Gestaltung im Tischlerhandwerk, Folge 18

Profile für Möbel

Profile sind im Sprachgebrauch der Holzverarbeiter Auskehlungen bzw. Ausformungen von Leis-ten, Flächen und Kanten. Es sind also schmückende Elemente, die durch ihre Gliederung, durch das Spiel von Licht und Schatten, die Erzeugnisse formal bereichern können.

In jeder Stilepoche wurden Profile verwendet, die für die jeweilige Zeit charakteristisch waren. Heute lehnen die Gestalter jedoch den Einsatz von Profilen ab. Vor allem dann, wenn die Profilkreationen bewusst als Schmuckelement eingesetzt werden. Widerspricht es nicht auch unseren eingangs aufgestellten Thesen? Schön ist das Schlichte, Funktionale und Zweckmäßige, nämlich das, was durch die klare harmonische Ordnung gefällt und ohne besondere Gags oder auffälligen Zierrat auskommt. Natürlich! Das Profil nur als unnötige Zierde einzusetzen, die Erzeugnisse vielleicht sogar damit zu überladen, ist abzulehnen.

Profile werden an modernen Möbeln nur sehr sparsam verwendet. Sei es, um Kanten dünner erscheinen zu lassen, wie zum Beispiel durch langgestreckte Fasen, um Kanten zum Beispiel durch Abrundungen griffiger zu machen oder um Übergänge von versetzten Flächen harmonischer und weicher zu gestalten. Profile entstehen auch ungewollt bei Rahmen- und Füllungskonstruktionen, bei vorstehenden Korpus- oder Türkanten, überstehenden Platten usw. Profile können durch Kanten harte Übergänge und durch Rundungen weiche Übergänge schaffen. Bei Überfälzungen und Füllungen können Profile den Übergang zwischen zwei Flächenebenen organischer herstellen und je nach Tiefe und Ausdruckskraft des Profils die Flächengliederung mehr oder weniger stark betonen.
An Plattenkanten, Korpus-kanten, Kanten an Einlegeböden, Tisch- oder Abdeckplatten schwächen die Profile optisch die Materialdicke und formen die Kanten haptisch aus. Auch kleine Fasen und Verrundungen sind letztlich Profile. Übrigens sind aus sicherheitstechnischen Gründen bei einigen Möbelarten wie Büromöbeln, Küchenmöbeln sowie Kinder- und Jugend-möbeln bestimmte Radien für die Kantenverrundungen vorgeschrieben. Deshalb sollte das Profil als ein besonderes Gestaltungselement betrachtet werden.
Die Form eines Profils stellt sich am besten im Querschnitt dar. Als Grundelemente sind hier die Gerade und die Bogenlinie, als Kreis- oder Ellipsenlinie zu erkennen. Je nach Verlauf der Geraden bezeichnen wir das Profil als Fase oder als Platte, je nach Verlauf der Kreis- oder Ellipsenlinie als Hohlkehle oder Stab. Profile, die durch die Kombination zweier gegenläufiger Kreisbögen bzw. Ellipsenbögen entstehen, werden Karnies genannt.
Um bei Profilen eine gute Form zu erreichen, ist es wichtig, dass es zu einem ausgewogenen Zusammenspiel dieser zwei bis drei Grundelemente des Profils: „Gerade“, „Kreis“ und „Ellipse“ kommt. Alte Meister legten Wert darauf, dass die Abstände der profilbildenden Kanten spannungsreich vielleicht im Goldenen Schnitt aufeinander abgestimmt wurden. Profile sollten also immer eine markante Form haben. Langweilige Wieder-holungen gleicher Profilelemente sowie „Teigwarenprofile“ sind dagegen zu vermeiden. Auch die Augenhöhe des Betrachters und der Wechsel zwischen Licht und Schatten sind bei Profilierungen zu berücksichtigen.
Das Profil darf auch nicht als Einzelelement angesehen werden, sondern muss sich in Gliederung, Form und Größe – den Charakter des Gesamtprojekts unterstützend – einfügen. Häufig bildet ein Hauptprofil an Gesims, Sockel oder Seite die Dominante, der sich alle anderen Profile unterzuordnen haben. Die einmal gewählte Profilart ist bei einem Projekt beizubehalten, also entweder Fasen, Rundungen oder Platten. Ganz allgemein verlangen feine Hölzer und zierliche Möbel eine zartere Profilierung als grobe Hölzer und wuchtige Möbel oder Einbauten.
Immer aber gilt der Grundsatz: Das Profil ist als Gestaltungs-element stets sparsam und mit gefühlvoller Sensibilität einzusetzen.

Der Autor: Dipl.-Ing. Wolfgang Nutsch, ehemaliger Leiter der Fachschule für Holztechnik, Stuttgart, ist Verfasser zahlreicher Fachbücher.

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