Das sind die Wohntrends 2019

Keiner will modische Möbel

Slow, smart und sustainable – weil die Besucher der Möbelmesse in Köln so international sind, sind es auch die Trends. Wir waren vor Ort, haben nach Neuheiten geschaut und im ersten Moment schien uns, als habe sich im Vergleich zum Vorjahr wenig verändert. Das lässt sich mit dem wichtigsten Trend 2019 erklären: Slow Living! Alles klar?

Katrin de Louw

Was auf der Messe also deutlich zu erkennen war, ist der Trend zur Entschleunigung im Wohnen. Wer will denn auch schon modische Möbel? Vielleicht Stoffe und Wandfarben …. okay … auch die Tischdekoration muss regelmäßig erneuert werden und unterliegt dem modischen Zeitgeist, aber die Möbel sollen doch wertig sein und uns lange begleiten.

Zeitlose und nachhaltige Materialien

Die Möbelformen des letzten Jahrhunderts finden wir in Sofas, Sesseln und Couchtischen ebenso, wie zeitlose und nachhaltige Materialien, allem voran Holz, Marmor, Glas mit Akzenten aus Messing, Chrom oder schwarzem Metall. Dabei sind die Farben im Wesentlichen gedeckt, natürlich und ruhig in Braun-, Beige- und Graunuancen gehalten. Insgesamt sind auch schwarze Flächen auffällig oft zu sehen. Manche sagen „Schwarz ist das neue Weiß“. Ich kann mir allerdings beim besten Willen nicht vorstellen, dass in Zeiten der Wohnraumverknappung Schwarz die gleichen Umsatzzahlen schreiben wird wie heute Weiß.

Auch Wolle, Filz, Cord, Samt und Leder sind gefragt und gestalten Betten und Sofas oftmals im Layering-Look mit vielen verschiedenen Kissen und Decken übereinander. Wobei überhaupt Textilien auf dem Vormarsch bleiben. Zudem bestimmen riesige Teppiche und auch Tapeten mit üppigen Mustern die neue Wohnlichkeit.

Eiche und Nussbaum weiter vorne

Holz bleibt dabei, auch aufgrund nachhaltiger Aspekte, wichtigstes Möbelmaterial, wird aber gerne kombiniert mit farbigen, oftmals schwarzen Metallgestellen und Naturstein, insbesondere Marmor. Dabei ist Massivholz wieder so angesagt wie nie, Verformungen, Risse und Astlöcher sind gewollt – es wird Natur zelebriert und gezeigt, dass es sich um ein Naturprodukt handelt. Dabei bearbeiten insbesondere die italienischen Hersteller gerne die Oberflächen und holen die Holzstruktur in 3D zum Vorschein, bevor sie die Flächen farbig lackieren oder ölen. Zu den Holzarten kann ich Ihnen kaum Neues mitteilen, es scheint keine neuen Bäume zu geben. Scherz beiseite: Eiche und Nussbaum dominieren noch immer. Zur Eiche gesellen sich andere Arten mit starker Pore, wie Kastanie, Rüster oder Esche. Auch Ahorn, Birke und andere junge und nordisch anmutende Holzarten sind zu sehen in Kombination mit pudrigen Rosé-, Mint- und Pfirsichfarben, schwarz unterbricht aber immer wieder die helle Leichtigkeit, z. B. durch filigrane Sockelgestelle unter den Tischen, Sideboards und Co, aber auch mit schwarzen oder grauen Furnieroberflächen.

Multifunktional muss es sein

Das Designerduo Truly & Truly durfte in diesem Jahr „Das Haus“ gestalten und zeigte dort ebenfalls die Verschmelzung der Räume und Wohnfunktionen. Es gibt also zukünftig verschiedene Zonen, die sich nicht selten um die Küche platzieren. Aber Essen, Arbeit und Gästeempfang findet eben nicht mehr in bestimmten Räumlichkeiten statt, sondern dort, wo man gerade ist oder eben dieser Tätigkeit nachgehen möchte. Möbel müssen flexibel und multifunktional sein. Esstische werden zu Arbeitstischen mit integrierten Ladestationen für’s Tablet und sind für jede Situation aus- und einklappbar – je nach Bedarf.

Sofas werden zu Liege-Sofas – nein, ich meine nicht das Herumgelümmele, was so manch einer heute schon abends auf der Couch vor dem Fernseher veranstaltet – sondern die klare neue Funktion, die Rückenlehne und das Kopfteil wahlweise dem Sitzen oder dem Liegen anzupassen und das auch für den Besuch! Und zwischen den Sitz- und Liegeelementen sind Ablagen aus Holz für das Bierchen am Abend sehr praktisch.

