Einbruchhemmung von Fenstern in modernem Ziegelmauerwerk

Angriffsziel Mauerwerk

Befestigungsmittel und hochwärmedämmende Steine müssen für die Fenstermontage genau abgestimmt sein. Aber wie sieht es mit der Einbruchhemmung aus – kann durch den mechanischen Angriff auf die Mauer ein Durchgang erschaffen werden? Eine aktuelle Versuchsreihe liefert dazu interessante Ergebnisse.

von Jürgen Küenzlen, Eckehard Scheller, Udo Meyer

Die Einbruchhemmung rückt immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Oft reicht es aus, den Einbrecher eine Zeit lang aufzuhalten, dann – so zeigt die Statistik – bricht er sein Vorhaben häufig ab. Die Einbruchhemmung von Fenstern und Türen wird in DIN EN 1627 bis 1630 geregelt. Hier fließen polizeiliche Analysen von realem Täterverhalten ein. Konträr laufende Entwicklungen bei Einbruchhemmung und Energieeinsparung erfordern neue Lösungen in der Verbindung Fenster/Tür mit dem Gebäude. Die o. g. Normreihe bezieht sich derzeit nur auf Baustoffe, die so im modernen Neubau nicht mehr vorkommen – vor allem nicht bei einem einschaligen Wandaufbau ohne zusätzliches WDVS. Obwohl DIN EN 1627 bezüglich Rohdichte und Druckfestigkeit häufig nicht erfüllt wird, konnten Versuche zeigen, dass auch moderne Baustoffe Einbruchhemmung realisieren, wenn der Fenstereinbau im Gesamtsystem untersucht wird.

Drei Prüfungen für die Widerstandsklasse

Bei genormten Einbruchsprüfungen werden Fenster zur Simulation verschiedener Wandaufbauten in einen starren Stahl- oder Holzrahmen montiert. Es werden drei Prüfungen unterschieden:

  • Statische Belastung: DIN EN 1628:2016-03
  • Dynamische Belastung: DIN EN 1629:2016-03
  • Manuelle Einbruchsversuche nach DIN EN 1630:2016-03

Nur die Durchführung aller drei Prüfungen erlaubt die Bestimmung der erreichten Widerstandsklasse (RC) des Fensters, die nach dem Tatverhalten in DIN EN 1627:2011-09 definiert wird. Diese Prüfungen bieten dabei nur wenig Aussagekraft ob auch das Gesamtsystem „Fenster, Wand und Befestiger“ die Anforderungen an die Widerstandsklasse erfüllt.

Versuche geben reale Informationen

Um Erfahrungen im Gesamtsystem zu sammeln, wurden in realen Mauerwerkswänden gemäß den genannten Normen Versuche in der Widerstandsklasse RC2 durchgeführt:

  • Statische Versuche mit einer Last von 3 kN je Verriegelungspunkt,
  • dynamische Versuche mit einem Zwillingsreifen, der mehrfach gegen das Fenster geschleudert wurde, und
  • manuelle Einbruchsversuche mit dem Ziel eine „durchgangsfähige Öffnung“ herzustellen. Eine durchgangsfähige Öffnung ist erreicht, wenn Schablonen der Größe eines Rechtecks: 400 x 250 mm, einer Ellipse: 400 x 300 mm oder eines Kreise: Durchmesser 350 mm durch das Fensterelement selbst bzw. eine Öffnung im Verankerungsgrund geschoben werden können. Für diese Versuche stehen in Klasse RC2 drei Minuten Zeit zur Verfügung.

Hierbei wurden nur moderne Hochlochziegel verwendet, die eine Druckfestigkeit z. T. deutlich unterhalb des in DIN EN 1627 genannten Mindestwertes von 12 N/mm² haben.

Neben einem Projekt der Adolf Würth GmbH & Co. KG mit der Wienerberger GmbH hat die Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel e. V. am Prüfinstitut für Schlösser und Beschläge in Velbert (PIV) weitere Prüfungen, zum Teil mit einem Wandaufbau aus Stein, Putz und Gewebeeinlage, durchgeführt. Ohne druckfeste Hinterfütterung und Befestigung oben, wurden die Fenster seitlich mit dem oben gezeigten Befestigungssystem eingebaut. Unten wurden Schienen verwendet und auf der Innenseite mit dem Kunststoffdübel befestigt.

Keine durchgangsfähige Öffnung erreicht

 Im Anschluss an die statischen und dynamischen Prüfungen konnte in den manuellen Einbruchsversuchen nie eine durchgangsfähige Öffnung erreicht werden, womit erstmals Einbruchschutz in modernem Ziegelmauerwerk nachgewiesen werden konnte.

Der Thermopor TV7 wird vom Deutschen Institut für Bautechnik z. B. beim Brandschutz als Referenzstein für „Gattungsprüfungen“ herangezogen. Beim mechanischen Angriff war es nicht möglich, Befestigungsmittel freizulegen, wobei die Steinoberfläche auf der linken Laibungsseite – vermutlich wegen dem Armierungsputz mit Gewebeeinlage – nicht durchdrungen werden konnte. Die Unipor-W07-Ziegelwand zeigt das gleiche Ergebnis. Die Versuche zeigt die Tabelle oben.

Moderne Ziegelwände halten stand

Für den Einbruchschutz ist es wichtig, dass Systeme aus Untergrund, Befestiger und Fenster betrachtet werden. Versuche in Systemen haben gezeigt, dass in Hochlochziegeln mit Druckfestigkeiten unterhalb der Normforderung mit einem modernen Befestigungssystem bei dreiseitiger Befestigung ohne druckfeste Hinterfütterung ein Fenstereinbau in der Widerstandsklasse RC2 – unter Beachtung gewisser Randbedingungen – realisiert werden kann. Weitere Untersuchungen sind unter anderem im Rahmen eines von der Zukunft Bau geförderten Forschungsvorhabens am ift Rosenheim vorgesehen.


Die Autoren

Dr. Jürgen Küenzlen und Dipl.-Ing. (FH) Eckehard Scheller von der Adolf Würth GmbH & Co. KG, Künzelsau, sowie der Technische Geschäftsführer Dr. Udo
Meyer von der ARGE Mauerziegel.