Lamello: Schweizer Jubiläum mit Schreinerwurzeln

50 Jahre Plättli

Die Holzlamelle feiert 50. Geburtstag. Naja – eigentlich entstand sie schon viel früher, als Lösung für eigene Alltagsprobleme. Der folgende Siegeszug war wohl beispiellos. Und wer hat´s erfunden? Ein Schreiner! 

BM-Redakteur Marc Hildebrand

Die Holzlamelle, das geriffelte Buchenplättchen, das Werkstücke präzise aneinanderfügt und zusammenhält, ist heute wohl bei jedem Schreiner und Tischler zu Hause – und die Bezeichnung Lamello hat sich inzwischen längst als stehender Begriff manifestiert.

Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Alles? Nein, denn wussten Sie, dass Herman Steiner, der Mann der die Verbindungslösung erfand, Schreiner war wie Sie und ich?

Zum 50. Lamello-Jubiläum haben wir den Firmensitz im Schweizer Ort Bubendorf besucht, uns angesehen, wo die sogenannten Plättlis herkommen und auf die letzten fünf Jahrzehnte Lamello zurückgeblickt. Begleiten Sie uns auf eine kurze Reise durch eine lange Geschichte, die für einen kleinen Innenausbaubetrieb in Liestal den großen Wendepunkt bedeutete.

Was nicht passt, wird neu erfunden

Wir schreiben das Jahr 1955. „Der Betrieb hat sich in unser Familienleben eingefügt. So war es für uns Kinder normal, dass der Vater nach dem Abendessen in die Werkstatt zurückkehrte, um seine Erfindungen zu entwickeln“, erinnert sich Karl Steiner. Der Sohn von Herman Steiner hat die Entstehung des Lamello-Systems als Teenager miterlebt.

Sein Vater suchte nach einer Lösung für die rationelle und sichere Verbindung von Spanplatten. Damals noch recht neu auf dem Markt waren sie porös und brüchig. Im Fieber einer Erkältung, so erzählt man sich, entstand seine revolutionäre Idee, wie sich die Vorteile der Dübel- mit der Nut- und Federverbindung vereinen lassen. Sie sollte sich weltweit durchsetzen. Das Lamello-System war geboren.

Siegeszug in den Schreiner- und Tischleralltag

Zunächst wurde die Holzlamelle stationär eingefräst. Die ersten Lamello-Handnutfräsmaschinen L01 kamen schließlich 1968 auf den Markt. Den Protyp der ersten Maschine (s. Bild) kann man noch heute als Beginn einer langen Reihe von Weiterentwicklungen in Bubendorf sehen. Ein Jahr später gründete Herman Steiner die Lamello AG. Der Familienbetrieb setzte seine Innovationskraft fortan nicht länger im Innenausbaubereich ein. Er wandelte sich zum Industrieunternehmen, aus dem übrigens auch die weltweit erste Späneabsaugung für Handmaschinen und die Mini-Spots zur Holzreparatur entstanden. 1979 übernahm Karl Steiner die Ideenschmiede mit seinem Bruder Alfred (gestorben 1981). Er entwickelte auch Maschinen für andere Bereiche, wie die Tanga 150, eine Renovierungsfräse zum Heraustrennen alter Fenster. Sieben Sommer später, ab dem Jahre 1988, wird die Nutfräsmaschine Top 10 zum Verkaufsschlager.

Von Leim und neuartigen Verbindertypen

Wo Platten verbunden werden, ist Leim nicht weit. Was lag also näher, als zum System ein passendes Leimgerät anzubieten? Nach der Übernahme der Schneberger Leimtechnik (1996) sagte Steiner verkrusteten Leimflaschen den Kampf an. Druckluftbefüllte Leimbehälter können seitdem den Auftrag erheblich erleichtern.

In Sachen Verbindern besann sich Lamello in 2001 kurzzeitig wieder auf die runde Form eines Dübels. So entwickelten Franz Baur und Franz Haser mit dem Invis einen von außen unsichtbaren Verbinder, der sich per Magnetismus schließen und wieder lösen lässt. Aus dem Stand gewann er den Interzum-Award.

Jetzt wirds digital – das Zeitalter des P-Systems

Die Geschicke der Lamello AG lenkte ab 2005 Erich Zeller als Geschäftsführer. Wahrscheinlich ahnte niemand, dass die Schweizer ab 2007 mit der ersten lösbaren Kunststofflamelle, dem Gehrungsverbinder Clamex S, bereits in Richtung digitales Zeitalter steuerten. Wurde dieser noch mit herkömmlichen Fräsen eingebracht und in der Nut verschraubt, so hielt ab 2009 die P-System-Verankerung den neuen Clamex-P, einen lösbaren Gehrungsverbinder (30-180°), werkzeuglos in der Nut. Die formschlüssige Verankerung erlaubt seitdem zeitsparende Montage ganz ohne Leim oder Schrauben. Mit dem Rückenwind der Lamello-Bekannheit eroberte auch dieses System die Schreinerbranche im Sturm und gewann ebenfalls den Interzum-Award. Es sollte später nicht nur Platten, sondern auch den Namen Lamello mit der automatisierten Welt der CNC-Technik verbinden. Da die Handmaschine Systems (Zeta P2) sich in der Anwendung kaum von bisherigen Maschinen unterschied, wurde sie im Handwerk gut angenommen und ist bis heute das Flaggschiff des Unternehmens. Neue Verbinder wie der selbstspannende Tenso P-14 oder der prämierte Divario P-18 (nicht sichtbar, zum Einschieben) eröffneten weitere Anwendungsfelder.

Geist der Lamello-Familie lebt weiter

„Wer zaudert, steht still“, hat Karl Steiner einmal gesagt und seine Tochter Susanne Affolter belebt diesen Geist mit technischer Raffinesse. Seit 2016 in dritter Generation Geschäftsführerin, wurde unter ihrer Leitung bereits ein völlig neuartiger CNC-Verbinder geboren: der Lamello-Cabineo für reine Flächenbearbeitung.


BM blickt hinter die Kulissen

Wie entsteht eigentlich ein Plättli?

Lamellos werden aus Buchenholz aus nachhaltig bewirtschaftetem Wald der Region gefertigt – rund 4000 m3 Stämme passieren pro Jahr die Sägeanlage in Bubendorf und werden in Kantelform gebracht. Technisch getrocknet beträgt ihr Feuchtegehalt noch 8 bis 10 % – die Voraussetzung für Formstabilität. Zu Leisten geschnitten und unter 25 t Gewicht zu 4 mm starken Lamellen gestaucht, sind sie bereit für den nächsten Schritt: das Stanzen.

Im selben Zug werden Logo und Rautenmuster geprägt. Mehrmals pro Stunde wird dabei die korrekte Dicke der Holzlamellen geprüft. Übrigens: nur aus 20 % der Stämme entstehen Holzlamellen. Der Rest wird für die eigene Heizung bzw. Holztrocknung genutzt, ins Fernwärmenetz Bubendorf eingespeist oder als Heizmaterial verkauft.

www.lamello.de

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