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…dann klappt’s auch mit dem CAD

CAD: Praxistipps für Auswahl und Einführung
…dann klappt’s auch mit dem CAD

Die Einführung eines CAD-Systems in einen laufenden Betrieb ist ein komplexes Unterfangen. In diesem Beitrag sagen wir Ihnen, welche Fehler Sie dabei vermeiden sollten. Unser Autor Andreas Dütz, CAD-Berater für Schreinereien, stützt sich bei seinen Tipps auf umfangreiche praktische Erfahrungen in Sachen Produktauswahl und Systemintegration.

Der Autor: Andreas Dütz (33), Tischler und staatl. Gepr. Holztechniker, ist seit zwei Jahren tätig für das CAD-Beratungshaus CAD@Office. Das Unternehmen hat sich auf Schulungs- und Beratungsdienstleis

Präsentieren und/oder Konstruieren mit einem CAD-Programm hat weitreichende Konsequenzen für den Betriebsablauf und die beteiligten Mitarbeiter. Um den Ein- bzw. Umstieg zum erfolgreichen Erlebnis werden zu lassen, heißt es vor allem, Fehler zu vermeiden.
Professionelles Projektmanagement
Der erste Schritt zur erfolgreichen CAD-Einführung ist professionelles Projektmanagement. Betrachten Sie die Einführung eines CAD-Systems als das was es ist: Eine grundlegende Veränderung Ihrer Arbeits- und Produktionsweise. Ebenso sorgfältig sollten alle Schritte, von der Bedarfsanalyse bis zur funktionierenden CAM- Lösung geplant werden. Dazu gehört die (schriftliche) Festlegung eines konkreten Einführungshorizontes und der entsprechenden Entscheidungskompetenzen ebenso wie Sanktionen bei Nichteinhaltung.
Hat die Bedarfsanalyse ergeben, dass der CAD-Einsatz im Betrieb sinnvoll und notwendig ist, kostet jeder Tag ohne CAD-System Geld!
Die CAD-Einführung endet nicht mit der Kaufentscheidung. Ist der Einführungsfahrplan nicht bis zum Tag der reibungslosen Integration in die Prozesskette weitergestrickt, sind Konflikte vorprogrammiert. Gehen Sie also das Thema „CAD-Einführung in meinen Betrieb“ strategisch, konsequent und lieber „eine Nummer zu groß“ an!
Bedarfsanalyse: Definieren, was man will
CAD-Einsatz ist kein Zweck an sich, kein Statussymbol. Ebenso wenig wie es „das beste CAD-Programm“ gibt. Bestenfalls gibt es ein CAD-Programm, das optimal zur derzeitigen betrieblichen Situation passt. Ohne eine sorgfältige, in die Tiefe gehende Bedarfsanalyse, die im zweiten Schritt dann zu einem Pflichtenheft führen sollte, ist eine sinnvolle Produkt-auswahl nicht möglich.
Eine ernst zu nehmende Hürde für den Schreiner ist oft fehlende Markt- und Produktkenntnis. Woher wissen, was branchenspezifische CAD-Systeme heutzutage leisten? Es besteht jedoch die Möglichkeit, sich das erforderliche Know-how durch externe Berater, deren Leistungen u. U. sogar merklich gefördert werden können, ins Haus zu holen.
„An welcher Stelle in meinem Betrieb kann ein CAD-Einsatz sinnvoll oder gar notwendig sein?“ sollte sich der Entscheider fragen und dabei alle diejenigen mit einbeziehen, die in Einkauf, Produktion und Verkauf an verantwortlicher Stelle tätig sind. Bedarf kann sich an unterschiedlichen Stellen der Prozesskette darstellen, so zum Beispiel aus kaufmännischer Sicht:
• Ist die Auslastung meines Betriebes ausreichend? Ein CAD-System kann durch seine Darstellungsmöglichkeiten entscheidend verkaufsunterstützend wirken.
• Bieten die Aufträge genug Wertschöpfung? Eine fotorealistische Darstellung macht es dem Kunden leichter, einer höherpreisigen Variante zuzustimmen.
Ebenso können Fragen aus technischer Sicht den Bedarf an einer veränderten, CAD-gestützten Arbeitsweise deutlich machen:
• Ist die Arbeitsvorbereitung zu zeitaufwändig? Durch den Einsatz eines CAD-Programms mit Stücklistenfunktion kann die AV wesentlich effektiver werden.
