Mobile Computing: Smartphones für Werkstatt und Baustelle

Clever & Smart

Multifunktions-Handys, die auch E-Mails abrufen und versenden, Termine verwalten, navigieren oder fotografieren können, werden immer beliebter. Doch nicht jeder Funktions-Mix ist auch sinnvoll. Dieser Artikel zeigt, worauf es ankommt.

Eine Digitalkamera oder ein Notebook hat man nicht immer bei sich -– das Handy schon! Was liegt näher, als in dieses wichtigste mobile Kommunikationswerkzeug weitere Funktionen zu integrieren? Multifunktions-Handys, auch Smartphones genannt, die Fotos machen, E-Mails senden und empfangen oder Adressen und Termine verwalten können und sich sogar zum Aufmaßnehmen eignen, sind ideale Begleiter – in der Werkstatt oder auf der Baustelle. Sie vereinen den Leistungsumfang eines Mobiltelefons mit dem eines Taschen-Computers (Personal Digital Assistant, PDA), einer Digitalkamera, eines Navigationsgeräts, eines Diktiergeräts etc. Damit ist ein Smartphone – ähnlich wie ein Schweizer Taschenmesser – ein Alleskönner für die Hosentasche und ein wichtiger Baustein des „mobile Computing“, des mobilen Einsatzes von IT- und Kommunikationstechnologien. Doch wie sinnvoll ist die Integration mehrerer Funktionen? Wie groß ist der praktische Nutzen? Vieles, aber längst nicht alles, was in einem taschenrechnergroßen Gehäuse Platz findet, ist auch sinnvoll.

