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Klebend oder schwimmend verlegen?

Unterschiede zwischen schwimmend verlegten oder vollflächig verklebten Parkettböden
Klebend oder schwimmend verlegen?

Um es vorwegzunehmen: Es gibt keine Vor- oder Nachteile zu der einen oder anderen Verlegeart, nur Unterschiede. In der Praxis werden Parkettböden auf neue Estriche meist verklebt. In Altbauten kann, je nach Unterkonstruktion, eine schwimmende Verlegung sinnvoll erscheinen. Die Verlegeart sollte situativ begutachtet werden. So haben beide Varianten ihre Berechtigung und, je nach Sichtweise, vielleicht Vor- oder Nachteile.

Bernhard Lysser

Auch wenn die schwimmende Verlegung oft als sehr einfache Handarbeit angepriesen wird, einiges an Fachwissen ist trotzdem notwendig. Insbesondere gilt es, die Verlegeanleitungen des Bodenherstellers sowie den Stand der Technik in der Verlegepraxis zu beachten. Dazu gehören unter anderem Dessinvorgaben oder Stoßversätze verschiedener Parkettarten, Leimmengen und Kleberarten zu den unterschiedlichen Produkten sowie Untergründen, aber auch große Fugenbreiten für die schwimmende Verlegung gegenüber Wänden und anderen Boden abgrenzenden oder durchdringenden Bauteilen. Maximale Flächengrößen für schwimmende Holzböden sind ebenso zu beachten wie Haftungseigenschaften von Klebern auf alten Unterkonstruktionen.

Unterkonstruktion ist entscheidend

Beide Verlegevarianten erfordern einen ebenen und trockenen Untergrund. Ausebnungen sollten mit identischen Produkten ausgeführt werden. Die Unterkonstruktion zur Aufnahme von Parkett muss druckfest vorliegen. Für die vollflächige Verklebung werden zusätzlich hohe Zugfestigkeiten in den Oberflächen der Estriche oder Unterbauten gefordert. Verklebtes Parkett leitet nämlich seine nie vermeidbaren natürlichen Schwind- und Quellkräfte aus Feuchtigkeitsveränderungen im Holz via Klebstoffverbindung in den Untergrund und muss von diesem schadenfrei aufgenommen werden. Dass der Parkettklebstoff diesen Kräften ebenso gerecht werden muss, versteht sich von selbst.

Eine im Neubau zu feuchte Unterkonstruktion (Estrich) kann oft mit einer Dampfbremse oder -sperre aus PUR- oder Epoxydharz „abgedichtet“ werden. Geeignet zur Dämmung von Feuchte sind aber ausschließlich Zementestriche. Zu feuchte Kalziumsulfatmörtel dürfen nie mit einer Dampfbremse oder -sperre abgedichtet werden. Derartige Feuchtedämmungen sind ebenso unter beiden Verlegearten möglich. Bei einem schwimmend verlegten Parkett kann die Dampfbremse bei nur gering zu hoher Restfeuchte im Untergrund auch mit einer speziellen Folie schwimmend ausgelegt werden.

Holzunterkonstruktionen, meist in Umbauten oder Renovierungen von älteren Häusern, müssen fest und möglichst ohne Knarr- und Knistergeräusche vorliegen. Manchmal sind Zusatzverschraubungen notwendig.

Dazu erfordern die alten Holzböden ebenso eine ordentliche und normgerechte Ebenheit. Ist diese vorhanden, kann auf eine geeignete Zwischenlage Parkett schwimmend auf die bestehende Holzunterkonstruktion verlegt werden. Eine vollflächige Parkettverklebung darf jedoch nicht direkt auf alte Parkett- oder Riemenböden vorgenommen werden. Hierzu muss unbedingt zuerst eine Holzwerkstoff- oder Entkoppelungsplatte eingesetzt werden, welche mit dem alten Boden verklebt oder verschraubt wird. Darauf kann erst die vollflächige Verklebung von neuem Parkett erfolgen.

