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Kreative Teamplayer

Stauf Design aus Holz: Starkes Handwerk trifft durchgängige Technologie
Kreative Teamplayer

Gestartet ist Andreas Stauf mit einem Kombi, zwei Böcken und Handkreissäge. Nebenbei machte er seinen Meister. Heute lassen er und sein 14 Mitarbeiter starkes Team individuelle Kundenträume wahr werden. Das Rezept: Kreativität, Ideenreichtum, Experimentierfreude sowie passende Software- und Maschinentechnologie.

BM-Chefredakteur Christian Närdemann

Mein Werkstattbesuch bei Andreas Stauf in Neunkirchen-Seelscheid war etwas Besonderes. Denn diesmal stand nicht, wie sonst meist üblich, „nur“ ein ausgiebiges Gespräch samt Blick in die Werkstatt auf dem Plan. Der Termin stand auch im Zeichen einer Premiere, denn ich wurde von einem dreiköpfigen Film- und Fototeam begleitet. Es ist quasi die Geburtsstunde von BM-TV. Aus den Eindrücken dieses Tages entsteht nämlich parallel zum geschriebenen Beitrag die erste BM-Videoreportage. Während das Filmteam sein Equipment startklar macht und die Örtlichkeiten unter die Lupe nimmt, kommen Andreas Stauf und ich ins Gespräch.

Mit Tatendrang durchgestartet

Der 37-jährige Tischlermeister erzählt mir von seinen Anfängen. 2007 hat er die Stauf Design aus Holz GmbH gegründet. In einem alten Schuppen seines Vaters und bewaffnet mit zwei Böcken, Handkreissäge und einem Audi Kombi startete der damals 24-Jährige in die Selbstständigkeit. „Mit dem Gesellenbrief alleine kannst du allerdings nicht so viel anfangen. Deshalb habe ich nebenbei die Schulbank gedrückt und 2010 in Köln die Meisterprüfung abgelegt.“

Heute entstehen in der 500 m² großen Werkstatt hochwertige Unikate: Küchen, Tische und andere designstarke Einzelmöbel oder auch komplette Innenausbauten. Ein weiteres Standbein ist der Ladenbau.

Stauf beherrscht die Platten- und Massivholzbearbeitung und verarbeitet zudem eine Vielzahl anderer Materialien wie beispielsweise Mineralwerkstoff. Zudem sind Stauf und sein Team neugierig und experimentierfreudig. So sehe ich bei meinem Werkstattbesuch einen riesigen Nussbaum-Esstisch mit markanten Epoxydharz-Applikationen.

Sehen Sie hier das Werkstatt-Video bei BM-TV:


(Quelle Frame: Youtube / BM TV)

Andreas Stauf ist stolz auf sein junges und engagiertes Tischlerei-Team: „Wenn’s brennt, legen meine Leute auch mal eine Nachtschicht ein. Wir geben gemeinsam alles, um unsere Kundenversprechen termingetreu zu erledigen.“ So verwundert es nicht, dass die Tischlerei ohne Werbung auskommt. „Unsere Aufträge entstehen ausschließlich über Empfehlungen zufriedener Kunden“, freut sich Andreas Stauf.

Stauf-Tower: Idee wird Geschäftsmodell

Und dann hatte der Tischlermeister noch eine Idee, die das Potenzial hat, richtig Markt zu machen: der Stauf-Tower. Dahinter verbirgt sich ein extrem vielseitiger und modular erweiterbarer Hochstuhl für Kinder aus HPL-beschichteten Multiplexplatten. Er überrascht mit vielen Details und kann beispielsweise zum „Learning-Tower“ umfunktioniert werden. Dafür gibt es viele Anbauteile wie beispielsweise eine Rutsche, eine Wiege, den sogenannten Mini-Tower usw.

Andreas Stauf: „Entstanden ist die Idee in einer schlaflosen Nacht. Am nächsten Morgen wusste ich, wie die Konstruktion aussehen muss und habe mich an die Arbeit gemacht.“ Der erste Prototyp entstand Mitte 2018. Nach und nach entwickelte Stauf dann die unterschiedlichsten Zubehörkomponenten. „Es gibt immer noch so viele neue Ideen, dass das System auch jetzt noch permanent wächst.“ Das System ist so durchdacht und gleichzeitig einfach, dass Andreas Stauf es europaweit hat patentieren lassen.

Der Tischlermeister will den Stauf-Tower möglichst ausschließlich direkt verkaufen und hat den Vertrieb mit eigenem Onlineshop Ende 2019 gestartet. „Es gibt ihn zwar auch bei Amazon, aber unser Ziel ist und bleibt der Direktvertrieb.“ Rund 1000 Stück wurden bislang verkauft. Das Potenzial erscheint mir allerdings riesig, wenn das System erst mal die verdiente Bekanntheit am Markt erreicht.

Ehrliche Technologiepartnerschaft

Von Anfang an hat Andreas Stauf auf eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Felder Group gesetzt. Begonnen hat alles mit ein paar kombinierten Standardmaschinen des Tiroler Maschinenherstellers. Damit war Stauf bereits in der Lage, bei überschaubaren Investitionen alle wichtigen Bearbeitungen auszuführen. Die Felder-Spezialisten des Vertriebsstützpunktes im nahe gelegenen Lohmar standen und stehen Stauf bis heute bei Investitionen beratend zur Seite.

