Möbeltrends 2021: Wie Corona die Einrichtung verändert. Jetzt ist Zuhause! - BM online
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Jetzt ist Zuhause!

Möbeltrends 2021: Wie Corona die Einrichtung verändert
Jetzt ist Zuhause!

Küche wird Büro, Wohnzimmer wird Fitnessstudio, Kinderzimmer wird Schule, Balkon wird Urlaub: Das Zuhause ist jetzt alles und vor allen Dingen eine große Herausforderung. Wie Corona unsere Einrichtung verändert.

Katrin de Louw

Seit Jahrzehnten gab es keine so große
Herausforderung für die Menschen in Deutschland und weltweit wie diese Pandemie. Der Einschlag war auch im Privaten groß: Wir mussten in Rekordzeit sowohl das Büro als auch die Schule zu Hause einrichten, wieder selber kochen und einen Weg finden, uns kontaktlos fit zu halten. Stammtische wurden digital und Urlaub gab es auf Balkonien. Viele Wirtschaftsbereiche und der Kulturbetrieb hatten und haben es währenddessen noch schwerer. Zwar ist wohl ein Ende in Sicht und doch wird Corona die Einrichtung privat und im Objekt nachhaltig verändern.

Das Onlinemeeting startet gleich am Küchentisch. Wo ist denn hier die nächste Steckdose? Und wie gut, dass es den virtuellen Hintergrund gibt, denn im wirklichen Hintergrund steht das schmutzige Geschirr vom Frühstück. Schließlich ist es ja schon eine Leistung, wenn die Kinder um 8 Uhr morgens versorgt und in der virtuellen Schule sind, da kann man nicht erwarten, dass die Küche schon tipptopp ist.

Arbeiten – am ruhigsten Plätzchen zu Hause

Unser Leben hat sich verändert und mit ihm unser Bedarf an Möbeln und Einrichtung. Allen voran dominierte das Thema Homeoffice die Möbeltrends im vergangenen Jahr und wird es auch noch 2021 tun. Hier gibt es keine Standardlösung, sondern nur eine ganz individuelle, die genau zu unserem Leben und in unsere Wohnung passt. Kleine Sekretäre und Arbeitstische für den Wohnraum waren im vergangenen Jahr schon ein Thema, aber inzwischen haben wir doch gemerkt, dass wir etwas mehr Platz benötigen und noch nicht ganz im papierlosen Büro der Zukunft angekommen sind. Abgesehen davon, dass auch die Schulen noch längst nicht rein online arbeiten und Schulbücher neben Arbeitsblättern überall herumliegen. Jetzt kommen die durchdachteren Arbeitsplatzlösungen für zu Hause auf den Markt: der integrierte Arbeitsplatz in der Küche oder im ruhigen Schlafzimmermöbel oder als platzsparender Solitärschrank mit viel Stauraum, den man nach getaner Arbeit wieder zuklappen kann, um den Arbeitsberg in der Wohnung aus den Augen zu bekommen. Auch die Esstische und Essstühle bekommen Stauraum und – ja richtig – Steckdosen für den Laptop.

Sport und Wellness daheim

Da Sportstudios, Vereine und Schwimmbäder geschlossen wurden, mussten wir uns überlegen, wie wir uns körperlich fit halten. Fitnessgeräte für zu Hause boomen. Dabei muss es nicht immer die große Lösung sein, auch Kleingeräte brauchen ein Konzept zum Verstauen. Türrahmen wurden mit Reckstange versehen, Fitnessgeräte aus Holz neu entwickelt, die formschön und nachhaltig jetzt Wohnung, Keller oder Terrasse zieren.

Gleichzeitig verbrachten wir mehr Zeit im Schlaf- und im Badezimmer. Beide Räume bekommen 2021 mehr wohnliche Akzente und laden zum Verweilen ein. Das darf schon ein bisschen an eine höhere Hotelzimmerkategorie erinnern. Obwohl wir keine Besucher dort empfangen, wollen wir uns erholen und den verpassten Urlaub ersetzen. Dabei stehen Massivholzmöbel sowohl im Schlafzimmer als auch im Bad hoch im Kurs. Der Siegeszug des Boxspringbettes muss sich der wachsenden Nachfrage von Massivholzbetten stellen, die uns „wie in der Natur“ zur Ruhe kommen lassen. Und auch im Nassbereich werden wir mutiger mit echtem Holz, akzeptieren Verfärbungen des Materials, sofern es die Funktionalität nicht zu schnell einschränkt. Holz ist der entscheidende Wellnessfaktor in diesen beiden intimen Wohnzonen geworden.

Drinnen oder draußen? Dazwischen!

Und draußen sein sollen und wollen wir mehr denn je. Zumal draußen die Ansteckungsgefahr weniger ausgeprägt zu sein scheint als im Innenraum. Das gab und gibt dem ohnehin schon großen Outdoor-Living-Trend noch einmal einen gewaltigen Schub.

Balkon, Terrasse und Garten werden auch 2021 weiter ordentlich aufgemöbelt. Es entstehen Räume „in between“– irgendwo zwischen drinnen und draußen, inklusive Verschattung und Witterungsschutz. Terrassenüberdachungen, Wintergärten in allen Formen, Faltschiebetüren oder große Hebeschiebetüren werden auch 2021 noch gut zu verkaufen sein.

Viele Möbel entstehen im Moment für die Nutzung sowohl drinnen als auch draußen und zeigen sich hybrid. Klein und leicht sollen Tische und Stühle sein, variabel und auch handhabbar, vielleicht auf Rollen.

