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Planung, Ausschreibung und Ausführung

ift Rosenheim klärt auf: Das muss bei wandbündigen Türen beachtet werden
Planung, Ausschreibung und Ausführung

Die DIN EN 14351-2 gilt für alle Innentüren, auch für Türen mit einer „unsichtbaren“ bzw. verdeckten Zarge (Tapetentürzarge), bei der die Zarge von der angrenzenden Wand überdeckt wird und als Variante einer Blockzarge oder flächenbündigen Zarge gesehen werden kann. Das ift Rosenheim erläutert, welche Aspekte bei der Planung, Ausschreibung und Ausführung beachtet werden müssen.

Andreas Schmidt, Jürgen Benitz-Wildenburg

Das Einsatzgebiet von Innentüren reicht von einfachen Zimmertüren, die einen Raum „nur“ visuell abschließen, bis zu Multifunktionstüren mit speziellen Anforderungen (Schall-/Brandschutz, Sicherheit etc.). Hinzu kommen noch Anforderungen an das Design, also an die Oberflächen, Beschläge, Einbauart etc. Für alle Türen kann die Produktnorm DIN EN 14351-2 als Basis für die Planung, Ausschreibung und Ausführung verwendet werden. Auch wenn diese nicht „harmonisiert“ ist (keine CE-Kennzeichnung möglich), beschreibt die Norm doch den Stand der Technik. Zusätzliche Qualitätsmerkmale für höherwertige Türblätter und Zargen, die bereits in der Ausschreibung beachtet werden sollten, definiert auch die „RAL-Gütegemeinschaft Innentüren“.

Wandbündige Türen und andere Gewerke

Die DIN EN 14351-2 gilt für alle Innentüren, auch für Türen mit einer „unsichtbaren“ bzw. verdeckten Zarge (Tapetentürzarge), bei der die Zarge von der angrenzenden Wand überdeckt wird und als Variante einer Blockzarge oder flächenbündigen Zarge gesehen werden kann. Die Besonderheit bei verdeckten Zargen ist hierbei, dass sich der bekannte Montageablauf und die Gewährleistung ändern. Denn zum Gesamtsystem von Zarge und Türe gehört nun auch das Ausbaugewerk (Trockenbau, Putzer, Maler etc.), das ja die Zarge mit der gewünschten Wandbauart (Trockenbauplatte, Putz, Tapete, Paneelen etc.) überdecken muss. Diese Schnittstelle wird somit in der Planung und Ausführung komplexer, da neben der visuellen Qualität und Lösungen für Bautoleranzen auch Aspekte wie Schalldämmung und Brandschutz zu beachten sind.

Planung und Ausschreibung der Tür

Komfort, Sicherheit und Dauerhaftigkeit werden wesentlich durch eine gute Planung bestimmt. Es reicht nicht aus, eine Innentür pauschal „gemäß EN 14351-2“ zu fordern. Die europäische Produktnorm ist eine Art „Baukasten“, der für einen breiten Anwendungsbereich Optionen für die technischen Anforderungen enthält. Wichtig ist die genaue Definition der funktionellen Anforderungen, bei der die zu erwartende Nutzung des Gebäudes bzw. des Raums beachtet werden muss. Bauherren und Planer sind gefordert, die Anforderungen an die Tür eindeutig zu definieren. Denn es ist ein großer Unterschied, ob es sich um eine einfache Tür zwischen zwei Wohnräumen oder eine Zwischentür handelt, die beispielsweise auch als Fluchtweg eingesetzt wird. Die DIN EN 14351-2 unterscheidet Türen für folgende Verwendungszwecke (die auch kombinierbar sind):

  • Verwendung in Fluchtwegen,
  • Türen mit besonderem Verwendungszweck und Anforderungen,
  • Türen, die lediglich zur Verbindung zwischen zwei Räumen dienen.

Um die Planung, Ausschreibung und Ausführung zu erleichtern, hat das ift Rosenheim die ift-Richtlinie TU-11/1 [2] erarbeitet, die im Gegensatz zur Norm ein sinnvolles Mindest-Leistungsprofil definiert und Empfehlungen für die Ausschreibung von Türen in Abhängigkeit von den Anforderungen gibt. Es werden vier unterschiedliche Komfort- und Sicherheitslevel definiert (siehe Tabelle), mit Festlegungen sinnvoller Kennwerte für die Vielzahl der Eigenschaften. Das gibt Planern, Herstellern und Montagebetrieben die Sicherheit, dass die relevanten technischen Eigenschaften aus einer Vielzahl von Normen und Vorschriften beachtet werden. Die TU-11/1 macht weiterhin konkrete Empfehlungen für wichtige Einsatzbereiche mit der jeweiligen Zuordnung der Anforderungen inkl. detaillierter Informationen zu den erforderlichen Nachweisen, beispielsweise Fähigkeit zur Freigabe, Schall-, Brand- und Rauchschutz, Differenzklimaverhalten, mechanische Festigkeit, Einbruchhemmung, manuelle Bedienkräfte, Wärmedämmung, Luftdurchlässigkeit und Barrierefreiheit.

