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Nägel mit Köpfchen gemacht

Schreinerei Lebens(t)raum realisiert durchgängigen Workflow vom CAD bis zur Nesting-CNC
Nägel mit Köpfchen gemacht

Auf komplett neue Beine hat Tino Skuthan den Workflow sowie die Fertigungsorganisation seiner Schreinerei Lebens(t)raum gestellt. Der Betrieb ist ein Paradebeispiel dafür, wie Digitalisierung in der Praxis aussehen kann. Skuthans Weg: Eine klare Idee, Fleiß und Beharrlichkeit, ein motiviertes Team sowie flexible Techologiepartner. Ergebnis ist ein durchgängiger Prozess von der einfachen CAD-Planung und -Konstruktion bis hin zur CNC-Nestingbearbeitung.

BM-Chefredakteur Christian Närdemann und BM-Redakteur Lukas Petersen

Diesmal reisen wir bereits am Vortag des eigentlichen Werkstattbesuchs an, denn das Programm des folgendes Tages wird stramm. Wir werden nicht nur den üblichen Blick hinter die Kulissen einer sehr interessanten Schreinerei im mittelfränkischen Weihenzell nahe Ansbach werfen, sondern das Ganze auch filmen. Deshalb begleitet uns das Filmteam von BM-TV. Während die Kollegen die herrliche Spätnachmittagssonne sofort für erste Aufnahmen nutzen und die Drohne startklar machen, kommen wir mit Tino Skuthan (40) auf der Holzbank des idyllischen Innenhofs seiner Schreinerei Lebens(t)raum ins Gespräch. Skuthan erzählt, dass er sich gleich nach der Meisterschule und als frischgebackener Absolvent der Fachakademie für Raum- und Objektdesign in Garmisch-Partenkirchen 2007 selbstständig gemacht hat.

Das ganz große Rad gedreht

Gerade mal 27 Jahre jung war er da und die Werkstatt auf dem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen seiner Großeltern 150 m² klein. Individuelle, gestaltungsstarke Möbel und Innenausbauten waren bereits damals und sind auch heute noch das, wofür die Schreinerei steht. Er und sein heute achtköpfiges Schreinerteam haben im zurückliegenden Jahr Vollgas gegeben. In überwiegend Eigenleistung haben sie einen modernen und lichtdurchfluteten Anbau errichtet und damit die Produktionsfläche auf 750 m² erweitert. Skuthan: „Den Platz brauchten wir, um unsere Fertigung auf komplett neue Beine zu stellen. Auch das geschah während dieser Zeit. Wir haben nicht nur neue Maschinentechnik angeschafft, sondern auch einen komplett durchgängigen Workflow von der 3D-CAD-Planung und -Konstruktion über die CNC-Fertigung bis zum Zusammenbau der Möbel realisiert. Das hat meinem Team viel abverlangt und ich bin stolz darauf, wie engagiert alle mitgezogen haben.“ Mit dem Summen der landenden Drohne unserer Filmkollegen im Hintergrund freuen wir uns also auf einen spannenden nächsten Tag.

„Wer A sagt, muss auch B sagen“

Am nächsten Morgen wird es dann schnell sehr konkret. Skuthans Motto war schon damals: „Wir wollen alles selber fertigen.“ Um das auch bei großen Aufträgen bewerkstelligen zu können, wurde die Werkstatt 2015 erweitert. Der Maschinenpark wuchs um eine vertikale CNC, eine Kantenanleimmaschine sowie eine stehende Plattensäge (alle von Holz-Her). Skuthan: „Von da an war richtig Druck auf dem Kessel, wir produzierten mehr und mehr.“ Und es kam, wie es kommen musste: „Der Workflow ließ uns an Grenzen stoßen. Wir programmierten damals noch direkt an der CNC, das war alles andere als durchgängig.“ Nur wenige Jahre und viele Schweißperlen später war Skuthan klar: „Wer A sagt, muss auch B sagen. Es musste was passieren.“ 2018 nahm seine Vorstellung von einem neuen Maschinenraum ebenso konkrete Formen an wie die Vision von einem absolut durchgängigen Prozess.

Mit Überraschungseffekt: Vision umgesetzt

Mit vielen Ideen im Kopf und gemeinsam mit dem Architekten entstand der Plan für einen großzügigen Erweiterungsbau. Zusätzlich holte Tino Skuthan mit Martin Buck und Christof Högemann zwei echte Profis für die Optimierung der Werkstatt und des Materialflusses ins Boot. Das eingespielte Doppel hat schon so manchen Betrieb diesbezüglich auf produktivere Beine gestellt. Und genau so sollte es auch hier sein: Im Rahmen intensiver Mitarbeiter-Workshops nahm die Ausgestaltung der Werkstatt konkrete Formen an. Dabei kam es auch zu einer zukunftsweisenden Entscheidung, die Skuthan zuvor nicht auf dem Schirm hatte: Statt der ursprünglich angedachten liegenden Plattenaufteilsäge in Kombination mit einem CNC-Bearbeitungszentrum kristallisierte sich das Nestingverfahren als optimale Lösung heraus. „Ich selber war überrascht von diesem neuen Ansatz. Aber Nesting spart wertvollen Platz, erfordert deutlich weniger Materialhandling und passt von der Charakteristik her gut zu unserem Produktionsspektrum. Ich bin froh, dass wir während dieser Planungsphase so intensiv alle Optionen unter die Lupe genommen haben. Die Entscheidung war goldrichtig.“