Vom Großraumbüro zur neuen Zellenkultur

Jahrelang haben wir Großraumbüros geschaffen und die damit verbundenen akustischen Probleme gelöst. Doch auf einmal ist Schluss damit und jeder ist froh, wenn er in einem kleinen Büro, vielleicht sogar alleine, sitzen darf. So viel steht fest: Anstatt Wände einzureißen, werden 2021 wieder Wände gebaut. Kleine Räume können auch gemütlich sein und vor allen Dingen: sicherer während einer grassierenden Pandemie. Doch die Abtrennungen sollen dabei transparent oder zumindest transluzent ausfallen. Glas – auch gestaltet, bedruckt oder mit Facetten – hat Hochkonjunktur ebenso wie transparente Stoffe, gerne mit antiviralen und antibakteriellen Eigenschaften.

Auch Holzwerkstoffe mit antiviralen und antibakteriellen Eigenschaften sind im vergangenen Jahr entwickelt worden. Diese eignen sich besonders fürs Projektgeschäft, wo sie Viren und Bakterien auf Oberflächen reduzieren können. Obwohl es in der Regel eine recht lange Zeit braucht, um die Krankheitserreger zu vernichten, haben solche intelligenten Oberflächen 2021 und vermutlich auch darüber hinaus bei Gesundheitsbauten wie Krankenhäusern und Altenheimen Hochkonjunktur.

Die Formensprache wird detaillierter

Einen einfachen Kasten bauen kann jeder. Falls wir dieses Jahr noch kubische Möbel bauen, müssen sie uns in Qualität, Linienführung oder Innenausstattung überraschen und begeistern. 2021 rücken die Detailliebe und das Handwerk noch stärker in den Fokus. Neben den schrägen Füßen unter Sideboards und Tischen kommen jetzt auch mehr und mehr gerundete und organisch inspirierte Formen zum Einsatz. Es darf wieder gedrechselt oder auch profiliert werden. Zierleisten und Kassettenfronten werden schick, zeugen von Stil und Traditionsliebe, sind aber ab sofort zierlich und in moderne Raumplanungen eingebunden. Der Mix macht es! Traditionelle Techniken werden mit modernen Materialien, Farben und Formen kombiniert.

Linienführung und Materialstärken sind zart und dünn oder scheinen zumindest so. Das Midcentury Design der solitären Möbel, welches aus der Mitte des letzten Jahrhunderts zu kommen scheint, bleibt uns erhalten. Auf der Suche nach neuen Klassikern werden bleibende Designwerte mit Hightech in Beschlag, Licht und Material kombiniert.

Pastellwelten und Naturmaterialien

Die Farbwelten werden geprägt von modernen Pastelltönen. Dabei sind diese neuen, leichten Farben zwar farbenfroh, aber keinesfalls bunt, sondern ruhig und vergraut pudrig. Diese hellen, auch oftmals natürlichen Töne von zartem Creme über Camel bis hin zu warmen Grautönen tauchen ganze Ambiente in eine „kuschelige“ und freundliche Atmosphäre, die uns Geborgenheit und Zuversicht gibt. Diese sanfte Farbgestaltung kann jedoch ab und zu durch schwarze Armaturen und Beschläge unterbrochen werden und bekommt so einen coolen Style. Auch helle Jade-, Blau- und Aquatöne sowie dunkle Blau- und Grüntöne bleiben und symbolisieren Naturverbundenheit und in diesem Jahr auch ein bisschen Fernweh. Knallgelb und vergrautes Rosa setzen moderne Akzente, erdiges Rostrot und Ocker sind Sinnbild der Tradition und Kulturvielfalt.

Eiche, Nussbaum, helle Hölzer

Der Industrielook mit schwarzen Metallregalen und Used-Look-Oberflächen bleibt zwar 2021 noch bestehen, aber es tauchen immer häufiger neue Looks auf, getrieben von unterschiedlichen Sehnsüchten: Wertige Materialien, wie Furnier und Massivholz, werden kombiniert mit Naturstein, Keramik und warmen Metallen.

Die Holzarten: Eiche bleibt vielfarbig – goldig, vergraut oder dunkel. Nussbaum ist auf dem Vormarsch, steht für Wertigkeit und Luxus. Die hellen Hölzer wie Ahorn, Birke, Zeder und Weißtanne gewinnen ebenfalls an Beliebtheit, versprühen Lebenslust und Leichtigkeit. Dazu kommen schwarze Hölzer, matt und mit lebendiger Haptik, z. B. aus Nadelholz. Auch Intarsien in moderner Form sind – ähnlich wie Mosaikfliesen – im passenden Ambiente durchaus cool und modern. Die 45°-Schräge, z. B. als Fischgrät im Parkettfußboden oder als Furnierbild im Möbel und an der Wand, bleibt lässig.

Neben Holz, Kork, Rattan, Weide, Leinen und Baumwolle – alles öko-zertifiziert – sind auch immer wieder neue Materialien für Textilien und auch als Plattenwerkstoff zu sehen. Das Material und dessen Herkunft, die ökologische Verarbeitung, aber auch das Vermeiden von Produktionsabfällen sowie die Möglichkeit des Recyclings spielen eine bedeutende Rolle. Wer 2021 ein hochwertiges Möbel zu einem guten Preis verkaufen möchte, muss wissen, woher sein Material stammt und seinem Kunden darüber ausführlich Auskunft geben, und zwar nicht erst, wenn dieser fragt. Es geht also auch 2021 um Nachhaltigkeit und die dazugehörige, anzustrebende Kreislaufwirtschaft.

Und die Küchentrends? Die kommen in BM 04/21!


Die Autorin

Die Innenarchitektin Katrin de Louw ist Inhaberin von Trendfilter und führende Expertin für Möbel- und Materialtrends im Innenraum.

www.trendfilter.net

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