Nach der Gründung 2007 ist das Tischlereiteam stetig gewachsen – jedes Jahr im Schnitt um einen Kollegen. Heute sind insgesamt 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Bord, darunter ein Auszubildender. Entsprechend wuchs auch der Maschinenpark. Die kombinierten Maschinen wichen nach und nach einer Formatkreissäge, Tischfräse, Hobelmaschine, stehenden Plattensäge oder auch Kantenanleimmaschine etc.

Vor rund fünf Jahren entschied Andreas Stauf sich für die Investition in ein 3-Achs-CNC-Bearbeitungszentrum vom Typ Format4 Profit H20. Hier vermisst er inzwischen bereits die vierte und fünfte Achse, die er aber problemlos nachrüsten lassen kann. „Vielleicht spendiere ich mir die zu Weihnachten, denn damit hätten wir noch mal ganz andere und erweiterte Möglichkeiten“, kommentiert der Tischlermeister. Und weiter: „Softwaremäßig sind wir inzwischen so weit gerüstet, dass wir die bestens gebrauchen und einsetzen könnten.“

CAD/CAM und ERP aus einem Guss

Was er damit meint: Seit gut einem Jahr setzt Andreas Stauf auf Software von OS Datensysteme. Die Tischlerei hat softwaremäßig alles aus dem Portfolio des Ettlinger Softwarehauses an Bord, was für die durchgängige Planung von Möbeln und Innenausbauten bis hin zur Produktion auf der CNC erforderlich ist: OSD-Spirit 3D, CAD-Stücklisteneingabe, Korpusgenerator Corpus+, CNC-Generator sowie die Visualisierungs- und Rendering-Software VisualPro. Hinzu kommen u. a. Zeitwirtschaft, MDE-Manager (für die mobilen Laserscanner), Kalkulation, Stücklisten, Kundenauftragsabwicklung, Offene-Posten-Verwaltung.

Die Zeichnungen erstellen Andreas Stauf und sein Kollege Tobias Velde mit OSD-Spirit 3D und dem Korpusgenerator OSD-Corpus+. Der Korpusgenerator ermöglicht die besonders schnelle und unkomplizierte Konstruktion im Standardbereich. Das 3D-CAD kennt in Bezug auf die freie Konstruktion keine Grenzen. Auch lassen sich damit Teile aus dem Korpusgenerator editieren und bearbeiten.

Die fertigen Konstruktionen werden schließlich in die Stückliste geschrieben. Für die Visualisierung nutzt Stauf OSD-VisualPro. Damit lassen sich fertig geplante Möbel- und Innenausbauten sehr realitätsnah darstellen.

Basis für die Erstellung der Fertigungsdaten ist die OSD-Stückliste, in der sich die Daten aus dem Korpusgenerator und dem 3D-CAD treffen. Dann kommt der CNC-Generator ins Spiel. Er erstellt auf Basis der Stücklistendaten die CNC-Programme. Diese können ohne Nachbearbeitung an der Maschine direkt gestartet werden.

Viel geschafft und noch einiges vor

Mit der durchgängigen Kombination aus CAD, CAM und CNC-Bearbeitungszentrum hat die Tischlerei schon viel geschafft. Andreas Stauf denkt bereits weiter: „Ein digitales Aufmaß würde uns sicher noch mal ein gutes Stück voranbringen. Dann hätten wir millimetergenaue Baustellenmaße und könnten bei der Konstruktion sowie auch bei der Montage vor Ort viel Zeit sparen.“

Und mit Blick auf den Stauf-Tower denkt er mittelfristig auch über Nestingtechnologie nach. „Momentan ist es noch schwer absehbar, wie sich das Projekt entwickelt. Aber die Konstruktion schreit natürlich nach einer Herstellung im Nestingverfahren.“

Ich glaube: Der Stauf-Tower hat das Zeug, richtig durch die Decke zu gehen. Könnte also gut sein, dass ich nicht das letzte Mal in Neunkirchen-Seelscheid war.

www.stauf-design-aus-holz.de

www.stauf-tower.de

www.felder-group.com

www.osd.de

 


BM-Chefredakteur Christian Närdemann

Das ist mir aufgefallen

Tischler aus Leidenschaft

Für Andreas Stauf sind Job und Beruf untrennbar miteinander verbunden. Er lebt und liebt sein Unternehmen. Das merkt man auch an der Leidenschaft, mit der er seine Tischlerei führt.

Und wenn der Junggeselle mal so richtig runterfahren will, dann schnappt er sich die Angel und macht sich mit seinem Boot beispielsweise auf nach Holland. Vermutlich ist er aber auch dann nicht ganz frei von neuen Gedanken und Impulsen rund um seinen Stauf-Tower.

Er berichtet mir in unserem Gespräch von vielen coolen Ideen, die er noch dazu hat, aber natürlich neben dem strengen Tagesgeschäft in der Tischlerei nicht alle gleichzeitig umsetzen kann. In der Ruhe liegt vermutlich auch hier die Kraft und ich bin absolut sicher, dass dieses Produkt nachhaltigen Anteil an einer weiterhin positiven Entwicklung der Tischlerei haben wird. Denn es ist, wie man es in manchen Start-up-Fernsehsendungen immer so schön zu hören bekommt, absolut skalierbar. Ich bin jedenfalls sehr gespannt und drücke dem sympathischen Tischlermeister und seinem tollen, engagierten Team dafür alle Daumen!




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