Aufsteigende Feuchtigkeit bereitet Fußböden Probleme

Der unsichtbare Parkettfeind

Holz als Naturprodukt und -baustoff richtet seine Haushaltsfeuchte nach der Umgebung. Aber wie verhält sich das nun mit Parkett, welches nicht vom Raumklima beeinflusst wird, sondern übermäßig stark von der Unterkonstruktion?

Bernhard Lysser

Holz reagiert immer auf Feuchtigkeitsbeeinflussung. Eine geringe Menge Feuchtigkeit kann vom Holz langsam aufgenommen und ebenso langsam wieder abgegeben werden. Dabei benötigt Holz in der Regel aber mindestens zwei bis vier Wochen verändertes Raumklima, d. h. eine veränderte Raumluftfeuchte, um seine Eigenausgleichsfeuchte den neuen Gegebenheiten anzupassen. Treten jedoch hohe Beeinflussungen auf, kann das Holz die Wasserdampfmenge nicht mehr rasch abzugeben. Für Parkettböden stellen z.B. übermäßig große Anteile von Restfeuchtigkeit in der Unterkonstruktion ein Problem dar.

Problemfeld neue Estriche

Erdfeucht eingebaute Estrichmörtel oder gegossene Estriche benötigen eine bestimmte Trocknungszeit, bevor das Parkett darauf montiert werden kann. Für jeden Estrichtyp sind Maximalwerte des Feuchtegehaltes vorgegeben und diese müssen vom Parkettverlegebetrieb berücksichtigt und eingehalten werden. Normale Zementestriche wie auch Kalziumsulfatestriche, ob gegossen oder als Mörtel eingebaut, weisen in den Normen Grenzwerte auf. Spezielle Estriche, wie z. B. schnell trocknende Systeme, liegen dagegen oft mit anderen Grenzwerten vor und diese werden vom Hersteller/Lieferanten des Mörtels oder der Zusätze definiert. Der Parkettverlegebetrieb ist also verpflichtet, den Estrichtyp ausfindig zu machen und in den technischen Unterlagen, meist abrufbar im Internet, nachzuschlagen, mit welchem Feuchtigkeitsgehalt der neue Estrich belegt werden kann.

Weist der neue Estrich bei der Kontrolle eine zu hohe Restfeuchte auf, darf das Parkett nicht darauf montiert werden. Der Estrich muss zuvor eventuell zusätzlich aufgeheizt und/oder mit Raumluftentfeuchtern getrocknet werden.

Nur bei Zementuntergründen dürfen Dampfbremsen oder -sperren aufgetragen werden, um die zu hohe Restfeuchte vom Holz fernzuhalten respektive nur sehr langsam nach oben entweichen zu lassen. Dampfbremsen/-sperren werden wiederum nach Herstellervorgaben meist mehrfach aufgetragen und erfordern häufig auch Quarzsandabstreuungen in der obersten Schicht zur Verkrallung vom Parkettklebstoff.

Niemals dürfen Kalziumsulfatestriche mit zu hohen Feuchtewerten abgedeckt werden. Diese Estrichtypen würden anschließend Schaden nehmen durch Aufweichung des Mörtels und Ablösungen des Endbelages.

Alte bestehende Estriche

Oft werden bei Renovationen oder Umbauarbeiten alte Bodenbeläge ausgebrochen und der Estrich wird verwendet als Grundlage für einen neuen Bodenbelag. Auch alte Estriche erfordern, je nach Bausituation, eine Feuchtigkeitskontrolle, da oftmals die Estriche über lange Zeit freigelegt vorliegen und als Untergrund für viele andere Bauarbeiten dienen. Im Sommer herrscht zudem eine hohe Raumluftfeuchtigkeit vor, welche auch vom alten Estrich aufgenommen werden kann. Dazu kommen weitere Feuchtigkeitsbeeinflussungen, z. B. durch Verputzarbeiten und dergleichen. Ein alter Estrich kann somit gegen Ende der Bauphase ebenso eine erhöhte Ausgleichsfeuchtigkeit aufweisen, welche unter Umständen zu hoch vorliegt für die Verlegung des Parkettbodens. Tritt ein Schaden ein und ist dieser auf eine erhöhte Restfeuchte im Untergrund zurückzuführen, liegt die Verantwortung sodann meist beim Parkettverlegebetrieb, welcher die bestehende, alte Unterkonstruktion nicht überprüft hat.
Auch hier können zu feuchte Zementestriche mit einer Epoxibeschichtung gedämmt werden, Kalziumsulfatestriche jedoch nicht.

Betondecken und Verbundkonstruktionen

Betondecken trocknen nur sehr langsam und über viele Jahre aus. Auch nach zehn oder noch mehr Jahren kann eine Betondecke mit erhöhter Feuchtigkeit vorliegen. Soll eine neue Betondecke mit einem Endbelag direkt belegt werden, erfordert die Betondecke zwingend eine vom Systemlieferanten freigegebene Dampfsperre. Diese kann gut und gerne nahezu so viel Kosten erzeugen wie der Endbelag, der darüber montiert wird.

Das Gleiche gilt für Verbundkonstruktionen, das heißt neue Estriche direkt auf Beton eingebaut. Dabei kann zwar der Estrichmörtel nach einiger Zeit ordentlich angetrocknet vorliegen, von der Betondecke her werden aber über Jahre Restfeuchten nach oben dringen und die Bodenkonstruktion darüber (Estrich und Parkett) wieder auffeuchten.
Diese Feuchtigkeitsmengen sind immer zu hoch, das heißt, der Holzboden wird Schaden nehmen. Also sind auch neue Verbundkonstruktionen zwingend gegen aufsteigende Restfeuchtigkeit zu dämmen.

