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»Beim Smart Home gibt es viele Vorurteile oder falsche Ansichten«

BM sprach mit Professor Dr. Michael Krödel von der Technischen Hochschule Rosenheim
»Beim Smart Home gibt es viele Vorurteile oder falsche Ansichten«

Um die Bedeutung von Smart Home für Schreiner, Tischler und Fensterbauer genauer zu beleuchten, hat BM dazu Professor Dr. Michael Krödel von der Technischen Hochschule Rosenheim befragt – ein ausgewiesener Experte auf diesem Fachgebiet.

Matthias Fischer

BM: Herr Professor Krödel, wie bewerten Sie allgemein die Entwicklung im Smart Home?

Michael Krödel: Grundsätzlich wird das Thema Smart Home immer salonfähiger. Während vor einigen Jahren die breite Bevölkerung noch eher Berührungsängste vor der Raumautomation hatte, so ist das inzwischen zu einem Modetrend geworden. Leider sind dabei einige Angebote gar nicht so smart. Oft wird das Label „smart“ schon dann vergeben, wenn eine App-Bedienung möglich ist. Das ist aber nicht „smart“ sondern höchstens „connected“. Smart ist eine Anwendung erst dann, wenn diese eigenständig – d. h. ohne Nutzer und dessen App – zum richtigen Zeitpunkt das richtige macht. Idealerweise auch noch gewerkeübergreifend.

BM: Smarte Aussichten – wo geht die Reise bei Innentüren, Fenstern, Haustüren und Sonnenschutz hin?

Michael Krödel: Die Gebäudehülle ist elementarer Bestandteil vom Gebäude und somit auch von hoher Relevanz für ein Smart Building. Sicherheitsfunktionen stehen hoch im Kurs und dahingehend sind Zustandssensoren an Fenstern und Türen ganz wichtig, wobei deren Informationen auch zum temporären Abschalten von Heizung/Kühlung/Lüftung führen kann. Idealerweise werden solche Sensoren bereits in den Fenstern oder Türen vormontiert, um eine nachträgliche Aufsatzmontage zu vermeiden. Sehr hilfreich sind auch Profile mit integrierten Kabelkanälen. Diese helfen nicht nur für kabelgebundene Sensorik, sondern auch bei der Integration von Öffnungsantrieben, die anstelle oder in Ergänzung zu Lüftungsanlagen zum Einsatz kommen können.

BM: Was können/müssen Schreiner, Tischler und Fensterbauer tun, um in dem Bereich nicht den sprichwörtlichen Anschlusszug zu verpassen?

Michael Krödel: Das Gebäude ist ein Gemeinschaftswerk und alle Beteiligten sollten ein Grundwissen über benachbarte Gewerke haben. Für Schreiner, Tischler und Fensterbauer bedeutet dies, dass man ein Grund-Know-how im Bereich der Gebäudeautomation haben sollte. Dabei ist das einfacher, als mancher denkt. Bedeutet, man sollte die wesentlichen Technologien und Komponenten kennen, um Anforderungen an den Fassadenbereich besser einordnen und umsetzen zu können. Zu tief braucht man sich nicht einarbeiten und ein Fensterbauer muss nicht Smart-Home-Systemintegrator werden.

BM: Wie können Tischler, Schreiner und Fensterbauer ihre Kundschaft von komfortablen Smart-Home-Systemen überzeugen?

