Software-Trends im Schreinerhandwerk. Neue Impulse für CAD & Co. - BM online

Software-Trends im Schreinerhandwerk

Neue Impulse für CAD & Co.

CAD und CAM gehört bei Schreinern inzwischen ebenso zum Alltag, wie Hammer und Hobel. Deshalb ist es wichtig, dass man beim rechnergestützten Konstruieren und Fertigen am Ball bleibt. Aktuelle Entwicklungen und Trends sorgen für neue Impulse bei CAD & Co. …

Autor: Marian Behaneck

I CAD hat in den meisten holzverarbeitenden Betrieben mittlerweile einen hohen Stellenwert erreicht. Das rechnergestützte Zeichnen und Konstruieren ist zu einem unverzichtbaren Glied innerhalb der Wertschöpfungskette von Schreiner-, Fenster-, Treppen- und Innenausbaubetrieben geworden. Mit CAD-Programmen werden Projekte entwickelt, geplant, visualisiert und für die CNC-Fertigung vorbereitet. Nicht zuletzt wird damit auch ein beachtlicher Teil des Gewinns erwirtschaftet.

Umso wichtiger ist es, dieses – neben der ERP-Branchensoftware – wichtigste Handwerkszeug auf aktuellem Stand zu halten. Impulsgeber für neue Trends gibt es viele: Mobile und Cloud Computing, 3D, Augmented und Virtual Reality beeinflussen zunehmend auch Branchen-CAD-Anwendungen.
Von der Skizze zur Virtual Reality
Jedes Projekt ist anders. Räumliche Rahmenbedingungen, Ausstattung, Materialien, Farben und Oberflächen sind stets individuell. Den Kunden fällt es oft schwer, sich ihr neues Regal, ihre Küche oder Treppe nur anhand von Skizzen, Materialmustern oder einer Muster- einrichtung vorzustellen. Teilweise kommt es auch zu Missverständnissen, weil der Kunde ein anderes Ergebnis vor Augen hat, als der Handwerker. Abhilfe schaffen anschauliche Visualisierungen, deren Grundlage die 3D- CAD-Planung ist.
Mithilfe einer Skizzenfunktion lassen sich technische Darstellungen in künstlerisch wirkende „Handskizzen“ umwandeln, auf Wunsch auch koloriert. Einige CAD-Anbieter offerieren CAD-Viewer – Präsentationsprogramme, mit denen Kunden sich die Entwürfe am eigenen PC oder Tablet anschauen können (z. B. mit OSD VisualPro). Einen höheren technischen Aufwand erfordert die Präsentation innerhalb virtueller oder erweiterter Reali-täten (Virtual oder Augmented Reality, kurz: VR und AR; siehe auch BM 1/2010: Schreiner im Cyberspace). Per VR kann der Kunde sein Projekt schon in der Planungsphase virtuell begehen und nahezu real erleben. Dazu werden diverse Systeme angeboten, von der 3D-Stereo-Projektion über eine spezielle VR-Brille bis hin zur Präsentation innerhalb einer dreidimensionalen Illusionswelt. Über die VR-Brille erlebt der „Cybernaut“ die Planung sehr real. Ähnlich eindrucksvoll sind AR-Präsentationen. Dabei werden in reale Bewegtbilder zusätzliche, rechnergenerierte Informationen eingeblendet. Mit dieser Technik kann der Kunde 360°-Panoramen auf einem Tablet-Display generieren und sich darin interaktiv bewegen (z. B. mit Palette Move) oder den 3D-Möbelentwurf per Tablet und Kamera-Funktion virtuell in die eigenen vier Wände projizieren – ganz so, als befände sich das Möbelstück tatsächlich im Raum (z. B. mit imos 360). Gegenüber VR-Systemen, die einen erheblich hohen Rechen- und Geräteaufwand voraussetzen, sind AR-Prä-sentationen einfacher und kostengünstiger. Entscheidet sich der Kunde dadurch schneller und werden Missverständnisse ausgeräumt, machen sich die zusätzlichen Präsentationskosten in jedem Fall bezahlt.
Cloud Computing und E-Commerce
Neue Impulse erhält Schreiner-Software auch durch aktuelle Entwicklungen wie das Cloud Computing (siehe BM 6/2011: Datenhandling im Netz: Wolkige Versprechungen?). Miet-Software, also per Web-Browser aufrufbare Software „aus der Cloud“ kann auch bei Branchenlösungen eine Alternative gegenüber Kauf-Software sein.
