CAD/CAM: Auswahl mit System

Was zählt, ist die Zeit im Ziel

Wussten Sie, dass etwa 40 % aller IT-Projekte scheitern? Oder dass der Kostenrahmen bei Softwareeinführungen im Schnitt um 27 % überschritten wird? Bei jedem sechsten Projekt sogar um über 200 %. Lesen Sie, warum das so ist und wie Sie es besser machen können. Und vertiefen Sie Ihr Wissen in einem praxisnahen, exklusiven Webinar für BM-Leser.

Markus Faust

Wenn man diese Zahlen liest, ist es kein Wunder, dass viele Schreiner, Tischler und Innenausbauer vor einer CAD-Umstellung zurückschrecken bzw. sehr vorsichtig bei der Auswahl vorgehen. Dieser Beitrag und das darauf aufbauende Webinar sollen Ihnen helfen, zu den sechs von zehn Tischlern und Schreinern zu gehören, die diesen wichtigen Schritt erfolgreich meistern.

Achtung: Die Präsentation ist nicht alles!

In der Praxis kann man häufig folgende Vorgehensweise beobachten: Ein Schreiner ist mit der Performance im Unternehmen unzufrieden und sucht das Heil in einem neuen Werkzeug. Er geht auf Messen, um einen allgemeinen Überblick zu bekommen, befragt Kollegen zu einer bestimmten Software und erhält dabei kontroverse Antworten. Er lässt sich vom Softwarehaus eine Demo geben, holt sich vielleicht noch eine 30-Tage-Testlizenz – nur um festzustellen, dass man damit nicht wirklich viel anfangen kann. Am Ende entscheidet er sich für die Software, bei der die Präsentaton am besten überzeugt und die Maus am schnellsten bewegt hat. Nüchtern betrachtet kauft er die Präsentation und nicht das Produkt. Wenn es dann doch nicht so läuft wie erhofft, werden Ausreden gesucht, warum es beim Kollegen funktioniert und nicht bei ihm. Zugegebenermaßen ist diese Schilderung etwas überspitzt, aber im Kern dennoch richtig.

Definieren Sie, was Sie brauchen

Es fängt bereits bei der unterschiedlichen Auslegung der Begrifflichkeiten an. Eines der am meisten benutzten Wörter beim Thema CAD/CAM ist „Durchgängigkeit“. Das Wort hat keine klare Definition. Für den einen bedeutet durchgängig, wenn er seine Maschinen mit einem USB-Stick digital füttern kann. Für den anderen fängt Durchgängigkeit erst an, wenn in der Fertigung die Kantenreihenfolgen bei zusammengesetzten Furnierteilen vollautomatisch und vor allem korrekt ankommen.

Deswegen: Konzentrieren Sie sich mehr auf Ihr Unternehmen und weniger auf die Aussagen von außerhalb. Bevor Sie am Markt mit der Suche beginnen, sollten Sie sich besser erst einmal darüber klar werden, was Sie überhaupt brauchen. Vorsicht: Nicht zu verwechseln mit „was sie wollen“! Fragen Sie sich stattdessen lieber, was Ihr neues CAD-System können und leistenn muss, damit es sich möglichst nahtlos ins Unternehmen integriert und Sie am Ende das Maximale rausholen können.

Definieren Sie also unbedingt erst Ihre 100-%-Lösung im Kopf. Und ja, man darf an dieser Stelle auch mal etwas träumen. Höchstwahrscheinlich werden Sie die gewünschten 100 % nie am Markt finden, doch so sind Sie in der Lage, das Ihrem Ideal am nächsten liegende Werkzeug zu finden.

Produkte, Mitarbeiter, Prozesse

Drei wesentliche Faktoren müssen mit Ihrer neuen Software unbedingt harmonieren: Das sind Ihre Produkte, Ihre Mitarbeiter und natürlich auch Ihre Prozesse.

