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Die Montage ist der Schlüssel zum Erfolg

Hilfreiche Tipps für die Optimierung der Baustellenmontage
Die Montage ist der Schlüssel zum Erfolg

Was früher gut war, muss nicht ewig Bestand haben. In diesem Beitrag möchten wir den Blick nicht auf den gütegesicherten Einbau von Bauelementen werfen, sondern Aspekte an die Hand geben, die das Thema Montage abseits von Zollstock, Einbausituationen oder Rabattschlacht beleuchten. Denn oft entscheiden andere Gründe darüber, ob der Handwerker eine Anfrage fremder Kunden erhält oder nicht. Das kann die Folge eines freundlichen Ratschlags des Nachbarn sein oder des guten Freundes. Gute Erfahrungen gibt man eben gern weiter; schlechte leider auch.

Rainer Hardtke

Der Fachverband Tischler NRW hat in 2011 den „Blickpunkt Montage“ herausgebracht. Fast zeitgleich erschien „Blickpunkt Werkstatt“. „Das letztere Werk wurde wegen der hohen Nachfrage bereits überarbeitet und neu herausgegeben, Blickpunkt Montage nicht“, sagt Jens Südmeier, Pressereferent des Verbandes. Woran liegt das? Liegt dem Handwerker die eigene Werkstatt näher am Herzen, als der Einbauort beim Kunden, in vielen Fällen die verlängerte Werkbank? Viele Unternehmer sind der Meinung, dass tendenziell bei der Produktion noch Geld verdient werde, was in der anschließenden Montage zum Teil wieder verbrannt würde. Dabei können Handwerker mit dem richtigen Auftritt beim Kunden extrem punkten und sich ein gutes Image aufbauen und somit zusätzliche Geschäfte generieren. Denn heute achten Kunden – im Gegensatz zu früher – sehr darauf, wie der Handwerker beim Kunden erscheint, ob er wenigstens eine rudimentäre Erziehung genossen hat, wie er sich während der Arbeit benimmt und vor allem, wie er die Baustelle verlässt. Und, wenn man Pech hat, erhascht der Kunde noch einen Blick in den Lieferwagen und bemerkt das heillose Durcheinander. Ganz sicher vermittelt es kein Vertrauen, wenn der Handwerker wegen einer „speziellen Schraube noch mal schnell zum Auto muss“, eine halbe Stunde später wiederkommt und im Vorbeigehen etwas davon murmelt „naja, die tut’s auch; die andere kann ich gerade nicht finden“.

Studien belegen: Montage wird stiefmütterlich behandelt

Gravierender scheint das Problem intransparenter Baustellensituationen zu sein. Effiziente Organisationsstrukturen, Disziplin und Optimierungen in der Montage können Abhilfe schaffen – ein wacher Blick aller Mitarbeiter kann Wunder tun und ist außerdem sehr günstig. Keine Ressourcen zu verschwenden ist oft schon ein Anfang. Umso erstaunlicher, dass dies vielfach bei der Montage auf der Baustelle vergessen wird. Schon das Projekt „Montageoptimierung“ der Landesfachverbände Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen/Bremen und Nordrhein-Westfalen kam 2008 zu dem Schluss, dass ein mögliches Verbesserungspotenzial den meisten Betrieben nicht bewusst ist. Untersucht wurden damals Unternehmen zwischen acht und 60 Mitarbeitern, deren Baustellen und Prozesse im Unternehmen analysiert wurden. Zum Erstaunen der meisten Beteiligten wurden kaum technische Anforderungen oder Wünsche formuliert, sondern überwiegend organisatorische Maßnahmen entwickelt. So führten z. B. Fehler beim Aufmaß zwangsläufig zu Problemen bei der Montage. Wen wundert’s? Oder es fehlten Informationen wie Lieferadresse und/oder Rechnungsadresse vom Auftraggeber. Wer ist auf der Baustelle Ansprechpartner bei Problemen? Gibt es eine Kontaktliste zu anderen Gewerken, um bei notwendigen Absprachen schnelle Lösungen zu erzielen? Beim Aufmaß selber wurden oft nur die technisch relevanten Informationen erfasst, die etwas mit dem zu errichtenden Produkt zu tun haben. Das sind wichtige Informationen für die Kalkulation, die Arbeitsvorbereitung und die Fertigung. Oftmals fehlen jedoch wesentliche Angaben für den Monteur zur Baustellensituation.

2009 kam eine Untersuchung des „Technologie-Zentrum Holzwirtschaft“ (TZH GmbH) in Lemgo zu einem ähnlichen Ergebnis. Zusätzlich hat diese Studie erkannt, dass gerade einmal 48 % der gesamten Montage auf die reine Montagetätigkeit entfallen. Vom verbleibenden Rest nahmen 11 % Störzeiten in Anspruch, in denen Material oder der Hausmeister auf der Baustelle gesucht werden, die Rushhour in der Stadt die Anfahrt behindert oder Arbeitsgänge auf der Baustelle nachgeholt werden müssen, die eigentlich schon in der Werkstatt hätten erfolgen müssen. In Wahrheit liegt diese Quote vermutlich höher – andere Untersuchungen sprechen von 55 %. Das ist aber den Wenigsten bewusst.

