Mensch trifft Technologie: Tischlerei Mhoch3 geht neue Wege in Sachen Digitalisierung

Stark aus dem Team heraus

Köln, 2. Mai 2018. Tischlermeister Norbert Miesner an sein Team: „Ab heute habt ihr die Oberhand in der Werkstatt.“ Seitdem arbeitet Miesner nicht mehr im, sondern am Betrieb. Und das Projekt Digitalisierung wird weit über die technologischen Aspekte hinaus angegangen. Aus dem Team heraus werden Ideen geboren und Strategien entwickelt, die die Tischlerei in eine erfolgreiche Zukunft führen sollen.

von BM-Chefredakteur Christian Närdemann

Norbert Miesners Selbstständigkeit begann 1992 mit einer kleinen Tischlerwerkstatt in Köln. Im Laufe der Jahre ist die Tischlerei einige Male umgezogen – bis Miesner mit seinem Team 2013 in Köln-Ehrenfeld den heutigen Werkstattstandort bezog. Auf rund 2000 m² werden dort anspruchsvolle Projekte im Messe- und Ladenbau realisiert. Hinzu kommt hochindividueller Möbel- und Innenausbau. In puncto Werkstoffvielfalt gibt es dabei keine Grenzen. Die Tischlerei beherrscht neben der obligatorischen Platten- und Massivholzverarbeitung auch Mineralwerkstoff, Alu, Acrylglas, Spezialschäume und vieles mehr. Ebenso hochwertige Lackierungen.

Die Küche/Kaffeebar der Tischlerei befindet sich in der Werkstatt. Während Norbert Miesner mir dort mit einer ziemlich coolen Siebträgermaschine einen hervorragenden Milchkaffee macht, kommen wir ins Gespräch. Er erzählt mir, dass das Team seiner Mhoch3 GmbH aus sehr engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besteht: fünf Gesellen, vier Azubis, zwei Arbeitsvorbereiter (davon ein Architekt und Meister) sowie eine Bürokraft. Zudem sind zwei externe CAD-Spezialisten fest ins Organigramm und technologisch in die Abläufe der Tischlerei eingebunden.

Miesner zeigt mir Zeichnungen einiger realisierter Projekte, darunter ein absolut spektakulärer Messestand für einen Automobilhersteller. „Dieses Projekt steht für das, was wir können und wofür wir stehen: hochindividuelle Projekte, an die sich nicht viele Betriebe rantrauen.“ Dahinter stecken neben viel fachlichem Know-how nicht nur eine komplexe 3D-Konstruktion, sondern auch sehr anspruchsvolle 5-Achs-CNC-Bearbeitungen. „Allerdings sind wir noch gar nicht so lange digital unterwegs. Aber solche Projekte lassen sich nicht mehr mit Standardmaschinen umsetzen.“

Digitalisierung planvoll umgesetzt

Vor fünf Jahren hat Miesner sich dann die Frage gestellt, ob alles weiter klassisch, also mit Standardmaschinen, laufen oder ob er auf Digitalisierung setzen soll. Die Entscheidung fiel dabei für eine „digitale“ Zukunft.

Schnell sei ihm und seinem Team klar gewesen: „Wir brauchen eine richtig durchgängige CAD/CAM-Lösung.“ Nach intensiven Marktrecherchen entschied er sich softwareseitig für das 3D-CAD Topsolid‘Wood in Kombination mit Topsolid‘Cam. Maschinentechnisch hat ihn das 5-Achs-CNC-Bearbeitungszentrum Rover C von Biesse am meisten überzeugt. Doch bei der Einführung ging er planvoll und in Stufen vor: 2015 wurde die CAD/CAM-Lösung angeschafft und von Grund auf gelernt. Ein Jahr später kam die 5-Achs-CNC samt Deckenlaser.

CAD/CAM und CNC durchgängig organisiert

Auf die Konstruktion in Topsolid‘Wood (bei sehr komplexen Freiformen wird Rhino 3D eingesetzt), folgt entweder die Programmgenerierung für die Biesse-CNC mit Topsolid‘Cam und/oder die Daten werden an Kuhnle NG übergeben. Die Branchensoftware generiert dann die Stücklisten und übergibt die Daten an die Zuschnittoptimierung.

Häufig kommen Konstruktionen auch von den zwei fest in die Unternehmensstruktur eingebundenen externen CAD-Spezialisten, die mit ihren eigenen CAD-Lösungen arbeiten. Diese werden dann weitgehend automatisch von Topsolid‘Wood und Topsolid‘Cam eingelesen und bearbeitet. In Topsolid‘Cam greift dabei eine Featureanalyse zum Erkennen und finalen Programmieren der Bauteile.

Die Biesse Rover C 1948 hat einen Arbeitsbereich von 4825 x 1930 x 380 mm. Die endlos rotierende 5-Achs-Frässpindel hat eine Leistung von 13 kW. Für schnelles Rüsten sorgt EPS (elektronisches Positioniersystem der Arbeitstische und Vakuummodule).

