Tischlerausbildung bei der Stadt Dortmund. Retten, löschen, tischlern - BM online

Tischlerausbildung bei der Stadt Dortmund

Retten, löschen, tischlern

Der Traum vieler Jugendlicher, mal beim Feuerwehreinsatz dabei zu sein, ist für Marvin Haese und Felix Hueck längst Realität: Beide absolvieren in Dortmund in viereinhalb Jahren eine außergewöhnliche Kombiausbildung zum Tischlergesellen und Brandmeister.

von Anna-Katharina Ledwa

Was andere Kinder und Jugendliche als Außenstehende mit großen Augen bestaunen, ist für Marvin Haese und Felix Hueck schon lange Alltag, als sie im Oktober vergangenen Jahres bei der Stadt Dortmund in die Ausbildung zum Brandmeisteranwärter wechseln. Wer mit 13 zur Jugendfeuerwehr und mit 17 zur freiwilligen Feuerwehr geht, träumt nicht nur davon, wie ein Feuerwehrauto von innen aussieht, oder tut alles dafür, um am Tag der offenen Tür einmal für fünf Minuten in einem Löschfahrzeug zu sitzen.

Felix Hueck kommt aus einer Kleinstadt in der Nähe von Dortmund: „Dort rutscht man irgendwie automatisch in die Freiwillige Feuerwehr. Da habe ich dann meine Leidenschaft für den Beruf entdeckt. Wirklich ausgesucht habe ich mir das vorher nicht.“ Marvin Haese und Felix Hueck sind praktisch mit der Feuerwehr groß geworden und gehen nach erst vier Monaten in Ausbildung schon ganz selbstverständlich mit Atemgerät, Schere und Spreizer um.

Vom Tischler zum Feuerwehrmann?

Doch bevor sie in ihrem Traumberuf ausgebildet werden, haben beide drei Jahre lang eine Ausbildung zum Tischler absolviert. Haese beim BHD und Hück in der Tischlerei des Stadttheaters. „Nach der Ausbildung konnten wir uns beide auch den Beruf des Tischlers für die weitere Laufbahn vorstellen“, erzählt Haese. Es sei einfach toll, mit einem so interessanten und vielseitigen Material wie Holz zu arbeiten. „Vor allem, weil man sieht, woran man gearbeitet hat, denn das Ergebnis steht als Möbel vor einem“, ergänzt Hueck.

In der Tischlerei des BHD zeigen sich zwei Tischler, wie man sie sich vorstellt: Sandfarbene Arbeitshosen, Sicherheitsschuhe, dunkle T-Shirts – Marvin Haese und Felix Hueck stehen an Formatkreissäge und Tischfräse, als ob sie das jeden Tag machen würden. Doch: „Wir sind seit Beginn der Ausbildung bei der Feuerwehr länger nicht mehr hier gewesen, da muss man sich in der Werkstatt erst mal wieder zurechtfinden.“

Außergewöhnliche Berufskombination

Die Stadt Dortmund bietet ein besonderes Ausbildungsmodell an: „Kombiausbildung zum Brandmeister mit der Erstausbildung zum Tischler“ heißt es auf der Internetseite der Stadt, auf der man sich offiziell bewerben kann. Vorab drei Jahre Tischlerlehre und im Anschluss eineinhalb Jahre im Ausbildungszentrum der Feuerwehr. Für die Arbeit bei der Berufsfeuerwehr sei eine handwerkliche Grundausbildung Voraussetzung, so Hueck, denn von den zukünftigen Brandmeistern werde ein grundlegendes technisches Interesse, praktische Arbeitserfahrung und körperlicher Einsatz gefordert.

Die Ausbildung zum Tischler innerhalb der Kombiausbildung wird beim BHD oder in der Theatertischlerei der Stadt Dortmund absolviert – wer bei der Stadt Dortmund als Azubi anfängt hat im Anschluss gute Aussichten auf eine Übernahme. Der BHD fertigt für die Feuerwehr Innenausbauten wie Betten, Schränke und Tische. Auch spezielle technische Lösungen sind gefragt. So entstanden während der Ausbildung von Haese, der beim BHD gelernt hat, bereits ein CO2-Flaschenhalter und ein Gerätetransportwagen.

Ausbildung zum Brandmeister

Auch in der Ausbildung zum Brandmeister – derzeit sind es 26 Azubis aus unterschiedlichen Gewerken – werden praktische und theoretische Einheiten kombiniert. In den ersten sechs Monaten wird nur gelernt und geübt. Dafür steht neben dem Ausbildungszentrum ein voll ausgestattetes Übungsgelände bereit. Mit einem Brandhaus, das man immer wieder in Flammen aufgehen lassen kann, einem Wasserbecken zur Wasserrettung und Autos, die aufgeschnitten werden können. Ziemlich nah an der Realität also und doch schwebt niemand in Lebensgefahr. Nach dem ersten halben Jahr geht es dann zu sogenannten Praktika mit Einsatzdienst.

Haben Felix Hueck und Marvin Haese ihre Ausbildung in einem guten Jahr erfolgreich abgelegt, werden ihre Arbeitszeiten mit denen eines Tischlergesellen nicht mehr viel gemeinsam haben. Bei der Berufsfeuerwehr gilt eine 48-h-Woche, die in zwei 24-h-Schichten aufgeteilt wird. Um Leben zu retten, muss ein Brandmeister rund um die Uhr zur Verfügung stehen – für Hueck und Haese ist das selbstverständlich. Und vielleicht haben sie ja am Ende Glück, wenn sie auf einer der wenigen Wachen eingesetzt werden, die noch eine eigene Tischlerei hat. Denn, Brandmeister war von Kindesbeinen an ihr Traumberuf, doch die Liebe zum Holz haben sie in den drei Jahren ihrer Tischlerlehre auf jeden Fall auch für sich entdeckt.


Die Autorin

Anna-Katharina Ledwa ist Tischlerin und Projektgestalterin (HWK), arbeitet als Gesellin und entwickelt nebenberuflich eigene Produkte.

www.annaledwa.de


Wissenswertes

Tischlergeselle und Brandmeister

Neben Dortmund bietet auch Essen eine viereinhalbjährige Kombiausbildung zum Brandmeister mit der Erstausbildung zum Tischler an. Sie teilt sich in drei Jahre Tischler- und eineinhalb Jahre Brandmeisterausbildung. Die praktische Ausbildung kann im Theater Dortmund oder im Betriebshandwerklichen Dienst (BHD) der Städtischen Immobilienwirtschaft erfolgen. Die theoretische Ausbildung erfolgt am Fritz-Henßler-Berufskolleg in Dortmund und in überbetrieblichen Unterweisungen. Nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss der Erstausbildung ist eine Einstellung in den Vorbereitungsdienst als Brandmeisteranwärter/-in vorgesehen, der auf den künftigen Einsatz bei der Feuerwehr vorbereitet.

www.dortmund.de

www.feuerwehr.dortmund.de

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