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Stille Wächter

Baukameras: Schützen und dokumentieren
Stille Wächter

Kamera-Überwachungssysteme dokumentieren den Baufortschritt, beugen Schäden und Diebstählen vor. Technisch und datenschutzrechtlich sollte man jedoch einiges beachten.

Marian Behaneck

Kurz nachdem Schreiner Müller die hochwertigen Büro-Innentüren eingebaut hatte, stellte sich heraus, dass einige davon tiefe Kratzer und Schrammen aufweisen. Wie immer, will es keiner gewesen sein. Doch auf foto- oder videodokumentierten Baustellen lässt sich der potenzielle Täterkreis schnell eingrenzen. Aber Baukameras können mehr.

Dokumentieren, schützen, kontrollieren

Eine Kamera-Überwachung kann sowohl Baustellen schützen als auch den Baufortschritt und Baustellenaktivitäten dokumentieren. Die Aufnahmen unterstützen die Verantwortlichen bei der Bautagesbericht-Erstellung, Bauinspektion und Baumängelerfassung. Werden die Fotos mithilfe von smarten Bildverarbeitungssystemen ausgewertet, lassen sich auch Abweichungen zwischen dem Soll- und Ist-Zustand aufdecken.

Das unterstützt das Bauzeiten- und Qualitätsmanagement. Mit praktisch allen am Markt offerierten Miet- oder Kauflösungen lässt sich der Bauvorgang rund um die Uhr im 24/7-Modus oder zu bestimmten Zeiten dokumentieren. Die Aufnahmen werden auf gesicherten Servern des Anbieters gespeichert und stehen dem Auftraggeber, optional auch zugriffsberechtigten Projektbeteiligten zur Ansicht und zum Download zur Verfügung. Per Smartphone oder Tablet und Webbrowser erhalten die Nutzer einen zeit- und ortsunabhängigen Zugriff auf Live-Bilder oder Archivaufnahmen.

Auch der Aufnahmemodus kann jederzeit per Webzugriff konfiguriert werden. Der Zugang erfolgt passwortgeschützt über eine gesicherte Verbindung. Registriert das System auffällige Bewegungen, wird sofort eine tag- und nachtbesetzte Leitstelle alarmiert. Das Wachpersonal begutachtet die Kameraaufnahmen und leitet alle erforderlichen Maßnahmen ein, verständigt Sicherheitsdienste oder die Polizei.

Wie werden Baustellen überwacht?

Offeriert werden Video-Überwachungssysteme entweder als separate Kamera mit integrierter Elektronik und Mobilfunktechnik zur Selbstmontage an einen bestehenden Mast oder einer Wand (z. B. Bau.Camera) oder in Form eines mehre Meter hohen Kameraturms (z. B. LivEye). Ein Notstromkonzept sorgt für Ausfallsicherheit des gesamten Systems von bis zu sechs Stunden bei Stromausfall. Das Herz eines Überwachungssystems ist die Kamera mit einer Bildauflösung von zwei bis acht Megapixeln und mehr. Sie ist diebstahlsicher montiert, verfügt über ein staub- und regendichtes, wind- und wetterfestes Gehäuse (IP 66) und verträgt Außentemperaturen zwischen –40° bis + 50°C.

Die Überwachungskameras funktionieren auch ohne separate Baustellenbeleuchtung und sind auch nachts einsetzbar. Ein grünes Kamerascheinwerferlicht sorgt für ein kontrastreicheres Videobild bei Nacht. Optionale Infrarotkameras erkennen Personen auch bei völliger Dunkelheit oder potenzielle Brandherde. Die Auswertungssoftware analysiert die Kameradaten in Echtzeit und erkennt Verdächtiges im Kamerabild selbstständig, ebenso wie Fehlalarme, zum Beispiel durch streunende Tiere. Damit die Kamerabilder vom Arbeitsplatzrechner, Smartphone oder Tablet jederzeit und von überall einsehbar sind, werden sie über das integrierte Modem per Mobilfunkstandard 3G, LTE oder UMTS an den Server des Anbieters übertragen und dort gespeichert. Dort sind die Aufnahmen über eine individuelle Webadresse des Anbieters oder auf der Webseite des Kunden als Live- oder Archiv-Bild oder rund um die Uhr und über die gesamte Projektdauer abrufbar. Einige Anbieter (z. B. www.langzeit-zeitraffer.de) offerieren auch 360°-Aufnahmen für eine nahezu lückenlose Baustellenbeobachtung.

