Katrin de Louw über Sinn und Zweck von „Colornetwork“. »Raus aus dem gewohnten Weiß« - BM online
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»Raus aus dem gewohnten Weiß«

Katrin de Louw über Sinn und Zweck von „Colornetwork“
»Raus aus dem gewohnten Weiß«

Far ben entscheiden über Erfolg und Misserfolg in der Innenarchitektur. Far ben  regen uns an, fördern Kauflust oder Konzentration, können beruhigen und entspannen. Far ben bestimmen maßgeblich, ob wir uns in dem Raum wohlfühlen. Wer weg will vom gewohnten Weiß und einzigartige, aber dennoch nachhaltige Farbkonzepte sucht, ist beim Colornetwork richtig. Initiatorin Katrin de Louw erklärt, warum.

BM: „Mut zur Farbe“ wird oft gefordert. Was halten Sie davon?

Katrin de Louw: Mich erinnert das an eine Eigenheimbesitzerin, die sich – als es um die Farbe für ihre Fassade ging – für Türkis entschied. Als das halbe Haus gestrichen war, wurde klar: Viel zu kräftig, schrill und kitschig. Die Farbe wirkte auf dem kleinen Farbfächer, mit dem die Entscheidung getroffen wurde, ganz anders. Damit war der Traum vom mediterranen Flair dahin und das Budget leider auch weg.

BM: Also doch lieber das Einheits-Weiß?

Katrin de Louw: Wenn Menschen sich aus dem gewohnten Weiß heraustrauen, geraten viele – wenn sie nicht geübt sind – schnell in eine Falle. Dabei wäre ja eine Wandfarbe meist schnell neu gestrichen. Eine Wandverkleidung aus Holz allerdings nicht. Und hier fängt die wirkliche Herausforderung für Inneneinrichter an: Um für die Kunden einen echten Mehrwert zu schaffen, wird es immer wichtiger, für den gesamten Raum ein ganzheitliches Farb- und Materialkonzept zu entwickeln.

BM: Wie sollte man hier vorgehen?

Katrin de Louw: Es macht zum Beispiel Sinn, eine Farbe erneut im Raum auftauchen zu lassen, sowohl in identischer Farbgebung, als auch in Nuancen. In sehr großen Räumen, insbesondere bei Messeständen oder Shop-in-Shop-Konzepten ist es auch von Vorteil, wenn man die verwendete Farbgebung am anderen Ende wieder aufnimmt. Das „schließt“ optisch die Architektur und der Kunde nimmt die Größe der zusammenhängenden Fläche erst richtig wahr. In Gesundheitsbauten fördern Far ben einerseits die Orientierung der Besucher, Bewohner und Patienten, andererseits beeinflussen Farben unser Wohlbefinden und sogar unsere Genesung.

BM: Und was ist in der privaten Einrichtung zu beachten?

Katrin de Louw: Auch im privaten Wohnungsbau haben wir es immer häufiger mit offenen Wohnküchen-Situationen zu tun. Küchenarbeitsplatten passend zu Fußböden sind gefragt, Küchenfronten passend zum Homeoffice-Sekretär. Besonders in kleinen Räumen beruhigen Ton-in-Ton-Designs das Ambiente und damit den Betrachter. Wenn Regale, Schränke und Leuchten in der gleichen Farbe gehalten sind wie die Wandverkleidung, vor der sie stehen, strahlt das Ruhe und Ordnung aus – wo sonst das Chaos schnell erdrückend wirkt.

BM: Doch die passende Farbe zu finden ist oft schwierig …

Katrin de Louw: Ja, das ist es, und das „Nadelöhr“ ist dabei nicht selten der Holzwerkstoff. Denn einen Lack kann ich einstellen, Stoffe finden sich auch oft passend. Aber die Auswahl, z. B. bei Schichtstoffen, ist begrenzt, weshalb Architekten oftmals erst die Tresenverkleidung wählen und anschließend den „Rest“. Türen und Fußböden sind schon da – in Schwarz, Weiß oder Grau – damit macht man nichts verkehrt, denken viele. Doch es wäre sehr wünschenswert, einzigartiger zu gestalten und gleichzeitig eine zeitlose und nachhaltige Einrichtung zu schaffen. Denn in der wertigen Innenarchitektur ist modischer Schnickschnack, den ich übermorgen nicht mehr sehen kann, nicht gewünscht.

