Rückenwind für den igeL e. V.: Die Bedeutung des Leichtbaus wächst. »Genauso gute oder sogar bessere Möbel« - BM online
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»Genauso gute oder sogar bessere Möbel«

Rückenwind für den igeL e. V.: Die Bedeutung des Leichtbaus wächst
»Genauso gute oder sogar bessere Möbel«

Die Interessengemeinschaft Leichtbau igeL e. V. nimmt weiter Fahrt auf. Ein großer Treiber ist der Innenausbau von Caravans, doch auch im Möbelbau geht es voran. Nun wird eine Leichtbau-Datenbank geöffnet, in der Interessenten nach Werkstoffen und Beschlägen suchen können.

BM Die Interessengemeinschaft Leichtbau wird jetzt 13 Jahre. In diesem Alter sind Kinder in der Pubertät. Wie läuft die Entwicklung bei der igeL e. V.?

Oliver Hunger: igeL e. V. wird heute viel stärker wahrgenommen. Um CO2 zu reduzieren, interessieren sich auch andere Branchen mehr und mehr für den nachhaltigen Rohstoff Holz. Die Nachfrage wird also weiter steigen. Dementsprechend geht es zukünftig noch stärker um Ressourcen-Schonung, Nachhaltigkeit und Effizienz. Der Leichtbau bietet hierzu einen guten Lösungsansatz, denn wir können bereits jetzt durch Leichtbaumaterialien mit 50 % weniger Holzwerkstoffen genau so gute oder sogar bessere Möbel herstellen. Diese Veränderung wird durch weitere Entwicklungen, z. B. in der Fahrzeugbranche, getrieben: Ein gut ausgestattetes Reisemobil ist jetzt schon schnell an der 3,5 t-(Führerschein)Grenze. Stellt man auf Elektroantrieb mit schweren Akkus um, ist es zwingend notwendig, den Innenausbau in Leichtbauweise zu fertigen. Es entsteht somit ein deutlicher Handlungsdruck.

Peter Kettler: Tatsächlich freuen wir uns über rege Aktivitäten in unserem Netzwerk – trotz der Pandemie. Bei unseren digitalen Veranstaltungen können wir durchgängig größere Teilnehmerzahlen verbuchen, als dies bei herkömmlichen Veranstaltungen der Fall gewesen ist. Dennoch freuen wir uns auch wieder auf die nächste Präsenzveranstaltung.

BM: Nach der ersten Euphorie in Sachen Leichtbau vor rund zehn Jahren schien das Thema etwas an Fahrt zu verlieren.

Oliver Hunger: Ja, zunächst folgte eine gewisse Ernüchterung, teils weil seinerzeit noch nicht alle Befestigungslösungen verfügbar waren und auch die Be- und Verarbeitung neue Herausforderungen an die Anwender stellte. Mittlerweile jedoch gibt es eine Vielzahl an Leichtbauwerkstoffen mit den entsprechenden Verbindungslösungen. Ebenso ist ein großes Angebot an geeigneten Werkzeugen für die Be- und Verarbeitung verfügbar. Auch die Anlagenhersteller bieten ein breites Spektrum vom Handgerät über die Einstiegsmaschine für auftragsbezogene- bzw. Kleinserien bis hin zu Hochleistungsanlagen.

BM: Ist denn der Leichtbau schon im Handwerk angekommen?

Oliver Hunger: Auch hier gibt es ein ganzes Bündel an Entwicklungen. Mittlerweile können mehrere Leichtbauwerkstoffe, auch in Kleinmengen, über den Handel bezogen werden. Gleiches gilt für die Befestigungstechnik bis hin zum Handgerät für die Anbringung von Leichtbaudübeln. Ebenso sind Leichtbauplatten verfügbar, die sich wie herkömmliche Spanplatten verarbeiten lassen, inklusive Verschraubung.

Peter Kettler: Und nicht zu vergessen: die „HolzFibel“ speziell für den Tischler und Schreiner mit über 40 Seiten Leichtbau-Fachwissen. Der Leichtbau ist ja sehr vielseitig, sei es in der Anwendung, aber auch in Bezug auf die Fertigung. Wir haben Mitglieder aus allen Bereichen, sowohl Handwerk als auch Industrie, und können für viele Bereiche die entsprechenden Lösungen anbieten.

Je größer die Mengen sind, umso zielgerichteter kann eine Leichtbauplatte hergestellt werden – sprich die Tischplatte von einem Beistelltisch kann in einer Großserie so konfiguriert werden, dass exakt für die Anschraubpunkte der Tischfüße bereits beim Fertigungsprozess eine Verstärkung automatisiert in das Sandwich eingelegt wird.

