Konstruktiver Holzschutz – was versteht man darunter?. Fehlerteufel im Terrrassenbau – so gehts richtig! - BM online

Konstruktiver Holzschutz – was versteht man darunter?

Fehlerteufel im Terrrassenbau – so gehts richtig!

Holzterrassen liegen im Trend, vor allem im Privatbereich. Leider werden sie oft mit großem Gefahrenpotenzial konstruiert und verbaut. Speziell der konstruktive Holzschutz bleibt häufig auf der Strecke. Was hierzu gehört und wie eine Holzterrasse ordentlich und sachgerecht konstruiert wird, erfahren Sie nachfolgend.

Bernhard Lysser

Im Gegensatz zu den meisten WPC-Produkten können Holzterrassen genau „im Blei“ verlegt werden. WPC-Dielen erfordern in der Regel 1–2 % Gefälle in Dielenrichtung (Herstellervorgabe), was somit bei 5 Metern, bis zu 10 cm Niveau-Unterschied ausmachen kann. Werden diese Vorgaben nicht berücksichtigt, gelten auch keinerlei Garantieansprüche gegenüber Materialhersteller und Lieferanten.

Holzterrassen erfordern dies nicht. Jedoch ist es zwingend, in der Unterkonstruktion ein ordentliches Gefälle von mindestens 1,5–2 % einzuhalten, damit Regenwasser ausreichend abfließt und keine Pfützen sowie Lachen verbleiben. Stehendes Wasser in der Unterkonstruktion ist Gift für den darüber liegenden Holzboden, da dieser sonst unterseitig dauerhaft angefeuchtet wird, oberseitig aber durch Sonne und Wärme austrocknet. Daraus entstehen intensive Schüsselungen der einzelnen Holzdielen.

Die Holzterrasse auf dem Flachdach

Damit Meteorwasser (verschmutztes Wasser aus Regen, Schnee usw.) auch wirklich ordentlich abfließt, muss die oberste Schicht des Flachdaches aus einer Folie bestehen, die glatt, wasserführend und mit Gefälle versehen ist. Nur so werden Verschmutzungen, Essenskrümel und dergleichen mit jedem Starkregen abgewaschen, die Unterkonstruktion bleibt sauber und trocknet schnell.

Wenn Vliese oder Gummigranulatmatten als oberste Schicht zum Einsatz kommen, sammeln sich trotz einem vorhandenen Gefälle Wasser und Verschmutzungen darauf an. Dadurch erhöht sich die Feuchtigkeit in der Unterkonstruktion zusätzlich.

Anschließend werden auf die Dachfolie die Schiftungen (Unterlegmaterialien beispielsweise aus Holz oder Kunststoff oder ähnlichem) und Trägerlatten für die Terrassenkonstruktion montiert.

Schiftungen und Trägerlatten

Für die Schiftungen stehen Kunststoffplatten in verschiedensten Dicken zur Verfügung. Auch Kunststoffkeile können gegeneinander verschoben und zum Ausrichten der Höhe verwendet werden. Das Schiftmaterial darf dabei auf kleinen Gummigranulatplättchen stehen, damit die darunterliegende, glatte Folie nicht beschädigt wird.

Die Trägerlatten der Terrassendielen sollen maximale Achsmaße von 50 cm aufweisen. Je nach Holzart können auch kürzere Distanzen sinnvoll erscheinen. Die Lattenstöße werden unregelmäßig angeordnet, das heißt deutlich versetzt zueinander. Im Bereich von Dielenlängsstößen dürfen niemals mehrere Lattenstöße zugleich vorliegen, da sich die Terrassenkonstruktion in dieser Zone sonst öffnen könnte.

Der Einbau von Terrassendielen erfordert eine sachgerechte Planung und die Lattenkonstruktion darunter richtet sich unter anderem stark nach den Dielen, die darauf montiert werden sollen.

So erfordern Dielenstirnstöße eine flächige Auflage auf zwei Latten. Das heißt die Stoßanordnung der Dielen muss eingeteilt und mit einer Doppel-Lattenkonstruktion versehen werden. Im Bereiche von Dielenstirnstößen liegen die Latten maximal 10–15 cm auseinander. Die Dielenstöße werden genau auf die Mitte der beiden Latten ausgerichtet. Niemals dürfen Stirnstöße nur auf einer Trägerlatte ausgerichtet sein. Denn die Auflagen sind sonst zu kleinflächig und die Fixierung der Dielen nicht mehr möglich, da Verschraubungen ganz außen am Dielenende zwangsläufig zu Rissbildungen und anschließend Holzabsplitterungen führen.

