BM befragte F.Zwei-Chef Jürgen Fabricius zur sinkenden Zahl von Fenstermonteuren

»Schweres Tragen sollte nicht verschwiegen werden«

Es gibt kaum einen Fensterbau- oder Fenstermontagebetrieb, der nicht nach Fenstermonteuren sucht. Da stellt sich die Frage, wie kann der sinkenden Attraktivität des Berufs Fenstermonteur begegnet werden? BM hat dazu F.Zwei-Chef Jürgen Fabricius befragt, der sich schon seit vielen Jahren mit Transport- und Montagehilfen beschäftigt und anbietet.

BM Redakteur Stefan Kirchner

BM: Woran liegt es, dass sich kaum noch jemand für den Beruf Fenstermonteur interessiert?

Jürgen Fabricius: Es gibt kaum Betriebe in unserem Gewerk, die nicht auf ihrer Homepage oder über Job-Agenturen nach zuverlässigen Fenstermonteuren sucht. Dass sich junge Menschen immer weniger für handwerkliche Berufe interessieren, ist ja allgemein bekannt. Besonders die Berufe, bei denen auch schwer gehoben und getragen werden muss, leiden unter diesem Trend. Hinzu kommt, dass die Fenster und Türen durch die steigenden Anforderungen über die Jahre immer schwerer geworden sind. Es gibt tatsächlich Firmen, die meinen, ihnen sei diese Tatsache egal, da sie die Fenster nicht selbst tragen müssen. Gott sei Dank sind es aber nur sehr wenige mit solch einer Denkweise.

BM: Warum reichen die üblichen Stellenanzeigen nicht mehr aus?

Jürgen Fabricius: Suchende Betriebe müssen in ihrem Leitbild eine glaubhafte Aussage darüber treffen, dass sie es mit dem Gesundheitsmanagement erst nehmen. Hierzu gehört zunächst einmal, dass das schwere Tragen nicht verschwiegen, sondern offen angesprochen wird. Nur wenn unter der Rubrik „Wir bieten” wirklich etwas Besonderes geboten wird, hat man Erfolg. So habe ich neulich in einer Stellenanzeige zur Suche von Monteuren folgendes gelesen: Wir bieten für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter folgende Benefits: Intensive Weiterbildungs- und Fortbildungsmöglichkeiten, Gesundheits- und Rückenkurse, betriebliche Altersvorsorge, wöchentliches Lauftreffen, erfolgsabhängige Jahresabschlussvergütung, moderne Arbeitsplätze, ergonomische Arbeitsmittel wie z. B. auch geeignete Fenstertragehilfen, Familien-Sommerfest und Mitarbeiter-Winterfeier, Übernahme der Reinigung von Arbeitskleidung, Tagesgetränke und Obst und vieles mehr. Folglich, ohne etwas höhere Kosten und Engagement, wird es nicht weitergehen.

BM: Welche Maßnahmen könnten die Fensterbaubetriebe gegen dieses Problem ergreifen?

Jürgen Fabricius: Fenster transportieren kostet Geld. Die Transportkosten werden als Frachtkosten in den Kalkulationen berücksichtigt, aber der Anteil der Kosten für das manuelle Heben und Tragen der Fenster und Türen auf der Baustelle ist in den wenigsten Angeboten berücksichtigt. Erst bei der Vorbereitung der Fenstermontage stellt sich heraus, dass das Heben und Tragen gerade in engen, steilen, mehrgeschossigen Treppenhäusern große Probleme macht und sehr zeitaufwendig ist. Der manuelle Transport von Fenstern und Türen auf der Baustelle, gerade bei der Altbausanierung, muss schon rechtzeitig gemeinsam mit den Montageleitern besprochen werden. Wenn erst während der Einbauphase festgestellt wird, dass dieses und jenes gar nicht zu tragen ist, ist es zu spät. Zu wenig berücksichtigt wird auch, dass die alten ausgebauten Fensterflügel aus dem Haus geschafft werden müssen und diese Elemente sind nicht gerade leicht. Sicherlich hat jeder Fenstermonteur als Tragehilfe sogenannte Saugheber dabei, diese Tragehilfen können aber nur sicher an trockenen und sauberen Scheiben angesetzt werden und sind in der Handhabung beim evtl. Umsetzen umständlich. Auf Großbaustellen werden Fensterelemente zeitweise mit einer Seilwinde hochgezogen und auf die Stockwerke verteilt. Theoretisch betrachtet eine tolle Idee. Damit die Fenster aber nicht schon bei wenig Wind direkt an der Hausaußenfassade oder am Gerüst anschlagen und verhaken, dauert der Transport lange. So mancher Fensterbaubetrieb nutzt zum Einbau großer Glasscheiben wie die Hebeschiebeelemente einen Spinnenkran. Doch diese Kräne müssen erst einmal zur Baustelle geschafft und sicher positioniert, wie auch von geschultem Personal bedient werden. Bei der Fenstersanierung im Altbau kommt man mit derartigen Maschinen nicht weiter. Es ist erforderlich, dass Monteure nicht nur beim Thema Fenstereinbau geschult werden, sondern auch bei der Bedienung bzw. des korrekten manuellen Fenstertransportes. Auch ich führe bei Bedarf gerne solche Schulungen durch.