Mietlösungen bieten Kostenvorteile und erübrigen zugleich Software-Updates, denn Online-Software ist stets up-to-date. Bei kleineren Anwendungen, etwa im Bereich der Zeiterfassung, sind Web-Apps schon Usus (z. B. OSD-Mobile Time Solution). Wird CAD nur gelegentlich eingesetzt, kann auch hier Mietsoftware eine Alternative sein, allerdings sind schnelle Datenverbindungen und sichere Server eine Voraussetzung.
Auch ein anderer Cloud-Trend, der Online-Handel, hat sich längst etabliert. Als Teil des E-Business – der Automatisierung von Geschäftsprozessen – bestimmt der elektronische Handel (auch Internethandel oder E-Commerce) zunehmend das Konsumver-halten von Kunden (siehe auch BM 1/2014: Der Shop im Web).
Dies haben einige Software-Anbieter bereits erkannt und bieten moderne E-Business-Lösungen, mit denen sich Prozesse im Verkauf, in der Arbeitsvorbereitung und Fertigung effizienter gestalten lassen. So bietet beispielsweise das internetbasierte Präsentations- und Bestellsystem „imos Net“ eine durchgängig cloudbasierte Lösung für den Möbelverkauf im Internet mit direkter Anbindung an die CAD/CAM-Produktion. Per Konfigurator, dem „Net-Designer“, lassen sich individuelle Möbel und Einrichtungen aus einzelnen Möbelkomponenten per Drag & Drop zusammenstellen. Hat sich der Kunde entschieden, übernimmt er sein Wunschmöbel in den Warenkorb, prüft Preise, Zahlungs- sowie Lieferbedienung und kann sofort bestellen. Die vom Endkunden interaktiv konfigurierten Möbel sind nach der Fertigstellung produktionstechnisch geprüft, sodass Fertigungs- und NC-Daten generiert werden können.
Einen anderen Ansatz verfolgt der Online- Planer Palette@Home: Mit der kostenlosen App kann der Kunde Grundrisse erfassen, Wohnräume gestalten, erste Ideen festhalten und wichtige Informationen eingeben. Ist der Entwurf fertig, sendet er die Planung an den Profiplaner, der sie in sein CAD- Programm einbindet. Darin wird dann das komplette Angebot, inklusive Artikelliste für die Weitergabe an die Fertigung erstellt.
Neue Anforderungen aus der Praxis
Neue Impulse erhalten CAD & CAM auch aus der Praxis – etwa aus dem Möbel- und Treppenbau oder der Material- und Werkstofftechnik. So beeinflussen die zunehmende Elektrifizierung von Möbeln, aber auch neue Materialien und Werkstoffe die Planung, Visualisierung und Fertigung.
Mit dem steigenden Bedarf nach altersgerechtem Wohnraum, mehr Arbeitsplatz-ergonomie sowie exklusivem Design wird auch die Nachfrage nach LED-Beleuchtung von Treppenstufen und Küchenschränken oder einer motorischen Höhenverstellung von Arbeitstischen oder Büromöbeln zunehmen. Diesen Trend müssen über kurz oder lang auch CAD-Programme aufgreifen, sowohl bei der Detailplanung (Befestigung, Verkabelung) als auch in der Visualisierung.
Neue Materialien und Werkstoffe bereichern zwar die kreativen Gestaltungsmöglichkeiten von Tischlern und Schreinern, stellen aber auch neue Anforderungen an CAD und die CNC-Übergabe: Die neuen Materialien und Oberflächen müssen visualisiert und die entsprechenden Bauteile mit materialspezifischen Parametern für die CNC-Bearbeitung versehen werden.
Auch die historisch gewachsene, parallele Entwicklung von CAD- und ERP-Programmen ist aus der praktischen Perspektive ein un- befriedigender Zustand. Zwei Datenbanken werden für ein und dasselbe Objekt separat vorgehalten, was umständlich ist und zu Redundanzfehlern führen kann. Das Zusammenwachsen von CAD und ERP ist daher eine Entwicklung, die einige Hersteller bereits in Angriff genommen haben.