Soll eine Tischplatte hingegen für einen womöglich noch individuell konfigurierten Caravan gefertigt werden, so wird hier üblicherweise auf ein vorgefertigtes Standardplattenformat zurückgegriffen, welches entsprechend gerundet und mit speziellen Befestigungsbeschlägen versehen wird.

BM Was bietet IgeL denn, wenn man es auf den Punkt bringen möchte?

Oliver Hunger: Wir schaffen als igeL e. V. eine Transparenz zum Thema Leichtbau und bieten eine neutrale Plattform, auf der sich große und kleine Unternehmen einen Überblick über bestehende Leichtbaulösungen und solche, die sich in Entwicklung befinden, verschaffen können. Ebenso bieten wir so eine gute Eintrittsmöglichkeit für Unternehmen, welche neu in die Branche einsteigen möchten.

Durch das Networking bieten wir einen guten Informationsaustausch. Deutlich sichtbar wird dies durch unsere Gemeinschaftsstände auf den Messen, die eine höhere Zielgruppenansprache ermöglichen.

BM: Und was macht igeL dann ganz konkret?

Oliver Hunger: Wir haben uns ein vielseitiges Aufgabenspektrum auf die Agenda geschrieben. Angefangen von unseren Leichtbautagen am Berufskolleg Beckum, wo wir jährlich den Berufsstartern einen kompakten Einblick mit Präsentationen und praktischen Workshops bieten, über Studienarbeiten zum Thema Leichtbau, welche wir bzw. die Mitgliedsunternehmen begleiten, bis hin zu Messepräsenzen auf der Interzum oder ZOW und natürlich auch unser alle zwei Jahre stattfindendes Leichtbausymposium. Das nächste findet übrigens am 27. + 28.10.2021 statt.

Einen Schwerpunkt bilden sicherlich unsere mittlerweile fünf internen Arbeitskreise der Leichtbau-Experten:

  • Information und Weiterbildung
  • Normung und Klassifizierung
  • Marketing und Kommunikation

sowie die beiden neuen Arbeitskreise: „Neue Bauteilprüfung“ und „Mobiler Innenausbau“.

Darüber hinaus bieten wir mit unserem Leichtbauhandbuch und den igeL-Internetseiten – welche jetzt gerade um unsere Datenbank ergänzt werden – aktuellste Informationen an. Praktisch ergänzt wird dies durch unseren igeL-Leichtbau-Musterkoffer, in dem über 35 Musterstücke der Leichtbaumaterialien unsere, Mitglieder enthalten sind.

BM Was bietet die Datenbank?

Peter Kettler: Die Leichtbau-Datenbank ist eine Wissensdatenbank, in der wir die vielseitigen Leichtbau – Informationen zusammentragen. Sie erhält in der ersten Ausbaustufe eine übersichtliche Darstellung des Leistungsspektrums unserer Mitglieder in tabellarischer Form – angefangen bei den Werkstoffen, verlinkt mit der jeweiligen Herstellerseite sowie mit pdf-Abrufen für Datenblätter und weitere Informationen.

Dieser Rubrik folgen die Befestigungslösungen mit einer Empfehlung für die geeigneten Werkstoffe und umgekehrt. Als nächster Step sind Bearbeitungswerkzeuge und Technik geplant. Die Tabelle beinhaltet auch Sortier- und Filterfunktionen sowie einen Zoom für die Hauptabbildung.

Die Tabellenstruktur ist flexibel aufgebaut und wir werden sukzessive weitere Datenfelder ergänzen. Ebenso wird die Datenbank regelmäßig um Produktneuheiten erweitert. Eine Veröffentlichung des Internet-Zugangs für die igeL-Leichtbau-Datenbank ist im Mai 2021 vorgesehen.

BM Was bietet der Musterkoffer?

Oliver Hunger: Den aktuellen Musterkoffer bieten wir mittlerweile in der 3. Auflage an. Das Set besteht derzeit aus über 35 modernen Leichtbauwerkstoffmustern unserer Mitglieder sowie Informationsbroschüren. In dieser neuen Auflage fügen wir zusätzlich das igeL-Leichtbauhandbuch mit einer umfangreichen Übersicht zum Thema der Leichtbaukonstruktionen im Möbel- und Innenausbau bei. Autor: Prof. Dipl.-Ing. Martin Stosch / TH OWL, gefolgt von Unternehmenssteckbriefen der igeL-Mitglieder. Der Koffer dient hauptsächlich als Anschauungsmuster für die Aus- und Weiterbildung. Er wird aber auch gerne in den Entwicklungsabteilungen genutzt.