Optische Erscheinung

Massivparkett „arbeitet“, das heißt schwindet und quillt grundsätzlich mehr als Mehrschichtprodukte. Fugenbildungen sowie konkave Verformungen (Schüsselungen) liegen im Winter bei Massivholz intensiver vor, als bei Produkten mit mehreren Schichten. Dazu gilt: umso größer, respektive breiter das Element, desto mehr werden die natürlichen Verformungen sichtbar.

Für die schwimmende Parkettverlegung sind nur wenige Produkte aus Massivholz auf dem Markt erhältlich. Mehrschichtparkette dagegen können oft für beide Verlegevarianten eingesetzt werden.

Bezüglich der Verlegeart kann hierzu festgehalten werden, dass die schwimmende Verlegung über die ganze Fläche schwindet oder quillt und dadurch Fugen zwischen den einzelnen Elementen im Winter weniger breit ausfallen, als bei der vollflächigen Verklebung, wo jedes Produkt fix an seinem Ort kleiner oder größer wird.

Speziell Mehrschichtprodukte können in großen Formaten und vollflächiger Fixierung mit dem Untergrund auch stirnseitig Fugen erzeugen, da die Mittellage eine Breite in der Elementlänge aufweist und dadurch meist mindestens ein zehnmal größeres Schwindmaß erzeugt, als die Decklage in der Breite. Mehrschichtdielen können also im Winter auch entsprechend große Stirnfugen aufweisen, was mit einer gezielten H-Verleimung weitestgehend verhindert werden kann. Die H-Verleimung ist eine zusätzliche Verklebung der Nut/Kammverbindung mit Weißleim, H-förmig im Bereich der Stirnstöße.

Schallschutz spielt eine gravierende Rolle

Neubauten oder neuere Konstruktionen weisen den Trittschallschutz konstruktiv zwischen Estrich und Betondecke auf. Ob über dem Estrich eine Verklebung oder schwimmende Parkettverlegung ausgeführt wird, ändert am Trittschallschutz nach unten kaum bis gar nichts.

Liegt jedoch eine ältere Unterkonstruktion mit schlechtem Trittschallschutz vor, kann die schwimmende Verlegung sehr gute Resultate im Schallschutz erzielen – mit zusätzlicher Trittschallminderung – durch den Einsatz einer Zwischenlage mit speziellen Schalldämmungseigenschaften.

Bei einer vollflächigen Verklebung kann eine zusätzliche Trittschalldämmung, je nach Parkettart, mit einer Zwischenlage aus Kork oder einer speziell für Parkettböden konzipierten Entkoppelungsmatte/-platte erfolgen. Elastische Klebstoffe jedoch dienen dazu kaum, da keine Garantie vorliegt, dass überall 1 bis 2 mm elastische Zwischenschicht vorherrscht. Eine einzige kleine Kontaktstelle zwischen Estrich und Holz und die ganze Wirkung, resp. Schalldämmung ist verloren, was mit vollflächig aufgeklebtem Kork oder dergleichen nicht passieren kann.

Der Raumschall wird bei einem schwimmend verlegten Parkett höher, da der Boden beim Begehen oder anderen Kontakten mit dem Parkett einen Hohlton erzeugt. Das große
„lose“ Holzbrett wirkt wie ein Instrument und verstärkt den Ton beim Begehen oder Herunterfallen eines Gegenstandes.

Bei einer vollflächigen Verklebung ist dies nicht der Fall. Die Schallwellen werden von der schweren Unterkonstruktion aufgenommen und gedämmt. Jedoch können bei einer vollflächigen Verklebung dumpfe Trampelgeräusche entstehen, insbesondere beim Barfußgehen. In den darunterliegenden Räumen fallen sie dadurch eher auf und sind hörbarer als bei einer schwimmenden Parkettverlegung. Trägt der Nutzer Socken oder Hausschuhe, ist dies wiederum weitestgehend eliminiert.