Die Rover C von Biesse im 5-Achs-Einsatz bei Mhoch 3 (Video: Mhoch3)
Vormontage in der Werkstatt (Video: Mhoch3)

Break: 2018 geht es Schlag auf Schlag

Mit den neuen und vielfältigen technischen Möglichkeiten stieg die Drehzahl im Unternehmen allerdings nochmals rasant. „Und“, so Norbert Miesner weiter, „irgendwann fühlst du dich wie in einem Hamsterrad.“

Damit meint er nicht nur sich selber, sondern auch seine Mitarbeiter. Selbstkritisch blickt er zurück: „Die Taktzahl beim Messebau ist extrem hoch. Da haben wir leider auch einige Mitarbeiter verbrannt. Das bedaure ich heute sehr.“

Die Lage spitzte sich zu und der Dauerstress ging auch am Triathleten Miesner, der seinen Job liebt und lebt, nicht spurlos vorüber. Zu dieser Zeit war, wie in den allermeisten Betrieben, eigentlich alles auf ihn als Chef zugeschnitten. Er gab vor, was zu tun ist.

Er erinnert sich an ein Schlüsselerlebnis: Am 1. Mai 2018 kam im intensiven persönlichen Gespräch mit Freunden deren klare Ansage: „Norbert, pass auch dich auf.“ Miesner wurde dabei klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Sein persönliches Fazit: Er wollte künftig nicht mehr im, sondern nur noch am Betrieb arbeiten. Dann ging es Schlag auf Schlag. Am nächsten Tag rief er sein Team zusammen und verkündete: „Ab heute habt ihr die Oberhand in der Werkstatt.“

Teamradar auf hoher See

Weil aber bloße Aussagen noch lange keine neue Struktur bzw. Kultur schaffen, ließ er Taten folgen: Bereits im darauf folgenden Monat hat sich das komplette Team im Rahmen eines einwöchigen Segeltörns vor Südfrankreich mit Zukunftsfragen auseinandergesetzt. NLP-Coach Ekkehart Padberg (Padberg-Beratung GmbH) hat das Ganze begleitet, moderiert und die Ergebnisse festgehalten.

Dabei haben die Mitarbeiter sich gemeinsam z. B. mit diesen Kernfragen befasst: Was hält uns zusammen? Wo steht der Betrieb in zehn Jahren? Oder auch: Wozu machen wir das alles? Ergebnis war ein Zehnjahresplan.

Miesner: „Das Schöne an so einem gemeinsamen Segeltörn: Alle müssen zusammenarbeiten und bestens als Team funktionieren. Alleine schafft man das nicht. Das schweißt richtig zusammen. Ganz wichtig: Es geht immer nur um die Sache, persönliche Dinge haben da überhaupt nichts zu suchen.“

Im Juli 2019 ging das Mhoch3-Team erneut eine Woche gemeinsam auf hohe See. Zum einen wurde dabei natürlich reflektiert, was 2018 besprochen wurde. Zum anderen wurden gemeinsam die Kommunikationswege in der Tischlerei definiert. Im Zentrum stand diesmal das „Teamradar“. Das dient dazu, den aktuellen Zustand des Teams abzubilden und von dort aus Lösungen in zwölf Feldern zu erarbeiten. Dank professioneller Unterstützung durch Ekkehart Padberg wurden der Ist-Zustand und die erarbeiteten Lösungsoptionen strukturiert und nachvollziehbar dokumentiert und bilden so eine tolle Basis für die Zukunft.

Verantwortung annehmen und abgeben

Seit Sommer 2018, also gleich nach dem ersten gemeinsamen Segeltörn, setzt die Tischlerei auch auf Kanban. Ziel ist es, den Angebots- und Produktionsprozess transparent zu machen und aktiv Verbesserungen umzusetzen. Unterstützung bei der Einführung erhielt das Team von Enterprise Agile Coach Carolin Salz.

Täglich von 10:00 Uhr bis 10:15 Uhr trifft sich das gesamte Team zur Kanban-Besprechung. Dabei erläutert jeder Mitarbeiter kurz – auf sich persönlich bezogen: Was wurde gestern erreicht? Was soll heute erreicht werden? Blockiert etwas bzw. gibt es absehbare Engpässe? Gemeinsam werden dann Lösungen gefunden. Norbert Miesner ist nur freitags dabei, dann ist Feedbackrunde, in der die Aufträge nachbesprochen werden.

Digitalisierung ist mehr als Technologie

Norbert Miesner: „Digitalisierung erfordert einerseits natürlich eine entsprechend durchgängige Technologie. Ganz besonders wichtig ist es aber, die Menschen mitzunehmen und sie dazu zu bringen, Verantwortung anzunehmen und/oder abzugeben. In diesem Zusammenhang sind auch neue Führungsprinzipien erforderlich.“

www.mhoch3.ag

www.biesse.de

www.topsolid.de/produkte/topsolidwood.html


Mhoch3 setzt auf Kanban und NLP

Kompetente Partner an Bord

Norbert Miesner setzt in Sachen Teambuilding auf zwei grundsätzliche Methoden: Kanban und NLP. Unter Zuhilfenahme dieser Werkzeuge bzw. Prinzipien entwickelt das Team selber optimale Kommunikationswege und macht Prozesse transparent. Das will natürlich gelernt, richtig umgesetzt und auch stetig weiterentwickelt sein. Damit das sichergestellt ist, arbeitet Mhoch3 intensiv mit diesen beiden Experten zusammen:

Carolin Salz

Enterprise Agile Coach

Fokus bei Mhoch3: Visuelles Arbeitsmanagement mit Kanban in der Tischlerei.

https://www.linkedin.com/in/carolin-salz-67395861/

Ekkehart Padberg

Unternehmensberater und NLP Coach

Fokus bei Mhoch3: Wertschätzung schafft Wertschöpfung – das Team als Basis für eine positive Unternehmensentwicklung.

www.padberg-beratung.de



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