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Apps vertrauen oder auf Seegras bauen?

Hightech versus Reduktion: Die wichtigsten Trends von der Möbelmesse in Köln
Apps vertrauen oder auf Seegras bauen?

Feindlich fast scheinen sich zwei Möbeltrends gegenüberzustehen: Die einen wollen smarte Möbel, die automatisch das Licht und die Kaffeemaschine anmachen. Die anderen entdecken wieder alte Naturmaterialien wie Rosshaar, Hanf oder Seegras und schätzen Nachwachsendes aus der Region. Doch was gegensätzlich aussieht, fügt sich zusammen zu sinnvollen und zukunftsweisenden Einrichtungstrends.

Katrin de Louw

Die wichtigsten Haupttreiber für unsere zukünftige Einrichtung sind die Themen Gesundheit und Nachhaltigkeit. Dabei wird Gesundheit umfassend gedacht: Wohngesunde Materialien, luftreinigende Oberflächen, akustische Entlastung bei Lärm, Ergonomie inklusive Komfort im Alter, Platz für Sport und deren Utensilien, Sicherheit und (vernetzte) Hilfe bei Gefahr, ein Platz für Familie, Freunde und Haustiere, für die Seele, Zeitersparnis und erholsamer Schlaf.

Und auch das Thema Nachhaltigkeit präsentiert sich viel umfassender als nur über Materialien: Bedacht werden Produktion und Lieferwege, Gewichtseinsparung für den Transport, Simplifizierung für einfache Handhabung, Multifunktionalität über verschiedene Lebensphasen hinweg, genauso wie die flexible Nutzung im urbanen, engen Wohnraum. Platz sparen und Stauraum schaffen – das bleiben wichtige Themen für die Großstadtwohnung. So entstehen Möbelhybride, die unter anderem Arbeiten und Wohnen auf engstem Raum ermöglichen.

Auch die Gestaltung der Möbel wird nachhaltig gedacht: Die Branche ist auf der Suche nach zeitlosem, langlebigem Design und zwar in Farbe, Form, Material und Funktion.

Und diese Suche führt viele Hersteller wieder „Back to the Roots“. Neben den beliebten Neuauflagen alter Klassiker entdeckt man viele Möbel, die zu solchen werden können: Wertige, oftmals altbekannte Materialien im Materialmix, Holz, Naturstein und Stahl oder auch Textil, Flechtwerk und Glas. Dabei haben bei den Metalltönen Gold und Messing eindeutig gegenüber Silber, Bronze oder Kupfer die Nase vorn. Sie werden inzwischen in modernem und jungem Wohndesign genauso eingesetzt wie in der Klassik, im skandinavischem Stil oder mediterranen Flair.

Es bewegt sich etwas in Sachen Ökologie

Die Gesellschaft verändert sich: Schneller Konsum wird hinterfragt, Regionales bevorzugt und für ökologische und gesunde Lösungen auch gerne etwas mehr Geld ausgegeben. Zugegeben: Die Marktzahlen der Möbelindustrie sagen zur Zeit noch etwas anderes, aber immerhin bewegt sich etwas und das kommt auch in der Innenarchitektur an: Herkunftszertifikate, heimische Rohstoffgewinnung – allem voran Holz – gewinnt an Bedeutung und findet sich in immer größeren Flächen im Interior wieder. Junge Designer der Alpenregion experimentieren gerne mit der Weißtanne, einem hellen, sanft anmutenden Holz, recht schnell und gerade wachsend. Auffällig auch bei den Jungdesignern der Verzicht auf Beschläge, Variabilität einfach gedacht.

Auch Details sollen sich harmonisch einfügen

Dabei bieten die neuen Möbel liebevoll gestaltete Details: Zum Teil handwerklich, wie Geflochtenes, Furniereinlegetechniken, handbearbeitete Oberflächen oder auch maschinell bearbeitet, z. B. durch Lasertechnik oder 5-Achs-Fräsen. Diese Eyecatcher an den Möbeln begeistern den Betrachter und machen ihm klar: Ich bin ein Wert für viele Jahrzehnte. Und trotzdem wirken die Designs zurückhaltend und nicht überladen oder aufdringlich. Je auffälliger die Farbe, desto kleiner die Farbfläche; je spektakulärer die Oberfläche, desto einfacher die Möbelform. Nur so schaffen es die neuen Möbel, Teil einer dauerhaften Einrichtung zu sein, die über die Lebensphasen hinweg und nach mehreren Umzügen sich noch harmonisch in eine neue Umgebung einfügen. Das neue Möbeldesign balanciert also genau auf diesem Grad: Was macht das Möbel besonders und liebenswert und wie fügt es sich trotzdem langfristig in wechselnde innenarchitektonische Konzepte ein?