BM: Was trägt das Colornetwork dazu bei?

Katrin de Louw: Das seit 2020 existierende Colornetwork hat den Begriff der „Sustained Colors“ geprägt. Das wachsende Netzwerk ist ein Zusammenschluss von Herstellern und Produzenten, die Materialien, Möbel oder Elemente für Einrichtung herstellen und jedes Jahr eine gemeinsame, nachhaltig schöne Farbe ins Leben rufen. Es handelt sich dabei um Farben, die eher ruhig sind, auch mal im „neutralen Bereich“ liegen und in der Innenarchitektur auf großen Flächen funktionieren, ohne die erste Geige spielen zu müssen.

BM: Nach welchen Kriterien werden die Farben ausgesucht?

Katrin de Louw: Die wechselnden Experten aus Innenarchitektur, Design und Trendforschung, die jedes Jahr nach einer weiteren „Sustained Color“ suchen, prüfen sowohl die Farbpsychologie wie auch die Kombinationsfreude mit aktuellen Hölzern, Steinen und anderen Materialien der aktuellen und zukünftigen Einrichtung. Dabei ist es den Experten wichtig, dass die Farben heute modern kombiniert werden können und sich in fünf oder zehn Jahren durch eine neue Farb- und Materialkombination neu erfinden.

Gleichzeitig schafft diese Eigenschaft der „Sustained Colors“ Flexibilität in der Planung: Egal ob modern oder stilvoll, Luxus oder Landliebe: Diese Farben passen in jeden Stil und bieten dem Einrichter ein Maximum an kreativer Gestaltungsfreiheit.

BM: Bekommt man auch Tipps, welche Farben mit welchen Materialien kombiniert werden können?

Katrin de Louw: Unbedingt. Wir definieren zu jeder Sustained Color die „Accessory References“, also aktuelle Hölzer, Metalle und Steine, die zusammen einen tollen Look ergeben. Wir haben in unserem Showroom in Bünde dementsprechende große Materialcollagen hängen und viele Planer sind dadurch schon für aktuelle Projekte inspiriert worden. Möglicherweise favorisieren wir in fünf oder zehn Jahren neue Kombinationen und geben neue Kombinationsempfehlungen. Was bleibt, ist die Sustained Color und damit die Gewissheit für den Bauherren, dass er in die richtige Farbe investiert hat.

BM: Was zeichnet die Partner des Colornetworks noch aus?

Katrin de Louw: Den Herstellern des Colornetwork ist es wichtig, Produkttransparenz zu fördern und sie haben sich bereit erklärt, in einem „Sustainability Statement“ zu jedem Produkt, welches Teil der Netzwerkvereinbarung ist, Herkunft, Inhalt, Produktion und Logistik bis hin zu den Recyclingmöglichkeiten transparent zu machen. Dazu stehen Downloads auf der Onlineplattform bereit, sodass diese Informationen für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Zudem spornt es den ein oder anderen Hersteller an, hier noch besser zu werden. So fördert die junge Idee des Colornetwork nicht nur nachhaltige Einrichtung und den Standort Europa, sondern auch die Marktvielfalt, während es zugleich dem Einrichter Zeit und Geld spart und durch Kompetenz Sicherheit in der Farbwahl bietet mit einzigartigen Produkten.

BM: Und wo soll der Weg hingehen?

Katrin de Louw: Wir sind mit fünf Farben gestartet und ab sofort kommt jedes Jahr eine weitere hinzu. Auch wenn das Netzwerk bereits 26 starke Marken an Bord hat, ist es noch jung und wir wollen weiter wachsen, um die Auswahl an Produkten für den Innenausbau zu vergrößern. Das Angebot in den einzelnen Farbwelten, das man auf unserer Internetplattform findet, vergrößert sich stetig. Und wer dekorative Holzwerkstoffe passend zu Furnieren und Parkett, Leuchten, Fußböden, Arbeitsplatten, Möbelfronten, Tapeten, Teppichen, Designermöbeln, Essgruppen und Regalen sucht – die gibt es schon jetzt. Einfach mal reinschauen!

Die Fragen stellte BM-Redakteurin Regina Adamczak

www.colornetwork.org

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