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Leidenschaft trifft Perfektion

Oldenburger Interior GmbH Co. KG setzt auf 3D-CAD/CAM
Leidenschaft trifft Perfektion

Zu Wasser, zu Lande und in der Luft: Oldenburger realisiert Einrichtungen für Megayachten, Luxusvillen, Business-Jets und mehr. Mit seiner DNA tief im Tischlerhandwerk verwurzelt, ist das Unternehmen international gefragt. Aktuell wird im Rahmen eines groß angelegten, komplexen Softwareprojekts die Transformation in die 3D-Welt vollzogen.

BM-Chefredakteur Christian Närdemann

Wichtigstes Standbein von Oldenburger mit einem Umsatzanteil von mehr als 90 % ist die Ausstattung von Megayachten mit einer Länge von mehr als 100 m. Das Unternehmen agiert dabei eigenen Angaben zufolge „als Generalunternehmer, Planer, Handwerker, Dienstleister oder auch Erfinder neuer Techniken für besondere Wünsche“. Oldenburger zählt in diesem besonderen Marktsegment zu den Top-Drei-Unternehmen in Deutschland.

Hinzu kommen superexklusiver Ladenbau, die Planung und Ausstattung von Luxusvillen, Apartments oder Chalets auf aller Welt sowie im Bereich Aircraft VVIP-Innenausstattungen für die weltweit luxuriösesten und größten Business-Jets von Boeing, Airbus sowie anderen renommierten Flugzeugherstellern.

Mehr als 8000 m² Innenausbaufläche stattet Oldenburger jährlich weltweit aus. Dazu stehen in den Werkstätten am Standort Dinklage im Oldenburger Münsterland hochmodern ausgestattete Fertigungsflächen von satten 21 000 m² zur Verfügung. Rund 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dort beschäftigt, darunter zehn Auszubildende.

„Unsere Wurzeln liegen im Möbelbau“

Geschäftsführer Carsten Loges, gelernter Wirtschaftsingenieur, verweist in unserem Gespräch mit Nachdruck und viel Stolz auf die Wurzeln des 1953 gegründeten Unternehmens: „Wir kommen aus dem Handwerk und unsere Wurzeln liegen im Möbelbau. Einerseits verstehen wir uns als klassische Tischlerei, andererseits sind wir ein gefragter Ansprechpartner für unsere internationale Kundschaft mit exzellenter Expertise auch im Bereich Projektmanagement.“ Soll heißen: In den Adern des Unternehmens bzw. der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fließen Späne, doch die Kompetenzen gehen weit über übliches Tischlerhandwerk hinaus.

Den eigenen Anspruch bringt ein Satz in der Imagebroschüre des Unternehmens auf den Punkt. Dort heißt es: „Wir wollen die Besten sein.“ Genau das spüre ich auch bei meinem Besuch in Dinklage, und zwar im sehr positiven Sinne. Die Menschen brennen für das, was sie tun und sind gleichzeitig total bodenständig, selbstkritisch, kompetent und fleißig. Andre Risse, Technischer Betriebsleiter: „Wir arbeiten immer parallel an zwei bis vier Großprojekten. Projektlaufzeiten von mehr als zwei Jahren sind dabei keine Seltenheit. Das stellt uns an vielen Stellen vor sehr große Herausforderungen.“

Weichen für die Zukunft gestellt

Eine ganz zentrale „Stelle“ ist in diesem Zusammenhang der Bereich Planung/Konstruktion/Arbeitsvorbereitung. Carsten Loges: „Es ist extrem wichtig, sämtliche Prozesse und Abläufe sicher zu beherrschen. Es gab Zeiten, in denen wir einfach zu viel angenommen haben und dann überfordert waren. Daraus haben wir gelernt und im Softwarebereich die Weichen für eine konsequente Transformation in die 3D-Welt gestellt. Unsere Ziele sind maximale Performance, Flexibilität, Durchgängigkeit und Transparenz.“

