Akademie für Gestaltung der HWK Münster

Designer des Handwerks

Wie kann es nach der Ausbildung im Handwerk noch weitergehen? An der Akademie für Gestaltung der Handwerkskammer Münster ist ein Designstudium möglich. Die Abschlussarbeiten der 32 Absolventen im Juli 2019 geben einen Einblick in die gestalterische Vielfalt.

Anna-Katharina Ledwa

Haus Kump, ein denkmalgeschützter Hof und eines der ältesten Anwesen im Münsterland, beherbergt heute die Akademie für Gestaltung. Als Blickfang erhalten wurde der beeindruckende Speicher des Hofes, erbaut Mitte des 16. Jahrhunderts. In den modern sanierten Gebäudeteilen, die sich mit dem Speicher um einen platzähnlichen Innenhof ansiedeln, findet das bunte Treiben der Akademie statt. In diesem Sommer haben 32 Studierende der Gestalterschule die Prüfung zum Designer (HWK) abgelegt. Als Abschlussarbeit wird ein Projekt realisiert, das einer umfassenden Dokumentation, Aufbereitung und Präsen
tation bedarf. Neben Tischlern finden sich auch andere gestalterische Gewerke in dem Studiengang wieder. Dadurch entsteht ein wertvoller, interdisziplinärer Austausch untereinander. Oft entwickeln sich hier zudem Kooperationsprojekte verschiedener Gewerke. Produktdesign, Innenraumplanung und Corporate Design sind einige der Bereiche mit denen sich die Absolventen in ihren Arbeiten befasst haben. Hier ein Querschnitt durch die Ausstellung.

Anziehendes Lila

Lea Heider entwirft die Möbelkollektion Betty. Betty ist Lila und Lila eine mutige Farbe. Aus gewalztem Blech und durchgefärbtem MDF (Valchromat) sind Esstisch, Beistelltisch und Sitzgelegenheiten entstanden. Die gelernte Tischlerin hat einen Tisch zum Zusammenkommen geschaffen, an dem gerne gemeinsam Dinge erlebt werden. Das allem zugrunde liegende Element der Viertelrundung bildet eine umgreifende fast schon umarmende Geste. „Durch meine Gestaltung möchte ich in anderen etwas bewegen,“ fasst Lea Heider ihren Gestaltungsansatz zusammen.

Meisterliche Produktpalette

Kai-Stefan Masopust plant den Ausbau seines Designlabels und die Erweiterung der dazugehörigen Produktpalette. Der Tischlermeister und Designer (HWK) macht nach seinem Abschluss direkt mit der Selbstständigkeit weiter. Für das Label „Er und Sii Formdesign“ entwickelte er unter anderem Tisch, Kleiderständer und moduleres Regalsystem. Alles in Ergänzung zu seinem meisterlichen Stuhl.

„Der Start in die Selbstständigkeit ist nicht leicht. Gleichzeitig werde ich in Teilzeit eine Anstellung als Meisterdesigner in Münster starten,“ ergänzt der Tischlermeister.

Raum für Begegnungen

Linda Wewering und Jan Beckamp realisieren die Planung des Innen- und Außenbereiches sowie das CI der Trafostation. Ein Ort der Integration und des kulturellen Austausches. Die beiden – sie Gestalterin für visuelles Marketing und er Tischler – präsentieren ein Konzept mit Präsentationsflächen für Kunst und Produktdesign. Mit viel Einsatz und vor allem Eigeninitiative wurde ein Teil der Planung bereits umgesetzt. Logo, Bestuhlung und Stehtische, Shirts, Hoodies und eine gelbe Tür gibt es schon!

Kulturübergreifend

Linda Busen und René Pusch, beide Raumausstatter, kannten sich schon aus der Lehre. Gemeinsam ging es dann an die Akademie in Münster. Ebenfalls gemeinsam planten sie ihre Abschlussarbeit. Die Gesellin und der Meister entwickelten Raumkonzept und CI für eine Cafébar. Mexikanisch, traditionell und modern. Gespickt mit auffälligen Elementen, wie Drucken und typisch gemusterten Fliesen. „Carajillo ist ein mexikanischer Kaffee mit Schuss. Die Bar soll die typischen Merkmale der südamerikanischen Kultur nur als Akzente zeigen. Wir wollen keine Klischees bedienen,“ betonen die beiden Raumausstatter.