Schon einfache Maßnahmen bringen enorme Erfolge

Allein das Problem der Störzeiten in den Griff zu bekommen, kann Zeitvorteile bringen – und der Aufwand hält sich in Grenzen! Stimmen z. B. die Hausadresse und Telefonnummer des Kunden und ist dieser informiert, wann die Monteure eintreffen? Sehr einfach lässt sich dies lösen, wenn der Kunde eine Woche vorher angerufen wird, um den Besuchstermin durchzugeben. Das erleichtert die eigene Planung (welcher Monteur fährt mit welchem Auto wann wohin?), macht einen guten Eindruck beim Kunden (der Betrieb hat seine Disposition im Griff und der Kunde wird noch einmal daran erinnert, zu Hause zu sein) und stellt sicher, dass ausreichend Parkfläche zur Verfügung steht zum Abladen, Strom- und Wasseranschlüsse erreichbar, Ansprechpartner für Fragen zwischendurch greifbar sind und jemand vor Ort ist, der anschließend die Arbeiten abzeichnet. Manchmal hilft auch ein vorsorglicher Blick auf die Verkehrssituation, Staus zu vermeiden: Wann beginnen noch mal die Brückenarbeiten an der Hauptstraße und wie wird der Verkehr umgeleitet? Gibt es weitere Umgehungsmöglichkeiten? Macht es Sinn, Navigationsgeräte für alle Fahrzeuge anzuschaffen, um garantiert den schnellsten/kürzesten Weg zu finden?

Firmenwagen richtig packen

Was kommt da eigentlich rein? Richtig: Alles! Ist schließlich die verlängerte Werkstatt. Vielleicht nicht ganz. Sicherlich sind Standardwerkzeuge und -Hilfsmittel sinnvoll. Das individuelle „Gepäck“ der einzelnen Mitarbeiter kann schnell dazugepackt werden. Praktisch kann es sein, das Fahrzeug am Abend davor für die Anforderungen der Baustelle mit den richtigen Hilfsmitteln zu bestücken. Vorteil: Man hat Ruhe, kann die Arbeiten mit dem Kollegen schon mal im Geist durchgehen. Die Gefahr, wichtige Dinge zu vergessen, wird stark minimiert. Nutzfahrzeuge speziell auf die Anforderungen von Tischlern und Schreinern hin auszubauen, ist eine sinnvolle Investition und hat sich in der Praxis vielfach bewährt. Eine Liste möglicher Fahrzeugausstatter kann der Anlage 21 des Werkes „Blickpunkt Montage“ des Tischler-Fachverbandes NRW entnommen werden. Nicht vergessen darf man, dass ausgebaute Fahrzeuge auch Nachteile haben. Durch den Ausbau wird das Ladevolumen stark reduziert. Hinzu kommt eine Verminderung des Zuladungsgewichts, wodurch oftmals das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs schnell erreicht wird. Die Abwägung, wie weit der Ausbau gehen soll, muss im Einzelfall vorgenommen werden.

Alternativ kann sich der Betrieb aber auch mal an einem Freitagnachmittag die Zeit nehmen und eine eigene Liste anlegen: Was gehört ins Fahrzeug, was nicht und was nur zu speziellen Gelegenheiten. Hilfreich kann es auch sein, eine Tafel bspw. an der Werkstatttür anzubringen, auf der vermerkt werden kann, was fehlt und was ergänzt werden muss. Ist dies einmal in Fleisch und Blut übergegangen, spart es Zeit und verhindert böse Überraschungen auf der Baustelle.

Aufmaß macht der Fachmann – oder?

Und beim Aufmaß? „Da lässt sich doch wenig optimieren. Hier muss gewissenhaft gearbeitet werden, jeder Fehler produziert Kosten zu meinen Lasten“, werden hier viele rufen. Aber es geht auch anders: Der Geschäftsführer Christian Brosch der Brosch Haustüren-Manufaktur in der Nähe von Braunschweig hat hiefür ein System entwickelt: Liegt die Baustelle zu weit entfernt, macht der Kunde das Aufmaß selbst. Damit das funktioniert, hat die Manufaktur ein System entwickelt mit Zeichnungen und einfachen Angaben, die es auch Nichthandwerkern erlaubt, alle nötigen Abmessungen richtig zu liefern. Auf den Skizzen ist die exakte Anlage der Messpunkte definiert, die in einem Messprotokoll eingetragen werden müssen. Das funktioniert? „Sie werden lachen“, sagt Christian Brosch, aber wir hatten in den letzten Jahren nur einen Fall, wo sich ein Kunde vermessen hatte. Da wurde vergessen, dass der Boden nach dem Messen noch einen Estrich erhielt.“ Man stelle sich nur vor, dieses System würde weiter optimiert, digitalisiert und die Daten würden direkt – just in time – in die Werkstatt übertragen.

