VdS über elektronische Sicherheitskomponenten

Einbrecherverhalten im Wandel?

Alle zwei Minuten wird eingebrochen. Sie werden etwa zehn Minuten brauchen, um diesen Artikel zu lesen. Das macht fünf erfolgreiche Einbrecher. Dabei ist die Vorgehensweise seit Jahren die gleiche: Mittels eines Schraubendrehers wird das Standardfenster aufgehebelt. Bieten elektronische und smarte Lösungen hier mehr Schutz? VdS klärt auf.

Sebastian Brose

Der Markt für Sicherheitstechniken an Fenstern und Türen bietet eine enorme Vielfalt, ob mechanisch oder elektronisch. Die Kernherausforderung selbst für Experten ist hierbei, zu bestimmen, ob die angebotenen Produkte auch wirklich zuverlässig schützen. Das ist von außen schon bei Schlössern oder Riegeln kaum zu sagen – und um so weniger bei den hochgradig komplexen elektronischen Sicherungskomponenten.

Elektronische Komponenten reichen nicht

Die Vorgehensweise der Einbrecher ist seit Jahren die gleiche: 80 % der in Deutschland verbauten Standardfenster lassen sich innerhalb weniger Sekunden mit einem einfachen Schraubenzieher aufbrechen. Die wichtige Konsequenz: Schutz allein durch elektronische Komponenten, also z. B. durch Alarmanlagen oder durch Video-Überwachung, reicht nicht – Nutzer erhalten dann einen Alarm z. B. auf ihr Handy, während sie gerade im Urlaub sind – und sie schauen garantiert nicht ständig drauf. Selbst wenn der Alarm vom weit entfernten Hausbesitzer sofort bemerkt wird: Die Täter haben die üblichen Wertsachenverstecke im Haus ruckzuck durchwühlt und sind schnell wieder verschwunden, lange bevor die Polizei alarmiert werden kann und vor Ort eintrifft. Und Kamerasysteme gerade im niedrigklassigen Bereich liefern üblicherweise nur verwischte Bilder von jemandem mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze – wenn sie überhaupt Bilder aufzeichnen. Deshalb ist das Wichtigste für jedes Einbruchschutzkonzept die mechanische Absicherung von Fenstern und Türen, denn schließlich sollen die Täter gar nicht erst ins Haus kommen.

Es ist auch nicht davon auszugehen, dass der Trend zum Smart Home mit besonders vielen elektronischen Sicherungselementen mittelfristig zu relevanten Wechseln im Einbrecherverhalten führt – warum sollen sich die Täter mit aufwendiger IT-Technik aufrüsten, wenn es auch ein ganz einfacher Schraubendreher tut? Natürlich gibt es immer wieder spektakuläre Fälle, in denen professionelle Täter oder Hacker die Steuerung eines Smart Homes übernehmen und sich selbst die Türen öffnen. Aber das werden vorerst Ausnahmen bleiben.

Moderne Schließsysteme bieten Sicherheit

Bequemlichkeit bieten derzeit verschiedenste elektronische Schließsysteme. Fingerscanner, PIN-Codes, Smartphone-Apps, Chips und dergleichen – all diese Lösungen können Einbrechern echten Widerstand entgegensetzen oder eben nicht. Das ist von außen oftmals kaum zu beurteilen. Deswegen achten Experten auf die VdS-Anerkennung für solche Produkte – wenn geprüft und für sicher befunden, bieten auch die potenziell unsicheren App-bedienten Türen denselben Widerstandsgrad wie ein klassischer Schließzylinder. Und ob Bluetooth, NFC oder dergleichen – mit entsprechender Programmierung, aktuellen Verschlüsselungsverfahren und – vor allem – der Verwendung sicherer Passwörter bieten auch diese Annehmlichkeiten optimale Sicherheit. Hilfestellungen für die sichere Gestaltung von Apps im Einbruchschutzbereich befinden sich in den kostenlos erhältlichen Richtlinien VdS 3169-Smart Device Applikationen.

Alle mit dem VdS-Qualitätssiegel ausgezeichneten Produkte und Dienstleister gibt es unter www.vds-home.de.


Der Autor

Dipl.-Wirtschaftsjurist (FH) Sebastian Brose ist stv. Abteilungsleiter Firmen und Fachkräfte bei VdS, Europas Nr.1-Institut für Unternehmenssicherheit.