Restaurierung und Ergänzung von historischen Holzbauteilen. Holz ersetzen oder Holzersatzstoffe verwenden? - BM online
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Holz ersetzen oder Holzersatzstoffe verwenden?

Restaurierung und Ergänzung von historischen Holzbauteilen
Holz ersetzen oder Holzersatzstoffe verwenden?

Historische Bauteile aus Holz wie zum Beispiel Fenster oder Türen sind Bestandteil eines Gebäudes oder Denkmals. Sie haben neben ihrer technischen Funktion einen historischen Wert und sind Teil des Gesamtdokumentes „historisches Gebäude“. Bei der Instandsetzung fragen sich viele, wie das Holzbauteil am effektivsten repariert werden kann und ob auch Holzersatzstoffe dafür eingesetzt werden dürfen.

Heinrich Piening

Historische Bauwerke – weil sie als besonders schützenswert angesehen werden – können unter Denkmalschutz gestellt werden, sodass der Erhalt zwar nicht zwingend durch die öffentliche Hand erfolgt, jedoch unter behördlicher Aufsicht durch die entsprechenden Denkmalbehörden überwacht bzw. begleitet wird. Hier gilt es, die Grundlagen der materiellen Denkmalpflege anzuwenden und mit den jeweiligen landesrechtlichen Bestimmungen in Einklang zu bringen. Viele dieser Regelungen sind jedoch auslegbar, das heißt, sie lassen sich im Detail z. B. zwischen Eigentümer und Bauherr/Nutzer abstimmen. Hier ist mitunter auch die Fach- und Sachkompetenz in den Behörden gefragt.

Die Auswahl der Materialien zur Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen sind vielfältig, hier sind kreative Lösungen nicht durch denkmalpflegerische Vorgaben ausgeschlossen oder gar verboten. Die ausführende Firma sollte sich jedoch bestätigen lassen, dass ihr Konzeptvorschlag vom Bauherrn akzeptiert wird, da dieser gegebenenfalls Sachbeschädigung geltend machen kann. Grundsätzlich gilt jedoch:

  • Der Erhalt der historischen Substanz steht im Vordergrund, der Eingriff sollte so gering wie möglich ausfallen.
  • Das Gesamtwerk muss „lesbar“ bleiben, es soll nichts entfernt oder hinzugefügt werden, was die ursprüngliche Aussage entstellt.
  • Es darf durch ausgeführte Maßnahmen keine dauerhafte Veränderung oder langfristige Schädigung verursacht werden.
  • Verbautes Holz hat eine Funktion zu erfüllen.
  • Die ausgeführten Maßnahmen sollen reversibel sein.

Anforderungen an eine fachgerechte Ergänzung

Durch Schadorganismen geschädigtes Holz hat seine holztypischen Eigenschaften verloren. An einer geschädigten Stelle ist es notwendig, eine für die Kraftübertragung zwischen alt und neu sichere Situation wiederherzustellen. Im Idealfall haben die verwendeten Materialien gleiche oder ähnliche technische Eigenschaften wie das umgebene Holz hinsichtlich E-Modul, Biegefestigkeit, Schrumpfverhalten oder Beschichtungsfähigkeit. Alle auszuführenden Maßnahmen sollten unter möglichst weitgehendem Erhalt an historischer Substanz erfolgen. Da es keine Vorschriften für Fenster und Türen gibt, die einen Rückschnitt oder ein Gesundschneiden einer geschädigten Stelle beschreiben, wurden auch für die Art und Ausführung der Ergänzungen keine Vorschriften erlassen. Hier werden die Ausführungsdetails in der Regel durch die Konzeptgestaltung des Auftraggebers oder des betreuenden Denkmalamtes abgewogen.

Für viele ausführende Firmen ist eine klassische holztechnische Ergänzung durch Rückschnitt und Anstückung beziehungsweise Ausfräsen und Anpassen der Fehlstelle eine gängige Methode zur Wiederherstellung der gewünschten Funktion des Holzteils. Diese Vorgehensweise ist jedoch häufig mit einem größeren Verlust an Originalsubstanz verbunden, der vermeidbar wäre. Wie letztlich eine Rückführung des abgebauten Materials erfolgt, ist nebensächlich, solange der Eingriff materialschonend erfolgt.

Alternativ zur Anstückung können jedoch auch Stäbchenergänzungen ausgeführt werden, die sich mit wenig Aufwand auch ungleichmäßigen Bruchsituationen anpassen lassen. Ebenfalls ist es möglich, Passstücke grob anzupassen und die formschlüssige Anpassung durch füllende, nicht schrumpfende Klebebrücken zu gewährleisten. Auch die Verwendung von 3D-Frässtücken oder Drucken aus geeigneten Materialien wäre denkbar.

Holzersatzstoffe zur Instandsetzung

Während bei holzsichtigen Ergänzungen eine gute Passform der Ergänzungsteile notwendig ist, ist dies bei farbig gefassten Bauteilen nicht zwingend erforderlich. Hier kann, wenn die Fehlstellen keine konstruktiv relevanten Größen überschreiten (ca. 20 % der Materialstärke), auf Holzersatzmassen zurückgegriffen werden. Die Verwendung dieser Stoffe ermöglicht zudem einen wesentlich höheren Erhalt an originaler Substanz, da nur ein geringer Rückschnitt und Vorfestigung notwendig sind, um eine ausreichende Gesamtfestigkeit und somit einen Funktionserhalt zu erzielen.

Hier bieten gefüllte und ungefüllte Massen zum Beispiel auf der Basis von Epoxiden oder Polyurethanen eine sinnvolle Möglichkeit. Bei der Auswahl dieser Füllstoffe ist darauf zu achten, dass diese nichtschrumpfend sind, in ihren physikalischen Eigenschaften etwa dem umgebenen Holz entsprechen und eine gute Alterungsstabilität aufweisen.

Hier sind zertifizierte Stoffe zu bevorzugen, alternative Produktzusammenstellungen sollte sich der Auftragnehmer genehmigen lassen. Zudem sollten Materialien auch baustellentauglich als „Ready to use“ ohne tiefgreifende Fachkenntnisse oder spezielle Vorrichtungen zu verarbeiten sein. Denn in der Vergangenheit hat die unzureichende Zubereitung der 2-Komponenten-Systeme (Überschuss an Härter/Harz, schlechte Durchmischung der Komponenten, fehlerhafte Applikation und dadurch verursachte Schäden) zu ihrem teilweise negativen Image beigetragen. Um diesem vorzubeugen, sollten die ausführenden Handwerker, die 2-K-Systeme verwenden, auch spezielle Schulungen besuchen. Hat Holz ein Abbaustadium erreicht, das größere Ergänzungen notwendig macht, ist die Diskussion über die Reversibilität von Festigungs- und Ergänzungsmassen eher als nicht vordringlich anzusehen.


Der Autor

Dr. Heinrich Piening ist gelernter Schreinermeister, Diplom-Restaurator für den Fachbereich Möbel und Holzobjekte und seit 1995 Leiter der Möbel-und Holzrestaurierung der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, München.

www.schloesser.bayern.de

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