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Gestaltungsgrundlagen Handwerk: Fläche

Grundsätze der Gestaltung Teil 1
Gestaltungsgrundlagen Handwerk: Fläche

Abb. 12 Die sogenannten harmonischen Rechtecke wurden aus der Urfläche, dem Quadrat, entwickelt
Beim Entwurf und der Gestaltung eines Möbels ist ein Gespür für Dimensionen und Formempfinden gefragt
Für eine objektive Beurteilung dieser Erzeugnisse bedarf es aber einer Beurteilungsautorität. Diese ist in der Lage die architektonischen Werke nach den Gesetzen der Formästhetik, Gehaltsästhetik wie Funktion und Zweckmäßigkeit und vielleicht auch nach der Zierästhetik zu bewerten.
Die Proportionen der Dimensionen der Flächen, der Rhythmus der Gliederungen durch die Teilungslinien, harmonische, spannungsreiche Profilabäufe, die Spannung zwischen harten und weichen Kanten, zwischen breiten und schmalen Flächen, die Wirkung des Lichtes, der Farbe, der Textur des Holzes und der Glanz der Oberfläche sowie das Zusammenwirken von Funktion, Form und Konstruktion bilden im einzelnen die Beurteilungskriterien.

Die Fläche

Der Entwurf von Möbelkörpern und Innenräumen ist zwar ein Gestalten in drei Dimensionen, wird aber auf der Zeichnung in zwei Dimensionen erfasst. Selbst das perspektivische Bild – ob Zeichnung, Foto oder Abbild auf der Netzhaut des Auges – ist bloß planimetrisch. Vom Erkennen der sichtbaren Grenzflächen und deren Kombination, vor allem aber von der Beurteilung der Konvergenz der in die Tiefe laufenden Linien, hängt die Umsetzung ins Stereometrische ab. Deshalb ist die Fläche ein wesentliches Element der Architektur und in Bezug auf ihre Ausdruckskraft sowie Harmonie der Proportion ihrer Dimensionen zu bewerten.
Quadrat und Rechteck
Wahrscheinlich liegt es an der senkrechten Stellung des Menschen zur Erde und an der horizontalen Lage seiner Augen. Dass die senkrechte und die waagerechte Richtung als Grundrichtungen empfunden werden. Senkrechte und waagerechte Ausdehnungen im rechten Winkel zueinander ergeben das Rechteck und als Sonderform das Quadrat.
Ausdehnungstendenzen von Quadrat und Rechteck. Sie sind beim Quadrat, das auf einer Seite ruht, neutral, beim liegenden Rechteck horizontal und beim stehenden Rechteck vertikal
Ausdehnungstendenzen von Quadrat und Rechteck. Sie sind beim Quadrat, das auf einer Seite ruht, neutral, beim liegenden Rechteck horizontal und beim stehenden Rechteck vertikal
Bei den Rechteckflächen sind Ausdehnungstendenzen festzustellen. Beim hochkant stehenden Rechteck ist dies eine steigende, vertikale Ausdehnungstendenz, beim liegenden Rechteck eine lagernde, horizontale Ausdehnungstendenz.
Das Quadrat dagegen ist ausgeglichen. Es vermittelt auf der Basis stehend einen ruhenden kompakten Eindruck. Die Ausdehnungstendenzen sind beim Quadrat horizontal wie Vertikal neutral.
Durch markante Teilungslinien in der Urfläche können sich die Ausdehnungstendenzen umdrehen
Durch markante Teilungslinien in der Urfläche können sich die Ausdehnungstendenzen umdrehen
Die Bewegungstendenz der Rechteckflächen kann durch Gliederung, Teilung bzw. durch Kombination mit anderen Rechteckflächen abgewandelt oder verändert werden. So wird die horizontale Ausdehnungstendenz eines liegenden Rechtecks durch senkrechte Teilungslinien gemildert. Mehrere Rechtecke mit Bewegungstendenzen in unterschiedlicher Richtung in einer Fläche, können bei guter Kombination zur Ruhe und Ausgeglichenheit der Gesamtfläche führen.
Der die Fläche umspannende Rahmen behindert die Kräfte bei ihrer Ausdehnung. Sehr breite Rahmen konzentrieren die Kräfte auf die kleine Innenfläche. Markante Rechtecke in einer größeren Rechteckfläche mit rechtwinklig zueinander verlaufenden Ausdehnungstendenzen können die Ausdehnungstendenz der Ursprungsfläche aufheben
Der die Fläche umspannende Rahmen behindert die Kräfte bei ihrer Ausdehnung. Sehr breite Rahmen konzentrieren die Kräfte auf die kleine Innenfläche. Markante Rechtecke in einer größeren Rechteckfläche mit rechtwinklig zueinander verlaufenden Ausdehnungstendenzen können die Ausdehnungstendenz der Ursprungsfläche aufheben

Rechteckdimensionen

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Die Proportion der beiden Rechteckdimensionen ist entscheidend für die ästhetische Wirkung der Fläche. Ausgehend vom Quadrat erhält die Fläche je nach Größe der Verlängerung oder Verkürzung einer Dimension eine andere Aussagekraft. Die Diagonale in der Fläche ist durch ihre Neigung gleichsam das abkürzende Zeichen für den Proportionswert der Rechteckpaare. In der Renaissance hat man sich sehr intensiv mit Proportionen auseinandergesetzt. Aus dieser Zeit stammen die elf harmonischen Rechtecke, die alle aus der Mutterfläche, dem Quadrat, entwickelt sind. Häufig wird auch hier die Diagonale oder Halbdiagonale zum Konstruktionselement.