Naturtöne im Fokus

Auch bei den Farben sehen wir den Wunsch nach Natürlichkeit und Langlebigkeit: Ruhige Naturtöne, allem voran das Erdbraun, welches langfristig betrachtet, Grau den Rang ablaufen könnte – einerseits, weil es genauso gut zu allen Farben, Steinen und Hölzern steht, andererseits, weil wir weg vom Beton, hin zur Natur wollen. Aber auch Beige, Sand und viele Grünnuancen bis hin zu rauchigem Salbei wirken natürlich, harmonisch und beruhigend. Ein warmes Ocker, Cognac und Curry stehen als Pendant zu Gold und werden gerne mit Nussbaum kombiniert. Ruhige oder elegante Rottöne vom Bordeaux über Violett bis zum rauchigen Puderrosa schaffen weitere warme Farbakzente. Die aktuell von Pantone als „Color oft the Year“ ausgerufene Farbe heißt „Classic Blue“ und ist als zeitloser und klassischer, dunkelblauer Farbton schon seit Jahren nicht aus dem Interior Design wegzudenken. Die Farbe Blau bekommt durch diesen Adelstitel neuen Schwung. Allerdings braucht sie den eigentlich gar nicht: Blau ist die Farbe des Meeres und der sauberen Luft einerseits und kann als hellere Variante auch Technologie und Energie symbolisieren und hat damit genügend Zeitgeist und Emotionen, sich in den nächsten Jahren stärker zu etablieren. Sie steht auch hervorragend zu angesagten Hölzern wie Eiche, Esche und Nussbaum und ist zu Gold die perfekte Kombination.

Möbelgriffe sind immer noch im Hintertreffen

Auch bei den Möbelfunktionen entdeckten wir einige, clevere Trends. Zunächst ist auffällig, dass es nach wie vor so gut wie keine Möbelgriffe gibt. Obwohl Griffhersteller mittlerweile Möbelgriffe wie Schmuckstücke designen und anbieten, bleibt das Möbel lieber ohne, da es sich so besser in die Architektur einfügen kann. Wenn man Griffe oder Griffleisten sieht, dann nicht selten Ton in Ton auf der Front oder als Holzgriff auf Holztür.

Im Übrigen stehen und hängen auch die Möbel gerne vor einer farbidentischen Wand. So bekommen auch kleine Räume eine aufgeräumte und wohltuende Ruhe. Dabei ist dieses „Ton in Ton“ recht breit gefächert, denn Farben kommen gerne mit einer ganzen Reihe von Nuancen in Kombination daher.

Heute schick und morgen praktisch

Die wichtigste Funktion im und am Möbel ist das Licht. Möbel sind heute wichtiger Bestandteil des Lichtkonzeptes und bieten sowohl funktionales Licht als auch indirekte Beleuchtung für das Ambiente, nicht selten in Intensität und Farbe per App zu steuern, je nach Bedarf und Wunsch. Aber es kann eben auch ein kleines Licht am Sockel des Bettes sein, für den, der nachts mal raus muss. Was elegant aussieht, ist auch ein cleveres Tool für ältere Menschen – so muss Universal Design im Hinblick auf den demografischen Wandel aussehen: heute schick und morgen praktisch.

Auch die Sofahersteller übertreffen sich in Funktionsvielfalt und bieten höhenverstellbare Rückenlehnen ebenso wie elektrische Sitztiefenveränderung, Stauraum, Ladefunktionen und sogar ganze Liegeflächen, die sich um sich selbst drehen. Das Sofa von heute ist dabei von vorne ebenso schick, wie von hinten, kann also frei im Raum stehen und größere Räume auch gliedern. Denn neben der extremen Verdichtung des Wohnraumes in den Städten zeigen Studien, dass es auch einen kleineren, gegenläufigen Trend gibt, dass Menschen auf sehr großer Fläche wohnen. Aber auch für Empfangshallen sind die neuen Sofalandschaften und vielfältigen Sitzgelegenheiten interessant. So gibt es zum Beispiel gepolsterte Sitzschalen auf einer Holzbank mit Metallfüßen, die sich sowohl um sich selbst drehen lassen als auch seitlich verschiebbar sind. Gleichzeitig sind die Polstermöbel von heute etwas komfortabler und weicher gepolstert als noch vor ein paar Jahren, ohne dabei den Komfort zu vergessen.

Intelligente Möbel

Auch das smarte Heim war auf der Möbelmesse vertreten. Gezeigt wurden Küchenschränke, die sich als Ganzes an der Wand nach unten oder oben bewegen können, damit auch Rollstuhlfahrer Zugriff haben. Termine, Wetter und E-Mails werden im Badezimmerspiegel angezeigt, und die smarte Dunstabzugshaube weiß, wann das Wasser auf dem Herd kocht genauso, wie der Blumentopf weiß, dass die Pflanze darin dürstet.

Gesundheit, Nachhaltigkeit und Design

Und um die Eingangsfrage zu beantworten: Es gibt natürlich Technikfans, die sich verstärkt Richtung Smart Home orientieren und neue Ökos, die den Konsum zu vermeiden versuchen, aber die Wahrheit liegt im Miteinander. Es ist nicht allein der Verzicht und die Reduktion, sondern auch moderne Technik, die den Umweltschutz, z. B. durch Recyclingverfahren und neue, ökologische Materialien und Energiegewinnung vorantreiben wird. Kunststoff vermeiden ist super, auf ihn verzichten können wir noch nicht. Wir müssen Wege finden, ihn und alle anderen Werk- und Rohstoffe in die Kreislaufwirtschaft zu bringen und uns darüber Gedanken machen, was passiert mit der Einrichtung, die ich heute einbaue, wenn sie irgendwann vielleicht ausgedient hat? Denn die Möbelmesse hat deutlich gezeigt, wohin die Reise geht. Erfolgreich in der Einrichtungsbranche wird in den nächsten Jahrzehnten derjenige sein, der sich auf zwei Dinge konzentriert: Gesundheit und Nachhaltigkeit. Na ja … und Design. Denn eine ansprechende Einrichtung macht glücklich, und das ist gesund!


Die Autorin

Innenarchitektin Katrin de Louw ist Inhaberin von Trendfilter und führende Expertin für Möbel- und Materialtrends im Innenraum.

www.trendfilter.net

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