Messerückblick Glasstec 2018. Multitalent Glas - BM online

Messerückblick Glasstec 2018

Multitalent Glas

Vom 23. bis 26. Oktober 2018 fand in Düsseldorf die Weltleitmesse Glasstec statt. Beim Gang durch die Messehallen, speziell bei der Sonderschau Glass Technology live, wurde klar: Glas bzw. Fenster werden zunehmend intelligenter und digitaler. Doch es gab auch noch viele andere Neuheiten, die für Aufmerksamkeit sorgten.

Matthias Fischer

Wenn wir ein wenig in die Zukunft blicken, dann wird sich das Fenster von morgen, überspitzt gesagt, praktisch als Rechner nutzen lassen. Man wird über das Fenster ins Internet gehen oder es abends als Fernsehgerät nutzen können. Verschiedene Varianten von Smart Glass kennt man heute bereits vom Smartphone. Auch in vielen Automobilen der Mittel- und der Oberklasse trifft man zunehmend auf intelligentes Glas. Hier werden interaktiv Informationen von Messsensoren und den ins Fahrzeug integrierten Kameras auf die Front- oder Seitenscheiben gebracht. Und selbstverständlich ist die Vernetzung mit den Smartphones und Tablets der Insassen möglich. Auch die Lichtdurchlässigkeit des Fahrzeugglases lässt sich unter Einfluss von Sonnenlicht, Hitze oder elektrischer Spannung verändern.

All dies ist auch im Gebäudesektor denkbar. Mit sogenannten Ultradünngläsern werden vor allem Touchscreens mehr und mehr Anwendung finden. Verstärkt dringen die Monitore mit Glasoberfläche bereits seit einigen Jahren auch in Kaufhäuser und Einkaufszentren vor. So bieten sie etwa als große Infoboards Kunden Orientierung, denn es lassen sich über die Monitore vielfältige Informationen abfragen. Auch an den Regalen in Bau- und Supermärkten setzen sich Displays durch. Marktbetreiber können so beispielsweise auf Knopfdruck Preise verändern oder dem Kunden zusätzlich aktuelle Informationen zum Produkt bieten.

Spiegelein, Spiegelein du kannst mehr

Mit einer speziell entwickelten, pfirsichfarbenen Beschichtung, die den vorhandenen Grünstich im Glas ausgleicht und „kaltes“ Kunstlicht in Innenräumen korrigiert, wird eine natürliche Reflexion des Spiegelglases erzeugt. Besonders in Kosmetikshops und Modeboutiquen ist eine naturgetreue Wiedergabe des Spiegelbilds kaufentscheidend.

Ein weiteres Spiegelglas dient als digitaler Trainingsspiegel für Fitness- und Physiotherapiestudios, der dem Trainierenden ein personalisiertes Trainingserlebnis bietet. Der Spiegel misst jede Bewegung, ohne dass der Sportler Sensoren am Körper tragen muss. Dem Nutzer wird erklärt, wie er die Übungen auszuführen hat. Dabei erkennt und korrigiert der Spiegel die Fehler in Echtzeit und ermittelt den Fortschritt des Nutzers. Das Feedback wird während des Trainings über visuelle Elemente auf der Spiegeloberfläche dargestellt.

Glas, der Allrounder

Intelligentes Glas im Gebäude kommt auch bei Trennwänden vor. Beispielsweise dort, wo Anwender zwischen Transparenz und Transluzenz, also Blickdichtigkeit umswitchen möchten. Vor allem in der modernen Büroarchitektur, wo hauptsächlich in teuren Metropolen auf relativ kleinen Flächen durch mobile Trennwände immer wieder neue Räume entstehen können, werden Gläser mit diesen Eigenschaften zu wichtigen Gestaltungsmitteln. Per Wandschalter oder Fernbedienung können die Nutzer zwischen durchsichtig oder undurchsichtig wählen. Dieser Effekt lässt sich beliebig oft wiederholen, denn Flüssigkristalle in einer leitenden Schicht machen dies möglich. Sobald elektrische Spannung erzeugt wird, wechselt das Glas von Opak zu Transparent.

Flächiges Glas wird zum Leuchtmittel

Ein weiteres Thema ist die Beleuchtung. Mit OLED (organische Licht emittierende Dioden) findet mehr und mehr eine neue Lichttechnik Einzug ins Gebäude. OLEDs geben im Gegensatz zu herkömmlichen LEDs und allen anderen Lichtquellen ihr Licht über die gesamte Fläche ab. Sie sind somit die ersten echten Flächenlichtquellen, was völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten erlaubt. Ihr Licht ist in etwa mit dem des Himmels vergleichbar, während jenes herkömmlicher Lichtquellen eher dem Sonnenlicht gleicht. Und das Licht ist blendfrei. OLEDs sind sehr dünn und haben meist eine „Dicke“ zwischen nur 0,7 und 1,8 mm. Da sie nur gut 30 ° warm werden, ist eine Kühlung nicht nötig.

