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Türanschläge

Gestaltung imTischlerhandwerk, Folge 16
Türanschläge

Der Entwurf bestimmt die Konstruktion! Oder – die Konstruktion bestimmt den Entwurf? Weder noch. Wie schon am Anfang dieser Gestaltungsbeiträge erwähnt, müssen die ästhetische Funktion, die technische Funktion und die Konstruktion eine Einheit bilden. Auch der kühnste Entwurf verlangt eine zweckmäßige, materialgerechte und elegante Konstruktion zur Erfüllung der Funktion. Bei jeder Konstruktion oder der Lösung eines Details muss auf eine gute Gestaltung geachtet werden.

Am Beispiel von Möbeln soll der Einfluss, den die Konstruktion auf die Gestaltung hat, aufgezeigt werden.

Ein auf Gehrung zusammengebauter Möbelkorpus mit auf Gehrung einschlagenden Türen oder Auszügen ergibt zum Beispiel einen schlichten Quader, der nur in seiner Proportion, den Verhältnissen von Länge, Breite und Höhe wirkt. Keine Korpuskanten, Blattüberstände oder zusätzliche Teilungslinien der Front zergliedern ihn. Selbst die Grifflösung bleibt bescheiden im Hintergrund. Diese schlichte Form ist durch die besondere Gehrungskonstruktion und die Funktion, hier zum Beispiel eines auf mechanischen Führungen laufenden Auszugs, möglich.
Werden stumpf einschlagende und zurückliegende Türen, Schubkastenvorderstücke oder Klappen gewählt, sind die Korpuskanten sichtbar, so dass sie die Frontflächen umrahmen. Ähnlich verhält es sich bei den im Korpus laufenden Schiebetüren oder Möbelrollläden. Die Frontfläche selbst kann durch die mehr oder weniger betonten Teilungslinien zwischen mehreren Türen oder Schubkastenvorderstücken weiter aufgegliedert werden.
Bei stumpf aufschlagenden Türen, Schubkastenvorderstücken oder Klappen entstehen in der Regel schlichte Möbelfronten. Bei mehreren Frontelementen kann man die Teilungs-linien durch Schattenfugen betonen. Auf eine harmonische Gliederung der Frontfläche ist zu achten. Die Teilungslinien können aber auch durch besondere Leisten auf den Kanten der Frontelemente stärker hervorgehoben werden. Sind die Teilungslinien wie Haarfugen ausgebildet, wirken alle Frontelemente wie eine Fläche.
Liegen mehrere Schubkastenvorderstücke übereinander in der Front, können diese ebenfalls nur durch eine Haarfuge getrennt werden, so dass die gesamte Schubkastenfront wie eine Fläche wirkt. Natürlich muss bei dieser Lösung sehr genau gearbeitet werden. Eine bewusste Trennung der Schubkastenvorderstücke untereinander kann durch eine Schattenfuge, durch eine dünne Leiste oder durch die sichtbare Kante der Traversleiste erfolgen. Für die Gliederung der Schubkästen sind im Kapitel Kommoden weitere Beispiele aufgezeigt.
Die Möbel selbst können in Stollenbauweise, Plattenbau-, Brettbau- oder Rahmenbauweise erstellt werden. Jede Möbelbauart hat ihren ganz eigenen Charakter und gestalterische Ausstrahlung. Bei Stollenmöbeln sind die Stollen das tragende Element. Sie sind an den aufrechten Korpuskanten angebracht und laufen bis zum Fußboden durch. Beim Brettbau sind die Möbelseiten häufig das tragende Element und die Brettstrukturen vermitteln einen rustikalen Eindruck. Beim Rahmenbau sind die Möbelflächen in kleinere Felder gegliedert. Schlichter sind die Möbel in Plattenbauweise, deren Korpus und auch die Fronten aus furnierten oder mit Kunststoff beschichteten Sperr- oder Spanholzplatten aber auch mit Metall beplankten Platten hergestellt werden.
Der Korpus der Möbel in Plattenbauweise kann auf einem Sockel bzw. Sockelrahmen oder einem Fußgestell stehen, die je nach Ausführung das Möbel leichter oder schwerer erscheinen lassen. Sie können auch gleichsam schwebend an die Wand gehängt oder auf eine Konsolplatte gestellt werden. Beispiele sind hierfür im Kapitel Kommoden und Anrichten dargestellt.
Korpusmöbel können in der schlichten Quaderform erhalten bleiben, oder durch eine überstehende Platte abgedeckt werden. Dadurch erhält das Möbel einen betonten oberen Abschluss. Bei seitlich weit ausladendem Überstand bietet sich die Fläche zur Ablage geradezu an. Sockel und Fußgestell bilden den Übergang zum Boden. Der Sockel oder das Fußgestell kann gegenüber den Korpuskanten zurückspringen oder auch vorstehen. Niedrige, zurückspringende Sockelrahmen trennen den Möbelkorpus vom Fußboden.
Die Art der Möbelfront, ob Drehtüren, Schiebetüren, Klappen, Schubkästen, Auszüge, Rollläden oder offene Fächer, beeinflusst die Gestaltung des Möbels. Es spielt eine wesentliche Rolle, ob die Frontelemente einliegend und zurückspringend, stumpf aufschlagend oder überfälzt eingebaut sind. Hier ist auch die Wahl und Platzierung der Beschläge entscheidend. Wenn die Beschläge sichtbar sind, beeinflussen sie sehr wohl die Gestaltung des Möbels.
Bei allen Konstruktionen müssen sowohl die Dicke des Materials als auch die Materialart wohl durchdacht und überlegt sein. Ein Möbel in Kirschbaum zum Beispiel wird man feiner dimensionieren als ein Möbel in Eiche. Auch die Größe des Möbels ist bei der Dimensionierung der Teile zu berücksichtigen. Allgemein vertragen große Möbel dickere Querschnitte als kleine Möbel. Die Kanten der Einlegeböden und die sichtbaren Kanten der Korpusseiten und -böden müssen zum Beispiel nicht immer dick und wuchtig erscheinen. Sie können durch geeignete Profilierung auch dünner und eleganter wirken.
Die Dimension des Querschnitts und die Ausformung der Füße eines Fußgestells ist ebenfalls auf die Größe des Möbels, auf die Höhe des Gestells und auch auf das verwendete Material abzustimmen. Schwere Möbel verlangen größere Dimensionen als leichte. Fußgestellen aus Metall traut man auch in schwachen Dimensionen mehr Stabilität zu als Fußgestellen aus Holz. Im allgemeinen neigen aber viele dazu, die Teile aus Holz überzudimensionieren.
Wie die Gestaltung durch die Konstruktion beeinflusst wird, ließe sich an weiteren Objektbeispielen unendlich lang fortsetzen. Wie immer, gibt es auch hier keine allgemein gültige und richtige Formel. Klar ist nur: auch eine gute Konstruktion muss entworfen werden, und dabei muss man stets den ästhetischen Aspekt berücksichtigen.

Der Autor: Dipl.-Ing. Wolfgang Nutsch, ehemaliger Leiter der Fachschule für Holztechnik, Stuttgart, ist Verfasser zahlreicher Fachbücher.

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