Die Anforderungen für die Innentüren gelten im Grundsatz auch für den Wandbereich, der die Zarge überdeckt, da Wand und Zarge in diesem Bereich quasi eine funktionale Einheit bilden. Deshalb ist eine qualifizierte Ausschreibung wichtig, bei der die notwendigen Anforderungen für die Tür auch für den betreffenden Wandbereich gemacht werden, beispielsweise die mechanische Stoßfestigkeit oder das Brandverhalten.

Schnittstelle Zarge – Wandbauart

Die komplexe Schnittstelle zwischen Türblatt, Zarge und der Wand kann sehr gut mit der Schnittstelle der Fenstermontage verglichen werden, bei der der Baukörperanschluss meistens auch nach der Fenstermontage erfolgt und die volle Funktion des Fensters (Dichtigkeit) erst nach Abschluss der Folgegewerke (Putzarbeiten, Trockenbau etc.) erreicht wird. Insbesondere die Fuge bzw. Verbindung (Klebung) zwischen Wand und Zarge muss sorgfältig geplant werden, da es wegen unterschiedlicher Materialien, Abmessungen und Beanspruchungen zu Verformungen kommen kann, sodass eine Abdichtung bzw. Anschlussprofile zu wählen sind, die diese Belastungen aufnehmen. Je nach Wandbauart kann auch eine Trennfuge in der äußeren Wandbeschichtung (Trockenbauwand, Putz etc.) erforderlich sein, um die Belastung im Bereich der Zargenüberdeckung zu minimieren. Bei der Planung sollten folgende Aspekte beachtet und geprüft werden:

  • erhöhte Anforderungen an die Tür, die auch für die Wand zu beachten sind (Schall-, Brand- und Rauchschutz, Differenzklimaverhalten, mechanische Festigkeit, Einbruchhemmung, Wärmedämmung, Luftdurchlässigkeit),
  • Materialverträglichkeit von Zarge (Holz, Aluminium, Metall, Kunststoff, Beschichtung) und Wandbaustoff (Putz, Gips, Holzwerkstoffe, Textilien, Sichtbeton, Natursteine, Beschichtungen etc.),
  • Oberflächenbeschaffenheit im Anschlussbereich,
  • unterschiedliche Belastungen (Verformungen) durch mechanische Belastung, Feuchte und Wärme (Ausdehnungskoeffizienten von Zarge und Wand beachten),
  • Toleranzfelder planen,
  • dauerhafte Befestigung/Verbindung zwischen Wand und Zarge planen (mech. Befestigung, Kleben, Hintermörteln etc.),
  • visuelle Anforderungen an die Fuge (sichtbar/unsichtbar, Schattenfuge, Farbe etc.),
  • Auswahl eines geeigneten Abdichtungssystems für die zu erwartenden Fugenbewegungen und Anforderungen an Dauerhaftigkeit, Einbruch, Schall, Brand/Rauch,
  • Abstimmung und Festlegung des Montageablaufs und der Abnahme.

Da es keine detaillierten normativen Vorgaben für die Montage und diese Gewerkeschnittstelle gibt, können konkrete Hinweise zur Ausführung, Abdichtung und dem Anschluss der Wand an die Zarge dem Montageleitfaden für Fenster und Haustüren entnommen werden. Die Problematik und die verwendeten Materialien sind mit der Montage einer Innentür mit verdeckter Zarge vergleichbar. So kann durch eine sorgfältige Planung für die Sonderform der verdeckten Zarge eine dauerhaft funktionsfähige Lösung entwickelt werden.


Infokasten ift-Richtlinie

Die ift-Richtlinie TU-11/1 „Einsatzempfehlung und Prüfung betriebsfertiger Türelemente (Tür, Zarge, Dichtung, Beschläge) innerhalb geschlossener Gebäude“ unterstützt Planer, Hersteller und Montagebetriebe bei der Planung, Ausschreibung und Ausführung von Innentüren. Der Fokus liegt dabei auf der Auswahl und Festlegung der technischen Leistungsmerkmale einer Innentür. Eine Vielzahl an Tabellen und Normenverweisen ermöglicht eine schnelle und fachgerechte Beschreibung der technischen Eigenschaften inkl. der erforderlichen baurechtlichen und normativen Nachweise.

www.ift-rosenheim.de


Die Autoren

Andreas Schmidt (l.) ist stellvertretender Prüfstellenleiter der ift-Labore, Auditor, Referent, Fachautor und Mitglied in verschiedenen Norm- und Fachausschüssen.

Dipl.-Ing. Jürgen Benitz-Wildenburg leitet im ift Rosenheim den Bereich PR und Kommunikation.


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