Direktauflagen verhindern das Trocknen

Massivholzbretter sollten nie direkt auf die Latten aufgelegt werden. Zwischen Latten und Terrassendielen sind Distanzhalter mit einer Höhe von 4–5 mm zu montieren. Diese garantieren eine schnelle und ordentliche Trocknung der Terrassenbretter auf der Trägerlattenunterseite sowie der -oberseite. Direktauflagen führen immer zu Dauernässe und das Holz der Latten und der Dielenunterseiten zersetzt sich nach kurzer Zeit.

Zwischen den Terrassendielen sind sowohl in der Längsrichtung als auch stirnseitig ordentliche Fugenbreiten einzuhalten. Stirnseitig erfordern Dielenstöße Fugen von 5-7 mm, damit das Holz stirnseitig rasch austrocknen kann und Dauernässe nicht zu Pilzbildungen führt – wie dies bei satten Stößen oftmals vorkommt. Ebenso sind längs zwischen den Dielen Fugenbreiten von 5–7 mm einzubauen, damit die Schwind- und Quellmaßveränderungen der Dielen nicht zu einem flächigen Verschluss führen. Denn sonst trocknen Dielen und Unterkonstruktion nicht.

Zu bodenabgrenzenden Bauteilen hin wie Fassaden, Brüstungen und dergleichen sind Fugenbreiten von min. 15 mm einzuhalten.

Weiterhin gehört zum konstruktiven Holzschutz, dass Kurzdielen auf mindestens drei Latten aufliegen. Werden kurze Terrassendielen nur über zwei Latten befestigt, entstehen größere Durchbiegungen in der Mitte der Trägerlatten. Dann können die Höhendifferenzen zu durchlaufenden Nachbardielen Stolpergefahren erzeugen.

Pflege und Oberflächenbehandlung

Zu guter Letzt können Massivholzterrassendielen durch gezielte Oberflächenbehandlung geschützt werden, hierfür stehen diverse Öle zur Verfügung. Zudem kann die Lebensdauer der Terrassenbretter deutlich erhöht werden, wenn die Terrasse ein bis zwei mal pro Jahr maschinell, mit einer Bürste und Wasser, gereinigt sowie anschließend neu geölt wird.

Und wenn eine nie nachbehandelte Holzterrasse mit einer filzähnlichen Oberfläche erscheint, handelt es sich dabei mit größter Wahrscheinlichkeit nicht um einen Pilz, sondern um delignifizierte Holzfasern. Was bedeutet, dass die oberste Holzschicht durch UV-Strahlung, Bewitterung sowie Temperaturunterschiede intensiv belastet wurde und sich das Bindemittel Lignin zersetzt und abgebaut hat. Zurück bleiben die reinen Holzfasern, die wie Filz aussehen.

Diese können abgebürstet werden und im Anschluss erscheint die Holzterrasse wieder in einem ordentlichen und sauberen Zustand.

Pilzbildungen dagegen können nur entstehen, wenn keine ordentliche Trocknung der Terrasse erfolgt. Das heißt, wenn unter- und oberhalb immer Dauernässe vorherrscht und die Holzoberflächen zu schimmeln beginnen.


Praxistipps auf einen Blick

Konstruktiver Holzschutz im Terrassenbau: So geht’s

  • Ein Gefälle der Unterkonstruktion von min. 1,5–2 %, beim Flachdach muss die oberste Schicht aus einer glatten, wasserführenden Folienabdeckung bestehen.
  • Trägerlatten sind mit Schiftungen und Unterlüftungen sowie Achsmaßen von max. 50 cm zu montieren.
  • Distanzhalter zwischen Terrassendielen und Trägerlatten mit min. 4–5 mm.
  • Stirnstoßausbildungen müssen über zwei Trägerlatten ausgebildet sein.
  • Auflage von Kurzdielen immer über mindestens drei Latten.
  • Ausreichende Fugenausbildungen längs (5–7 mm) und stirnseitig (ca. 5–7 mm) zwischen den Terrassendielen und zu Abschlüssen wie z. B. Fassaden und Wänden (min. 15 mm).
  • Einhalten von allen Hersteller-/Lieferantenvorgaben sowie -richtlinien.
  • Regelmäßige/gelegentliche Pflege der Terrassenoberfläche.

Der Autor

Bernhard Lysser, Experte ISP (Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkett-Industrie) und Mitglied Swiss Experts (schweizerische Kammer technischer und wissenschaftlicher Gerichtsexperten)

info@parkett-verband.ch

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