Schreinerei Poschner: Schritt für Schritt in die digitale Zukunft

„Zuerst die Software beherrschen“

Wie finden kleine Betriebe zu einer technologisch tragfähigen Zukunftsperspektive? Diese Frage hat Schreinermeister Thomas Poschner mit einer weitblickenden Strategie beantwortet. Seine Wegstrecke startet dort, wo durchgängige Digitalisierung beginnt: mit einer leistungsfähigen 3D-Konstruktionssoftware.

Manfred Maier

Im neu eingerichteten, heimeligen Besprechungsraum blickt Thomas Poschner (31) zurück: „Nach meiner Meisterprüfung in Garmisch standen wir wie viele andere kleine Betriebe vor der Schlüsselfrage: die Schreinerei produktiv weiterführen oder zum Handels- und Montagebetrieb umstrukturieren?“ Keine einfache Entscheidung, Chancen und Risiken wurden sorgfältig gecheckt und abgewogen.

Die Leidenschaft zum Schreinerhandwerk, die Lust mit dem Werkstoff Holz kreativ zu gestalten sowie die nach wie vor guten Marktaussichten waren letztlich stärker. Seit 2014 führt der sympathische Schreinermeister den vom Vater Toni Poschner 1976 gegründeten Betrieb in Schnaitsee/Rupertsham, unweit von Wasserburg am Inn, mit großem Engagement weiter.

Mit heute vier Beschäftigten punktet Thomas Poschner mit individuellem Möbel- und Innenausbau für Privat- und Firmenkunden sowie im Ladenbau bis in den Großraum München. Dabei stehen der Anspruch an hohe Qualität und gute Gestaltung, oft in attraktivem Materialmix, an oberster Stelle. Fenster, Haustüren und Böden von regionalen Zulieferpartnern ergänzen das universelle Leistungsspektrum.

Weichenstellung in die Zukunft

Nach Übernahme der Verantwortung hat Thomas Poschner die Betriebsorganisation, die Fertigungsabläufe und die Werkstattausstattung verbessert, ein neues Branchenprogramm von Kuhnle, später eine Kantenanleimmaschine von Holz-Her und eine gebrauchte Breitbandschleifmaschine von Kündig angeschafft.

Nicht nur hierbei, sondern auch bei der Entwicklung einer passenden Zukunftsperspektive und deren Umsetzung hat ihn sein Vater stets tatkräftig unterstützt. Poschner erklärt: „Eingeschränkt hat uns nur der Geldbeutel, aber von Anfang an war mir klar, dass uns insbesondere der Einsatz moderner Software und die Nutzung der CNC-Technologie weiter bringen kann.“

Während andernorts in dieser Situation oftmals schnell eine CNC angeschafft wird, hat sich Thomas Poschner seinen eigenen Weg in die Zukunft gesucht, sozusagen ganz von vorne: „Die digital durchgängige Prozesskette beginnt schließlich beim Konstruieren mit einem CAD-Programm. Zu allererst wollte ich eine geeignete Software richtig beherrschen!“

Voll parametrisch macht frei

Aus den Erfahrungen in der Meisterausbildung und der detaillierten Bewertung mehrerer CAD-Programme folgte eine pragmatische Erkenntnis: „Richtig zukunftsfähig schien mir nicht etwa eine eher eingeschränkte Korpus-Software, sondern viel mehr ein voll parametrisiertes 3D-CAD-System, das jegliche Konstruktionsaufgabe im individuellen Möbel- und Innenausbau abdeckt.“ Darüber hinaus hatte Poschner eine spätere digitale Datendurchgängigkeit in der Fertigung fest im Blick. Ein Hinweis von seinem Bruder, der im Maschinenbau arbeitet, eröffnete dem Schreinermeister eine neue Perspektive: „Schau Dir doch mal Solidworks an!“

Der Test am Münchener Standort des Anbieters DPS Software GmbH zeigte sich als Schlüsselerlebnis: Thomas Poschner war begeistert und wagte mit Solidworks den Einstieg in die voll parametrisierte 3D-Konstruktionswelt. In einer 10-tägigen Schulung hat er sich in die Grundzüge der Software eingearbeitet, in 3D-Modellen konstruiert und die Anwendung in der betrieblichen Praxis mit stetiger Unterstützung von DPS immer weiter verbessert. Poschner hat sich richtig reingehängt: „Um Sicherheit und Routine zu erreichen, muss man schon erhebliche Zeit investieren.“

Schneller mit der SwoodBox

Für den nächsten Schritt war er ein Jahr später bereit: Poschner installierte das von DPS speziell für den Holz- und Möbelbereich entwickelte Konstruktionsmodul Swood Design, das auf Solidworks aufsetzt. Mit diesem ebenfalls voll parametrisierten 3D-Konstruktionswerkzeug setzt Poschner seine Entwürfe konstruktiv um.

Regelrecht begeistert ist er von der SwoodBox: Dort sind Konstruktionsdetails, Bauteile, Baugruppen oder komplette Möbel – nach betriebsspezifischen Logiken konstruiert und mit allen Parametern jederzeit wieder verwendbar – abgelegt. Aus dieser praktischen Bibliothek sind zudem Beschläge, Verbinder oder andere Zukaufkomponenten mit ihren importierten 3D-Daten abrufbar.