Schauen wir uns als erstes das Produkt an. Warum ist diese Komponente so wichtig? Ist es der Software nicht egal, ob Sie einen Einbauschrank oder eine Theke zeichnen? Antwort: Jein! Hier ist es hilfreich, zunächst einen Blick auf die Wertschöpfung zu werfen.

Die Wertschöpfung ist der Gradmesser, an dem Kunden gerne bereit sind, Geld zu investieren. Weiß der Kunde Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung zu schätzen, sieht er darin Wert. Das bedeutet: Überall dort wo Wertschöpfung ist, ist der Kunde auch bereit, Geld auszugeben. Wertschöpfung findet dabei nicht nur am Produkt selbst, sondern auch durch die Dienstleistung bzw. den Service rund um das Produkt statt.

Beispiel: Falls Ihre Kunden Privatpersonen sind, kann eine saubere 3D-Präsentation, bei der das zukünftige Produkt realitätsnah dargestellt wird, absolut wertschöpfend sein. Der Kunde könnte in etwa so denken: „Hier kostet die Küche zwar 900 Euro mehr als beim Wettbewerber, aber aufgrund der detaillierten Präsentation bin ich mir sicher, dass ich die Küche auch so bekomme wie ich sie mir vorstelle. Der Aufpreis ist es mir wert.“ Der Kunde zahlt praktisch 900 Euro für Sicherheit. Oder anders ausgedrückt: Ihre Präsentation hat in diesem Fall einen Wert von 900 Euro.

Im B2B-Bereich sind möglicherweise Termintreue, Nachvollziehbarkeit oder auch die Reaktionsschnelligkeit entscheidende Wertschöpfungsträger. Der Blick auf die Wertschöpfung ist deshalb so wichtig, weil Ihre neue Software die Stärken genau an den Stellen der höchsten Wertschöpfung haben sollte. Am Beispiel des Küchenbauers heißt das konkret: Präsentationsfähigkeit ist genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger, als ein mögliches Nestingmodul, da die Materialeinsparung wahrscheinlich keine 900 Euro rausholen wird. Jeder Betrieb hat andere Anforderungen: Ein Gastronomieeinrichter sollte im Bereich Variantenkonstruktion stark sein, ein Vitrinenbauer eher bei den Profilen, usw.

Faktor Mensch von zentraler Bedeutung

Ein zweiter, nicht weniger wichtige Faktor ist der Mensch. Es gibt nun mal software-affine, strukturierte Mitarbeiter und es gibt kreative Pragmatiker. Beide Persönlichkeiten sind gut und wichtig für das Unternehmen und man findet sie in jeder Altersklasse. Doch wenn Sie als Arbeitgeber einen „Macher“ vor eine datenbankgesteuerte Software setzen, stellt sich nur die Frage wer als erster das Unternehmen verlassen wird: Der Mitarbeiter oder die Software? Diese Kombination kann nicht funktionieren.

Es gibt tendenziell einfache oder komplexere CAD-Werkzeuge. Doch komplex bedeutet nicht automatisch schlecht! Strukturiert veranlagte Mitarbeiter werden sich mit der Komplexität sogar wohlfühlen und der Gesamtprozess wird im Endeffekt erheblich effizienter sein, als mit einem einfachen Werkzeug. Haben Sie hingegen Mitarbeiter, die bereits mit der Einhaltung von Ordner- und Dateistrukturen überfordert sind, braucht es auch beim CAD-System eine einfache Lösung, welche alle nötigen Freiheiten bereithält.

Prozesse unter die Lupe nehmen

Der dritte und wahrscheinlich wichtigste Faktor sind die Prozesse. Stellt sich zunächst die Frage: Was ist eigentlich ein Prozess? Antwort: Ein Prozess ist eine wiederkehrende Abfolge definierter Vorgänge.

