Die Mischung macht’s
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Mit 5-Achs-Technologie fertigt die Schreinerei Eberle 3D-Freiformen auf höchstem Niveau

Mit 5-Achs-Technologie fertigt die Schreinerei Eberle 3D-Freiformen auf höchstem Niveau
Die Mischung macht’s

Wie der Vater, so der Sohn – oder eben doch nicht und genau deswegen funktioniert es in der Schreinerei Eberle. Die zwei Schreinermeister, Andreas Eberle senior und junior, ergänzen sich und sorgen genau so dafür, dass es läuft: Der Senior punktet mit Erfahrung, gutem Wirtschaften sowie der Offenheit gegenüber Neuem, der Junior mit technischem Know-how sowie dem Ehrgeiz, neue Technik sinnvoll zu nutzen.

BM-Redakteur Lukas Petersen

Um das Eberle-Duo zu besuchen, führt mich meine Reise ins Allgäu, genauer nach Altusried. Diese Reportage ist etwas ganz Besonderes, denn bepackt mit Maske & Co. habe ich bis heute noch nie eine Schreinerei besucht. Trotzdem ist die Freude groß, denn zum einen darf ich endlich wieder Werkstattluft schnuppern und zum anderen wartet spannende CNC-Technik gepaart mit handwerklicher Tradition auf mich. Die Familienschreinerei fertigt von individuellen Inneneinrichtungen über aufwenige Restaurierungen bis hin zu komplexen 3D-Freiformteilen fast alles. Nur von Fensterfertigung haben die beiden Schreinermeister genug und kaufen deswegen in diesem Segment zu.

Fortschritt mit jeder Generation

Die Geschichte der Schreinerei Eberle reicht mittlerweile vier Generationen zurück. Wir fangen beim heutigen Seniorchef Andreas Eberle an: Kurz nachdem der seinen Meister gemacht hat, ging es auch direkt in die Selbstständigkeit. Dazu musste er allerdings erst mal die in die Jahre gekommene Schreinerei seines Vaters kernsanieren und hat sie dadurch wieder zu neuem Leben erweckt. „Ich will mich in meiner Werkstatt wohlfühlen. Deswegen habe ich sie so gestaltet, dass sie für mich einer Wellnessoase gleicht.“ In den kommenden Jahren hat er stets alleine gearbeitet, nur ab und zu einen Lehrling unter seine Fittiche genommen. „Indem ich einfach gute Arbeit liefere und mich mit meinen Angeboten an der oberen Preisgrenze bewege, habe ich alleine immer gutes Geld verdient. Da hat sich für mich die Frage zusätzlicher Mitarbeiter überhaupt nicht gestellt“, erzählt er mir bei meinem Besuch in Altusried.

Heute hat sich das ein wenig geändert. Denn mittlerweile ist sein Sohn, der ebenfalls Andreas heißt, mit am Start und zusätzlich noch ein Angestellter. Gefertigt wird in einer 500 m2 großen Werkstatt, die 2008 fertig gestellt und neben der alten ebenfalls unter dem Motto „Wellnessoase“ gebaut wurde.

Dass der Sohn mittlerweile fest im Betrieb verankert ist, ist kein Zufall. Er hat sich früh entschieden, Schreiner zu werden, und glänzte schon während der Ausbildung mit seinem Gespür für den Beruf. Mit seiner Gesellenprüfung hat er es sogar zum Innungssieger Oberallgäu und zum Kammersieger im Bezirk Schwaben geschafft. Kurz nachdem er die Meisterschule in Augsburg beendete, war für ihn klar: „Zu uns in den Betrieb muss eine CNC-Maschine.“ Als die beiden sich kurz darauf eine neue Tischfräse bei der Firma Miller Maschinen und Werkzeuge in Leutkirch anschauen wollten, wies Franz Mendler, Verkaufsleiter und mittlerweile guter Bekannter der Schreinermeister, ebenfalls darauf hin, die CNC-Technik mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Gesagt, getan und schon hieß es vom Senior zum Junior: „Ich zahle, aber du musst damit arbeiten. Und zwar so, dass wir weiterhin gutes Geld verdienen und sich die Maschine auch rechnet. Außerdem ist das eine Investition in unsere Zukunft. Wenn wir uns so aufstellen, dann richtig – also muss die Maschine wirklich alles haben, damit wir für jegliche Eventualitäten gerüstet sind.“ Nach mehreren Infogesprächen unter anderem am Felder-Stammsitz in Hall, Österreich, sowie auf der Messe Holz-Handwerk in Nürnberg kam es auf der Hausmesse von Miller so, wie es kommen musste.