Lebenswerte Großstädte

Janina Schütte und Niklas Schulz befassen sich mit dem Thema des sozialen Wohnens im urbanen Raum. Hierzu entsteht ein Ausstellungsentwurf, der durch verschiedene Städte in Deutschland reisen möchte. Allen voran natürlich Münster. „Hier sind Ausstellungsort und Termin schon ins Auge gefasst,“ erzählen die Raumausstatterin und der Tischler.

Wohlfühlen im Innenraum

Valentin Li, gelernter Tischler, hat in engem Austausch mit einem Architekturbüro die Innenraumgestaltung für eine Arztpraxis geschaffen. Hier steht die 3D-Visualisierung im Vordergrund, da das Projekt (noch) nicht umgesetzt wurde. Helle, offene Räume mit reichlich Licht, viel Weiß und geschwungenen Elementen spielen die Hauptrolle.

Reduziertes Design

Enzo Sundermann und Wladimir Rommel – zwei, die sich in einer Designmarke vereinen wollen: Suro. Der Tischler und der Feinwerkmechaniker planen mit ihrer Arbeit die eigene Selbstständigkeit – inklusive Konzept, Auftritt und Produktentwicklung. Federleicht und grazil kommt ihr Stuhl daher mit seiner hauchdünnen, formverleimten Sitzfläche und Lehne, nahezu unsichtbar verbunden mit einem Stahlrohrgestell. Und die Leuchte: auffällig aber schlicht. Geometrische Formen und volle Funktionalität. „Wir gründen nach dem Abschluss unser Designbüro. Unsere beiden Gewerke ergänzen sich perfekt. Die Freundschaft und Zusammenarbeit ist während des Studiums entstanden,“ so Enzo Sundermann und Wladimir Rommel.

Flexible Entspannung

André Stadler baut ein Floß für Sonnenstunden auf dem Bodensee. Zerlegbar, transportabel und mit Elektromotor. Der aus der Bodenseeregion stammende Tischler hat seinen Prototypen schon zu Wasser gelassen. Das Floß mit einem Deck aus umweltfreundlicher Thermo-Esche trägt bis zu vier Personen. Den Auf- und Abbau kann eine Person innerhalb von
45 Minuten allein erledigen. Erholung auf dem Wasser – inklusive Sonnenschutz!

Ein neuer Anfang

Nach dem Studium trennen sich die Wege der meisten Studierenden wieder. So fängt Linda Busen, 24 und gelernte Raumausstatterin, als Planerin und Designerin in einer Firma in ihrer Heimatstadt an. René Pusch, 29 und Raumausstattermeister, fängt eine Projektleiterstelle bei einem großen Textilunternehmen in Bielefeld an. Europaweit reisen ist hier gefragt. Die beiden sind sich auf jeden Fall sicher: „Das Studium an der Akademie hat uns bereichert. Besonders die Interaktion mit anderen Gewerken war ein tolles Erlebnis und hat die Arbeit befruchtet.“

Andere, wie Sundermann und Rommel oder Masopust, bleiben in Münster und starten in die Selbstständigkeit. Als Autorendesigner mit vielen Ideen im Gepäck müssen nun Netzwerke gesponnen und Kunden akquiriert werden. Ob auf geradem Weg oder über Umwege, jeder der Absolventen wird seinem Ziel in kleinen und großen Schritten näher kommen.


Die Autorin

Anna-Katharina Ledwa ist Tischlerin und Projektgestalterin (HWK), arbeitet als Gesellin in der AV und entwickelt nebenberuflich eigene Produkte.

www.annaledwa.de


Solide Weiterqualifikation

Die Akademie für Gestaltung der Handwerkskammer Münster bietet Interessierten handwerklich ausgerichtete Studiengänge. Ob Tischler, Raumausstatter oder Feinwerkmechaniker, hier lernen Handwerksgesellen, aber auch Meister, engagiert und professionell zu gestalten.

Man hat die Auswahl zwischen den Studiengängen „Gestalter im Handwerk“ (Dauer 3 Semester), „Designer HWK“ (Dauer 6 Semester) oder „Meister und Designer HWK“ (Dauer 6 Semester) mit begleitender Meisterschule.

Die Abschlüsse sind anerkannt nach HwO, als Einstiegsvoraussetzung gilt eine abgeschlossene Berufsausbildung. Alle drei Studiengänge können über das Aufstiegs-BAföG gefördert werden.

www.akademie-gestaltung.de

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