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Bloß keine Hektik

Bedürfnis nach Harmonie und Entschleunigung prägt die Möbeltrends
Bloß keine Hektik

Endlich zu Hause. Endlich wohlfühlen. Endlich Mensch sein. Die aktuellen Möbeltrends werden befeuert von dem Wunsch, uns von der zunehmend hektischen Welt zu erholen. Die diesjährige Möbelmesse in Köln zeigte alte und neue Klassiker.

Autor: Katrin de Louw

I Es sind immer die gesellschaftlichen Sehnsüchte, die unser Design maßgeblich beeinflussen. Nachdem wir jetzt jahrelang den Purismus geliebt haben, rutschen wir nun ab an der glatten Oberfläche der Einheitlichkeit und ecken an, an den scharfen Kanten der simplen Kuben. Zu langweilig war die Form, zu einheitlich das Möbeldesign. Auf der Suche nach mehr Individualität sind wir weicher und schräger geworden. Die Form ist einfallsreicher, die Ausführung detailverliebt. Das macht wieder Spaß und birgt die Chancen für alle, die „Handwerk“ nicht online nachschlagen müssen, sondern noch beherrschen.

Der Haupttreiber für unsere Einrichtungstrends ist der Wunsch nach Harmonie und Entschleunigung, Wohlbefinden und Gesundheit. Werte, die im Angesicht ständiger „digitaler Updates“ an Bedeutung gewinnen und uns lieb und teuer sind. Unsere Investitionen in Möbel und Einrichtung gehen nicht mehr in technikintegrierte, puristische Möbelklötze, sondern in neue oder neu interpretierte Klassiker, die geprägt sind von guter handwerklicher Kunst sowie authentischen und natürlichen Materialien.
Das Möbel von heute ist dezent und unaufdringlich und entfaltet seine Besonderheit erst auf den zweiten Blick. Es hat den Anspruch, uns ein Leben lang zu begleiten und als neuer Klassiker seinen Wert nicht zu verlieren. Das Statussymbol von heute ist ein einfaches, schlichtes, aber gut gestaltetes Möbel, zeitlos und wertig gefertigt.
Dabei erinnern viele neue Möbel an alte Zeiten: Plüschige Sofas mit verschieden gemusterten Kissen, Massivholzfüße unter Stühlen und Schränken und Materialkombinationen mit Marmor, Messing, Kupfer. Und doch sind die Fertigungstechniken neu, die Farbzusammenstellung modern, die Materialherkunft ökologisch vertretbar und die Details trendy, wie zum Beispiel unterschiedliche Tischbeine oder geometrische Schnitzereien an der Tischplattenkante.
Ohne Haptik geht es nicht
Obwohl die virtuelle Welt uns Vieles bietet, lechzen drei Sinne nach realen Erlebnissen: Schmecken, Riechen und Fühlen. Als Kontrast zu der glatten Benutzeroberfläche unseres Smartphones gewinnen Materialien und Oberflächen im Möbel und in der Inneneinrichtung immens an Bedeutung. Haptik ist wichtig, unsere Umgebung soll sich gut anfühlen. Die Oberflächen sind vielseitig von supermatt bis hochglänzend, geprägt, gefräst oder individuell bedruckt. Dabei stören uns auch Risse und Astlöcher im Holz nicht, sind sie doch ein Zeichen der Echtheit des Materials. Fehler im Naturmaterial ist heute ein Zeichen von Authentizität, welches nur schwer von der Kunststoff-Fraktion nachgeahmt werden kann.
Und wenn wir über gesellschaftliche Entwicklungen als treibende Kraft für unser Möbeldesign sprechen, muss ich – auch bei der Gefahr, Sie zu langweilen – das böse Wort gebrauchen: Urbanisierung. Die Menschen ziehen in die Städte und haben wenig Wohnraum zur Verfügung. Das macht die Möbel kleiner, Regale höher und: Schön, wenn das Regal die Leiter dann gleich beinhaltet. Neue Klappbettvarianten oder Küchenmodule, die optisch verschwinden, haben neuen Aufwind, da Sie Platz sparen. Wir haben auch viele Regalsysteme gesehen, die sich in Vielfalt und Anordnung ganz einfach neu gestalten lassen. Und zwar werkzeuglos, weil nicht jeder der vielen Ein- bis Zwei-Personenhaushalte einen handwerklich begabten Bewohner hat.
Lümmeln ist out, Sitzen ist in
Dabei braucht eine älter werdende Gesellschaft Wohnlösungen, die jetzt schick und später auch noch praktisch sind. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Betteinstiegshöhe heute höher ist als vor fünf Jahren. So steigt es sich einfach bequemer ein und aus.
Das gleiche gilt für Sofas, auf denen man jetzt tatsächlich wieder sitzen kann, da sie eine geringere Sitztiefe haben als noch die Lümmel-Landschaften vor einigen Jahren. Man hat also trotz der aktuell superweichen Polsterung wieder eher die Chance, vor dem Einschlafen das Bett zu erreichen. Und das, obwohl die integrierten Steckdosen am Sofa uns dort lange surfen lassen.
Nachhaltigkeit ist noch zu wenig im Fokus
