ift Rosenheim gibt Tipps für die sichere Befestigung

Dübelversagen im Mauerwerk

Baugröße und Lochbild der Steine sowie Randabstände sind bei modernen Mauerwerken entscheidende Faktoren für einen sicheren Halt. Wolfgang Jehl vom ift Rosenheim erläutert, was bei der Fensterbefestigung in hochwärmedämmendem, monolithischem Mauerwerk mit geringer Dübeltragfähigkeit alles beachtet werden muss.

Wolfgang Jehl

Um weiterhin monolithisch mit Ziegelmauerwerk bauen zu können und trotzdem die Anforderungen der EnEV zu erfüllen, wurden die Steine in den letzten Jahren wärmetechnisch optimiert. Diese modernen Ziegelmauerwerkssteine haben die Eigenschaft, dass sie weniger tragfähig sind. Dies bezieht sich hierbei auf die Befestigung von Bauelementen in diesem Mauerwerk und nicht auf die Tragfähigkeit der Wand, insbesondere bei den „Setzpositionen“ von Fenstern in der Mauerlaibung aufgrund des Lochbildes dieser Steine. „Nach unserer Einschätzung wird sich die Verwendung hochwärmedämmender Ziegelsteine erhöhen, insbesondere in Regionen, in denen traditionell monolithisch gebaut wird“, erläutert Wolfgang Jehl.

Wahl und Einsatz der Befestigungsmittel

Gemäß dem Leitfaden zur Montage (Ausgabe März 2014) wird hinsichtlich der Befestigung von Fenstern/Außentüren in Mauerwerk mit geringer Dübeltragfähigkeit eine statische Bemessung empfohlen (Sonderfall 1). Hierzu bietet das ift Rosenheim auch eine App (ift-Befestigungsplaner: siehe Kasten rechts) zur Unterstützung der Verarbeiter an. Sind die einwirkenden Kräfte ermittelt, kann mit Unterstützung der Befestigungsmittelhersteller das geeignete Produkt ausgewählt werden. Hierzu muss das Dübeltragverhalten im konkreten Stein bekannt sein. Die einwirkenden Kräfte können über die Anzahl der Dübel und deren Anordnung ggf. günstiger verteilt werden. Die Verarbeitungsvorgaben für das gewählte Befestigungsmittel sind zwingend zu beachten. Werden besondere Eigenschaften für das Bauelement gefordert, z. B. Einbruchhemmung oder Absturzsicherung, ist vor Ausführung die Machbarkeit zu prüfen, ob entsprechende Nachweise einzuholen sind (Sonderfall 2).

Neue Mauerwerkstypen in der Praxis

Es gibt im Wesentlichen zwei Steintypen. Dies sind Steine mit filigranem Lochbild und dünnen Stegen, die teilweise auch mit Dämmstoff gefüllte Hohlräume haben oder Steine mit großvolumigem Lochbild, dickeren Stegen und mit Dämmstoff gefüllten Hohlräumen. Teilweise ist auch das Steinmaterial porosiert. Untersuchungen zur Dübeltragfähigkeit dieser Steine haben gezeigt, dass das Lastniveau gegenüber herkömmlichen Steinen um bis zu 60 % reduziert sein kann. Weiterhin müssen die Befestigungsmittel und die Anwendung auf die Lochbilder der Steine abgestimmt sein. In der Regel sind hier deutlich längere Dübel erforderlich. Bohrungen in diesen Steinen müssen zwingend im Drehbohrverfahren mit dem vorgegebenen Bohrerdurchmesser ausgeführt werden, um einen festen Sitz des Dübels im Untergrund zu gewährleisten.

Abgestimmte Systeme sorgen für Sicherheit

Vonseiten der Steinindustrie werden spezielle Laibungssteine mit angepasstem Lochbild und Stegdicken angeboten, die eine deutlich höhere Dübeltragfähigkeit aufweisen, aber nicht zwingend gefordert werden. Daher werden diese Lösungen bislang häufig i. d. R. nicht verwendet. Befestigungsmittelhersteller bieten speziell auf diese Steine abgestimmte Befestigungsmittel an. Die verminderte Tragfähigkeit wird zum Teil auch dadurch kompensiert, dass vonseiten der Befestigungsmittelhersteller eine höhere Dübelanzahl empfohlen wird (Verteilung der einwirkenden Flächenlasten aus Winddruck/-sog auf mehrere Befestigungspunkte). Dadurch verringern sich die Befestigungsabstände gegenüber den bisher bekannten 70 cm (bei PVC) bzw. 80 cm (bei Holz, Metall) deutlich. Bei punktuell einwirkenden Lasten (Horizontalkräfte bei öffenbaren Elementen) wird der Einsatz von Zusatzbefestigungen empfohlen.

Tipps für die tägliche Praxis

Die fachgerechte Befestigung sollte ernst genommen werden und die Montagebetriebe müssen sich auf die veränderten Einbaubedingungen einstellen. Die bislang bekannten allgemeinen Regeln der Technik reichen bei diesen Verankerungsgründen nicht mehr aus, um eine fachgerechte, dauerhafte Befestigung zu gewährleisten. Der Leitfaden zur Montage sowie der ift-Befestigungsplaner geben dazu Hilfestellung und es sollte auch die konkrete Unterstützung vonseiten der Befestigungsmittelhersteller eingefordert werden. Gegebenenfalls können auch alternative Befestigungsmittel in diesen Mauersteinen, z. B. Maueranker (Dübel mit Lasche), eingesetzt werden, da durch die günstigere Lasteinleitung (Querkraft, keine Biegung), höhere Tragfähigkeiten möglich sind. Bei besonderen Anforderungen (Einbruchhemmung, Absturzsicherung) sollte so früh wie möglich, also bereits in der Angebotsphase, die grundsätzliche Machbarkeit mit dem Systemgeber und dem Hersteller von Befestigungsmitteln geklärt werden.


ift Befestingungsplaner

Sicher geplant hält besser

Ein wichtiger Teil der Montage von Fenstern und Türen ist deren Befestigung. Das gilt besonders bei großen und schweren Elementen, vertikalen Nutzlasten nach EN 13115, liegenden Fensterformaten sowie der Montage außerhalb der Laibung oder bei Mauerwerk mit geringer Tragfähigkeit. Hier empfiehlt der RAL-Montageleitfaden eine statische Bemessung der Befestigungsmittel (Sonderfall 1). Der ift-Befestigungsplaner berechnet per Mausklick die einwirkenden Kräfte, mit denen sich die Anzahl und das richtige Befestigungsmittel bestimmen lassen. Die eingegebene Fensterbeschreibung, das Bauprojekt und die Berechnungsergebnisse stehen als PDF-Dokument zur Verfügung und können dem Architekten oder Statiker als Nachweis übergeben werden. Die Integration des Befestigungsplaners in das ift-Montagetool ist in Arbeit und wird die Bedienung weiter vereinfachen.

www.befestigungsplaner.de


Der Autor

Wolfgang Jehl ist im ift Rosenheim als Produktmanager für den Bereich äußere Abschlüsse, Montage und Baukörperanschlüsse tätig.