• Lassen sich Teile der Produktion systematisieren und standardisieren? Ein CAD-System kann durch seine Archivierungs- und Bibliotheksfunktionen hier unterstützen.
Weiterhin: Gibt es bereits bestehende Elemente einer CAM-Lösung, wie z. B. eine Branchenlösung oder ein Bearbeitungszentrum?
Mit dem Einsatz einer CNC-Maschine geht der Einsatz eines CAD-Programms in der Regel einher. Aber auch hier muss die Bedarfsanalyse in die Tiefe gehen.
Denken Sie auch nach vorne: Auf welchen Märkten würde ich mich gerne positionieren und in wie weit könnte mir ein CAD-System dabei hilfreich sein?
Ein Pflichtenheft, in dem die geforderten Qualitäten noch einmal in einer Übersicht aufgeführt werden, ist der nächste Schritt im Anschluss an die Bedarfsanalyse.
Bereitschaft, neue Wege zu gehen
Mit dem CAD soll besser, effizienter und ansprechender präsentiert und produziert werden. Aber auch das passende CAD-System ist kein Wunderwerkzeug. Deshalb sollten Vorstellungen einer durchgängigen Lösung (von der fotorealistischen Kundenpräsentation über automatische Stücklistengenerierung mit angeschlossener Kalkulation bis zum CNC-Programm) zunächst möglichst hinten an gestellt werden. Es gibt natürlich Betriebe, die das verwirklicht haben. Dahinter steckt jedoch immer ein jahrelanger Lern- und Anpassungsprozess.
Eine CAD-gestützte Arbeitsweise trägt erhebliche Veränderungen in Konstruktions- und Arbeitsabläufe hinein. Es müssen Grundkonstruktionen und Varianten bestimmt und beschrieben werden. Im Idealfall geht der CAD-Einführung in der Arbeitsvorbereitung ein Konstruktionshandbuch voraus, im dem alle häufiger vorkommenden Erzeugnisse definiert sind.
Hier knüpft sich eine oft von Schreinern gehörte Kritik an: „Meine Kunden verlangen ausschließlich Einzelanfertigungen. Da sieht kein Möbel aus wie das andere!“ In der Regel aber ist das Einzelstück gar nicht so einzigartig. Sockelkonstruktion, Rückwandausprägung, Eckverbindungen – das wird nicht jedes Mal neu durchdacht. Und wahrscheinlich wurde genau das „Einzelstück“ schon einmal ganz ähnlich für einen anderen Kunden gefertigt. Liegt eine Konstruktionszeichnung auf CAD-Basis vor, kann nun rasch das Möbel mit den CAD-typischen Editierbefehlen in die gewünschte Form gebracht werden.
Kurz gesagt: Das Arbeiten mit einem CAD-System setzt die Bereitschaft voraus, alte Wege zu verlassen, die Produktion zu systematisieren. Fehlt diese, wird das CAD nicht ausreichend und weit unter seinen Möglichkeiten in die Prozesskette integriert.
Den Anbieter in die Pflicht nehmen
Parallel zur eigenen, betriebsinternen Projektleitung sollte auch der Softwareanbieter mit Vertragsabschluss als „Projektleiter“ in die Pflicht genommen werden. Mit ihm zusammen sollte eine mit konkreten Terminen versehene Einführungssimulation erarbeitet werden. Zahlungen sollten erst mit Einhaltung der gemeinsam vereinbarten Projektziele fällig werden. Ein kompetentes Softwarehaus wird diese Arbeitsweise schon im eigenen Interesse anbieten.
Nicht alles glauben, was man hören will
Leider eine oft gemachte Beobachtung: Ein Kunde wird beraten – fair und offen. Man bespricht mit ihm auch die Schwierigkeiten und Schwachstellen des Systems. Und anschließend fällt die Kaufentscheidung zu Gunsten des Mitbewerbs, für den alles kein Problem ist. Wollen Kunden belogen werden?
Verkäufer verkaufen – und führen nachher nicht ein. Glauben Sie nicht alles, was sie hören wollen. Kein Programm kann alles, noch keine Einführung ist „mal eben so“ gegangen. Lassen Sie sich möglichst Aussage kräftige Referenzkunden nennen und kontaktieren Sie diese. Versuchen Sie die Verkaufsverhandlungen nach Möglichkeit mit Ihrem zukünftigen Betreuer zu führen – der steht Ihnen gegenüber nachher auch in der Verantwortung und wird Ihnen nicht Dinge versprechen, von denen er weiß, dass sie nicht zu halten sind.