Hilfreiche Exoskelette für die Gesundheit

Ganz neu sind sogenannte Exoskelette. Das sind künstliche, mechanische Strukturen, die außen am Körper angebracht werden, um den Träger in seiner Bewegung zu unterstützen und Lasten abzutragen. Dabei übernehmen kleine Servomotoren Bewegungsabläufe und wirken wie zusätzliche Muskeln. Mehr und mehr finden solche Orthesen ihre Anwendung auch in der Baubranche. Die Hilti Gruppe hat mit der Ottobock SE & Co. KGaA eine Technologie-Partnerschaft zur Entwicklung von Exoskelett-Systemen vereinbart. Solche Lösungen sollen neue Möglichkeiten im Gesundheitsschutz und derProduktivität eröffnen. Als erstes gemeinsames Produkt bringt Hilti im Herbst 2020 das EXO-O1 auf den Markt. Es handelt sich um ein passives Modell, das keine Energiezufuhr benötigt. Das Gewicht der Arme wird über die Armschalen mithilfe mechanischer Seilzugtechnik auf die Hüfte abgeleitet. Dies reduziert die Spitzenbelastung der Muskulatur und entlastet die Schulter gemäß unabhängigen Studien und Untersuchungen von Ottobock um bis zu 47 %.

Rolf Fensterbau erklärt, wie umfangreich die Montage sein kann

Die Firma Rolf Fensterbau stellt heute bis zu 300 Fenstereinheiten pro Tag her. Rund 17 eigene und fremde Montagekolonnen montieren Fenster und Türen vornehmlich in der Region. Das sind rund 2000 Montageaufträge und 5000 Serviceaufträge pro Jahr. Dazu Geschäftsführer Frank Alefelder: „Wir bereiten sehr viel unserer Baustellenarbeit und Montage im eigenen Haus vor. Dazu gehören neben der reinen Montagearbeit auch der Arbeitsschutz auf der Baustelle und die Baustellenorganisation. Wir beschäftigen einen Mitarbeiter beispielsweise nur damit, sich um Änderungen der Normen oder neue RAL-Vorgaben zu kümmern. Er analysiert die Änderungen und gibt unseren Monteuren die neuen Verhaltensregeln vor. Oder denken Sie an die Baustellenabnahme. Wer macht das heute gewissenhaft und rechtssicher? Aber das ist ein eminent wichtiger Punkt bei der späteren Gewährleistung!“


Ein Projektsteuerungswerkzeug am PC will Klaus Schnüttgen nicht mehr missen.
Foto: Rainer Hardtke

Das sagt Dachdeckerkollege Klaus Schnüttgen

Logistik und Digitalisierung im Kleinen

Vor einigen Jahren habe ich für unsere vier Fahrzeuge die Flottenlösung eines Navigationsanbieters angeschafft. Im Gegensatz zu damals, kommen meine Jungs früher und entspannter an und ich kann bei einer spontanen Reparaturanfrage eines Kunden sofort auf dem Computer sehen, wo sich unsere Fahrzeuge zurzeit befinden. Ist einer in der Nähe, schicke ich den gleich nach seinem Auftrag dort hin. Im ersten Jahr wurde dadurch der Spritverbrauch um bis zu 10 % verringert.

Außerdem lege ich großen Wert auf das Verhalten und die Umgangsformen auf der Baustelle. Freundlich einen guten Tag wünschen, sich vorstellen ist manchmal schon die halbe Miete. Ich glaube, ein starkes Argument war damals, als wir damit begonnen haben – seid freundlich, das wirkt sich später beim Trinkgeld aus!“ Außerdem nähme freundliches und sauberes Auftreten auf der Baustelle kaum Mehrzeit in Anspruch.

Für einen transparenten Arbeitsablauf gründen wir bei jeder Baustelle eine Messenger-Gruppe, in der Architekt, der Bauleiter, Hausmeister und alle beteiligten Gewerke vertreten sind. Hat einer einen Abschnitt beendet, eine Frage oder einen neuen Vorschlag – kommt das in die Gruppe. Außerdem sieht derjenige des nachgelagerten Gewerkes, dass sein Vorgänger fertig ist und nun er beginnen kann. Das spart Zeit, Anrufe und verhindert Übermittlungsfehler – Digitalisierung im Kleinen.

Auf jeden Auftrag, den der Monteur zur Baustelle mitnimmt, ist eine Baustellenerstunterweisung eingedruckt; sechs Zeilen lang. Die muss gelesen und unterschrieben werden und damit ist schon ein Teil der Arbeiten rechtssicher dokumentiert.


Der Autor

Rainer Hardtke beschäftigt sich seit rund 30 Jahren mit den Werkstoffen Holz, Glas und Kunststoff und ist immer wieder überrascht, wie viel Potenzial zu finden ist.

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