Der Wunsch, im Einklang mit der Natur zu wohnen und diese dabei möglichst wenig zu belasten – ja, das ist trendgerechter Lifestyle von heute und übermorgen. Nachhaltigkeit in der Materialgewinnung, in der Produktion, ein möglichst langer Lebenszyklus des Möbels und die Verwertung danach sind große Zukunftsthemen, denen wir uns noch nicht genügend widmen. Bei den Jungdesignern sieht man mehr und mehr Recycling, Upcycling und Re-Use-Projekte, so auch auf der Messe in Köln. Da werden Materialreste zu neuen Designs und Kleinmöbel zu kreativen Alleskönnern, die Hocker, Tisch und Aufbewahrungsmöbel in einem sind.
Landhaus-Look kommt auch in die Städte
Die Sehnsucht nach Natur, Ruhe und Entschleunigung in heutigen und zukünftigen Megacities wächst und schafft auch den neuen Trend zu ländlichen Stilelementen an neuen Möbeln, wenn auch deutlich moderner als noch vor fünf Jahren. Besonders bei den Küchenmöbeln ist das auffällig: Traditionelle Möbelfronten in modernen Farben und neuen Möbelgriffen. Auch Fronten mit zarten Rähmchen und Füllungen waren wieder neu zu sehen. Zwar sinnlich und romantisch, aber nicht altbacken, sondern wertig. Die Farben dazu sind meistens sehr naturbetont, zart, gräulich und erdig.
Aktuelle Farben teilen sich in drei Gruppen
Obwohl die Menge in weißen Oberflächen bleibt, gesellen sich ein modernes Mausgrau dazu als schöne Kombinationsfarbe zu Holz, Kupfer oder knalligen Akzenten, z. B. in Gelb. Und ebenfalls auf dem Vormarsch: Schwarz, gerne in supermatt, sowohl in Lack, Glas als auch auf Metall und in Stoffen.
Überhaupt ist die Kombination der Materialien im Möbel im Moment ein großes Thema, wobei Schränkchen und Tische auch gerne auf zarten Metallkonstruktionen stehen, die entweder in Kupfer oder Messing daherkommen oder – immer häufiger – Ton in Ton mit dem lackierten oder gepolsterten Möbel, sprich: in allen möglichen Farben.
Die aktuellen Farben sollen möglichst zeitlos daherkommen und sind im Wesentlichen in drei große Gruppen zu unterteilen: Ruhige, vergraute, erdige Farben, die uns die Natur ins Haus holen: Dazu gehören Grau-, Braun- und Sandtöne aber auch rauchige Grün- und blassgraue Blaunuancen. Als zweite große Gruppe sehen wir die fröhliche, sehr häufig pastellige Farbpalette, die in ihrer Zartheit eine neue Romantik in den Raum bringt und übrigens für Gesundheitszentren von Farbpsychologen empfohlen wird. Dabei sind die Pastelltöne aktuell nicht zu „süß“, sondern mit viel Grauanteil natürlich und in Kombination mit dunklem Holz, Beton und Schlammtönen ein schöner und sinnlicher Kontrast. In Pastell sehen wir allen voran Türkis, Rosé, Hellblau und Zartgelb.
Der dritte Farbbereich sind die mystischen, dunklen Farben, die ein luxuriöses Ambiente schaffen, edel wirken, zeitlos und klassisch. Dazu gehört u. a. Schwarz, Tannengrün und ein dunkles Navy sowie nach wie vor ein tiefes Petrol und Violett, noch eher selten ein Weinrot. Die dunklen Farben werden kombiniert mit dunklen oder hellen Hölzern, brauchten aber leuchtende Akzente, z. B. aus Metall.
Eiche bleibt uns erhalten
Und ich werde Ihnen jetzt nicht sagen, dass die Eiche Trend ist. Sie ist einfach da. Omnipräsent sozusagen. Hell, dunkel, glatt, rau, astig, gespalten, ruhig, farbig lackiert, geölt, gewachst, patiniert. Ein Alleskönner, der uns erhalten bleibt. Daneben behauptet sich nach wie vor der Nussbaum als edles Material mit bleibendem Wert. Aber das ist schon langweilig, das wissen Sie seit langem.
Viel erfrischender ist es da, neue Hölzer zu sehen. Ein Küchenhersteller bringt in der Front „Tanne“ und zeigt sein Produkt in einem Ambiente mit passender Wand- und Deckenverkleidung. Das linear gemaserte, sehr helle Holz wirkt freundlich und warm und bringt auch auf der großen Fläche eine tolle Natürlichkeit in das Haus. Esche kann Ähnliches leisten und ist sehr beliebt bei Designern, da sie hell ist, aber trotzdem Struktur mitbringt.
Am besten aber hat mir die Präsentation von Lignet Rose gefallen, dem großen Wohn- und Polstermöbelhersteller, der seine modernen, hellen und freundlichen Wohnambiente in streifigem, geölten Kirschbaumfurnier gezeigt hat, kombiniert mit viel Weiß und Kupfer. Lassen Sie sich auf dessen Homepage einfach inspirieren. Und herrlich erfrischen! I
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Schallmessung in der Praxis: Michael Fuchs (r.) und Simon Holzer bei raumakustischen Messungen in einem Objekt (Friseursalon Max in Wallersdorf). Foto: Barbara Kohl, Kleine Fotowerkstatt
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