Kosten: Über den Softwarepreis hinaus
Der Preis für die Software ist ein Kostenfaktor – aber mit Sicherheit nicht der einzige, der den einführenden Betrieb erwartet. Alle weiteren Faktoren mit einbezogen, noch nicht einmal der größte. Was also erwartet den investitionsbereiten Schreiner?
• Kosten für Schulung der Mitarbeiter
• Kosten für die ausgefallene Arbeitszeit während der Ausbildung
• Kosten für Installation und Systemanpassungen
• Kosten für Anpassungen an Schnittstellen wie Branchenprogramme oder Postprozessoren
• geringere Produktivität und höhere Fehlerquote in der Anfangszeit
Der eine oder andere dieser Posten lässt sich mit dem Softwarekauf auf den Anbieter abwälzen. Sparen Sie jedoch möglichst nicht an Schulungs- oder Anpassungsdienstleistungen. Das zahlt man in der Regel durch betriebsinterne Kompensationsleistungen oder unwirtschaftliche Arbeitsweisen wieder drauf.
Wichtig: Vertrauensvolle Zusammenarbeit
Auch wenn alle kostenträchtigen Faktoren sorgfältig abgewogen sind – machen Sie Ihre Entscheidung nicht nur vom Produkt und dessen Preis abhängig.
Ausschlaggebende Faktoren für ein erfolgreiches Projekt CAD-Einführung sind auch Betreuung, Support und vor allem: Gegenseitiges Vertrauen! Wie sonst können zwei Anwender mit fast identischen Fertigungs- und Kundenstrukturen und dem gleichem Softwareprodukt völlig unterschiedliche Zufriedenheitswerte bei einer Kundenbefragung angeben? Ein fachkundiger, kompetenter und verantwortungsvoller Umgang sollte der Maßstab an Ihren persönlichen Betreuer sein.
Schritt für Schritt: Kaufen, was man wirklich braucht
Nach eingehender Bedarfsanalyse sollte so es eigentlich ausgeschlossen sein, trotzdem erlebt man es immer wieder: Hochwertige 3D-Software wird nur im Umfang eines einfachen 2D-Programmes genutzt. Nicht einmal das Icon der Anwendung findet sich noch auf dem Desktop. Gehen Sie Schritt für Schritt in das CAD. Es muss nicht immer gleich 3D und Fotorealismus sein. Auf der Bank liegt Ihr Geld besser als auf einer CD-ROM. Geben Sie sich und den Mitarbeitern Zeit, sich auf die Arbeitsweise mit einem CAD-Programm umzustellen und die Vorteile zu erkennen.
Mit einer modular aufgebauten Software ist das auch kein Problem. Ein solches Softwarekonzept bietet Ihnen auch viel Flexibilität: Nach Kauf eines 3D-Arbeitsplatzes kann die nicht mehr benötigte 2D-Lizenz vom Verkauf in die Arbeitsvorbereitung wechseln. Dort braucht es keinen Fotorealismus, aber der volle Datenaustausch ist gewährleistet.
Die Mitarbeiter mit ins Boot nehmen
Beziehen Sie diejenigen früh genug mit ein, die später mit der Anwendung tagtäglich arbeiten sollen. Befragen Sie sie nach ihrem Urteil über Bedienungskomfort der Anwendung und versuchen Sie, bestehende Ängste abzubauen. Den Mitarbeitern sollte eine qualifizierte Schulung, eine entsprechende Entlastung von anderen Aufgaben während der Einarbeitung sowie ein Bonus nach erfolgreicher Einführung in Aussicht gestellt werden. Sonst kann es vorkommen, dass, wie bei einem Kunden beobachtet, trotz dreier 3D-Arbeitsplätze für mehr als 50.000 Mark die Zeichentische im Büro stehen bleiben.
Besteht zwischen Anwender und Geschäftsleitung Personalunion, ist besondere Vorsicht geboten. Ist es wirklich realistisch, dass am Wochenende neben Angeboten und Rechnungen auch noch der Umgang mit dem CAD-System aus dem Handbuch gelernt wird? Wenn die Zeit dann drängt, wird doch wieder schnell von Hand gearbeitet. Nicht das erste Programm würde so wieder in der Schublade verschwinden. o
Hat die Bedarfsanalyse ergeben, dass der CAD-Einsatz imBetrieb sinnvoll und notwendig ist, kostetjeder Tag ohne CAD-System Geld
Kein Programm kann alles, noch keine Einführung ist „mal eben so“ gegangen
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