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BM-Serie, Teil 5: Digitalisierung im Schreiner- und Tischlerhandwerk

BM-Serie, Teil 5: Digitalisierung im Schreiner- und Tischlerhandwerk
Ideenmaschine anwerfen – Lösungen kreieren

In den vorangegangenen Berichten haben wir bereits darüber gesprochen, wie bedeutend es ist, Mitarbeiter in die zukünftige Planung des Unternehmens einzubeziehen und Verantwortung an das Team zu übertragen. Ein weiterer wichtiger Nährstoff für Veränderung, der dabei noch fehlt, sind Ideen, sozusagen der Samen jeder Veränderung.

Markus Faust

Die Frage ist: Wie gehen Sie in Ihrem Unternehmen konkret mit Ideen um? Oftmals werden diese nämlich sehr stiefmütterlich behandelt. Dies zeigt sich z. B. bei Mitarbeitern, die mit einem Vorschlag im Kopf zum Chef gehen und Antworten bekommen wie: „Toll Herr Maier, gute Idee, erinnern Sie mich nächstes Jahr nochmal daran.“, oder: „Jaja, das müssten wir irgendwann mal angehen, aber dafür haben wir jetzt wirklich keine Zeit“. Mit solchen Aussagen nehmen wir die komplette Motivation aus unserem Team heraus. Spätestens nach dem dritten Mal denkt sich der Mitarbeiter: Den Aufwand kann ich mir sparen, es wird ja sowieso nichts geändert. Sie berauben sich so der unternehmerischen Schwarmintelligenz. Das Innovations-Momentum des Unternehmens wird dadurch schwächer und schwächer und schläft irgendwann komplett ein – was äußerst gefährlich ist.

Proaktives Handeln fördern

Hinzu kommt, dass das Thema Ideenentwicklung in Unternehmen häufig komplett reaktiv (passiv) behandelt wird. Getreu dem Motto: Habe ich einen Einfall, setze ich mich damit auseinander. Habe ich keinen, gibt es auch nichts nachzudenken. Sie sollten ein Umfeld schaffen, in dem alle Mitarbeiter proaktiv an der Optimierung des Unternehmens arbeiten. Sich zurückzulehnen und zu glauben, die Mitarbeiter melden sich schon und bleiben hartnäckig, wenn sie eine Idee haben, ist die Ausnahme. So etwas funktioniert nur bei den allerbesten Mitarbeiten, den „A-Mitarbeitern“ – statistisch sind das gerade mal 10 %. Es meldet sich also nur jeder 10. Angestellte aktiv bei Ihnen. Alle anderen kommen erst mit konkreten Gedanken um die Ecke, wenn sie gefragt werden. Es ist also nicht verwunderlich, warum sich viele Firmen beim Optimieren der eigenen Abläufe schwertun. Es fehlt eine Bühne, auf der Verbesserungsvorschläge transparent entwickelt und im Unternehmen platziert werden.

Halten wir fest: Ideen proaktiv zu fördern und sich im Unternehmen damit regelmäßig auseinanderzusetzen, ist ungemein wichtig.

Fortschritte sichtbar machen

Fast noch wichtiger ist jedoch, diese im Anschluss auch erfolgreich umzusetzen.
Denn nur Umsetzung macht Fortschritt sichtbar. Das heißt, wir als Unternehmen brauchen immer den Spagat zwischen Fokus und Kreativität. Die Kreativität, also freie Gedanken, um überhaupt Innovation und Veränderung aufzuspüren – und den Fokus, diese im Anschluss zu bündeln und erfolgreich umzusetzen. Die Schwierigkeit dabei: Mitarbeiter sind von Natur aus entweder mehr der kreative oder der strukturierte Typ. Beides in einer Person zu finden, ist eher selten. Wie kann ich dem entgegenwirken und im Unternehmen eine Ideenmaschine zum Laufen bringen, um Gedankenansätze erfolgreich zu vollenden? Dazu möchte ich ein Werkzeug vorstellen, welches meines Erachtens ideal ist, um dieses Thema in den Griff zu bekommen.

Sie machen einmal im Quartal, bzw. mindestens einmal im Halbjahr ein Meeting mit Ihren Mitarbeitern. Sie können z. B. auch das Büro und die Werkstatt separieren, um Themenbereiche zu clustern. Ziel des Meetings ist es, dass jeder Mitarbeiter einen Verbesserungsvorschlag zum Termin mitbringt. Bei einem quartalsweisen Rhythmus hat jeder Mitarbeiter immer drei Monate Zeit, um einen neuen Verbesserungsimpuls zu entwickeln. Wenn Sie also 10 Angestellte haben und Sie einmal im Quartal ein Meeting durchführen, erhalten Sie dadurch 40 Verbesserungspotenziale pro Jahr. Wenn Sie davon ausgehen, dass erfahrungsgemäß die Umsetzungsquote bei ca. 80 % liegt, wären dies über 30 Optimierungen pro Jahr – und das kontinuierlich und automatisiert. Sie können im Vorfeld zu diesem Termin ein Dokument oder auch ein Whiteboard zur Verfügung stellen, in dem die Ideen „geparkt“ werden können.

