Austauschprogramm für junge Handwerker. Arbeiten unter südlicher Sonne - BM online

Austauschprogramm für junge Handwerker

Arbeiten unter südlicher Sonne

Den eigenen Horizont erweitern, mal im Ausland arbeiten und dazu noch eine neue Sprache lernen. All das hat Schreinergeselle Christof Weiler aus Waiblingen während eines dreimonatigen Lern- und Arbeitsaufenthaltes im toskanische Volterra erlebt. Lesen Sie hier seinen begeisterten Erfahrungsbericht und warum er die Teilnahme gerne weiterempfiehlt.

Christof Weiler

„Durch meinen Chef habe ich zum ersten Mal vom Projekt Erasmus+ in der Toskana erfahren. Da schon mehrere ehemalige Azubis meines Betriebes an diesem Projekt teilgenommen haben, war ich direkt Feuer und Flamme. Auch in der Berufsschule wurde auf das Projekt aufmerksam gemacht. Nach kurzer Bedenkzeit entschloss ich mich dazu, eine Bewerbung zu schreiben. Die Zusage kam dann recht schnell, was mich sehr freute.

Das erste offizielle Treffen war die Vertragsunterzeichnung im Hauptgebäude der Handwerkskammer Region Stuttgart, bei dem auch schon die italienische Delegation anwesend war. Spätestens als ein ehemaliger Teilnehmer des Projektes von seinen Erfahrungen berichtete, war ich überzeugt davon, dass mir einmalige drei Monate bevorstanden. Schon hier konnte man die unglaubliche Gastfreundschaft der Italiener spüren.

Im November 2017 fand dann ein zweitägiges Vorbereitungstreffen statt, an dem Fahrgemeinschaften, Finanzierungen und Putzpläne besprochen wurden – es muss dann doch einiges geklärt werden, wenn 16 junge Handwerker drei Monate zusammen in einem Haus wohnen.“

Winterliche Anreise

„Am frühen Morgen des 4. Januar 2018 ging es dann tatsächlich los in die Toskana, genauer gesagt nach Volterra. Nach einer sehr schneereichen Fahrt über den Brenner kamen wir am frühen Abend im „Il Vile“ in der Nähe von Volterra an. Das Haus in dem wir drei Monate leben sollten gehört den ortsansässigen Naturfreunden, die uns sehr herzlich begrüßten und auch für ein ausgelassenes Abendessen sorgten. Direkt am nächsten Tag ging es mit dem Sprachkurs in der Villa Palagione, einem interkulturellen Lernzentrum, los. Unsere beiden Sprachlehrerinnen, die nur Italienisch sprachen (so dachten wir …), stellten das Programm für die nächsten vier Wochen vor – denn so lange sollte der Sprachkurs dauern.

Neben dem täglichen Sprachunterricht standen verschiedene Exkursionen auf dem Programm. Zunächst gab es eine Stadtführung durch das mittelalterliche Volterra. Außerdem hatten wir die Chance, die Alabaster-Werkstatt von Signore Rossi zu besichtigen, der uns später in einem zweitägigen Kurs die Möglichkeit bot, die Bearbeitung des berühmten Steins zu erlernen. In Pontedera besuchten wir den Motorroller-Hersteller Piaggio und das angeschlossene Vespa-Museum. Weitere Besuche und Ausflüge führten uns nach Vinci in das Leonardo-da-Vinci-Museum und in eine ehemalige Kupfermine in Montecatini. Wir machten einen Sicherheitskurs, besichtigten die Klosterruine Badia Calmadolese, sahen uns das Etrusker-Museum an und besuchten das Geothermie-Kraftwerk in Larderello. Am Meer in San Vincenzo konnten wir Ende Januar sogar schon baden.

Am Ende des Sprachkurses werden traditionell alle Beteiligten des Projektes von den Erasmini bekocht. Unser Vorteil: Durch unsere drei Konditorinnen und einen Metzger konnten wir ein typisch deutsches Essen anbieten.“

Praktischer Arbeitseinsatz

„Ab Anfang Februar fingen dann alle 16 Junggesellen und -gesellinnen – darunter eine Fleischereifachverkäuferin, ein Metzger, zwei Dachdecker, ein Anlagenmechaniker, drei Konditorinnen, zwei Schreiner/innen, ein Metallbauer, ein Zimmermann, zwei Maler und Lackierer/innen und zwei Stuckateur/innen – an in unterschiedlichen Bereichen zu arbeiten. Mein Einsatzort war zusammen mit dem Metallbauer David, dem Zimmermann Marco und der Schreinerin Verena in der Stiftung der ortsansässigen Sparkasse (Fondazione Cassa di Risparmio di Volterra). Dort gab es unterschiedliche Aufträge zu erledigen.

Zunächst galt es im neu renovierten Teil des riesigen Gebäudes zwei große Windfänge aus Corten-Stahl abzuschleifen und mit einem speziellen Lack zu versiegeln, was einige Zeit in Anspruch nahm. Später teilte sich die Gruppe auf, denn in der SIAF (eine internationale Studieneinrichtung) sollte ein stabiler Arbeitstisch aus Stahl entstehen. Diese Aufgabe übernahmen zunächst David und Marco, doch wir wechselten im Laufe der Zeit immer wieder durch.“

Neues bauen und Altes erhalten

„Das wichtigste Projekt für uns Schreiner war ein großer Tisch, der im Empfangsbereich der Stiftung aufgestellt werden sollte. Auf eine Tischlerplatte leimten wir kleine Rechtecke aus Eiche (ital. Quercia), die wir in einem großen Fischgrätenmuster anordneten – ein Muster, das sich auch in vielen Steinböden der Stiftung findet. Da die Maschinenauswahl sehr begrenzt war, schliffen wir den kompletten Tisch mit einem Exzenter- und einem Schwingschleifer, was bei Höhenunterschieden von 2 bis 3 mm viel Zeit in Anspruch nahm. Die Arbeiten fanden in einem Raum der Stiftung statt, da uns keine wirkliche Werkstatt zur Verfügung stand, was aber überhaupt kein Problem war. Ein ortsansässiger Schreiner versorgte uns mit Maschinen, Zwingen und allem Weiteren.

In die Tischfläche frästen wir das Logo der Stiftung sowie den Schriftzug „Erasmus 2018“ ein, wobei wir die ausgefrästen Bereiche teilweise mit gefärbter Spachtelmasse, teilweise mit Buchsbaum füllten. Die Oberfläche wurde geölt und das Gestell dafür stellte unser Metallbauer her. Weitere Aufgaben für uns waren das Abschleifen, Lasieren und Lackieren einiger Fenstern und die Reparatur und Restaurierung von Türen im älteren Teil des Gebäudes. Viel zu tun, doch die Zeit verging wie im Flug und Ende März ging es dann für alle schweren Herzens wieder nach Hause. Das Arbeiten mit den italienischen Kollegen war trotz der anfänglichen sprachlichen Barrieren super entspannt und hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Ich kann nur jedem empfehlen, sich für dieses Projekt zu bewerben!“ (hf)

Weitere Infos zum Volterra-Projekt sind auf der Homepage der Handwerkskammer Region Stuttgart unter der Rubrik „Weiterbildung/Auslandsaufenthalt“ zu finden.

www.hwk-stuttgart.de

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