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Lieber zu viel als zu wenig

Unter dem Credo „die Maschine soll alles können außer Fenster fertigen“ entschieden sich die zwei für das 5-Achs-Bearbeitungszentrum Format 4 H500 von Felder inklusive einem ganze Haufen an Werkzeugen. Zum Beispiel allem, was für eine professionelle Haustürenproduktion benötigt wird. „Seit 2020 fertigen wir allerdings kaum noch Haustüren, es gibt zu viele andere Aufträge, die einfach mehr Spaß machen. Trotzdem ist es gut, das Equipment zu besitzen. Wer weiß, ob wir nicht doch irgendwann wieder Lust darauf haben“, erzählen mir die beiden im lichtdurchfluteten Besprechungszimmer, während nebenan und direkt in Sichtweite die CNC-Maschine beim Geldverdienen ist. Die 5-Achs-CNC vom Typ Format 4 H500 wurde 2017 mit einer eigenen Spänex-Absaugung inkl. Austragung ins Silo installiert.

Mit einer Auslastung von ca. 70 % fertigt die Schreinerei individuelle Innenausbauten. Darunter viele „Standardmöbel“ wie zum Beispiel Schränke und Küchen, bei denen hauptsächlich Korpusse gebaut werden. Die Schreinermeister setzen bei der Visualisierung noch klassisch auf Handzeichnungen mit Schraffur, manchmal werden auch 3D-Pläne ausgedruckt und von Hand schraffiert. „Das reicht unseren Kunden vollkommen und sie können sich gut vorstellen, was wir uns bei der Planung der Möbel gedacht haben.“

Richtig geplant wird dann entweder direkt im Korpusgenerator F4 Design oder mit der CAD-Software Rhino. Anschließend gehen die Dateien direkt an das im Hause Felder entwickelte Programmiersystem Woodflash. Hier hat sich Anrdreas Eberle junior direkt am Terminal Progamme angelegt und hinterlegt, die er für verschiedene Projekte variabel einsetzen kann. Die 5-Achs-CNC-Maschine bietet allerdings weit mehr Möglichkeiten, als zur Fertigung von Korpusmöbeln erforderlich sind. Deswegen fügen die Schreinermeister ihren Entwürfen oft Highlights hinzu. Zum Beispiel eine Küchentheke, die aussieht wie ein Weinfass und trotzdem alle Vorteile eines Küchenunterschrankes bietet. Dafür und für die Projekte, in denen 3D-Freiformen gefertigt werden, läuft der Arbeitsablauf bis hin zur Maschine anders ab.

Ausgefallene dreidimensionale Freiformen

Rund 30 % der Aufträge bestehen aus zum Teil sehr ausgefallenen Projekten, für die 3D-Freiformen erstellt werden. Zum Beispiel aus Holz gefertigte Torsos als Schaufensterpuppen sowie Köpfe als Brillen- und Huthalter. Oder zur Restaurierung von alten handgeschnitzten Ornamenten einer Kirche sowie für ein riesiges, rundes Bällebad eines Kindergartens.

Bei diesen Projekten werden entweder direkt in Rhino CAD-Dateien erstellt, die dann in die CAM-Software F4 Solid geladen werden. Oder es wird, wie zum Beispiel bei den alten Kirchenornamenten, ein 3D-Scan angefertigt, dessen STL-Datei anschließend ohne den Umweg über ein CAD-Programm in F4 Solid geladen wird. Die CAM-Software hat den Vorteil, dass sich jegliche Art von Dateien lesen und bearbeiten lassen.

Im Anschluss legt Andreas Eberle junior bei größeren Projekten gewisse Voreinstellungen fest und speichert sie. So muss er später nur noch Feinjustierungen, wie zum Beispiel Fräsergeschwindigkeit etc., vornehmen. Dann geht’s ab auf die Maschine und das 5-Achs-Bearbeitungszentrum kann loslegen. Ein großer Vorteil der Format 4 H500 ist der hohe Aufbau, der sich beispielsweise bei der Fertigung des Bällebads bemerkbar machte. So können mit einer selbst gebauten Spannvorrichtung Werkstücke bis ca. 500 mm Höhe fixiert werden.

Die CAM-Software F4 Solid legten sich die beiden Schreinermeister extra für den Auftrag zu, bei dem sie Kirchenornamente restauriert haben. Um sicherzugehen, dass sich die Software auch gut eignet, konnten sie das Programm zuvor bei der Hausmesse von Miller Maschinen und Werkzeuge ausgiebig testen. „Die Kosten für Programm und individuelle Schulung haben sich sofort bezahlt gemacht. Denn der ursprüngliche Plan war es, jedes einzelne Teil schnitzen zu lassen, was zu enormen Kosten geführt hätte“, erklärt mir der Senior.

Sicher für die Zukunft aufgestellt

2020 investierte die Schreinerei zusätzlich in eine neue Kantenanleimmaschine Tempora F800 von Felder. Und wieder wurde Wert darauf gelegt, dass alles mit an Bord ist. Die beiden Schreinermeister sind nun sehr gut für die Zukunft aufgestellt und bieten Kollegen gerne an, als Zulieferer für sie tätig zu werden. Vor allem, wenn es sich beispielsweise um komplexe 3D-Freiformen handelt. Wer also Interesse hat, darf sich gerne melden!

Schreinerei Eberle, 87452 Altusried

Instagram: @eberle_schreinerei

www.eberle-schreinerei.de

www.miller-maschinen.de

www.felder-group.com


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