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Bausatz oder Baukasten – das ist die Frage!?

Prüfzentrum für Bauelemente (PfB) gibt Tipps für Brandschutztüren
Bausatz oder Baukasten – das ist die Frage!?

Seit 500 Jahren gibt es das Schauspiel „Sein oder Nichtsein“. Heute heißt es „Überwachen“ durch eine notifizierte und akkreditierte Zertifizierungsstelle oder „Nichtüberwachen“! Warum ist dies überhaupt eine Frage und warum ist sie so wichtig? Die Antwort ist einfach und für die Hersteller von Brand- und Rauchschutztüren, die Bausätze und Baukästen anbieten, mehr als notwendig.

Rüdiger Müller

Notwendig, weil nach DIN EN 16034 für Feuer- und/oder Rauchschutzabschlüsse neben der für Hersteller obligatorischen WPK (werkseigene Produktionskontrolle) noch eine laufende Überwachung durch eine akkreditierte und notifizierte Zertifizierungsstelle erforderlich ist.

Was ist ein Bausatz?

Gemäß Wikipedia, wie der Name schon sagt, handelt es sich um einen Satz. Das heißt eine begrenzte Menge/Einheit wie z. B. einen Satz Autoreifen. Ein Bausatz (auch Montagesatz oder nur Kit) ist ein Satz von einzelnen, nicht montierten Teilen. Oft wird er als preisgünstige Variante eines fertig montierten Modells oder Gerätes angeboten.

Das Besondere am Bausatz ist, dass die Kosten für den Zusammenbau gespart werden. Daher sind Bausätze meistens bei filigranen Modellen anzutreffen (Bausätze für Flugmodelle, Modelleisenbahn-Zubehör usw.). Auch im Bereich der Elektronik und Elektrotechnik gibt es Bausätze und es gibt sogar Bausatzhäuser. Dem Bauherrn werden hierbei alle Materialien angeliefert und der Aufbau ihm selbst überlassen.

Mit einem Bausatz können meist nur ein oder einige wenige Modelle bzw. Geräte zusammengebaut werden; demgegenüber kann mit dem Baukasten eine Vielzahl von Modellen oder Geräten gebaut werden. Sie ermöglichen ein „variationsreiches freies Spiel“.

Am Beispiel einer Blockbandsäge

Für den Autor bestand keine Möglichkeit, 200 Festmeter Bäume zu Brettern und Balken schneiden zu lassen. Daher wurde eine Blockbandsäge gekauft. Angeliefert wurden vier große stabile Kisten mit etwa hundert Einzelteilen und etwa 300 Schrauben als Bausatz. Daraus konnte der Autor auch nur eine komplette Blockbandsäge zusammenbauen. Benötigt wurden weder eine Überwachung noch eine Abnahme, sondern eine klare Zusammenbauanleitung. Trotz der Tatsache, dass es sich um eine nicht ungefährliche Maschine mit CE-Kennzeichnung und allen weiteren notwendigen Kennzeichnungen handelt!

Dies ist auch für Brandschutztüren im Innen- und Außenbereich so zu sehen. In dem gelieferten Bausatz kann auch nur eine bereits geprüfte und gekennzeichnete Brandschutztür „zusammengefügt“ werden.

Was ist ein Baukasten?

Wie schon der Name sagt, handelt es sich um einen Kasten mit entsprechendem Inhalt. Mit dem Inhalt können viele unterschiedliche Modelle wie z. B. Türen, Maschinen usw. hergestellt werden. Gemäß Wikipedia ist für ein Baukasten Folgendes ausgeführt: „Als Baukasten bezeichnet man ein Spielzeug, das aus einzelnen einfach zusammenzusetzenden Teilen besteht. Ursprünglich bezeichnet der Ausdruck die Bauklötze oder Bausteine, später auch andere Spiele. Zweck eines Baukastens ist es, dem spielenden Kind die Konstruktion einer Vielzahl von Objekten durch vorgefertigte Bauelemente zu vereinfachen und dadurch die Freude am Lernen zu fördern“.

Ein Bausatz bzw. Kit wird nach Verordnung (EU) Nr. 305/2011 des europäischen Parlaments und des Rates vom 9. März 2011 folgendermaßen definiert: „Bausatz bedeutet ein Produkt, das von einem einzigen Hersteller als Satz von mindestens zwei getrennten Komponenten, die zusammengefügt werden müssen (Umrahmung und Türblatt), um ins Bauwerk eingeführt zu werden, in Verkehr gebracht wird“.

Hieraus geht klar hervor, dass ein Bausatz von Brandschutztüren eine komplette funktionsfähige Tür ist, die ausschließlich von einem Hersteller mit den entsprechenden Fachkenntnissen zusammengebaut wird. Bei einem Baukasten ist dies nicht der Fall, denn hier kann der Fachmann diverse Brandschutztüren mit den unterschiedlichsten Ausführungen und Beschlägen, Schlössern usw. herstellen.

Vergleichbar ist ein Baukasten mit seit Jahren praktizierten Systemen für Bauelemente. Die Systemhersteller geben für die Hersteller von Außentüren/Brandschutztüren (= Systemnehmer) sogenannte Baukästen/Systemmappen heraus. Jeder Hersteller/Systemnehmer hat die Möglichkeit, danach Brandschutztüren für den Außen- und Innenbereich herzustellen. Dies bedeutet, dass eine Einflussmöglichkeit bei der Brandschutztür durch den Hersteller gegeben ist. Daraus ist zu entnehmen, dass bei diesen Herstellern eine externe Überwachung durch eine notifizierte und akkreditierte Zertifizierungsstelle notwendig ist.

Zusammenfassend ergibt sich daher:

Bei einem Bausatz ist neben der fachlichen Kompetenz, die vorausgesetzt wird, und der werkseigenen Produktionskontrolle keine weitere externe überwachende Tätigkeit erforderlich. Bei einem Baukasten ist aufgrund unterschiedlicher Möglichkeiten der verwendeten Materialien und Modelle eine Überwachung durch eine notifizierte und akkreditierte Zertifizierungsstelle erforderlich.

Im Klartext bedeutet das, dass Brand- und Rauchschutztüren, gefertigt nach einem Baukasten (Systemmappe), einer externen Überwachung unterliegen. Brand- und Rauchschutztüren, gefertigt nach einem Bausatz (nur ein bestimmtes Modell), unterliegen keiner externen Überwachung.


Der Autor

Rüdiger Müller ist geschäftsführender Gesellschafter des Prüfzentrum für Bauelemente (PfB).

r.mueller@pfb-rosenheim.de

www.pfb-rosenheim.de

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