Auswahl und Aufstellung der Geräte

Für die Überwachung des Betriebsgeländes ist der Kauf einer Kameraüberwachung sinnvoll, für die Baustellenüberwachung lohnt er sich aufgrund kurzer Projektlaufzeiten aber meist nicht. Mietlösungen ab einem Monat sind meist sinnvoller – auch weil sie meist einen Rundum-Service aus einer Hand bieten.

Hardware, Software und alle Hintergrund-Systeme sind bei Komplettlösungen außerdem aufeinander abgestimmt. Die Kosten pro System liegen zwischen 150 und 800 Euro monatlich, je nach Ausführung und Mietlaufzeit, inklusive Mobilfunk-SIM, 24/7-Bildübertragung über Mobilfunk auf einen Server, Web-Adresse, Online-Bildarchiv, sicherer Datenübertragung und Passwortschutz. Die Lieferung, Installation und Montage ist entweder im Leistungsumfang enthalten oder wird individuell berechnet.

Maßgeblich für die Aufstellung des Systems vor Ort sind mehrere Faktoren wie die Platzierung, Ausrichtung, Perspektive und Energieversorgung. Da sich Baustellen kontinuierlich ändern, sollte die Kamera möglichst außerhalb des unmittelbaren Baugeschehens aufgestellt werden. Für Zeitrafferdokumentationen ist wichtig, dass der gesamte Bauablauf vom gleichen Standpunkt aus erfasst wird.

Grundsätzlich sollte die Kamera an der Baustellen-Südseite mit der Ausrichtung nach Norden an benachbarten Gebäuden, Masten oder Containern aufgestellt werden. Dadurch lassen sich Blendeffekte vermeiden und mit der Sonne im Rücken erhält man eine gute Baustellenausleuchtung.

Wird die Kamera an einer Gebäudeecke aufgestellt, können von einer Perspektive aus gleich mehrere Gebäudeseiten erfasst und tote Ecken vermieden werden. Eine erhöhte Kameraposition bietet die Möglichkeit, sämtliche Geschosse mit dem Baufortschritt optimal einsehen zu können.

Was muss man rechtlich beachten?

Die Planung, Installation und Nutzung von Kamera-Überwachungssystemen hat auch rechtliche Aspekte. Sobald personenbezogene Daten erfasst werden und Personen individuell erkennbar sind, greifen die Bestimmungen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG). Betroffene Personen müssen auf die Videoüberwachung hingewiesen und mit allen relevanten Informationen versorgt werden.

Deshalb muss am Baustelleneingang ein Hinweisschild mit einem Kamerasymbol und einem Hinweis auf die Videoüberwachung inklusive Infoblatt angebracht werden.

Letzteres muss zusätzlich an zentraler Stelle – etwa am Baucontainer, am schwarzen Brett oder am roten Baufreigabepunkt ausliegen. Vorab sollten alle auf der Baustelle Beschäftigten informiert und gegebenenfalls deren Einverständnis eingeholt werden. Existiert ein Betriebsrat, empfiehlt sich der Abschluss einer Betriebsvereinbarung.

Bei der Aufstellung sollte man die Kameraeinstellungen (Standort, Perspektive, Entfernung, Kameraauflösung etc.) so wählen, dass keine öffentlichen Bereiche erfasst und Personen oder Kfz-Kennzeichen möglichst nicht identifiziert werden können.

Andernfalls sind diese unkenntlich zu machen. Einige Anbieter offerieren optional einen datenschutzkonformen Aufnahmemodus, bei dem alle datenschutzrechtlich problematischen Objekte aus den Aufnahmen vollautomatisch entfernt werden. Übersichtsaufnahmen des Baustellenareals sowie übliche Aufnahmeabstände und Brennweiten schließen eine Personenidentifizierung und personenbezogene Datenerfassung in der Regel aus. Somit werden Kollisionen mit dem Datenschutzrecht vermieden.

Wer ganz sicher gehen will, sollte prüfen, ob das System nicht erst nach Feierabend in Betrieb gesetzt werden kann. Um alle Vorgaben der DSGVO zu erfüllen, sollten Anwender auch darauf achten, dass die Daten auf Servern in Deutschland gespeichert werden, die hiesige Datenschutz-Standards erfüllen.

Außerdem sollte mit dem Systemanbieter ein sogenannter Auftragsverarbeitungsvertrag abgeschlossen werden. Darin verpflichtet er sich, dass er DSGVO- Vorgaben einhält.