BM: Warum investieren Subunternehmen, die mit der Fenstermontage beauftragt sind, nur wenig in Arbeitserleichterungen?

Jürgen Fabricius: Hier sind mehrere Ursachen zu nennen. Unwissenheit und das Ignorieren, dass sich bei schwerer und falscher Lastenhandhabung langfristig gesundheitliche Probleme ergeben. Daraus folgt das Beibehalten alter Gewohnheiten, nach dem Motto: „Da kann man nichts machen, die Fenster haben wir immer schon so getragen!“ Und von nicht wenigen Chefs hört man: „Habe schon viele verschiedene Tragehilfen gekauft, aber die liegen alle ungenutzt in den Ecken herum.“ Häufig liegt es auch an der finanziellen Ausstattung der Subunternehmer, der Kostendruck gerade bei der Fenstermontage ist gewaltig. Hinzu kommen meist noch lange Anfahrtswege. Neuerdings ist zu beobachten, dass auf den Baustellen zunehmend aus dem Ausland angereiste Arbeiter Fenster und Türen einbauen. Das sind meist keine gelernte Bautischler, sondern ungelernte Hilfskräfte. Diese Subunternehmen von Fenstertragehilfen zu überzeugen, ist geradezu aussichtslos, hier könnte aber die Berufsgenossenschaft Holz und Metall stärker tätig werden.

BM: Warum müssen/sollten Fenstermonteure ausgebildete Tischler/Schreiner sein?

Jürgen Fabricius: Weil das Ausbildungsprofil des Tischlers sehr anspruchsvoll ist und alle Anforderungen des Bautischlers und damit auch die des Fenstermonteurs abdeckt. Zudem wird den Azubis der neueste Stand der Technik vermittelt. Hierbei ist es wichtig, dass Ausbildungsbetriebe und Berufsschulen bei dem Thema Arbeitssicherheit auch auf die Anforderungen der europäischen Lastenhandhabungsverordung und des Arbeitsschutzgesetzes eingehen. Das sollte aber auch in der Praxis umgesetzt werden in Form von Schulungen mit geeigneten Tragehilfen.

BM: Geht es beim Thema rückenschonendes Heben und Tragen rein um die Kosten für Manpower oder Investitionen für bessere Arbeitsmittel?

Jürgen Fabricius: Ja absolut, denn derzeit werden an die Rahmen der meisten in Deutschland hergestellten Fenster und Türen werkseitig nur kurze und schmale Handtragegurte angeschraubt und kaum jemand bestreitet, dass man mit diesen aus Rollladengurt gefertigten Einweghandtragegurten Handschmerzen bekommen kann. Um ausgehängte Fensterflügel zu tragen, lassen sich diese Trageschlaufen, von denen ein Paar um die 22 Cent und das werkseitige Anschrauben ca. 1,50 Euro kosten, ohnehin nicht verwenden. Um Fenster auf der Baustelle rückenschonend zu händeln, lässt es sich nicht vermeiden, in geeignete Hebe- und Tragehilfen zu investieren. Es empfiehlt sich für Fenstermonteure ein Mittelmaß an Tragehilfen zu organisieren.

BM: Warum fordern Fenstermonteure nicht ihrerseits bessere Arbeitsmittel?

Jürgen Fabricius: Wer gibt schon gerne vor seinem Chef und Arbeitskollegen zu, dass die ihm übertragene Arbeit ohne geeignete Tragehilfen zu schwer ist oder man bereits unter Rückenschmerzen leidet.

Das Interview führte BM-Redakteur Stefan Kirchner

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