Holz-Her bietet mit Nextec ein durchgängiges System für die CNC-Komplettbearbeitung

Endlich einfach

Holz-Her zeigt mit dem neuen Nextec-System auf ziemlich eindrucksvolle Weise, wie einfach der Weg zum fertigen Korpusmöbel – von der Planung bis zur CNC-Komplettbearbeitung im Nestingverfahren – sein kann. Das Besondere: Der Maschinenbauer hat es verstanden, das Thema ganzheitlich abzubilden und holt damit auch CNC-unerfahrene Tischler und Schreiner ab.

BM-Chefredakteur Christian Närdemann

Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich vor Jahren mein erstes iPhone vom Postboten überreicht bekam. Fast schon ehrfürchtig öffnete ich die Verpackung und fragte mich, wo denn nun die Bedienungsanleitung ist. Kein Handbuch, nichts. Das machte mich so nervös, dass ich sofort die Service-Hotline meines Mobilfunkanbieters wählte und den Kollegen am anderen Ende der Leitung fragte, wie das alles denn nun funktioniert. Ich war offensichtlich nicht der Erste, der das tat – und bekam ein gelassenes „Schieben Sie die SIM-Karte rein und schalten Sie das Gerät an“ zur Antwort. „Und dann legen Sie einfach los.“ Ich folgte (wenn auch ungläubig) diesem kurzen Tipp und legte los. Einfach so. Nach einer Stunde war alle anfängliche Scheu vergessen und ich mehr als erstaunt, wie einfach Smartphone „geht“.

Nextec – oder: Komplettbearbeitung weiter gedacht

Jetzt bin ich vor-Ort bei Holz-Her in Nürtingen, um das zur Ligna 2017 in Hannover erstmals vorgestellte Nextec-System genauer unter die Lupe zu nehmen. Produktmanager Stefan Benkart zeigt und erklärt mir, was die Idee des Konzeptes ist und was sich dahinter verbirgt.

Bevor wir uns die Bausteine des Systems ansehen, sprechen wir über die Besonderheiten, das Neue. Stefan Benkart: „Vor ca. drei Jahren wurde bei uns im Haus die Idee geboren, Nestingtechnologie wirklich fit für breite Anwendungen im Tischler- und Schreinerhandwerk zu machen. Dabei spielt die reine Maschinentechnik zwar auch eine Rolle – aber im Kern geht es bei diesem Thema darum, die Prozesse selber nicht nur durchgängig, sondern auch so einfach wie möglich beherrschbar zu machen.“ Um das zu erreichen, haben die Nürtinger nicht nur eine neue Maschinenbaureihe entwickelt, sondern ein richtig pfiffiges Softwarekonzept gleich mit dazu. Das Komplettsystem deckt alle Schritte ab – von der Möbelplanung und -konstruktion bis hin zur Komplettbearbeitung in einer Aufspannung.

Die Softwaretools: aus einem Guss

Im ersten Schritt werden mit dem CAD-Modul „ Cabinet-Select“ Möbel erstellt und parametrisiert. Hier stehen in der Bibliothek 300 vordefinierte Varianten zur Verfügung, die über Parameter (Maße, Material und Beschläge) spezifisch konfiguriert werden können. Ich probiere es aus und bin überrascht, wie einfach das geht. „Mit dem optionalen Cabinet-Control lassen sich Schränke frei konfigurieren und konstruieren, eigene Bibliotheken für Cabinet-Select aufbauen, Materialien und Beschläge frei definieren sowie auch Dachschrägen oder Theken realisieren“, klärt Stefan Benkart mich ergänzend auf.

Die parametrisierten Möbel werden dann in den Warenkorb gelegt. Mit einem Mausklick wird dieser zur Produktion oder Bearbeitung an „Warehouse“ übergeben. Dort lassen sich über vordefinierte Schnittstellen, z. B. Cabinet-Select oder Cabinet-Control, Teile importieren und verwalten. Die Teile können auch mittels „Campus-Hops“ verändert werden. Ebenso ist der Import aus fremden CAD-Systemen möglich. Anschließend wird die automatische Übergabe der Daten für die Produktion eingeleitet. Im Hintergrund werden alle Teile, die auf der Nextec bearbeitet werden, nach Rohmaterial sortiert und automatisch verschachtelt. Dann heißt es: Platte auflegen und Bearbeitung starten.