Verlegung von schwimmendem Parkett

Die schwimmende Parkettverlegung erfolgt immer auf eine Zwischenlage. Diese kann aus Filz, Filzkarton, Kork, Gummi, Trittschalldämmschaum oder dergleichen bestehen. Nie sollte ein schwimmend verlegtes Parkett direkt auf einen Estrich montiert werden, da beim Begehen Knistergeräusche entstehen könnten. Liegt die Unterkonstruktion ordentlich trocken vor, benötigt schwimmend verlegtes Parkett keine zusätzliche Dampfbremse zwischen Unterkonstruktion und Holz. Die geringen Mengen Wasserdampf von natürlichen Ausdunstungen aus der Unterkonstruktion können im Winter ohne Beeinträchtigung des Parkettbodens ausdiffundieren. Das Holz kann die Feuchte aufnehmen und nach oben abgeben.

Laminatböden sowie andere Mehrschichtprodukte mit Holzwerkstoffträgern und dichter Beschichtung auf der Oberseite müssen jedoch immer mit einer zusätzlichen Dampfbremse verlegt werden. Diese ist eventuell in der notwendigen Zwischenlage integriert. Sonst aber ist eine PE-Folie oder ähnliches einzubauen, mit überlappten und eventuell verklebten Stößen.

Die lose verlegte Parkettfläche erfordert dazu ausreichend breite Anschlussfugen gegen alle Boden durchdringenden oder abgrenzenden Bauteile. Nicht nur vor Wänden sind 10, 15 oder 20 mm breite Anschlussfugen zu konstruieren, sondern auch bei allen Stützen, Radiatorröhren und ähnlichem.

Je nach Raumgröße und Vorgabe des Parkettherstellers oder -lieferanten benötigt die schwimmende Parkettverlegung auch Bewegungsfugen, d. h. Unterbrechungen der Fläche, da das lose verlegte Parkett nicht unendlich lang und breit zusammengesetzt werden darf. Über den sehr breiten Anschlussfugen werden entsprechend dicke Sockelleisten oder Schlupfprofile als Abschlüsse notwendig. Elastische Kittfugen sind nicht möglich, da ihre Elastizität maximal etwa 25 % beträgt. Bei größeren Bewegungen versagt die Fugenmasse ihren Dienst.

Für die Praxis heißt das: 10 mm breite Anschlussfugen müssen 10 mm Bewegungsfreiheit zulassen, was eben mit einer Kittfuge nie erreicht werden kann. Weiter muss beachtet werden, dass die schwimmende Parkett-
verlegung beim Begehen immer ein wenig einfedert/nachgibt. Das erzeugt zwar ein angenehmes, weiches Gehen, andererseits können aber die Möbel, die auf kleinen Füßen stehen, sich bewegen.

Verlegung von geklebtem Parkett

Kann oder wird das Parkett vollflächig mit dem Untergrund verklebt, liegt eine schubfeste Verbindung vor. Dies gilt auch beim Einsatz eines „elastischen“ Klebstoffes. Somit können bei der vollflächigen Verklebung auch schmale Anschlussfugen konstruiert werden, welche ausschließlich dem Schallschutz oder den ungehinderten Bewegungen der Unterkonstruktion dienen. Auch bei einer Chemineeplatte kann das Holz, als Beispiel, direkt und sauber angeschlossen werden.

In der Bodenfläche werden nur Fugen notwendig, wo in der Unterkonstruktion eine Trennung/Fuge vorliegt. Ansonsten bringen Unterbrechungen der Parkettfläche über einem durchlaufenden Untergrund gar nichts.

Die Fugen bei verklebtem Parkett können mit einer Schaumstoffrundschnur und Fugenkitt fertiggestellt werden. Die Fugenmasse weist ausreichende Elastizität auf, um die geringen Bewegungen im Anschlussbereich zwischen Boden und Wänden oder anderen Bauteilen aufnehmen zu können.

