Digitale Werkzeuge: Keine Frage der Betriebsgröße. Kreativer CAD/CAM-Prozess - BM online

Digitale Werkzeuge: Keine Frage der Betriebsgröße

Kreativer CAD/CAM-Prozess

Der gekonnte Umgang mit digitalen Werkzeugen ist ein wichtiger Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit von Tischler- und Schreinerbetrieben – egal welcher Größe. Wir zeigen anhand dreier interessanter Beispiele, wie Kollegen ihre ausgeprägte Kreativität dank eines durchdachten CAD/CAM-Prozesses erfolgreich „auf die Straße“ – also auf die CNC-Maschine – bringen. Dabei spielen das Engagement und der Einfallsreichtum der Mitarbeiter eine herausragende Rolle.

von Michael Ludolph

Der Wandel im Tischler- und Schreinerhandwerk verläuft stetig und legt an Tempo immer weiter zu. Die Leistungen, die dabei von den Mitarbeitern der Betriebe – weitgehend im Stillen – erbracht werden, sind nicht hoch genug zu würdigen. Wir zeigen am Beispiel von drei Handwerksbetrieben, was früher kaum für möglich gehalten heute im Rahmen des Wandels durch elektronische Werkzeuge schon fast Alltag ist. Dabei geben wir einen kleinen Einblick in den äußerst kreativen CAD/CAM-Prozess. Hierbei ist die Kommunikation zwischen dem in der CAD/CAM-Software hinterlegten und sich ständig weiterentwickelnden Arbeitsprozesswissen sowie den erfindungsreichen, hoch qualifizierten Mitarbeitern der Betriebe Grundlage des Erfolgs – wobei übrigens keinesfalls die Größe einer Tischlerei ausschlaggebend ist.

Anspruchsvoller Empfangstresen

Die traditionsreiche Tischlerei Graichen Bau- und Möbelwerkstätten GmbH in der Nähe von Leipzig entwirft, konstruiert und fertigt mit ihren 32 Mitarbeitern individuelle, hochwertige Innenausbauten und Möbel aller Art – u. a. für Hotels, Museen, Bibliotheken und sonstige öffentliche Einrichtungen. Das Motto des Firmeninhabers impliziert die Einbindung eines modernen Maschinenparks auf Basis von C-Technologien sowie kontinuierliche Schulungen der Mitarbeiter hinsichtlich der notwendigen CAD/CAM Prozesskette: „Kontinuität bei der Wahrung fachlichen Wissens und unternehmerischer Kompetenz sind die wichtigsten Gründe für das erfolgreiche Agieren von Handwerksfamilien.“ So ist der hier thematisierte Fertigungsprozess des Empfangstresens Resultat eines umfangreichen Lernprozesses in den Jahren 2012/13. Mit ihm wurde schrittweise das Wissen für das Angebot einer neuen Produktpalette aufgebaut. Diese Investition in die Qualifizierung der Mitarbeiter hat sich bezahlt gemacht, da sie bis heute die Basis für die Bewältigung der ständig wachsenden Aufgaben darstellt.

Anhand des Empfangstresens lässt sich exemplarisch das Zusammenspiel des Funktionsumfangs einer CAD/CAM-Software und der planerischen Kompetenz der Mitarbeiter darstellen. Die CAD/CAM-Prozesskette ist hier extrem vielschichtig. Vor dem Hintergrund, dass dies das erste Projekt dieser Art für die Mitarbeiter war, kann man nur sagen: „Hut ab!“

Badewanne und Handwaschbecken

Die Hamburger Tischlerei Woodendesign Feine Möbel expandiert seit ihrer Gründung 2004 stetig. Zurzeit konstruieren und fertigen acht Mitarbeiter individuelle Möbel, zunehmend mit C-Technologien. So wurde 2015 ein 5-Achs-BAZ erworben sowie die notwendige Software, um den CAD/CAM-Prozess initiieren zu können. Die Beherrschung dieser Technologie ermöglicht die Erschließung neuer Geschäftsfelder. Hierbei sind die Wanne und das Waschbecken ein Paradebeispiel für den Mut, sich an neue Produkte und Fertigungsaufgaben zu wagen. Das CAD-Modell des Produktionsdesigners wurde in Pytha importiert und dort für die Fertigung aufbereitet. Das Modell musste dazu u. a. – unter Berücksichtigung der Bearbeitungshöhen des BAZ – in horizontale Segmente gesplittet werden. So konnten die Rohformen des zu verleimenden Nussbaums bestimmt und die geometrischen Daten der Segmente an AlphaCAM übergeben werden. In der CAM-Zentrale wurden dann die Fertigungsprogramme für die konvexe Außen- und konkave Innenbearbeitung entwickelt.

Mehr zur Entstehung  der Holzbadewanne in diesem Video:

Regal für Langspielplatten

Schreinermeister und Gestalter Stephan Schmidt entwirft und fertigt mit lediglich drei Mitarbeitern Möbelunikate. Das Besondere und die damit verbundene Zukunftsfähigkeit seiner „Möbelschmiede“ in der Nähe von Konstanz begründen sich in einer äußerst effektiven Nutzung der C-Technologie mit einem hohen Grad an Organisation und Struktur. Schmidt reizt die fertigungstechnischen Grenzen seines 3-Achs-Bearbeitungszentrums voll aus. Mithilfe seiner CAM-Software gelingt es ihm, weit über den Standard einer normalen 3-Achs-Fertigung hinauszugehen. Ohne sie wäre es kaum möglich, Fertigungsprogramme von einer solchen Komplexität zu erzeugen. So aber kann Stephan Schmidt für seine Objekte überaus spannende Formen entwerfen und realisieren, die manch anderer nur unter Zuhilfenahme eines 5-Achs-Bearbeitungszentrums planen würde.

Auch Korpusmöbel sicher beherrschen

Alle drei Tischlereien fertigen natürlich ebenfalls Korpusmöbel. Im Gegensatz zu der hier dargestellten individuellen Fertigung können sie dabei mit der eingesetzten Softwarekombination eine durchgängig automatisierte Ableitung der Fertigungsprogramme gemäß eigenen Fertigungsprinzipien realisieren. So schließt sich die CAD/CAM-Prozesskette überaus sinnvoll.

www.graichen-gmbh.eu

www.tischlerei-woodendesign.de

www.moebel-schmiede.com

www.licom-alphacam.com

www.pytha.de


Der Autor

Michael Ludolph ist pensionierter Oberingenieur des Instituts für Angewandte Bautechnik der TU Hamburg. Schwerpunkte für Lehre, Forschung und Beratung: CAD/CAM für Betriebe des Innenausbaus (Holztechnik). Durchführung mehrerer Modellversuche und Pilotprojekte zum Thema.

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