Ideenmeetings ansetzen

Der Termin läuft so ab: Jeder Teilnehmer bekommt eine Minute Sprechzeit. (Tipp: Nutzen Sie eine Stoppuhr, ansonsten arten die Dialoge zeitlich zu schnell aus.) In dieser Minute stellt der Mitarbeiter seine Idee vor, erklärt konkret den potenziellen Nutzen und gibt den dafür notwendigen Geld- bzw. Zeitaufwand an. Im Anschluss wird eine kurze Umfrage gestartet, in der direkt abgestimmt wird. Jeder Teilnehmer hat genau ein Stimmrecht – ebenso der Chef. Es wird also sofort entschieden, ob der vorgetragene Ansatz umgesetzt wird oder nicht. Ganz wichtig: Wird die Idee bejaht, ist immer derjenige, der diese präsentiert hat, auch der Umsetzer. Er wird somit vom Ideengeber zum Projektleiter. Selbst wenn es ein Thema ist, welches er selbst nicht lösen kann (z. B. ein komplexeres IT-Thema bei dem die notwendigen Kenntnisse fehlen) bleibt er verantwortlich für die erfolgreiche Umsetzung. Beim nächsten Termin (z. B. 3 Monate später) wird kurz zurückgeblickt, was die letzten beschlossenen Vorschläge waren und ob diese erfolgreich umgesetzt wurden – so ist auch automatisch ein Prüfmechanismus vorhanden.

Der große Vorteil bei diesem Automatismus ist Kontinuität – es geht nicht nur darum, Themen anzusprechen, sondern auch um das Handeln und darum, selbstständig Dinge umzusetzen. Sie fördern Ihre Mitarbeiter darin, unternehmerischer zu denken, denn Sie müssen ihre Idee ja auch wirtschaftlich vor dem Team „verkaufen“. Ein weiterer Vorteil: Nicht nur zwei Augen laufen durchs Unternehmen und suchen nach Verbesserungen, sondern viele. Jeder Mitarbeiter kennt seinen Arbeitsplatz am besten. Er weiß genau, welche Hindernisse seine Effektivität einbremsen. Machen Sie sich das zu nutzen. Selbst wenn der Verbesserungsvorschlag des Mitarbeiters dann noch nicht ideal ist, ist man zumindest schon einmal dem Problem auf die Schliche gekommen und kann sich in der Gruppe damit weiter auseinandersetzen.

Eigenverantwortung belohnen

Aber was tun, wenn jemand keine neue Idee hat? Ganz einfach, dann nimmt er auch nicht am Meeting teil. Das fördert zusätzlich das Leistungsdenken und gibt Ihnen als Führungskraft einen guten Einblick, wie intensiv sich ein Mitarbeiter wirklich für Ihr Unternehmen interessiert. Wenn Sie das Thema mit noch mehr Ansporn gestalten möchten, können Sie nach einem gewissen Zeitraum über die „Idee des Jahres“ abstimmen lassen und das Ergebnis belohnen.

In jedem Unternehmen schlummert noch so viel Potenzial, beginnen Sie damit, es auch auszuschöpfen. Selbstverständlich werden bei der Umsetzung auch Fehler passieren – vielleicht ist die eine Idee zu einer anderen kontrovers, oder es stellt sich die angestrebte Lösung doch als nicht so perfekt heraus. Das ist alles ganz normal und natürlich. Wie wir uns in einem solchen Fall Verhalten sollten und wie wir die notwendige Balance zwischen Innovation und Konsolidierung im Unternehmen finden, darüber sprechen wir im nächsten Bericht.


Digitalisierung im Handwerk

Die BM-Serie im Überblick

Digitalisierung wagen – leichter gesagt als getan. In dieser BM-Serie zeigt Markus Faust Einblicke in den digitalen Wandel im Schreiner/Tischlerhandwerk und gibt wertvolle Tipps und Anregungen.

Die monatliche Miete zahlen

Die Exitstrategie als Wegweiser

Lerne die Glaskugel zu lesen

Verlernen ist wichtiger als lernen

Die Ideenmaschine anwerfen

Schritt für Schritt erfolgreich


Der Autor

Markus Faust ist Dipl.-Ing. (FH) Holztechnik und hilft Schreinern und Innenausbauern dabei, schlanke und performante (Vor-)Fertigungsprozesse im Unternehmen aufzubauen. Die Auswahl und Integration von schlüsselfertigen CAD/CAM-Systemumgebungen ist dabei die Basis.

www.av-line.de


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