Schlussendlich resultiert bei der vollflächigen Verklebung des Parketts auch keine Federung des Bodenbelages beim Begehen. Das Parkett liegt etwa gleich hart vor wie die Unterkonstruktion. Auch hierzu können elastische Klebstoffe kaum bis nichts beitragen.

Reparaturen der verschiedenen Verlegearten

Ein Auswechseln von Parkettelementen in einer schwimmend verlegten Bodenfläche mit traditioneller Nut/Kammverbindung, die mit Weißleim versehen wurde, ist schwierig und kaum durchführbar. Das neue Parkettelement müsste mit dem bestehenden Boden verbunden werden, was mit Lamellos oder dergleichen fast nicht möglich ist.

Klicksysteme haben im Bedarfsfall die Möglichkeit, bis zum beschädigten Teil den Boden abzubauen und nach dem Einsetzen eines neuen Elementes das Parkett wieder einzuklicken – in der Praxis wird dies aber nur selten angewandt.
Das heißt auch, dass bei Fußboden-Klicksystemen Reparaturen ebenso ihre Tücken haben, trotzdem aber einfacher möglich sind, als das Auswechseln eines Parkettelementes mit traditioneller und verleimter Verbindung.

Vollflächig verklebtes Parkett lässt sich problemlos örtlich ersetzen. Nach dem Entfernen des Holzes ist der Untergrund gründlich zu reinigen, bevor die neuen Parkettstücke eingeklebt werden. Ein Einzelelement kann theoretisch sogar stumpf eingesetzt werden, da die Nut/Kammverbindung über der vollflächigen Verklebung lediglich eine Verlegehilfe darstellt und nach dem Aushärten des Parkettklebstoffes keine Funktion mehr aufweist. Sach- und fachgerecht aber werden die Nut- Kammverbindungen wieder benutzt, damit keine unnötigen Höhendifferenzen/Überzähne zwischen bestehendem Boden und neuem Parkett resultieren. Beim letzten oder dem einzusetzenden Parkettelement muss lediglich die Nutunterwange abgeschnitten werden. So können die Reparaturen einfach ausgeführt werden.

Zu berücksichtigen ist der Zeitpunkt für ein Auswechseln von Einzelelementen aus einem vollflächig aufgeklebten Parkettboden. Am Ende der Heizperiode, also im Frühjahr, weist das Holz die tiefste Ausgleichsfeuchte auf und liegt meist mit kleinen Fugen vor. Das beschädigte Element kann zu diesem Zeitpunkt problemlos oder zumindest einfacher ausgebaut und das Neue eingesetzt werden, ohne dass Nachbarelemente Beschädigungen erfahren. Im Sommer/Herbst ist dies kaum möglich, da das Holz unter Quelldruck steht und nach dem Entfernen eines Parkettteils die Lücke meist ein wenig kleiner wird. Das neue Parkett in Originalbreite kann kaum bis gar nicht eingesetzt werden.

Oberflächen-Renovierungen

Auf einer festen, stabilen Konstruktion, das heißt bei einer vollflächigen Parkettverklebung, ist ein Schleifen mit einer schweren Bandschleifmaschine einfacher und erzeugt eine regelmäßige Oberfläche, da kein Nachgeben des Holzes unter der Maschine möglich ist. Auch kann der Holzabtrag meist feiner dosiert werden, sodass vollflächig verklebte Parkettböden weniger Nutzholzverlust aufweisen bei einer Oberflächenüberarbeitung.
Schwimmend verlegtes Parkett mit seiner Eigenschaft von Einfederungen erfordert leichtere Maschinen und bedeutet auch mehr Aufwand, um das gleiche Resultat zu erzielen.

Die neue Oberflächenbehandlung bzw. -versiegelung kann in beiden Situationen ohne Einschränkungen aufgetragen werden.


Der Autor

Bernhard Lysser, Experte ISP (Interessengemeinschaft der schweizerischen Parkettindustrie) und Mitglied Swiss Experts (schweizerische Kammer technischer und wissenschaftlicher Gerichtsexperten)

info@parkett-verband.ch

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