Sich einmal alle internen Prozesse vor Augen zu führen und diese zu Papier zu bringen, ist ein wichtiger Schritt, der jedoch nur der Anfang sein kann. Das neue System soll Ihnen die kommenden zehn Jahren helfen und es wäre zu eng gedacht, nur die Vergangenheit zu spiegeln und die Zukunft außen vor zu lassen. Wir brauchen neben der Ist- auch eine Soll-Analyse. Am einfachsten lässt sich diese über die aktuellen Prozesse ableiten, indem man alle Bereiche markiert, die derzeit nicht ganz rund laufen. Daraus resultierend erarbeitet man sich den idealen Soll-Prozess.

Wenn Sie sich alle Prozesse vor Augen geführt haben, durchleuchten Sie Ihr Unternehmen nach Aktion und Reaktion. Stellen Sie sich die Frage, wie viel Prozent der Arbeitszeit innerhalb der Konstruktion und AV auf reagierenden und wie viel Prozent auf agierenden Prozessen basieren. Falls der Anteil der Reaktion deutlich überwiegt, haben Sie nur zwei Möglichkeiten: Entweder Sie ändern Ihre Unternehmensprozesse, damit Sie deutlich mehr agieren anstatt zu reagieren, oder Sie vergessen den Traum von wirtschaftlich durchgängigen 3D-CAD-Prozessen und zeichnen weiter in 2D.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch! Ich bin ein starker Befürworter von durchgängigen CAD/CAM Strukturen, da sie dem Unternehmen durchschnittlich 5 bis 8 % mehr Rendite einbringen. Meine Erfahrung hat mich jedoch gelehrt, dass dies nur funktionieren kann, wenn Sie nicht den ganzen Tag Feuer löschen und ständig auf Änderungen von Architekten oder sonstige Ereignisse reagieren müssen. Hier bedarf es der Unterscheidung zwischen Symptom und Ursache. Wenn ein CAD-System nicht funktioniert, ist das nämlich ganz oft nur ein Symptom. Die durch und durch reagierenden Prozessstrukturen sind die eigentliche Ursache.

Was zählt, ist nur die Zeit im Ziel

Folgendes sollten Sie nie vergessen: Ihre Prozesse müssen zum Werkzeug passen und Ihr Werkzeug zu Ihren Prozessen. Mit einem 911er-Porsche offroad zu fahren, ist genauso sinnfrei, wie sich mit einem Family-Van auf der Rennstrecke mit einem Sportwagen zu duellieren. Ein CAD-System kann immer nur dienen und niemals führen.

Die Führung übernimmt immer Ihr Prozess. Haben Sie Ihren Prozess analog nicht im Griff, wird Ihnen das im Digitalen definitiv auch nicht gelingen. Sofern sich nicht mindestens 60 % der Prozesse im agierenden Zustand befinden, lassen Sie die Finger von neuen CAD-Systemen und legen den Fokus zunächst einmal auf das Agieren.

Länger konstruieren? Passt!

Zusätzlich ist es noch eine Frage der Ausgangssituation. Haben Sie derzeit ein 2D-System im Einsatz oder nutzen Sie bereits ein 3D-System und wollen umsteigen? Im ersten Fall müssen Sie die Bereitschaft mitbringen, dass sich nahezu all Ihre Prozessstrukturen ändern werden. Sie können nicht mit den Prozessstrukturen eines 2D-Systems in 3D erfolgreich werden. Das wird nicht funktionieren. Ein Musterbeispiel ist der Yachtinnenausbau. Von der Werft bis hin zur Freigabezeichnung sind sehr viele Strukturen auf das Vorgehen im 2D adaptiert. Es ist also kein Wunder, dass die Erfolge gerade in dieser Branche noch überschaubar sind.

Kommt das System erst einmal ins Laufen, ist es Zeit für einen Vorher/Nachher-Vergleich. Schließlich wollen Sie ja wissen, ob sich das Ganze überhaupt gelohnt hat. Das scheinbar einfachste Messinstrument ist die Abteilungs-Stoppuhr: Für ein vergleichbares Projekt hat man mit dem alten System zehn Stunden gebraucht; mit dem neuen System benötigt Ihr Konstruktionsteam nun zwölf Stunden. Das drängt regelrecht zur vorschnellen Meinung, dass der Umstieg definitiv die falsche Entscheidung war: Das neue System ist nicht nur teurer – nein, die Mitarbeiter brauchen auch noch länger!