Weitere Verfahren und Trends

Die Baustellendokumentation und Sicherung des Außenbereichs per Überwachungskamera kann durch andere Systeme und Verfahren wie etwa 3D-Laserscanner oder Drohnen ergänzt werden. 3D-Laserscanner erfassen Außen- oder Innenbereiche sowohl als Rundum-Fotopanoramen mit der integrierten Kamera als auch in Form von dreidimensionalen Messdaten mit dem Laserscanner. Das bietet den Vorteil, dass Gebautes auch messtechnisch erfasst und überprüft werden kann – etwa über manuelle oder automatisierte Vergleiche zwischen den Planvorgaben und dem Ist-Zustand auf der Baustelle

Wird der Laserscanner regelmäßig an den gleichen Standorten aufgestellt und die Baustelle von außen oder innen erfasst, entsteht sukzessive eine visuelle und messtechnische Baufortschritts- und „As-Built“-Dokumentation. Letztere dokumentiert das realisierte Bauwerk „wie gebaut“, was auch die spätere Gebäudebewirtschaftung, Instandhaltung und Umbaumaßnahmen vereinfacht (siehe z. B. www.3dcad-gmbh.de). Werden Kameras oder 3D-Laserscanner an Baukränen oder Drohnen befestigt, ist eine lückenlose Dokumentation und Qualitätsüberwachung auch aus großen Höhen möglich. Inzwischen wird auch an Systemen gearbeitet, die mit Kameras ausgestattete Bauhelme als ein digitales, mobiles Datenerfassungswerkzeug für die Bauinspektion einsetzen. Im Helm integrierte Kameras erfassen die Umgebung in einer 360°Perspektive sowie über Detailaufnahmen. Aus den Daten wird ein interaktiv begehbares 3D-Modell erstellt, in dem Mängel und Abweichungen vom Soll-Zustand angezeigt und der Arbeitsfortschritt dokumentiert werden kann. Ein ergänzendes, auf Algorithmen der künstlichen Intelligenz (KI) basierendes Bildauswertungssystem kann zusätzlich die Erfassung von Mängeln und Abweichungen automatisieren.

Fazit: Nutzen und Risiken abwägen

Technisch ist eine lückenlose Baustellenüberwachung heute kein Problem. Aufwand und Nutzen sollten aber stets hinterfragt werden, denn auch schon eine gute Ausleuchtung kann Baustellen sicherer machen. Heikel ist die ständige Überwachung. Die Möglichkeit, Baustellen per Kamera oder 3D-Laserscanner zu dokumentieren, und damit beispielsweise Verursacher von Schäden und Fehlern zu überführen oder Subunternehmen disziplinieren zu können, ist verlockend. Sie birgt aber auch die Gefahr, dass durch die ständige Überwachung Zeitdruck und Stress auf der Baustelle zunehmen und eine konstruktive, kollegiale Zusammenarbeit darunter leidet.


Tipps für mehr Baustellen-Sicherheit

  • Baustelle über eine möglichst flächendeckende Aufstellung von Lampen gut ausleuchten und durch Bauzäune sichern.
  • Material, Werkzeuge und Maschinen immer nur abhängig vom Baufortschritt auf der Baustelle möglichst kurzfristig lagern.
  • Teure Werkzeuge und Bauprodukte nicht ungesichert lagern, sondern in Firmenwagen oder Containern einschließen.
  • Baustellen-Fahrzeuge mit Wegfahrsperren, Lenkradsicherungen und GPS-Modulen sichern.
  • Möglichst das gesamte Baustellengelände flächendeckend mit moderner Kamera- und Videotechnik ausstatten.
  • Intelligente Bildauswertungsverfahren nutzen und Wachunternehmen mit der Auswertung/Überwachung beauftragen.

Big Brother is watching you! Wichtige Hinweise auf eine Videoüberwachung

Hinweise auf eine Videoüberwachung sollten folgendes enthalten: Name und Kontaktdaten des für die Videoüberwachung Verantwortlichen und des betrieblichen Datenschutzbeauftragten, der Verarbeitungszweck sowie die Rechtsgrundlage für die Videoüberwachung, ferner die Angabe des berechtigten Interesses, die Dauer der Speicherung sowie ein Hinweise zum Auskunftsrecht, Beschwerderecht und dem Empfänger der Daten.



Der Autor

Dipl.-Ing. Marian Behaneck ist freier Journalist mit den Schwerpunkten Software, Hardware und IT im Baubereich.

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