauaufsichtliche Zulassung durch das DIBt (Deutsches Institut für Bautechnik) erwartet.
Sichtoffene Qualität gewünscht
Für einen Biosupermarkt wurde die Platte in geschliffener Qualität geliefert. Die Holzoberfläche für den Innenbereich in den Verkaufsräumen sollte sichtoffen gestaltet werden. Obschon Planer wie Zimmerer diesem Wunsch aufgrund der Maßtoleranz der Einzelbretter zuerst skeptisch gegenüberstanden und darauf hinwiesen, dass sie nur als OSB-Ersatz gedacht sei, blieben die Bauherren standhaft und die Holzoberflächen in der Ausführung sichtbar. Dieses Konzept einer einfachen, technischen Konstruktion, die sowohl die Aussteifung der Rahmenkonstruktion sichert als auch den baubiologischen und optischen Ansprüchen genügt, hat dann letztlich alle Beteiligten vollends überzeugt. Durch den Verzicht auf Gipsfaserplatten und dem Wegfall des damit verbundenen, zeitaufwendigen Verspachtelns konnte die Aussteifung der Rahmenkonstruktion mit der GFM-Platte zum gleichen Preis wie mit den günstigeren, konventionellen Systemen erfolgen. Zum Abschluss wurden die geschliffenen Holzoberflächen nur noch geölt.
Für den Holzrahmenbau hat die GFM-Platte ein neues Zeitalter eingeläutet, nach dem Motto: Rohbau ist gleich dem Innenausbau! I
Holzwerk Junker e. K.
77787 Nordrach

Der Autor

40052893

Marc Wilhelm Lennartz arbeitet als Fachjournalist, Referent und Buchautor.

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