Poschner öffnet einen Grundkorpus, variiert die Außenabmessungen, die Inneneinteilung und das Frontenbild. Per Drag & Drop zieht er dann alle gewünschten Konstruktionsdetails, Verbindundungsbeschläge und Elemente aus der SwoodBox direkt in die 3D-Darstellung und passt sie falls erforderlich an. Sämtliche geometrischen Daten liegen damit vor und der Schrank ist praktisch produktionsreif.

Ähnlich komfortabel lassen sich komplexere Bauteile bis hin zu kompletten Raumlösungen konstruieren. Die SwoodBox, so Poschner, werde stetig komfortabler und schneller: „Mit jedem Auftrag wächst diese Bibliothek mit meinen eigenen Konstruktionsdetails, die ich dann jederzeit wieder parametrisch einsetzen kann.“

Nach der 3D-Konstruktion leistet Swood Design mit der Report-Funktion eine ganze Menge mehr: Per Mausklick entstehen Übersichts- und Fertigungszeichnungen mit Schnitten, Explosionsdarstellungen, Arbeitsdokumente sowie Stück- und Zuschnittlisten, die bei Poschner direkt an das Branchenprogramm übergeben werden. Ein zusätzlicher Vorteil der Report-Funktion: Die gesamte Auftragsdokumentation lässt sich in einem einfachen Webbrowser öffnen und steht, falls gewünscht, praktisch an jeder Stelle der AV oder an den Maschinen zur Verfügung.

Thomas Poschner hebt weitere interessante Vorzüge heraus: „Änderungen, die ja bei vielen Aufträgen vorkommen, lassen sich sehr einfach und komplett durchgängig aktualisieren. Außerdem kann ich 3D-Daten im DWG-Format an Architekten oder Zulieferer weitergeben.“

Nach der Software die CNC

„Von einer CNC-Maschine haben wir dann zwei Jahre lang geträumt“, bemerkt Thomas Poschner mit einem Augenzwinkern. Die ganz große CNC konnte es schon aus Kosten- und Platzgründen nicht sein, gefragt war eine kompakte Lösung.

Fündig wurde Poschner auf der Hausmesse der Firma Maschinen Braun in Geretsried. Dort hat ihn das CNC-Durchlaufbearbeitungszentrum TF 100 2.0 von Masterwood überzeugt. Vor allem die vielseitigen Bearbeitungsmöglichkeiten dieser CNC gaben den Ausschlag für die Investition. Bohren horizontal und vertikal, Formfräsen in der Fläche, Nuten: Die Ausstattung der TF 100 mit 4,5-kW-Fräsaggregat, 16er-Bohrkopf, Nutsäge, 6-fach-Werkzeugwechsler, Winkelgetrieben und Masterworks-Programmiersoftware leistet weit mehr als die Komplettbearbeitung von gedübelten Korpusteilen und Fronten, etwa die horizontale und vertikale Bearbeitung für Clamex-Verbinder von Lamello. Mehr noch: „Neben einem günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis konnte die TF 100 mit einem Winkelgetriebe zum Schlosskastenfräsen an Innentüren aufwarten. Das war uns sehr wichtig“, erklärt Poschner.

Direkt zum CNC-Programm

Mit der Anschaffung der CNC-Maschine war Thomas Poschners digitale Reise aber noch nicht zu Ende. Die Frage „wie sag ich’s meiner Maschine?“ hat der Schreinermeister mit Swood CAM beantwortet. Mit diesem Softwaremodul, sozusagen der Partner von Swood Design, geht es nach der Konstruktion mit wenigen Mausklicks zum CNC-Programm und direkt auf die Maschine. Das Programm zeigt die passenden Werkzeuge und liefert zur Kontrolle eine plastische 3D-Simulation der Bearbeitungsvorgänge, die sich mit der Maus variieren lassen. Die direkte Anbindung des CAM-Moduls an das CNC-Bearbeitungszentrum von Masterwood erfolgte durch DPS.

Komme, was wolle

Thomas Poschners Weg ist für einen Kleinbetrieb zweifellos nicht alltäglich. Die schrittweise Vorgehensweise nach dem Motto „zuerst die Software“ ist absolut schlüssig und hat ihm so manch kostspieligen Umweg erspart. Der Schreinermeister räumt ein: „Der Weg zur vollen Nutzung des CAD/CAM-Systems bis hin zur CNC-Bearbeitung war nicht einfach, aber für mich ist er voll aufgegangen.“ Heute könne er deutlich schneller und flexibler auf individuelle Kundenwünsche reagieren.

Vieles habe sich inzwischen an den PC in der Arbeitsvorbereitung verlagert. „Dafür muss ich“, so Poschner, „viele Auftragsdetails nicht mehr umständlich an Mitarbeiter kommunizieren und durch die CNC-Komplettbearbeitung die Möbelteile nicht noch zehnmal in die Hand nehmen.“ Komme was wolle: „Mit der Offenheit des parametrisierten CAD/CAM-Systems und der Datendurchgängigkeit sind wir auf alle digitalen Erfordernisse der Zukunft bestens vorbereitet.“ Wohlgemerkt: Auch für den schrittweisen Ausbau seiner Schreinerei.

www.schreinerei-poschner.de

www.dps-software.de

www.masterwood-deutschland.de


Der Autor

Dipl.-Ing. (FH) Manfred Maier war viele Jahre BM-Chefredakteur und arbeitet heute als freier Fachjournalist.


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