So ermöglicht beispielsweise die Integration der Programme BormBusiness ERP und PointLineCAD eine Live-Kommunikation zwischen den verschiedenen Anwendungen – ohne Zeitverzögerung und Redundanzfehler. Weil gleichzeitig in ERP und CAD gearbeitet wird, können Konflikte und Kollisionen frühzeitig erkannt und korrigiert werden. Der Anwender spart Zeit, muss keine überflüssigen Kontrollen durchführen, reduziert die Fehlerquote, senkt Kosten und steigert seine Planungssicherheit.
Auch die Hardware setzt Trends
CAD wird zunehmend mobil: Projekte können am Tablet-PC beim Kunden präsentiert, CAD-Pläne an der Baustelle besprochen, per Kommentar- und Redlining-Funktion kommentiert und korrigiert werden. „Mobile Computing“ bringt im doppelten Wortsinn Bewegung in die Szene.
Der mobile Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglicht eine Vor-Ort-Erfassung von Daten, einen jederzeitigen Datenabgleich über Mobilfunknetze oder drahtlose lokale Netzwerke sowie einen Zugriff auf andere stationäre oder mobile Computer, respektive auf das Internet oder das bürointerne Intranet.
Die auch im geschäftlichen Bereich immer populäreren Tablet-PCs ermöglichen sowohl eine intuitive Erfassung von Baustellendaten als auch – ergänzt durch eine Tastatur und einen in der Höhe- und Neigung verstellbaren Displayhalter – den stationären Einsatz im Büro. Als vollwertiger Büroarbeitsplatz-Ersatz taugen die aktuellen Standard-Displaygrößen von 10 bis 12 “ zwar noch nicht. Aber es ist abzusehen, dass mittel- und langfristig mobile und stationäre Rechner zusammenwachsen. Schon kommen zunehmend auch großformatige Tablet-PCs mit mit 17 bis 20 “ und mehr auf den Markt. Mit dem neuen 20-„-Toughpad UT-MA6 von Panasonic und einem kabellosen, druck- und neigungs- sensitiven Eingabestift kann man beispielsweise an seinem Büroarbeitsplatz Projekte skizzieren oder CAD-Pläne zeichnen. Unter den Arm geklemmt, lässt sich der etwa DIN-A3-große, fall- und stoßgeschützte Tablet-PC überallhin mitnehmen – in die Werkstatt oder auf die Baustelle, um dort im Team die fertigen Skizzen oder Pläne zu präsentieren und gemeinsam zu besprechen.
Raus aus der Mausefalle!
Auch wenn CAD mittlerweile einen hohen Standard erreicht hat – es gibt immer noch Entwicklungsbedarf! Ungelöst ist beispielsweise nach wie vor der gesundheitliche Aspekt von CAD.
CAD-Arbeitstage enden regelmäßig mit verspannten Schultern, einem steifen Nacken, brennenden Augen, Kopfschmerzen, Rückenproblemen und einem schmerzenden „Mausarm“. Ursache ist die durch die typische CAD-Haltung bedingte einseitige Belastung. Sie kann unter anderem das sogenannte RSI-Syndrom (Repetitive Strain Injury Syndrom) auslösen, das sich durch chronische Schmerzen des Armes und der Hand bemerkbar macht.
Neue Hardware und neue Bedienkonzepte sind gefordert, wie etwa von „vertikalen Mäusen“, Pen- oder Multitouch-Displays. Ersteres sind ergonomisch gestaltete Mäuse, die eine natürlichere Armhaltung versprechen, letzteres sind Eingabegeräte, die aus einem großformatigen berührungssensitiven Display und einem digitalen, kabel- und batterielosen Zeichenstift bestehen und auch eine Multigesten-Fingersteuerung verstehen. Sie führen die ursprüngliche Hand-Auge- Koordination mit dem Zeichenstift wieder zusammen. So vermeiden sie eine Zwangs-haltung wie bei der Mauseingabe und führen CAD wieder zu den Ursprüngen zurück: dem Zeichnen am (digitalen) Zeichentisch mit dem (digitalen) Zeichenstift. Es bleibt also spannend bei CAD & Co. I

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