Sehr anspruchsvolles Terrain

Bereits 2014 investierte Oldenburger im Bereich Ladenbau in das 3D-CAD Solidworks und hat hier die 2D-Welt erfolgreich hinter sich gelassen. Im Gespräch mit Andre Pohlmann (Tischlermeister, Konstruktion) und Stephan Stärk (Tischlermeister, Konstruktion) wird mir dann aber schnell klar, wie komplex sich die Thematik im Bereich Yachtinnenausbau darstellt. Pohlmann erläutert: „Zu den extrem anspruchsvollen Planungs- und Konstruktionsaufgaben gesellen sich mehrstufige Abstimmungsprozesse mit Architekten, Kunden, Netzwerkpartnern und Zulieferern in aller Welt. Natürlich muss das alles auch zu 100 % nachvollziehbar dokumentiert werden.“ Eine echte Herkulesaufgabe also. Aber in Dinklage sieht man sich auf einem sehr guten Weg.

2019 hat Oldenburger in das Konstruktionsprogramm 3D-CAD Swood Design sowie Swood CAM zur Generierung von CNC-Programmen für die 5-Achs-Bearbeitung aus dem Hause DPS-Software investiert. Die Programme basieren auf Solidworks CAD, das an insgesamt 16 Arbeitsplätzen im Einsatz ist. Zudem wird an 50 Arbeitsplätzen das Datenmanagement-System Solidworks PDM als zentraler Ablageort für alle Informationen rund um ein Projekt genutzt. Versteht sich von selbst, dass zwischen allen Programmen und der zentralen ERP-Software Daten sicher und in allen Richtungen bewegt und gemanagt werden müssen.

Workflow: Effizienz ist Trumpf

Das mehr als 40-köpfige Team Konstruktion und AV bewegt sich also in einer überaus komplexen Software-Infrastruktur. Für die Konstrukteurinnen und Konstrukteure sieht der Workflow in der Regel so aus: In einer ersten Phase liefert die Werft die Raumdaten. Auf dieser Basis wird dann eine vereinfachte Konstruktion für die Freigabe erstellt. Sind alle Details abgestimmt und geklärt, was in der Regel sehr viel Schriftwechsel und Abstimmungen erfordert, geht es an die detaillierte Ausarbeitung und Änderungen im Detail. Falls verfügbar, geschieht das dann bereits auf Basis eines vor Ort durchgeführten präzisen 3D-Aufmaßes (Punktwolke).

Tools für die rationelle Konstruktion

In Solidworks mit Swood Design werden aus einer umfangreichen, firmenspezifisch angelegten Bibliothek die Konstruktionen erstellt. Unterstützung erfahren die Konstrukteure durch eine ganze Reihe intelligenter Tools in Swood Design. Beispiel sind die sogenannten Swood-Boxen: Hier kann der Nutzer sehr variabel und individuell Konstruktionsdetails sowie Logiken definieren und diese einfach per Drag-and-Drop ins Möbel ziehen.

Eine Swood-Box kann z. B. Beschläge (Topfbänder) oder ganze Baugruppenvorlagen (Schubkästen) umfassen. Die Box passt sich nach zuvor definierter Logik an den vorhandenen Bauraum an und wählt automatisch z. B. die passende Nennlänge für Schubkastenführungen. Entsprechende Bohrungen oder Fräsungen werden ebenfalls anhand dieser zuvor definierten Logik automatisch in die betreffenden Bauteile eingefügt.

Stephan Stärk: „Das Tool ist sehr flexibel und vor allem können wir es selber ohne externen Support aufbauen und pflegen.“

Durchgängigkeit auch zum ERP

Wenn eine Einrichtung schließlich fertig konstruiert und freigegeben ist, werden in der Arbeitsvorbereitung die Stücklisten erstellt. Diese sollen künftig automatisch über eine Schnittstelle an die ERP-Software Insight aus dem Hause 2020 Technologies übergeben werden, die voraussichtlich noch in diesem Jahr bei Oldenburger eingeführt wird.

Außerdem werden natürlich noch die Daten für Schablonen und Fräsprogramme generiert. Das geschieht mit Swood CAM bis hin zu 5-Achs-Bearbeitungen inklusive Simulation.

Oldenburger Interior GmbH & Co. KG

49413 Dinklage

www.oldenburger.com

DPS-Software

www.dps-software.de/swood




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