Peter Kettler: Unser Leichtbau-Koffer korrespondiert bereits mit der neuen Leichtbaudatenbank. Unter dem Suchbegriff „Musterkoffer“ werden alle Materialien, welche im Musterkoffer enthalten sind, gefiltert, um so gezielt weitere Informationen abzurufen.

BM: In welchen Bereichen sehen Sie das meiste Potenzial: Im Möbelbau, im Holzbau, im Innenausbau oder im Bereich Caravaning?

Oliver Hunger: Kurzfristig sehe ich hier natürlich den Bereich des mobilen Innenausbaus, also insbesondere auch das Thema Caravaning. Wir hatten dieses Jahr bereits drei große Videokonferenzen, in der Spitze mit 137 Teilnehmern. Wir sind hier mit vier Arbeitsgruppen am Start, um uns dem Leichtbau aus Sicht der Anforderungen, neuer Materialien & Technik, der Normung und der Wissensdatenbank zu widmen. Gerne nehmen wir auch in diesem Bereich noch weitere Interessenten in unser Netzwerk auf.

Peter Kettler: Mit unserem Arbeitskreis „Neue Bauteilprüfung“ sind wir gemeinsam mit der AMK auf dem Weg, um den Einsatz des Leichtbaus im Segment der Küchenmöbel zu vereinfachen. Und im Möbelbau gibt es tolle Beispiele aus dem Objektbereich: elegante, lofte Möbel, bei denen dank Leichtbau die Elektrifizierung in der trotzdem stabilen Arbeitsplatte verschwindet.

Oliver Hunger: Nicht zu vergessen sind die großen Erfolge der Mitnahmemöbel eines bekannten schwedischen Anbieters, welche mittlerweile zum größten Teil aus Leichtbaumaterialien hergestellt werden. Dies spart enorme Ressourcen und ist gerade in Zeiten des Internetversands eine „leichte“ Lösung, die darüber hinaus wirtschaftlich ist.

Im Innenausbau ist sicherlich der Messebau ein gutes Beispiel für Leichtbaulösungen. Wir haben Mitglieder, welche flexible Modul-Wandsysteme anbieten, mit denen sich tolle, mehrfach nutzbare Messestände realisieren lassen, was ökologisch und ökonomisch sinnvoll ist.

Peter Kettler: Selbst im Holzbau gibt es mittlerweile interessante Projekte. So könnte man mithilfe von Leichtbau auf bestehenden Immobilien Dachgeschosse errichten, um mehr Wohnraum zu gewinnen. Beachtung verdient sicherlich auch das „Roots“ in Hamburg. Hier entsteht ein Hochhaus mit 65 m Höhe – das höchste Holzhaus in Deutschland.

BM: Was läuft in Sachen Wissenstransfer?

Peter Kettler: Dies möchte ich an einem praktischen Beispiel erläutern, über das ich mich sehr gefreut habe: Im Rahmen unseres Arbeitskreises der „Leichtbau Datenbank“ sind wir auf die Fragestellung gestoßen, ob wir den Nutzern der Datenbank eine durchgängige Empfehlung geben können, welche Bearbeitungswerkzeuge für das jeweilige Material geeignet sind. Hier haben sich unsere beiden Werkzeug-Mitglieder bereit erklärt, eine Vielzahl der Materialmuster unserer Mitglieder zu prüfen, sodass wir zukünftig die entsprechenden Empfehlungen in der Datenbank zur Verfügung stellen können. Aber wir bohren auch dickere Bretter: Unser Ziel ist es etwa, gemeinsam mit der AMK ein Merkblatt zu entwickeln, sodass Leichtbauwerkstoffe bauteilgerecht in der Küche eingesetzt werden können. Gerade wird eine erste Testreihe mit über 500 Einzelproben zusammengestellt. Das wird den Einsatz von Leichtbauwerkstoffen in der Küche entscheidend vereinfachen.

BM: Ihr Ziel war und ist es, die Idee der Leichtbauweise unter die Leute zu bringen. Ist das gelungen?

Oliver Hunger: Der igeL e. V. hat sich in den Bereichen des Möbel- und Innenausbaus mit seinen 100 Mitgliedern gut etabliert. Allein in den letzten vier Wochen konnten wir aufgrund unserer Aktivitäten im Bereich Caravaning sechs neue Mitglieder gewinnen. Wir sind im Gespräch mit mehreren Innovatoren, die weitere Leichtbauwerkstoffe in der Entwicklung haben. Aktuell begleiten wir eine Gruppe von Mitgliedern bei einem Technologietransfer-Programm Leichtbau des Bundeswirtschaftsministeriums.

Die Fragen stellte BM-Redakteurin Regina Adamczak

www.igel-ev.net

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