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Die Gestaltungsobjekte des Tischlers sind Flächen wie Haustüren und von außen betrachtete Körper wie Möbel, oder von innen betrachtete Körper wie Innenräume. Alle diese Körper, ob konkav oder konvex betrachtet, werden durch Flächen begrenzt. Jede Fläche kann durch ihre Proportion der Dimensionen und durch ihre Lage eine besondere Aussagekraft erfahren. Bei Rechteckflächen kann sich zum Beispiel die kurze Seite zur langen Seite im Goldenen Schnitt verhalten, oder Teilungen auf Flächen können ein solches Verhältnis aufweisen.

Interessant ist auch, dass sich im regelmäßigen Fünfeck (Pentagon) die
Streckenteilungen im Verhältnis des „Goldenen Schnitts“. 1 Grundkonstruktion; die Strecken Minor (m) und Major (M) verhalten sich im Goldenen Schnitt (1 : 1,618)
Streckenteilungen im Verhältnis des „Goldenen Schnitts“. 1 Grundkonstruktion; die Strecken Minor (m) und Major (M) verhalten sich im Goldenen Schnitt (1 : 1,618)

Verbindungslinien im Verhältnis des goldenen Schnittes teilen oder die Fünfeckseite selbst sich mit der Verbindungslinie der Eckpunkte im Goldenen Schnitt verhält. Außerdem ergeben sich am Sechseck über einem Doppelquadrat Verhältnisse im Goldenen Schnitt.


Architekten haben sich gern dieses Goldenen Schnittes bedient. Auch le Corbusier hat sein Modul zum Bauen, die rote und die blaue Reihe, auf den Goldenen Schnitt aufgebaut. Ausgangspunkt war hierfür das Doppelquadrat und die Maße des Menschen.
Wird auf der Diagonale eines Doppelquadrats in der Mitte ein Quadrat konstruiert, verhalten sich die beiden Restflächen im Verhältnis des Goldenen Schnittes
Wird auf der Diagonale eines Doppelquadrats in der Mitte ein Quadrat konstruiert, verhalten sich die beiden Restflächen im Verhältnis des Goldenen Schnittes
Maßverhältnisse im Goldenen Schnitt nach le Corbusier
Maßverhältnisse im Goldenen Schnitt nach le Corbusier
 Die Maßverhältnisse des Goldenen Schnittes,bezogen auf die Maße des Menschen in verschiedenen Positionen (le Corbusier)
Die Maßverhältnisse des Goldenen Schnittes,bezogen auf die Maße des Menschen in verschiedenen Positionen (le Corbusier)

Pythagoras war wohl einer der ersten, der Experimente mit den Tonwerten verschieden langer und gespannter Saiten machte und86850 herausfand, dass die Schwingungen der Saiten von ganz bestimmten Saitenlängen Töne ergaben, die für unser Ohr harmonisch zusammenklangen. Dies lässt sich in einem Experiment leicht nachvollziehen. Eine über zwei Böckchen gespannte Saite mit der Länge eins ergibt den Grundton. Wird diese Länge auf ½ verkürzt ist der Ton um eine Oktave höher als der Grundton, bei 2/3 um eine Quinte und bei ¾ um eine Quart höher als der Grundton.
Der Zusammenklang dreier Saitenabschnitte im Verhältnis von 3 : 2 : 1 stehen wie der Grundton zu Duodezime oder 4 : 3 : 2 wie Grundton zu Quarte zu Oktave oder von 5 : 4 : 3 wie Grundton zu große Terz zu große Sechst oder von 6 : 5 : 4 wie Grundton zu kleiner Terz zu Quinte und dies ist gleich der Molldreiklang. (Abb. 18)
Die ist wohl nicht der Beweis für messbare Harmonien, aber doch eine erstaunliche Erkenntnis, dass die Verhältnisse der gespannten Saitenabschnitte in natürlichen rationalen Zahlen zu klar empfindbaren Harmonien führen. Besonders interessant ist hier der innere Zusammenhang zwischen Schwingungszahl und Längenmaß, also zwischen akustischen und optischen Zahlenwerten.
Aber die Unsicherheit bleibt, ob diese mathematischen Proportionen beim architektonischen Gestalten von Bedeutung sind und wie weit diese Kräfte bewusst oder unbewusst auf die Empfindung des Menschen wirken und ob darin überhaupt der Kernpunkt des Schönen zu suchen ist.

Der Autor: Dipl.-Ing. Wolfgang Nutsch, ehemaliger Leiter der Fachschule für Holztechnik, Stuttgart, ist Verfasser zahlreicher Fachbücher.

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