Damit ermöglichen OLEDs auch Anwendungen mit Materialien, die bislang in Verbindung mit Licht nicht genutzt werden konnten. Und sie ermöglichen Licht an Stellen, die bisher nicht unbedingt mit Beleuchtung in Verbindung gebracht wurden.

So lässt sich in naher Zukunft bspw. die Fensterscheibe im Bürogebäude einschalten, wenn angenehmes Umgebungslicht gewünscht wird. Auch eine Rundumbeleuchtung in der heimischen Glasdusche ist denkbar, wenn dort OLEDs integriert sind.

Das O in OLED steht für „Organisch“. Tatsächlich verwenden alle Hersteller aber weder tierische noch pflanzliche Komponenten. OLEDs bestehen aus zwei Glasscheiben. Auf die Glasscheiben werden während der Produktion sehr dünne Schichten aus auf Kohlenwasserstoff basierten Chemikalien aufgedampft.

Kohlenwasserstoff zählt zu den organischen Chemikalien, daher erklärt sich der Name. Normalerweise wird eine Schicht Aluminium als Kathode verwendet, weshalb die OLED im ausgeschalteten Zustand wie ein Schminkspiegel aussieht. Ersetzt man das Aluminium durch Silber, das nach dem Verdampfen nicht so stark reflektiert, erscheint die OLED transparent.

Diese Möglichkeit, Licht aus einem scheinbar durchsichtigen Glas zu erzeugen, ohne dass die Lichtquelle im ausgeschalteten Zustand sichtbar ist, lässt sich gegenwärtig nur mit dieser Technik erreichen.

Nicht nur Glas verändert sich

Der Werkstoff Glas bietet unzählige Möglichkeiten. Sei es als dekoratives Gestaltungselement im Innenausbau oder als intelligentes Bauteil in der Fassade bzw. im Fenster. Darüber hinaus ist Glas auch begehbar – sei es als Treppenstufen oder gar als Brückenkonstruktion. Und auch der Größenbegriff für Scheiben wurde in den vergangenen Jahren neu definiert.

So waren auf der Messe beispielsweise die aktuell weltgrößten Scheiben zu sehen. Bis zu 20 m sind solche veredelten XXL-Scheiben groß. Natürlich müssen die riesigen Scheiben auch bewegt werden können – nicht nur mit dem Lkw von A nach B, sondern auf der Baustelle. Etliche Weiterentwicklungen bei den Transport- und leistungsstarken Liftersystemen wurden ebenfalls präsentiert, auch wenn natürlich nicht alle direkt für das Händeln der Riesenformate gedacht sind. Auch bei den Beschlagsystemen bleibt die Entwicklung nicht stehen.

So besteht gerade bei Ganzglaselementen der Anspruch, praktisch keine Fuge und auch keine störenden Beschlagkomponenten zu sehen. Dies lässt sich nur mit extrem filigranen, verdeckt liegenden Systemen realisieren, die sich durch eine stufenlose Seiten- und Höhenverstellung perfekt justieren lassen. Einige Anbieter zeigten mit neuen Beschlägen nicht nur entsprechende Lösungen, sondern Hightech im Miniaturformat.

Neue Berufe entstehen

Und ein weiterer Aspekt wurde auf der Messe deutlich: Die Weiterentwicklung des Werkstoffs Glas stellt auch die Innungen des Glaserhandwerks vor enorme Herausforderungen. Auf der Fachveranstaltung „Handwerk-Live“ wurde in Düsseldorf genau dies thematisiert. Mit der „Glaser Agenda 2030“ trägt die Branche dieser Entwicklung Rechnung und hat neue Berufsbildungsinhalte formuliert.

So wird es „den“ Glaser in der Zukunft sicherlich nicht mehr geben. Vielmehr entwickelt er sich weiter zum Glastroniker, Fenstroniker, Glasarttroniker oder Fahrzeugglastroniker. Auch die Meisterausbildung wird sich selbstverständlich den neuen Herausforderungen anpassen.

Bereits seit einigen Jahren kooperiert der Bundesinnungsverband erfolgreich mit der Handwerkskammer Koblenz, sodass jeder Jungmeister heute die Weiterbildungseinrichtung in Hadamar auch als qualifizierte Elektrofachkraft verlässt.


Der Autor

Matthias Fischer ist seit 2009 freier Fachjournalist und Fachbuchautor. Er verfügt über 25 Jahre Branchenerfahrung und hat viele Jahre als stellvertretender Chefredakteur eines Baufachmagazins gearbeitet.

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