Montagefehler bei der Parkettverlegung vermeiden

Schwimmend verlegt – die einfachste Art?

Die Verlegung von schwimmenden Bodenbelägen gilt als die einfachste Variante. Sie birgt aber auch Gefahren, da Verlegeanleitungen der Hersteller kaum beachtet werden und jeder Handwerker meint, er würde sowieso alles richtig machen. Dass dem nicht so ist, zeigt die Gutachterpraxis, wobei der Handwerker meist die Mängel abstreitet.

Bernhard Lysser

Ein Vorteil von schwimmend verlegten Parkettelementen ist, dass sie größere Unebenheiten in der Estrichoberfläche überbrücken können, beim Begehen jedoch resultieren daraus übermäßige Einfederungen, was zu wackelnden Möbeln und klirrendem Geschirr in Schränken führen kann. Mit der Zeit verformt sich zwar das Parkett und passt sich der Estrichoberfläche an, was dann aber auch zu sichtbaren und unschönen Unebenheiten führt.

Selbstverständlich sollte auch bei schwimmend verlegten Böden auf die Restfeuchte des Estrichs geachtet werden. Schwimmende Verlegungen können keine feuchten Estriche dämmen. Hierzu müssten teure Dampfsperren zuvor eingebaut werden. Aber grundsätzlich werden trockene und feste Oberflächen des Untergrundes gefordert und bevorzugt.

Überprüfung der Gegebenheiten

Die meisten Parketthersteller geben auch maximale Flächengrößen für ihre schwimmend zu verlegenden Produkte vor. Diese liegen in der Praxis meist bei ca. 8 m Parkettbreite und 10 bis 12 m Parkettlänge. Trennfugen innerhalb der Flächen sind notwendig, vor allem bei Türdurchgängen, Übergängen zu Kleinflächen wie Korridoren oder in langen, schmalen Flächen. Nicht zuletzt erfordert auch der Grundriss eine ordentliche Prüfung. Komplizierte Flächen mit vielen Ecken und Nischen können nicht mit gleich großen, zusammenhängenden Bodenflächen belegt werden wie geradlinige, quadratische oder rechtwinklige Raumflächen.

Auch das Raumklima (rel. Raumluftfeuchtigkeit und Oberflächentemperaturen im Parkett über Fußbodenheizungen) spielt hierbei eine entscheidende Rolle und sollte nicht zu große Schwankungen aufweisen. Die minimalen/maximalen Anforderungen gemäß Normvorgaben sind zwingend einzuhalten.

Die verschiedenen Parkettkonstruktionen weisen nicht identische Kraftentwicklungen und Maßveränderungen auf. Es existieren Konstruktionen mit Holzwerkstoffplatten als Mittellagen, welche z. T. weniger intensiv reagieren auf Klimaveränderungen gegenüber Massivholzmittellagen. Auch dies ist bei den Fugenbreiten mitzuberücksichtigen.

An die richtige Zwischenlage denken

Nach allen Prüfungen der Untergründe und Grundrisse sind Zwischenlagen einzubauen. Schwimmend verlegtes Parkett kann nie direkt auf einen Estrich montiert werden – Knistergeräusche entstehen. Die Zwischenlagen helfen mit, zum einen kleinste Unebenheiten auszugleichen, aber vor allem verhindern sie die Geräuschbildungen.

Im Gegensatz zu Laminat und diversen anderen schwimmend zu verlegenden Belägen erfordert Parkett nie eine PE-Folie zwischen Estrich und Holz. Eine Trittschalldämmung aus Kork, Filzkarton und dergleichen reicht aus, da nicht mehr Feuchtigkeit aus dem Estrich nach oben gelangt wie bei einer vollflächigen Verklebung, vorausgesetzt, der Estrich ist ordentlich trocken und sachgerecht aufgeheizt worden.

Problemzone Anschlussfuge

Schwimmend verlegte Parkettflächen erfordern große Anschlussfugenbreiten rundum sowie gegen alle bodendurchdringenden und abgrenzenden Bauteile. Die zusammenhängende und freilagernde Parkettfläche arbeitet über diese ganze Fläche ohne Gegenzug oder Druck. So können Parkettflächen mit 6 bis 8 m Raumlänge oder -breite gut und gerne zwischen Sommer und Winter Größendifferenzen von 10 bis 12 mm aufweisen – größere Flächen entsprechend mehr. Nicht selten werden Anschlussfugenbreiten bis zu 15 mm notwendig, um das ungehinderte Quellen des Parketts schadenfrei aufnehmen zu können.

Deshalb sind den Wänden entlang breite Fugen zu erstellen, wie bei den wenigen Zentimeter davor liegenden Heizkörperrohren oder -stützen. Für alle bodendurchdringenden oder abschließenden Bauteilen gilt das Gleiche. Nur mit ordentlichen Fugenbreiten kann das Parkett in alle Richtungen arbeiten. Bei zu großen Anschlussfugen und zu schmalen Sockelleisten, die gerade so noch die Anschlussfuge überbrücken, kann es passieren, dass die Sockelleisten die Fugen im Sommer problemlos abdecken, aber im Winter jedoch zieht sich das Parkett zusammen und kommt unter den Sockelleisten hervor und verursacht so unschöne Lücken.

