Möbeldesign-Workshop an Flensburger Fachschule. Lernen von den Profis - BM online

Möbeldesign-Workshop an Flensburger Fachschule

Lernen von den Profis

Aus dem Vollen schöpfen kann jeder – nicht doch, aus einer 2,50 m langen Dachlatte ein Sitzobjekt zu entwerfen. Dass dies möglich ist, beweist ein Designprojekt an der Fachschule für Technik und Gestaltung in Flensburg.

Birgit Ramm

Ende Februar 2018 erlebte die Fachschule für Technik und Gestaltung in Flensburg eine Premiere: Während zwei Tagen fand unter der Leitung des Kölner Designers und gelernten Tischlers Florian Kallus vom Designbüro Kaschkasch ein Workshop zum Thema Möbeldesign statt. 29 Studierende der Fachrichtungen Holztechnik sowie Raumgestaltung und Innenausbau nutzten die Chance, mit einem erfolgreichen Fachmann neue Wege im Entwurfsprozess zu beschreiten.

In der Aula der Fachschule wurde dafür eigens eine Art Großraumbüro mit Arbeitsnischen eingerichtet, jede davon mit einer handelsüblichen, gehobelten Dachlatte in den Abmessungen von 2500 x 43 x 24 mm bestückt. Florian Kallus erteilte den Studierenden die Aufgabe, innerhalb von eineinhalb Arbeitstagen aus diesem Material eine Sitzgelegenheit zu entwickeln und diese in der schuleigenen Werkstatt zu fertigen. Auch ein vierköpfiges Lehrerteam stellte sich diesem Arbeitsauftrag.

Beschränkung als Entwurfsidee

Zu Beginn erläuterte Florian Kallus seine Idee: Die besondere Herausforderung sei, die Beschränkung auf nur einen Werkstoff und dessen Limitierung als Kontrast zu dem sonst alltäglich erlebten Überfluss an Produkten und Materialien. Die Beschränkung sehe er gleichzeitig als große Chance, denn es gilt auszuloten, welche Lösungen bei intelligentem Materialeinsatz möglich seien. Dabei müssen sich die Entwerfenden von herkömmlichen Denkmustern lösen, Neues wagen, Bekanntes und Bewährtes in Frage stellen.

Spontane Äußerungen am ersten Arbeitstag zeigten, dass dieser Ansatz tatsächlich für die notwendige Irritation sorgte, um in kreative Prozesse einzusteigen. Es sei zu wenig Material für eine vernünftige ergonomische Lösung, klagt ein Studierender. Andere betonten, dass der Auftrag fordernd sei, die Arbeit zeitweise frustrierend, die Lösungen sich zunächst nur stockend und kontrovers entwickelten. Gleichzeitig aber schwang die Begeisterung mit, dass der Workshop als interessant, bunt, aufregend – zwar schwierig, aber gerade deshalb auch als „super Sache“ und den „Horizont erweiternd“ erlebt wurde.

Kreative Prozesse in Gang setzen

Am zweiten Tag waren überall nicht nur zahlreiche Zeichnungen und Modelle zu sehen, auch in der Werkstatt liefen die Maschinen auf Hochtouren: Es wurde gesägt, gebohrt, gefräst, verleimt und weiterhin sehr viel diskutiert – und das unter höchster Konzentration! Florian Kallus war gelungen, was er erreichen wollte. Schon in seiner Einführung in den Workshop hat er anhand seiner eigenen Arbeiten den Entwurfsprozess in seiner Komplexität dargestellt. Ihm gehe es bei seiner Arbeit an Schulen darum, Impulse bei der Ideenfindung zu geben, Perspektivwechsel zu initiieren, den kreativen Prozessen der Arbeitsgruppen Raum zu geben und seinerseits mit Anregungen spontan auf den „Drive“ in dem jeweiligen Team zu reagieren, beschreibt er seinen Arbeitsansatz.

Erfolgreiche Design-Vermittlung

Den Beruf des Designers vorzustellen, ist die Motivation im Auftrag der Stiftung Design-Museum Frankfurt, mit Schülern vom Grundschulalter bis hin zu Fachschülern zu arbeiten. Der Begriff Design werde geradezu inflationär und unkritisch verwendet. Hier mit Informationen gegenzusteuern, ist Florian Kallus ein Anliegen. Das Bewusstsein für die Bedeutung von guter Gestaltung ist oftmals nicht vorhanden – auch im Handwerk nicht.

Er selbst hatte das große Glück, bereits in seiner Tischlererausbildung in NRW einen Chef zu haben, der nicht nur hochwertige Einzelmöbel fertigte, sondern auch mit seinen Handzeichnungen begeistern konnte. So wurde sein Interesse an Gestaltung schon früh geweckt, was ihn motivierte, ein Designstudium anzuschließen.

Auch bei den Workshop-Teilnehmern schien der Funke am zweiten Tag übergesprungen zu sein. Das Fazit eines Studierenden: „Es war eine sehr interessante Veranstaltung. In diesen zwei Tagen habe ich gelernt, wegen der auftragsbedingten Einschränkungen kreativ zu sein.“

Am Nachmittag des zweiten Tages erfolgte die Präsentation der Workshop-Ergebnisse. Acht sehr unterschiedliche Sitzmöbel waren in den zehn Workshop-Stunden entstanden. Die Teams erläuterten ihr Vorgehen, ihre zentralen Ideen, schilderten ihre Erfahrungen und äußerten sich zu ihren Gefühlen bezüglich des Ergebnisses. Von Stolz, über Begeisterung bis zu Ernüchterung reichte die Palette. Einig waren sich allerdings alle, dass sie sehr viel über den Prozess der Produktentwicklung gelernt haben. Sei es, dass viel mehr Zeit in die Planung investiert werden sollte, wie wichtig das Überprüfen der Ideen und der Detaillösungen an kleinen Funktionsmodellen ist, bis hin zu der Erkenntnis, dass die Forderung nach Einfachheit und Leichtigkeit eher schwierig umzusetzen ist und besondere Sorgfalt bei allen Einzelentscheidungen erfordert.

Lobende Worte vom Profi

Florian Kallus bescheinigte einigen Entwürfen ein hohes Potenzial, das lohnen würde, diese weiter zu verfolgen: Der Entwurf Triggy, entwickelt aus vier Dreiecken, zeigte sich formal-gestalterisch und konstruktiv ausgereift. Auch die Umsetzung in serieller Fertigung sei bei diesem Entwurf bereits mitgedacht. Eine an einen Fahrradrahmen erinnernde Stehhilfe erschien ihm konzeptionell besonders interessant, weil Sitzen hier ganz anders gedacht werde. Bei anderen Entwürfen beeindruckte ihn der effiziente Umgang mit dem Material, wie die originelle Idee, die Dachlatte diagonal aufzutrennen.

Der Workshop habe ihm, so Florian Kallus, besonders deshalb sehr viel Spaß gemacht, „weil nicht nur interessante und sehr unterschiedliche Ergebnisse erzielt wurden, sondern die Arbeitsatmosphäre von guter Stimmung, intensiver Auseinandersetzung mit der Aufgabe und lebhaften Dialogen geprägt war.“


Projektpartner

Design-Büro Kaschkasch

Florian Kallus

www.kaschkasch.com

Fachschule für Technik und Gestaltung, Flensburg

Aufstiegsfortbildung zur/m Staatlich geprüften Techniker/in und Gestalter/in

Fachrichtungen Holztechnik und Raumgestaltung & Innenausbau

www.fachschule-flensburg.de

Stiftung Deutsches Design-Museum

www.deutschesdesignmuseum.de

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