Michael Krödel: Tatsächlich halte ich mich immer damit zurück, andere Personen überzeugen zu wollen. Ich bin der Meinung, dass das jeder selbst frei und selbständig entscheiden muss. Im Bereich Smart Home bestehen allerdings sehr viel Vorurteile oder falsche Ansichten und somit sind entsprechende Hilfestellungen sinnvoll. Ganz wichtig ist deshalb vor Entscheidung pro oder contra „Smart Home“, sich selber und individuell zu überlegen, welchen konkreten Mehrwert ein Smart Home hat. Nur wenn man das festlegen kann, sollte man sich für ein entsprechendes System entscheiden. In dieser Beziehung nehmen Anforderungen in Bezug auf Sicherheit und Komfort zu. Die Möglichkeiten der Energieeinsparungen werden im privaten Bereich oft überschätzt. Realistisch sind „nur“ 5 bis 10 % Energieeinsparung möglich und die Kosten übersteigen oft den Nutzen. Im Hinblick auf die drohende Energieknappheit ist aber womöglich auch diese relativ geringe Einsparung ein wertvoller Beitrag und somit gewinnen die Aspekte der Energieeffizienz auch im privaten Bereich stark an Bedeutung. Als Hilfsmittel haben wir beispielsweise einen kostenlosen Fragebogen zur Erfassung der Anforderungen erstellt, den jeder nutzen kann: www.igt-institut.de/smart-home-fragebogen/.

BM: Ist Gebäudeautomation immer gleichbedeutend mit Smart Home?

Michael Krödel: Der Begriff Gebäudeautomation ist der normkonforme Oberbegriff und umfasst die Raumautomation und die Anlagenautomation sowie das Automations-Management. Da man beim „Smart Home“ meist an die bewohnten Räume und nicht die Anlagen im Keller denkt, versteht man unter „Smart Home“ die „Raumautomation im Wohngebäude“.

BM: Wie sieht es mit der IT-Sicherheit bei Smart-Home-Systemen aus?

Michael Krödel: Das hängt zunächst davon ab, ob man sein System mit dem Internet koppelt oder nicht. Viele Systeme benötigen das nicht für den laufenden Betrieb und wenn überhaupt nur zum Senden von Meldungen. In diesen Fällen ist ein externer Missbrauch gar nicht möglich. Ein erstes Risikofenster öffnet sich, wenn ein Kunde einen Fernzugriff wünscht. Ich plädiere dafür, sich vorher zu überlegen, wann sich ein Home wie verhalten soll. Dann braucht man keinen Fernzugriff und vermeidet dieses Risiko. Wer das aber unbedingt haben möchte, sollte das über einen sicheren Zugang (Stichwort VPN) oder einen vertrauenswürdigen Cloud-Dienst machen und mit sicheren Kennwörtern absichern.

BM: Alle Smart-Home-Komponenten benötigen Strom. Gibt es Erkenntnisse, wieviel Prozent mehr Strom ein Smart Home gegenüber einem konventionellen Haus benötigt?

Michael Krödel: Vor wenigen Jahren hatten wir eine Studie darüber durchgeführt und kamen für ein vollwertiges Smart Home auf einen Pauschalwert von ca. 0,50 Euro pro Quadratmeter und Jahr. Bei einer 100-m2-Wohnung kann man somit mit ca. 50,00 Euro zusätzlichen Stromkosten pro Jahr rechnen. Dabei ganz wichtig: Das ist ein vollwertiges Smart Home mit ganzheitlicher Automation der Gewerke Beleuchtung, Verschattung, Heizung, Lüftung etc.

BM: Sind Elektrosmog oder Sick Building bereits heute Themen in Bezug auf Smart Home?

Michael Krödel: Das Thema Elektrosmog nehme ich sehr ernst, denn man kann nachweisen, dass der menschliche Organismus darauf reagiert. Ich persönlich glaube nicht an ernsthafte Erkrankungen durch E-Smog innerhalb von wenigen Jahren aber sehr wohl an eine schädigende Wirkung auf den Organismus innerhalb von Jahrzehnten. In jedem Haushalt gibt es eine Vielzahl von Verursachern – das sind beispielsweise Bluetooth-Headsets, Smart Watches, Handys oder WLAN-Router. Funkbasierte Smart-Home-Sensoren sind im Vergleich dazu tatsächlich vernachlässigbar. Diese senden nur dann, wenn sie etwas zu senden haben.

Die Fragen stellten Matthias Fischer und BM-Redakteur Stefan Kirchner

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