Fugenkittmassen führen oft zu Schäden

Elastische Kittfugen sind aus materialtechnischen Gründen meist kaum bis gar nicht einsetzbar. Ein elastischer Fugenkitt weist im besten Fall eine Elastizität von 25 % auf, das heißt, bei einer 8 mm breiten Anschlussfuge liegen 2 mm Spielraum vor. Größere Maßveränderungen führen zu Abrissen des Fugenkitts. Der größte Fehler bei der schwimmenden Verlegung ist das Auffüllen von Anschlussfugen mit Kittmasse, ohne den Einsatz einer Schaumstoffrundschnur darunter. Die Kittmasse liegt sodann als harter Blockkitt vor und weist kaum bis gar keine Elastizität auf. Auch komprimieren lässt sich diese Masse nicht. Bei geringsten Quellmaßveränderungen steht das Parkett rundum an und in der Fläche resultieren Aufwölbungen aus dem Quelldruck. Bei Austrocknungen des Holzes entsteht das Gegenteil und die harten Kittmassen mit großer Klebkraft reißen die letzten Lamellen aus der Fläche heraus. Große Stirnfugen sind im Winter programmiert. Die Klickverbindungen weisen meist geringere Kräfte auf als die Klebkraft der Kittmassen.

Schwere Gegenstände blockieren

Ein nachträglicher Einbau von einem Schwedenofen, von schweren Bücherwänden, Einbauschränken und dergleichen auf das schwimmend verlegte Parkett kann dieses örtlich blockieren. Die punktuellen Belastungen lassen darunter keine Schwind- oder Quellbewegungen der gesamten Fläche mehr zu. Das Parkett liegt dort wie vollflächig aufgeklebt vor. Somit muss das ganze Arbeiten des Holzes über die anderen Seiten der Fläche erfolgen, was schlussendlich dann zu doppelt so großen Schwind- und Quellmaßveränderungen führt auf der Gegenseite. Aber auch Klaviere, oder noch intensiver Flügel sind es, welche das Parkett am freien Schwinden und Quellen hindern können. Diese sehr schweren Gewichte lassen darunter ebenso kein Verschieben des Bodens zu.

Praxisfall 1: Totalersatz unerlässlich

In allen Räumen der Wohnung wurde Eichenparkett zusammenhängend als eine Bodenfläche verlegt. Nirgends wurden Bewegungsfugen eingebaut. Abschlüsse gegen Wände wurden mit Sockelleisten oder Kittfugen erstellt. Die Luftauslässe der kontrollierten Raumbelüftung sind mit einem kleinen Kasten im Boden integriert. Hier wurden rundum schmale Sichtanschlüsse erstelt, die mit Fugenkitt ausgefüllt wurden. Bereits im ersten Sommer quoll das Parkett stark an und musste wegen intensiven Aufwölbungen in der Fläche aufgeschnitten werden. Zum Teil konnten Zimmertüren wegen der Bombierungen der ganzen Parkettflächen nicht mehr geöffnet werden. Im anschließenden Winter dann zog sich das Parkett zusammen und bildete unregelmäßige sowie unterschiedlich breite Fugen. Zum Teil konnten die Sockelleisten die Anschlussfugen nicht mehr überdecken. Das Parkett wies so viele Mängel auf, dass ein Totalersatz unerlässlich wurde.

Praxisfall 2: Schwere Aktenschränke

In einer Anwaltskanzlei wurden Großraumbüros mit Bambusparkett schwimmend verlegt. Im ersten Sommer lag das Parkett einwandfrei vor. Im Winter entstanden unregelmäßig auftretende Fugen, sowohl längst wie auch stirnseitig. Die Fugen entstanden irgendwo und ohne erkennbaren Grund in der Fläche. Zum Teil wurden die Klickverriegelungen so weit auseinandergerissen, dass die Teilflächen Höhendifferenzen im Boden erzeugten – Stolpergefahren herrschten vor. Bei Klimaaufzeichnungen mit Datalogger konnte festgestellt werden, dass die Raumluft über längere Zeit unter 20 % relative Luftfeuchte vorherrschte, bei Temperaturen von durchschnittlich 21,5 °C. Im anschließenden Sommer war das Parkett jedoch wieder weitestgehend verschlossen und ohne nennenswerte Beanstandungen.

Die Ursache der Fugenbildung lag aber nicht nur an dem viel zu trockenen Raumklima während der Heizperiode, sondern auch in der Möblierung der Räume. Die schweren Aktenschränke, überall an den Wänden entlang, fixierten das Parkett außen so fest, dass die Schwindspannungen über die ganze Fläche unweigerlich irgendwo in der Fläche zu Fugenbildungen führen mussten. Derartige Aktenschränke wiegen nicht nur einige Kilos, sondern projizieren Hunderte von Kilos auf kleine Flächen.

Das Problem konnte gelöst werden durch gezieltes Aufschneiden der Flächen und die Bildung von Bewegungsfugen sowie einem Einhalten von Normklimawerten während der folgenden Winter.


Der Autor

Bernhard Lysser, Experte ISP und Mitglied Swiss Experts (schweizerische Kammer technischer und wissenschaftlicher Gerichtsexperten)