Die Trends der Mailänder Möbelmesse, Teil 1

Design goes Gummibaum

„Klassik trifft Design“ war DAS Trendthema der diesjährigen Möbelmesse in Mailand. Dabei geht es zum einen um die Formensprache der späten 40er-, dann 50er-, 60er- und auch frühen 70er-Jahre, aber auch um wertige Materialien. Dazu passt: der Gummibaum! Katrin de Louw

I Eigentlich war die optische Aufarbeitung eines Möbelklassikers für die Branche schon immer eine erfolgreiche Möglichkeit, mit wenig Aufwand einen großen Effekt zu erzielen. Und so gab es auch in diesem Jahr wieder viele solcher Neuauflagen alter Möbeldesigns zu bewundern. Aber das allein machte es nicht aus. „Classic reloaded“ und ein Design des Werterhalts prägte die gesamte Möbelmesse in Mailand.

Dabei geht es, wie gesagt, zum einen um das sogenannte „Mid Century Design“, aber auch um Materialtrends, die das aktuelle Design durch ihre Wert erhaltende Auswahl unterstützen: Wir finden überwiegend klassische Hölzer wie Nussbaum und Eiche neben traditionellen Metallen wie Messing, Bronze und Kupfer. Naturstein ist ebenfalls großflächig vertreten, allen voran der klassische Marmor in Weiß und Schwarz.
Ein Trend, der sich schon seit längerem ankündigt ist, dass Küche und Wohnraum zusammenwachsen. Die beiden streiten sich inzwischen, wer welche Möbel liefern darf. Dabei sollte die Küche funktional sein und in ihrer Funktion auf dem aktuellen Stand der Technik. Eines allerdings sollte sie möglichst vermeiden: Nach Küche auszusehen. Denn wir wollen ja in ihr wohnen und uns wohlfühlen, das Licht dimmen können, Geschirrberge verschwinden lassen und nach dem Essen mit Freunden einfach sitzen bleiben und „loungen“.
Bloß nicht nach Küche aussehen
Die Küche kommt also in Bewegung: Große Schiebeelemente schließen Funktionsbereiche, wie z. B. die Spüle, nach oder auch vor getaner Arbeit. Dunstabzugshauben werden entweder so gestaltet, dass sie wie dekorative Pendelleuchten aussehen oder verschwinden optisch am besten vollständig – z. B. indem ein guter Innenausbau diese Technik verbirgt oder sogar die neueste Unterflurabsaugung zum Tragen kommt.
Zudem haben wir höhenverstellbare Elemente entdeckt, die ergonomische Vorteile bieten. Die Küche von morgen besitzt oftmals eine Arbeitsfläche, die tischähnlich mit einem Rollstuhl zu unterfahren ist. Es geht darum, heute eine attraktive Küche zu haben, die auch morgen noch für den Besitzer funktional ist.
Das angesagte Design im Essbereich besticht durch gepolsterte Armlehnen-Stühle, in denen man gerne den ganzen Abend verbringt.
Die LED- Beleuchtung, per App vom Handy aus zu steuern, kann man dann gemäß seiner Stimmung und der Tageszeit anpassen in warmer oder kalter Lichtfarbe und in der Lichtintensität.
Eine immer größer werdende Rolle spielen außerdem offene Regale in der Küche. Sie schaffen eine wohnliche Atmosphäre und werden oftmals an der Kücheninsel zum Wohnraum hin eingesetzt. Dorthin fällt die Bestückung der Regale nicht rein funktional aus, sondern oft eher dekorativ, z. B. mit Büchern.
Solitäre Möbel prägen den Wohnraum
Der Wohnraum, der sich der Küche jetzt direkt anschmiegt, ist geprägt von der Formensprache, die wir mit der Mitte des letzten Jahrhunderts verbinden: Stühle und Sessel stehen auf hohen, kräftigen Holzfüßen oder dünnen Metallgestellen, die oft schwarz oder andersfarbig daherkommen.
Große Schrankwände gibt es im Wohnraum nicht mehr. Solitäre Möbel prägen das aktuell angesagte Wohnzimmer und zeigen Vielfalt in Farbe, Gestalt und Kultur. Möbel sind mehrfarbig. Holzmix ist absolut salonfähig, sogar Metalle dürfen in der Einrichtung gemixt werden. Die Vielfalt zeigt Individualität und Weltoffenheit.
Die Couchlandschaft bekommt einen neuen Aspekt mit integrierten Ablagen und Stauräumen für Tablet und E-Reader, am besten inkl. Auflademöglichkeit für diese Geräte. Das „Wireless Charging“, also das kabellose Aufladen, indem man das Handy einfach auf das Möbel legt, ist dabei eine angesagte, komfortable Lösung.
Bei den Textilien im Wohnzimmer fällt ein besonderer Trend auf für Polsterstoffe: Samt. Seine changierenden Effekte zwischen Matt und Glanz passen in die klassische Formgebung und werden oft in traditionellem Dunkelgrün, Dunkelblau oder Dunkelrot gezeigt, gerne in Verbindung mit Messing. Die Kissen auf dem Sofa sind im heutigen Wohnzimmer vielseitig gemixt. Auffallendes Trendthema sind geometrische Muster, gerne in Schwarz-Weiß. Daneben fallen die zarten und oft vergrauten Pastellfarben ins Auge, allen voran das Rosé, Mintgrün und Zartblau, die nicht selten mit honigfarbenen oder sogar hellen Hölzern eine skandinavische Leichtigkeit bekommen.
Für innen und außen
Beide – Küche und Wohnraum – zeigen viel Natur: Kräuter und Pflanzen sind oft Teil des Gestaltungskonzeptes. Mit den selbst gezüchteten Kräutern leben wir gesunde Ernährung, Pflanzen integrieren die Natur in unseren Erholungsort Nr. 1. Der Übergang von drinnen nach draußen scheint fließend. Dem werden auch die Möbelhersteller gerecht und zeigen immer häufiger Designs für innen undaußen. Auch Geflechte aller Art gehören zu den aktuellen Trendthemen, wie z. B. Rattan: Traditionelle Handarbeit in leichten Möbeln aus ökologischen Naturmaterialien. Das passt in unsere Einrichtung 2017/2018. I

Die Autorin

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Die Innenarchitektin Katrin de Louw ist Inhaberin von Trendfilter und führende Expertin für Möbel- und Materialtrends im Innenraum.

Flut von Menschen

Möbel und Küchen in Mailand

Mailand im April: Wer mit der Metro das Messegelände kurz vor Messebeginn erreicht, hat das Gefühl, als Individuum völlig unterzugehen in dieser Flut aus Menschen, die Richtung Eingang strömt. Wie jedes Jahr denke ich: „Was für eine Menschenmenge! Wo kommen die alle her? Unglaublich.“ Die Fakten: In diesem Jahr besuchten vom 12. bis 17. April über 300.000 Fachbesucher aus über 160 Nationen die 55ste Ausgabe der Salone del Mobile Milano, an die in diesem Jahr turnusgemäß wieder die Küchenmesse Eurocucina angedockt war. Über 2400 Aussteller präsentierten ihre Produkte.

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