Alles unter einem Hut
Die Kombination von Mobiltelefon, Taschen-PC, Digitalkamera, Navigationsgerät etc. erscheint auf den ersten Blick genial: Man muss nur ein Gerät mit sich führen und es bedienen können. Ferner wird nur ein Akku benötigt, ein Netzteil, ein Speichermedium etc. Außerdem kann man es sich sparen, Namen, Adressen und Telefonnummern parallel im Handy, PDA, Note-/Netbook und Desktop-PC zu verwalten. Mit Smartphones lassen sich Informationen genau dort erfassen, abrufen, anzeigen und modifizieren, wo sie gerade anfallen bzw. gebraucht werden. Unterwegs können Aufgaben, Termine oder Adressen verwaltet, Angebotstexte, Büro- oder Projektdaten eingesehen, Aufmaße angefertigt, Zeiten oder Betriebsdaten erfasst, E-Mails empfangen und beantwortet oder Produktinfos im Internet recherchiert werden. Sogar einfache CAD-Zeichnungen oder Aufmaß-Skizzen lassen sich in eingeschränkter Form unterwegs anzeigen und als PDF per E-Mail versenden. Für den Kontakt zur Außenwelt sorgen Mobiltelefon- und drahtlose Computer-Netze, die einen ortsunabhängigen Zugriff auf das Büronetzwerk ermöglichen. Dank digitaler Erfassung vor Ort erspart man sich später im Büro die Eingabe. Routinetätigkeiten, wie das Zurückspielen von Daten, werden Dank eines automatischen Abgleichs mit dem Büro-PC überflüssig. Smartphones sind ideale Begleiter – sie passen in jede Hemd-, Mantel- oder Hosentasche und wiegen deutlich weniger als die Summe der entsprechenden Einzelgeräte. Die in vielen Geräten eingebaute digitale Sprachaufzeichnung hält wichtige Besprechungsergebnisse fest, spontane Ideen oder Diktate. Wer kein fest eingebautes Navigationsgerät im Fahrzeug hat oder zu Fuß unterwegs ist, profitiert von einer integrierten oder optionalen Navigationsfunktion.
… hat auch Nachteile
Häufig ist die Bedienung relativ kompliziert, so dass ungeübte Benutzer durch die Vielzahl der Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten überfordert sind. Ferner muss man gegenüber Einzelgeräten meist Kompromisse eingehen. Kein Smartphone oder PDA erreicht beispielsweise die Aufnahmequalität einer guten Digitalkamera oder die Software-Flexibilität eines Notebooks. Smartphone-Displays mit einer Standard-Bildauflösung von 240 x 320 bzw. 320 x 480 Bildpunkten (Notebook-Monitor zum Vergleich: ab 1280 x 800 Bildpunkte) schließen anspruchsvollere grafische Anwendungen aus. Die winzige Tastatur lässt nur die Eingabe kurzer Texte zu. Das gilt erst recht für die Eingabe mit dem Finger oder einem Stift auf dem berührungssensitiven Display. Schließlich besteht wie bei allen Kombigeräten die Gefahr, bei technischen Problemen, Verlust oder Beschädigung gleich auf alle Funktionen und Daten verzichten zu müssen. Gleiches gilt für die Betriebsdauer: Bei leerem Akku ist das gesamte Gerät lahmgelegt und auch nicht mehr für wichtige Telefonate verfügbar.
GPRS, UMTS, HSDPA & Co.
Für den Kontakt zur Außenwelt sorgen die Mobilfunknetz-Standards GPRS, EDGE, UMTS, HSUPA und HSDPA. Während GPRS (General Packet Radio Service) und EDGE (Enhanced Data rates for GSM Evolution) von den meisten Geräten unterstützt werden, aber mit bis zu 150 Kbit/s nicht besonders schnell sind, ermöglicht das UMTS-Netz (Universal Mobile Telecommunication System) mit rund 350 Kbit/s höhere Datentransferraten. Mit HSUPA (High Speed Uplink Packet Access) und vor allem HSDPA (High Speed Downlink Package Access) steht ein nahezu flächendeckendes, schnelles Netz zur Verfügung. Datentransferraten von bis zu 7,2 Mbit/s entsprechen einem schnellen DSL-Anschluss. Mobilität beim Datenzugriff bietet auch die WLAN-Technologie: Damit kann man in einem begrenzten Umkreis von bis zu 100 Metern auf das Internet bzw. auf das Firmennetz zugreifen. Für die drahtlose Kommunikation zwischen Notebook, Büro-PC und Peripheriegeräten auf kurze Distanz haben sich vor allem der Bluetooth-, teilweise auch der IrDA-Standard etabliert. Mit Bluetooth werden Daten sogar durch Wände hindurch in einem Abstand bis zu zehn Metern gefunkt. Die Infrarot-Schnittstelle IrDA setzt dagegen einen Sichtkontakt voraus.
Checkliste Smartphone
Der Smartphone-Markt boomt und das aktuelle Angebot ist – auch jenseits der populären Marktführer wie iPhone oder Blackberry – sehr vielseitig. Die folgende Checkliste gibt erste Anhaltspunkte bei der Auswahl.
Konzept: Zwei Geräte-Konzepte konkurrieren um die Gunst der Kunden: die um eine Taschencomputer-Funktion erweiterten Handys sowie die PDAs (auch Organizer, Pocket-PC oder Handheld genannt), denen eine Mobilfunk-Funktion spendiert wurde. Während Smartphones über Stärken beim Telefonieren und Fotografieren verfügen, liegen die Schwerpunkte von PDA-Phones in der Anwendung allgemeiner oder branchenspezifischer Software, der drahtlosen Datenübertragung und dem Abgleich von Daten mit dem Büro-PC. Deshalb sind auch die Anzeige und Eingabe in der Regel etwas komfortabler, als bei den Smartphones.