Werkstatt-Video bei BM-TV   Sehr viele weitere Werkstatt-Impressionen finden Sie in diesem kurzweiligen 17-Minuten-Video: Spannende Einblicke in die durchgängigen Abläufe und interessante Statements von Schreinermeister Tino Skuthan. Besonders sehenswert auch der komplett neu gestaltete Bank- und Maschinenraum, in dem es ein bisschen „schräg“ zugeht.


Dann wurden Nägel mit Köpfchen gemacht: Im Juli 2019 war Baubeginn und Tino Skuthan begab sich auf die intensive Suche nach der für ihn perfekten Kombination aus CAD-Software und Nesting-CNC. Die sollten später wie aus einem Guss den Workflow auf ein neues Level heben. In diesem Zusammenhang besuchte er auch Schreinerkollegen und ließ sich deren Lösungen zeigen. Dann entschied er sich: für CAD- und CAM-Software von Palette CAD und die 5-Achs-Nestingmaschine vom Typ Nextec 7735 aus dem Hause Holz-Her.

Noch vor Weihnachten 2019 war die neue Halle fertig und die CNC an ihrem Platz. Die CAD-Software kam ein paar Monate früher. Skuthan, der bereits CAD-Erfahrung hatte, machte ein zweitägiges Einsteigerseminar und buchte ein paar Stunden Online-Schulungen an eigenen Objekten. „Beides war super und hat mir den Einstieg leicht gemacht.“

Engagierte und flexible Technologiepartner

Skuthan ist ein Perfektionist. Einer, der erst dann Ruhe gibt, wenn die Dinge rundlaufen. Das haben auch die Spezialisten von Palette CAD und Holz-Her zu spüren bekommen, denn seine konkreten Vorstellungen über den Standard hinaus waren ambitioniert. So war es ihm sehr wichtig, die Verbinder der Lamello-P-System-Familie – also Clamex, Tenso & Co. – absolut flexibel bereits in der Konstruktion zu setzen und ohne weitere Eingriffe die CNC-Bearbeitungen starten zu können. Egal, ob stumpfe Verbindung oder beliebige Gehrung versteht sich.

Rationell konstruieren, auf Knopfdruck produzieren

Tino Skuthan macht viel mit dem Korpuskonfigurator von Palette CAD. Schnell und einfach konstruiert er einen Gehrungskorpus mit Mittelseite und zwei Konstruktionsböden. Dann definiert er in entsprechenden Masken die Verbinder, Plattenmaterialien und Kanten. Damit sind alle technischen Daten definiert und die Visualisierung ist fertig. Der letzte Schritt besteht darin, die Daten aus Palette CAM an die Holz-Her-Software Warehouse zu übergeben. Das erfordert nur ein paar Klicks. Damit stehen nicht nur das Nestingprogramm, sondern auch bereits das Einzelteilprogramm (falls nachproduziert werden muss) sowie die ggf. zweite, rückseitige Bearbeitung des Teils zur Verfügung. Parallel werden noch eine Perspektiv- und Explosionszeichnung zur Veranschaulichung für die Kollegen in der Fertigung ausgedruckt.

An der CNC wird dann mit einem Vakuumheber die Platte aufgelegt, das Programm aufgerufen – und los geht’s. Die Nextec etikettiert zunächst vollautomatisch und bearbeitet dann sämtliche Einzelteile, die im Anschluss lediglich noch bekantet werden müssen.

„Jetzt müssen wir den Workflow weiter perfektionieren“

Skuthan lobt seine Partner: „Die haben sich kräftig ins Zeug gelegt und auch ein paar ziemlich spezielle, durchgeknallte Sonderwünsche von mir umgesetzt. Die Effekte sind schon heute ganz beträchtlich. Jetzt sind wir gefordert, diese leistungsstarken Werkzeuge sowie den durchgängigen Workflow weiter zu perfektionieren.“ Und gedanklich ist er schon einen Schritt weiter: „Ich frage mich, ob und wofür wir noch Papier in der Fertigung brauchen.“

Na, da sind wir mal ziemlich gespannt, ob es nicht bald schon einen triftigen Grund für einen weiteren Besuch gibt. Für dieses Mal heißt es trotzdem: Drohne in den Käfig, Licht, Mikrofone und Kameras aus und mit einem Staunen über das Gesehene sowie 350 Gigabyte Daten im Gepäck zurück an den Schreibtisch bzw. ins Studio.

www.lebensraum-traum.com

www.holzher.de

www.lamello.de

www.palettecad.com

www.buckoptimal.de

www.christof-hoegemann.de


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