Ergebnis: Ein Nest aus fix und fertig bearbeiteten Möbelteilen, die lediglich noch bekantet werden müssen. Sämtliche Bearbeitungen werden in einer Aufspannung ausgeführt – inklusive aller Bohrungen und Fräsungen für die marktgängigen Möbelverbinder bis hin zu Lamellos P-System.

Neu entwickelte Bearbeitungszentren

Die CNC-Bearbeitungszentren gibt es in verschiedenen Ausführungen (Nextec 7707 und 7705) mit Bearbeitungsmaßen von 1580 oder 2200 mm in y-, sowie 3100, 3700 oder 4600 mm in x-Richtung. Beide Modelle können mit festem Abnahmetisch, automatischem Abschieber oder einem Abnahmetisch mit Förderband ausgestattet werden. Für sicheren Halt sorgt ein softwaregesteuertes 8- bzw. 16-Feld-Vakuum. Es stehen Fräsaggregate mit 8, 10 und 12 kW sowie verschiedene Bohrköpfe mit 14 oder 24 Spindeln zur Auswahl. Standardmäßig ist ein 10-fach Pick-up-Werkzeugwechler im Maschinengestell montiert, der erweiterbar ist.

Außerdem haben die CNCs mit „Direct-Cut“ eine Funktion an Bord, mit der sich laserunterstützt Einzelschnitte ausführen lassen, ohne die Teile während der Bearbeitung in die Hand nehmen zu müssen. Pfiffig! Jede Nextec mit Direct-Cut besitzt jeweils einen Linienlaser in x- und y-Richtung. Mithilfe dieser Laser können die Schnitte beim Direct-Cut vor der eigentlichen Bearbeitung visualisiert werden. Mit dem neuartigen Laser-Teach-Modus kann das Teil an beliebiger Position gespannt und dann der Laser mit dem Handbediengerät positioniert werden. Ein Doppelklick genügt und die Fräsung kann gestartet werden.

Bereits in den Startlöchern: Nextec mit 5-Achs-Technologie

Wie BM exklusiv vorab erfuhr, wird Holz-Her in Kürze noch eine Schippe drauflegen und mit der Nextec 7735 eine 5-Achs-Variante in Gantrybauweise präsentieren. Dadurch werden sich dann auch Winkel und Gehrungen CNC-genau bearbeiten lassen. Direct-Cut soll hier seine Stärken noch mehr ausspielen, da auch Sägeblätter bis zu 350 mm Durchmesser zum Einsatz kommen können. Die Bearbeitungshöhe der 7735 wird satte 300 mm betragen. Mit der 5-Achs-Technik lassen sich z. B. auch Gehrungsteile mit dem Lamello P-System in einer Aufspannung fertigen.

Die neue Baureihe wird sich variantenreich präsentieren – vom einzeln stehenden Nextec-Bearbeitungszentrum bis hin zur Ausstattung mit Hubtischbeschickung für sehr hohen Plattendurchsatz. Optionale, doppelt wirkende Sauger mit 85 mm Höhe ermöglichen zudem auch die Bearbeitung von Türen oder Treppenbauteilen.

Leichtigkeit trifft den Nerv der Zeit

Nachdem ich die Nextec-Komponenten kennengelernt und selber ausprobiert habe, muss ich unwillkürlich an mein damaliges iPhone-Erlebnis denken. Jetzt war ich ähnlich erstaunt – diesmal darüber, wie einfach CNC „geht“. Holz-Her trifft mit Nextec auf jeden Fall nicht nur den Nerv der Zeit, sondern auch die Bedürfnisse des Marktes. Der Einstieg in die Technologie inklusive Software startet bei unter 100 000 Euro.

Holz-Her GmbH
72622 Nürtingen
holzher.de/nextec