Insgesamt geht der Trend bei den Polstermöbeln aber wieder eher zu Einzelelementen aus kleinen Zwei- oder Drei-Sitzern in Kombination mit Sesseln. Davor stehen kleine, meist runde, Couchtische unterschiedlicher Art und Ablagehöhe, die den Style des Modularen auch hier fortführen.

Historischer Glamour ist gefragt

Runde Tische sind also angesagt oder besser formuliert: Richtungslosigkeit für Kleinmöbel. Denn wenn ich Möbel zukünftig öfters verschieben möchte, da ich diese flexibel nutze, brauche ich keine unattraktive Rückseite. Auch Wohnzimmerregale und Schränke werden modular gedacht und bestehen aus verschiedenen Elementen, die man flexibel kombinieren kann und im Falle eines Umzuges auch reduzieren, ergänzen oder einfach neu anordnen kann. Kleine Sekretäre ergänzen den Wohnraum und auch Raumtrenner und Paravants können zukünftig wieder an Bedeutung gewinnen.

Neben der Entschleunigung mit all ihren nachhaltigen und natürlichen Materialien und Farben gab es auch einen Trend zum historischen Glamour zu beobachten: Edle Materialien wie Messing – glänzend oder mattiert – treffen auf buntes Glas, zum Teil auch mit Facettenschliff und Ornamentik. Spiegel vergrößern nicht nur Räume sondern werden in Möbeln und Räumen zum Überraschungseffekt: Bei Licht wird die Spiegeloberfläche durchsichtig und offenbart die Dekoration dahinter. Auch Chrom, Samt und gesteppte Stoffe unterstützen diesen wertigen Look des Midcentury-Designs. Hier spielen klassische Farben eine Rolle, wie Cognac und dunkle Rot-, Grün- und Blautöne, auch Violett und ein Altrosa.

Leuchten mit Glaskugeln

Zusätzlich zu den vielen supermatten Oberflächen erscheinen wieder Hochglanz-Akzente und spielen mit dem Kontrast. Zu all dem Retro-Look gesellen sich auch die 70er- und 80er-Jahre jetzt. Wir finden das typische 70er-Jahre-Sonnengelb wieder als Akzent und Leuchten mit Glaskugeln in allen Varianten.

Und – sicher auch dem in diesem Jahr gefeierten 100-jährigen Bauhausjubiläum geschuldet – hin und wieder Kombinationen in den Grundfarben Rot-Blau-Gelb mit Schwarz und Weiß, die wir zu Zeiten des Bauhauses einerseits, andererseits aber auch in der 80er-Jahren schön fanden. Fakt ist, egal ob Retro-Glamour oder die Reduktion mit nachhaltigen Materialien: Beides entschleunigt irgendwie und unterstützt den Trend des Slow Living.

Mehr Komfort durch Technik

Im Kontrast zu den beiden zeitlosen Themen der nachhaltigen Reduktion und des Midcentury-Glamours steht der Trend der Digitalisierung, bei dem die Küchen – siehe meinen Bericht von der Living Kitchen in der nächsten Ausgabe – den Ton angeben, aber wir haben auch Betten gefunden, die durch Sprachkommando beim Aufstehen helfen.

Hier treibt der demografische Wandel den Prozess der Technik-Integration voran und letzten Endes wird umgesetzt, was mehr Komfort bietet oder schlicht und einfach einen Vorteil bringt, sei es Zeitersparnis, Sicherheit oder Gesundheit. Vernetzte Spiegel mit Wetterbericht, Flurmöbel mit integriertem Bewegungsmelder als Alarmanlage und Licht, welches sich der Umgebungshelligkeit automatisch anpasst, bleiben 2019 wohl doch seltene Ausnahmen in den Wohnungen. Auch wird es zu prüfen sein, warum alles per App gesteuert werden muss – damit ich nicht mehr aufstehen muss, um eine Leuchte zu regulieren? Ich selber habe im Urlaub mal meinen Fernseher zu Hause per App-Steuerung angemacht und vergessen, ihn wieder auszustellen. Die Nachbarn haben gedacht, ich schaue zwei Wochen „dauerfern“.

Und zu all der smarten Vernetzung, die uns mehr Komfort bieten soll, habe ich vor Kurzem einen Gegentrend entdeckt: Die Idee des unbequemen Wohnens, frei nach dem Motto: Wer rastet, der rostet! Am besten über drei Etagen und ohne smarte Funktionen. Bleiben Sie fit.

www.imm-cologne.de


Die Autorin

Innenarchitektin Katrin de Louw ist Inhaberin von Trendfilter und führende Expertin für Möbel- und Materialtrends im Innenraum.

www.trendfilter.net

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