Prozessor und Speicher: Spezielle Mobil-Prozessoren sparen Strom und sorgen für ein relativ flüssiges Arbeiten mit Office-Anwendungen. Beim internen Speicher wird der nicht überschreibbare Festspeicher (ROM), auf dem das Betriebssystem und mitgelieferte Standardanwendungen gespeichert sind, sowie der Arbeitsspeicher RAM unterschieden. In letzteren werden alle Arbeitsdaten geladen. Gängige Werte beginnen bei 128 MB RAM. Als externe Speichermedien kommt meist die Mini-SD-Karte zum Einsatz. Damit lassen sich Daten von bis zu 16 GB Größe mitführen, so dass aus datentechnischer Sicht ein komplettes Büro durchaus in eine Hosentasche passt …
Display, Tastatur und Gehäuse sind und bleiben aufgrund kompakter Gehäuseabmessungen ein Schwachpunkt. Die Standard-Displayauflösung und -größe schließt anspruchsvollere grafische Anwendungen von vorn herein aus. Weitere Qualitätskriterien sind Helligkeit, Brillanz und der Kontrast des Displays, zumal der Inhalt auch bei direkter Sonneneinstrahlung ablesbar sein sollte. Das quer oder längs orientierte, aufklapp- oder aufschieb- oder drehbare Tastaturfeld sollte auch eine Eingabe am Display per Finger oder Stift erlauben. Praktisch ist die Möglichkeit einer einhändigen Bedienung, damit man die andere Hand, beispielsweise beim Aufmaß für den Zollstock oder ein Laser-Messgerät, frei hat. Baustellenfähige Smartphones mit robustem, spritzwassergeschütztem Gehäuse sind eher dünn gesät (z. B. von Nokia, Sony-Ericsson oder I-Mate).
Betriebssystem und Software: Wer auch handwerker- oder schreinerspezifische Software nutzen will, sollte darauf achten, dass das Smartphone unter einem verbreiteten Betriebssystem wie Symbian OS, BlackBerry, Palm OS oder Windows Mobile läuft. Nur auf der Basis eines verbreiteten Betriebssystems kann man auf eine große Bandbreite an allgemeiner und bauspezifischer Software zugreifen. Zum Software-Lieferumfang gehören ein Terminplaner, ein Aufgaben-/Adressverwalter, ein Notizbuch, Office-Anwendungen, ein Internetbrowser und weitere Anwendungen, jeweils in der Mobile-Ausführung. Zusatzfunktionen wie ein MP3-Player oder ein Radio steigern in erster Linie den Freizeit-Wert. Zu den optionalen schreinerspezifischen Anwendungen für Smartphones gehören Aufmaßprogramme, mobile Zeiterfassungs-Software, LV-Viewer etc.
Telefon und Digitalkamera: Bei der Telefonfunktion sollte man insbesondere auf die Tonqualität achten, und darauf, dass sich die Lautstärke den Umgebungsgeräuschen automatisch anpasst. Eine Digitalkamera-Funktion ist nur ab einer Auflösung von 2 – 3 Megapixeln sinnvoll, darunter sind Fotos unbrauchbar. Bildsensor und Optik sind schlechter als bei guten Digitalkameras, was auch eine schlechtere Bildqualität bedingt. Präsentationsfotos oder Foto-Aufmaße setzen eine Digitalkamera voraus.
Akkus: Gerade weil so viele wichtige Funktionen in einem Gerät integriert sind, spielt die Akkulaufzeit eine tragende Rolle. Bei intensiver Nutzung energiehungriger Funktionen wie Bluetooth, WLAN, GPS oder der Fotofunktion stoßen Akkus schnell an ihre Grenzen. Smartphones müssen deshalb häufig nach 4 – 6 Stunden wieder an die Steckdose, wenn alle Funktionen intensiv genutzt werden. Wichtig ist, dass das Gerät zumindest einen vollen Arbeitstag bei durchschnittlicher Nutzung aller Funktionen problemlos durchhält. Die Ladezeit sollte unter 4 Stunden liegen.
Schnittstellen entscheiden darüber, wie „kontaktfreudig“ das Gerät ist. Drahtlose Schnittstellen wie Bluetooth (Funk), IrDA (Infrarot) und W-LAN ermöglichen den Datentransfer bzw. den Zugriff auf externe Netze, ohne ein Kabel einstecken zu müssen. Wichtig ist auch eine USB-Schnittstelle, die einen schnellen Anschluss mit externen PCs, Notebooks, Peripheriegeräten etc. erlaubt.
Auswahltipps: Smartphones kosten zwischen 300 und 700 Euro. Geräte mit Vertrag sind deutlich preiswerter, allerdings sollte man sich das jeweilige Tarifmodell genau anschauen. Vor dem Kauf ist ein Blick in Preisvergleiche bzw. Testberichte einschlägiger Computer-/Handy-Zeitschriften oder Online-Portale (testberichte.de, idealo.de etc.) sinnvoll. Der Markt für intelligente Mobiltelefonie boomt, so dass monatlich neue Geräte und Testberichte erscheinen. Nützlich sind daher auch die unten aufgeführten Info-Portale.
Fazit: Einsatzprofil prüfen!
Welche Mobile Computing-Hardware ist sinnvoller? Ein Smartphone oder ein PDA-Phone – oder doch besser alles separat: Handy, Digitalkamera und PDA, Note- oder Netbook? Die Grenzen zwischen den einzelnen Gerätekategorien verschwimmen immer mehr. Wichtig ist, dass das Smartphone über ein gängiges Betriebssystem, eine halbwegs bedienbare QWERZ-Tastatur und möglichst auch ein Touchscreen verfügt. Spielt die Mobilität, Flexibilität, ein geringes Gewicht oder eine einhändige Bedienung eine entscheidende Rolle, ist man mit einem Multifunktions-Handy inklusive Kamera gut bedient. Je nachdem, ob die Mobiltelefon-Funktionen oder Software-Anwendungen im Vordergrund stehen, ist ein Smart- oder ein PDA-Phone die bessere Wahl. Will man dagegen mit umfangreichen Datenbank-, Tabellenkalkulations- oder CAD-Anwendungen mobil sein, sollte man sich eher für ein Notebook und ein separates (Foto-)Handy entscheiden. Netbooks sind übrigens aufgrund diverser Einschränkungen gegenüber Notebooks (kleineres Display, geringerer Arbeits-/Festplattenspeicher, fehlendes CD-/DVD-Laufwerk etc.) eher für die mobile E-Mail-Abfrage und Internet-Recherche interessant. (Marian Behaneck) ■

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