Werkstoff- und Oberflächentrends 2016/2017

Keine Angst vor Supermatt

Supermatt – das hat sich schon im vergangenen Jahr abgezeichnet – ist ein großes Trendthema. Neu dabei: Alles wird noch cleverer. Und so haben, dank neuester Herstellungsverfahren, auch diese Oberflächen nun keine Probleme mehr mit Fingerabdrücken und sind dazu noch besonders kratzfest, sodass sie sogar als Arbeitsplatte in der Küche eingesetzt werden können. Katrin de Louw

I Nur eines muss man bei den supermatten Oberflächen noch bedenken: Ein Material mit solch stumpfem Glanzgrad erscheint durch die Lichtbrechung deutlich grauer. Die gleiche Farbe mit mehr Glanz wirkt also deutlich farbiger. Aber auch das – also das Vergraute in den Oberflächen – ist absolut „in“, sowohl in den gräulich-natürlichen Farbtrends als auch bei Holz- und Steinoberflächen als Patina.

Farbe im Möbelbau: Eher Fehlanzeige
Und so gilt auch 2016/2017 für die große Flächen der Möbel: Man bleibt bei den sogenannten Nichtfarben: Es gibt sehr viele verschiedene Grau- und Erdtöne, Weiß und insbesondere Schwarz kommen mehr und mehr.
Die unifarbenen Oberflächen der Holzwerkstoffe brillieren durch intensive Strukturen, 3D-Oberflächen, metallische Effekte oder einer samtweichen Haptik.
Mystische Farben oder helle Akzente
Nichtsdestotrotz nimmt der Anteil an Farbe in der Innenarchitektur insgesamt zu. Wobei diese oftmals als Akzente in Stoffen oder Tapeten zum Einsatz kommen oder einfach als Wandfarbe. Wenn großflächig Farbe im Möbel eingesetzt wird, dann oft in dunklen, mystischen Tönen von Blau, Petrol, natürlichen Grünvarianten bis hin zu dunklen Beerentönen, die sehr wertig und zeitlos daherkommen. Hellere und leuchtende Farbakzente in Zitronengelb, Corallrot, Pistazie oder sogar Neon werden gerne dazwischen platziert. Besonders angesagt sind die eben schon erwähnten, romantischen Pastellfarben, allen voran ein gräuliches Rosa sowie ein helles Graublau, ähnlich der Pantone-Farben des Jahres 2016.
Gesund und heimisch
Moderne Materialien sollen robust, funktional, aber auch ökologisch und wohngesund sein. Ein zunehmend wichtiges Verkaufsargument ist dabei auch die heimische oder zumindest europäische Produktion des Werkstoffes genauso wie die Verwendung heimischer Holzarten aus zertifizierter Herkunft. Die Eiche ist also noch immer angesagt. Dabei ist die wichtigste Trendfarbe der Eiche ihr Naturton, lebendig mit Rissen und Ästen, auch Balkeneiche genannt. Die echten Hölzer sollen einfach zeigen, was sie als Naturprodukt zu bieten haben, während die Dekore zwar auch sehr natürlich mit angeschnittenen Blumen aber mit weniger rustikalen Details daherkommen.
Holzarten: Hell oder offenporig
Helle, nordisch anmutende Holzarten wie Ahorn, Birke, aber auch Pinie, Fichte und Lärche sind im Moment besonders hipp. Zusammen mit Beton und zartgräulichen Pastelltönen ergeben sie eine junge, frische Leichtigkeit, die viele Jungdesigner im Moment begeistert. Aber Vorsicht: Die aktuellen, zarten Puderfarbtöne brauchen unbedingt raue oder graue Kombinationsmaterialien, damit sie nicht zu niedlich wirken. Nussbaum bleibt ebenfalls noch immer ein sehr breites Holzthema und wird durch sein feineres Porenbild gerne etwas eleganter verplant als die offenporigen Hölzer wie Eiche, Esche, Rüster oder Akazie.
Traditionelle Materialien
Insgesamt ist auffällig, dass wir durch traditionelle Materialien eine zeitlose Wertigkeit in unsere neuen und nachhaltigen Interieurs bringen. Keramik und Naturstein kommen zu neuem Ruhm. Die kühle und zeitlose Eleganz dieser Materialien werden durch eine moderne Formensprache neu interpretiert und sind in Kombination zu den Hölzern sehr gefragt. Allen voran ist Marmor ein wichtiges Trendthema – sowohl in der weißen als auch in der schwarzen oder dunkelbraunen Variante. Dazu kommen Metalle in warmen Farbtönen – wie Gold, Messing, Bronze oder Kupfer. Um sich farblich inspirieren zu lassen: Schauen Sie sich die neuen iPhone-Farben an.
Funktion, Gesundheit, Optik und Haptik
Die Material- und Oberflächentrends werden im Wesentlichen beeinflusst von drei großen Faktoren: Erstens – den funktionalen und technischen Aspekten, sowohl von Hersteller- als auch von der Nutzerseite. Zweitens – den ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten bei der Materialauswahl, zu der auch der Wunsch nach gesundem Wohnen zählt. Sowie drittens – den dagegen eher kurzfristigen Designtrends, die wir in Strukturen, Oberflächen und Farbe wahrnehmen.
Akustik ist ein großes Thema
Oberflächen und Materialien bestimmen viel mehr als nur die Optik eines Raumes. Sie entscheiden darüber, ob wir uns in einer Umgebung wohlfühlen. Dabei erleben wir die Flächen unserer Einrichtung nicht nur durch Berührung, sondern registrieren bewusst oder unbewusst, wie hart oder weich der Boden ist, auf dem wir gehen, wie kalt die Wand ist, die neben uns steht oder ob der Raum eine für uns angenehme Akustik aufweist.
Letzteres ist aktuell ein großes Thema bei den Werkstoffherstellern und es kommen immer mehr akustisch wirksame Materialien auf den Markt. Darunter auch solche, die wie herkömmliche Plattenmaterialien vom Tischler verarbeitet werden können, dabei aber eine textile Optik haben und an Filz erinnern. Auch Lochplatten gibt es heute in allen Varianten und mit gewünschter Oberfläche – selbst digital bedruckt.
Funktional und leicht
Clevere, zusätzliche Eigenschaften werden zur Zeit bei den Innenausbaumaterialien ebenfalls hoch gehandelt: Schwerentflammbarkeit in neuen Designs, antibakterielle Eigenschaften für Projekte im Gesundheitswesen oder auch der Leichtbau geben zusätzlichen Mehrwert.
Für den Möbelbau mit leichten Werkstoffen gibt es neben bekannten und neu auf den Markt dringenden Wabenlösungen auch viele Vollholz-Tischlerplatten, die Gewicht einsparen. Während bei den massiven Leichtbauplatten verarbeitungstechnisch alles beim Alten bleibt, bieten die Hohlraumlösungen Platz, um Technik und Kabel zu integrieren. Weitere Gründe für die steigende Nachfrage nach leichten Werkstoffen sind Ressourcenschonung, sowie Energie- und Kosteneinsparung beim Transport, welches insbesondere im Online-Handel ein wichtiges Thema ist. Vorbild für uns Innenausbauer ist die Automobilindustrie: Das Denken in leichten, hochtechnisierten Trägerwerkstoffen zusammen mit intelligenten, wenn nicht gar smarten Oberflächen ist die Zukunft sowohl im Automobil als auch in der Architektur und im Möbel. I

Die Autorin

Katrin de Louw, Innenarchitektin und Inhaberin von Trendfilter, ist als Trendscout und Designmanagerin für die Möbelindustrie tätig.

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