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Die neue Einbruchnorm

Zwillingsreifen, Handbohrmaschine und die Konsequenzen
Die neue Einbruchnorm

Seit 1999 wird an der Überarbeitung der Vornormenreihe DIN-V ENV 1627ff:1999 gearbeitet. Nach mehr als zehnjähriger Vornormzeit wurde die Normenreihe prEN 1627ff im abschließenden Abstimmungsverfahren, dem so genannten „formal vote“, im Juli letzten Jahres von den europäischen Mitgliedsländern angenommen. Der Autor, Jens Pickelmann vom ift-Rosenheim, erläutert im folgenden Beitrag was sich aktuell in der EN-Norm verändern wird und welche Auswirkungen die neuen Prüfverfahren haben.

Frankreich und England sowie überraschenderweise auch Spanien hatten gegen die Normenreihe prEN 1627ff. gestimmt. Diese negativen Stimmen konnten letztlich jedoch nicht verhindern, dass die wichtigste Normenreihe zum Einbruchschutz positiv angenommen wurde. Einziger Wermutstropfen am positiven Abstimmungsverfahren war die Tatsache, dass Frankreich und England mit der Einleitung eines Berufungsverfahrens (einem so genannten „Appeal“) die letzte Möglichkeit in Anspruch genommen hat, die Veröffentlichung der Normenreihe weiter zu verhindern bzw. zu verzögern.

Nachdem nun auch die beiden Einsprüche geklärt werden konnten, wird die angesprochene Normenreihe in diesem Jahr voraussichtlich die Vornormenreihe ersetzen. Die nachfolgenden Ausführungen erläutern den aktuellen Stand der Normierungsarbeit von prEN 1627ff sowie den kommenden Änderungen und Auswirkungen der neuen Prüfverfahren.
Überarbeitung der Prüfnormen
Hintergrund für die Überarbeitung der Normenreihe war die Notwendigkeit eines Angleiches an den Stand der Technik sowie die Verbesserung der Reproduzierbarkeit der Prüfungen.
Der Anwendungsbereich der europäischen Normenreihe wurde um Vorhangfassaden und Gitterelemente ergänzt. Nicht mehr im Anwendungsbereich von prEN 1627 sind Tore und Schranken, die in den Geltungsbereich von EN 13241-1 fallen. An der grundsätzlichen Aufteilung zwischen statischer, dynamischer und manueller Werkzeugprüfung wurden im Rahmen der Überarbeitung keine Änderungen vorgenommen.
Stand der Prüfnorm EN 1628
Die prEN 1628 beinhaltet in Widerstandsklasse 1 ein neues, statisches Prüfverfahren. Dieses orientiert sich an einem bislang bereits in England für Fenster und Türen verwendeten Verfahren (additional loading test). Hierbei wird – neben dem bekannten statischen Prüfverfahren – eine zusätzliche Last in Flügelebene aufgebracht.
Erste Ergebnisse verdeutlichen, dass hierbei die manuelle Prüfung mit kleineren Hebelwerkzeugen wie Schraubendrehern sehr gut reproduziert wird und in der unteren Widerstandsklasse 1 auf zusätzliche manuelle Versuche verzichtet werden kann.
Neu definiert sind auch die Bewertungskriterien bei der statischen Prüfung. Wurden früher durch die statischen Belastungen entstandene Auslenkungen zwischen Flügelrahmen und Blendrahmen ermittelt und aufgezeichnet, so werden künftig die bei den statischen Belastungen entstehenden Auslenkungen an definierten Stellen über so genannte Spaltlehren ermittelt. Das heißt, das Durchfallkriterium ist dadurch definiert, ob die Spaltlehren mit einem Durchmesser von 10, 25 und 50 mm in den entstandenen Öffnungen durchgeführt werden können.
Stand der Prüfnorm EN 1629
Im Rahmen der Überarbeitung stellte sich heraus, dass das jetzige dynamische Prüfverfahren mit dem 30 kg Sandsack zur Prüfung von Füllungen und Füllungsanbindungen der Bauelemente keine genügenden Aussagen zulässt.
Dem wurde durch eine Modifikation der dynamischen Prüfmethode nach prEN 1629 Rechnung getragen. Künftig wird – ähnlich wie bei der Prüfung von Verglasungen nach EN 12600 – mittels eines 50 kg schweren Doppelrades geprüft. Erste Ergebnisse zeigen, dass durch diese wesentlich höhere dynamische Beanspruchung Systeme notwendig werden, die mittels einfacher Werkzeuge nicht mehr überwunden werden können.
Stand der Prüfnorm EN 1630
Als Erneuerung müssen Produkte in der Widerstandsklasse 1 vor der Prüfung „vorbereitet“ werden: Hierzu werden alle Teile auf der Angriffsseite mit Hilfe der in EN 1630, Anhang A, Werkzeugsatz A1 beschriebenen Werkzeuge abgeschraubt, abmontiert oder manipuliert. Dieses Vorbereitungsverfahren darf nicht länger als drei Minuten dauern und muss zerstörungsfrei durchgeführt werden.
Im Bereich der manuellen Prüfung erfolgten eine Überarbeitung der Werkzeugsätze und eine detaillierte Beschreibung der Vorgehensweise, um eine bessere Reproduzierbarkeit der Prüfungen sicherzustellen.
Eine wesentliche Änderung stellt die Aufnahme von Sägewerkzeugen in den Werkzeugsatz A2 (früher Werkzeugsatz A) dar, um auch Prüfungen nach DIN 18106 zu integrieren. Hierdurch werden aber auch Bänder, die auf der Angriffsseite liegen, „neuen Manipulationsmöglichkeiten“ ausgesetzt. Ein weiterer Punkt ist die Aufnahme der Handbohrmaschine in den Werkzeugsatz A3 und der Spalthammer mit Stahlkeilen, der im Werkzeugsatz A6 der künftigen Widerstandsklasse 6 hinzu kommt. Die Widerstandszeiten in den Widerstandsklassen 2 bis 6 sind dabei unverändert geblieben.
Nationaler Anhang
Nach aktuellem Stand wird zur EN 1627ff auch ein „Nationaler Anhang“ veröffentlicht, in dem weitere Informationen zu den Beschlägen, Mindestanforderungen an umgebende Wände und der Korrelationstabelle zu finden sein werden.
Folgende Inhalte sind geplant:
  • Schließzylinder, Schutzbeschläge und Schlösser
  • Einzusetzende Verglasung
  • Prüfungen
  • Freiwillige Zertifizierung (Güteüberwachung)
  • Kennzeichnung
  • Montage und Bescheinigung
  • Einsatzempfehlungen
  • Hinweise zur Ausschreibung
  • Hinweise zur Auftragsvergabe
  • Einbruchhemmende Türen in Flucht- und Rettungswegen
  • Korrelationstabelle
Fazit und Ausblick
Nach fast zehnjähriger Überarbeitungszeit sind die europäischen Vornormen zum Einbruchschutz fertig gestellt. Obwohl die Änderungen im Rahmen der Überarbeitung von EN 1627ff. auf den ersten Blick sehr umfangreich erscheinen mögen, werden sich die Auswirkungen auf bestehende Konstruktionen im erträglichen Maß halten. Gerade bei den wichtigen Widerstandsklassen 2 und 3 wurden nur kleine Änderungen vorgenommen, bewährte Konstruktionen werden auch künftig die Anforderungen erfüllen. Wesentlich für die Industrie ist die Möglichkeit der weiteren Verwendung der Prüfergebnisse in den Widerstandsklassen 2 bis 5. ■
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