Im Zuge der Digitalisierung zählen jedoch keine Zwischenzeiten der einzelnen Abteilungen, sondern ausschließlich die Zeit im Ziel (Wirtschaftlichkeit). Wenn man das Verhältnis Arbeitsvorbereitung/Fertigung betrachtet, dann befinden sich knapp 20 % der Projektstunden innerhalb der AV. Die anderen 80 % entstehen in der Fertigung.

Entscheidend ist nicht nur die absolute Zeit, sondern insbesondere auch der Hebel. Dieser ist in der Fertigung deutlich höher – in diesem Beispiel viermal so groß. Wollen Sie einen sauberen 3D-CAD-Prozess integrieren, werden sich Ihre AV-Zeiten um 10 bis 20 % erhöhen. Sie lesen richtig – erhöhen! Doch ziemlich genau den gleichen Prozentsatz holen Sie auf der anderen Seite in der Fertigung wieder rein. Nur mit einem vierfachen Hebel!

Deswegen sollten Sie bei der Auswahl von CAD-Werkzeugen auch den Fokus auf die Fertigung legen. Das Dumme ist nur, dass die Auswahl meistens von Konstrukteuren getroffen wird. Diese beachten ihre Abläufe und erstellen ein Lastenheft, das sich primär auf den Anforderungen innerhalb der Konstruktion bezieht. Schließlich müssen sie die Zeiten ihrer Abteilung vor der Geschäftsleitung verantworten. Es geht aber nicht um schöne, schnelle Zeichnungen, sondern um schnelle, effiziente Fertigungsabläufe!

CAD/CAM-Webinar exklusiv für BM-Leser

Damit auch Sie Ihre Fertigungsabläufe in der Zukunft weiter optimieren können, haben Sie die Möglichkeit, an einem auf diesem Bericht aufbauenden, kostenlosen Webinar teilzunehmen. Und zwar kostenlos und exklusiv für BM-Leser – damit der Umstieg reibungslos gelingt und Sie in Zukunft Spaß und richtig viel Erfolg mit Ihrem CAD/CAM-System haben! Mehr Infos und die beiden Termine finden Sie im Kasten auf der gegenüberliegenden Seite.

Wollen Sie einen sauberen 3D-CAD-Prozess integrieren, werden sich Ihre AV-Zeiten um 10 bis 20 % erhöhen. Doch ziemlich genau den gleichen Prozentsatz holen Sie auf der anderen Seite in der Fertigung wieder rein. Allerdings mit einem vierfachen „Hebel“!

Exklusiv für BM-Leser

Kostenloses CAD/CAM-Webinar: Sichern Sie sich Ihren Platz!

Exklusiv für BM-Leser bietet Autor Markus Faust das auf diesem Beitrag aufbauende, kostenlose Webinar „CAD/CAM für Ein- und Umsteiger – mit System statt Stress“ an.

Termine

  • 4. Juli 2019, 18:00 Uhr
  • 22. August 2019, 18:00 Uhr

Anmeldung

Hier geht’s zur Anmeldung. Scannen Sie einfach den QR-Code oder geben Sie den Link in Ihren Browser ein. Sichern Sie sich Ihren Platz in einem der beiden auf jeweils 25 Teilnehmer begrenzten Webinare!

www.av-line-consulting.de/webinar-bm


Der Autor

Markus Faust ist Dipl.-Ing. (FH) Holztechnik und Berater für effektive Arbeitsvorbereitung im Innenausbau. Er unterstützt Schreiner und Tischler bei der Auswahl und Einführung von CAD/CAM- und ERP-Systemen.

www.av-line-consulting.de


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