Trockenunterkonstruktionen

Werden Trägersysteme für Parkett aus Trockenbauplatten erstellt, sind auch hier entsprechende Kontrollen auszuführen. Ähnlich wie alte Estriche können neue Holzwerkstoff-, Gipsfaser-, Zementplatten und dergleichen im Sommer durch die erhöhte Raumluftfeuchte sowie bauseitige Beeinflussungen auffeuchten. Wird der Endbelag darüber verlegt, ohne dass zuvor Maßnahmen getroffen werden, trocknen die Platten unten ab, ziehen sich zusammen und es resultieren Abzeichnungen der ganzen Platten durch den Endbelag hindurch in Form von Bombierungen mitsamt dem Parkett.

Beispiel aus der alltäglichen Praxis

Bei Umbauarbeiten wurde im Erdgeschoss des alten Einfamilienhauses eine neue Betondecke konstruiert. Kurze Zeit später erfolgte der Einbau einer Ausgleichsschüttung aus Porenbetonschrot direkt auf die Betondecke und darauf eine schwimmende Verlegung von Gipsfaserplatten. Der End- und Nutzbelag besteht aus Massivparkettdielen Eiche, ab Werk fertig geölt und vollflächig auf die Gipsfaserplatten aufgeklebt. Die Parkettfläche misst ca. 80 m2. Nachträglich erfolgte der Einbau von einigen Wandschränken, abgestellt direkt auf dem Parkett. Auch Türrahmen und -verkleidungen stehen auf dem neuen Boden.

Die Ausgleichsschüttung und die Gipsfaserplatten wurden von einem Unternehmer geliefert und montiert, die Parkettverlegung erfolgte durch einen anderen Handwerker und das Parkett wurde von der Bauherrschaft selber im Ausland eingekauft.

Nach wenigen Monaten verformten sich die einzelnen Parkettelemente und wiesen im Sommer intensive Schüsselungen über die Dielenbreite auf. Die Längskanten waren überall deutlich aufgewölbt. Dazu löste sich das Parkett in einigen Bereichen von den Gipsfaserplatten ab und bildete große Buckel.

Ursachenforschung

Der Experte hat vor Ort in zwei Bereichen Probeöffnungen bis auf die Betondecke erstellt und das Probematerial im Labor geprüft, um seine Vermutung der Ursache bestätigen zu können. Bei den Kontrollen vor Ort kamen innerhalb derselben Bodenfläche zwei unterschiedliche Schüttmaterialien zum Vorschein, einmal Porenbetonschrot und einmal Blähtonschrot. Warum zwei verschiedene Produkte eingesetzt wurden, konnte der Experte nicht in Erfahrung bringen.

Dazu wies die vollflächige Verklebung des Parketts ebenso einige Mängel auf wie zu gering aufgetragene Klebstoffmenge, bereits angetrocknete Kleberriefen beim Einsetzen des Parketts, ungenügende Benetzung der Holzunterseite mit Klebstoff oder Leimnassbrüche.

Vor Ort wurden beim Augenschein die Raumklimawerte sowie die Betonfeuchte mit der kapazitiven Messung kontrolliert. Folgende Resultate lagen mit elektronischen Prüfungen auf der Baustelle vor:

  • Raumtemperatur 23 °C
  • rel. Raumluftfeuchtigkeit 68 %
  • Holzfeuchte Parkett 10,0 bis 10,5 %
  • Betonfeuchte 105 bis 110 Digit (ca. 3 CM-%)

Im Labor wurden folgende Werte durch Darren ermittelt:

  • Parkett obere Holzhälfte : Probe 1 = 9,56 %, Probe 2 = 10,06 %
  • Parkett untere Holzhälfte: Probe 1 = 9,80 %, Probe 2 = 10,63 %
  • Gipsfaserplatte: Probe 1 = 12,56 %, Probe 2 = 12,67 %

Mit den Labormessungen bestätigte sich sodann die Ursachenvermutung des Experten von aufsteigender Restfeuchtigkeit aus der Betondecke, welche den Schaden im Massivparkett hauptursächlich auslöste.

Der zu hohe Feuchteanteil im Beton gelangte von unten via Schüttung und Gipsfaserplatten in das Parkett, welches sodann unten feuchter und mit großem Druck vorlag.

Im Haus mit dem Parkettproblem fehlte also die Dampfbremse über dem noch zu feuchten Beton im Erdgeschoss und dieser Umstand führte zu den unnatürlich konkaven Verformungen/Schüsselungen der einzelnen Holzdielen sowie einem verstärkten Quelldruck im Holz aus den erhöhten Ausgleichsfeuchtigkeiten.

Bodensanierung

Im ganzen Erdgeschoss musste der Bodenaufbau neu erstellt werden. Dazu erforderten die Einbaumöbel und nachträglich montierten Türen eine Demontage. Parkett, Gipsfaserplatten und Schüttmaterial mussten danach ebenso ausgebaut und entsorgt werden. Sodann konnte auf die Betondecke eine ordentliche Dampfbremse montiert und darauf der neue Bodenaufbau erstellt werden.


Der Autor

Bernhard Lysser, Experte ISP und Mitglied Swiss Experts (schweizerische Kammer technischer und wissenschaftlicher Gerichtsexperten)