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Visionen für die Küchen-Zukunft

Die Küchen – im Mittelpunkt des Lebens
Visionen für die Küchen-Zukunft

Der Fortschritt ist augenfällig. Bei der Planung moderner Küchen gehen energiesparende Technik und arbeitserleichternde Einrichtung Hand in Hand. Zu exakt geplanten Arbeitszonen und effizienter Stauraumlösungen – selbstverständlich in durchgestylter, individueller Gestaltung – gehören auch die Lichtinszenierung sowie bedarfsgerechte und steuerbare Geräte- und Haustechnik. Damit sind zeitgemäße Standards klar definiert.

Wohlfühlen beginnt in der Küche, doch das Ende der Fahnenstange ist längst noch nicht erreicht. Der demografische Wandel wird unsere Gesellschaft und unser Miteinander durch vielfältige Auswirkungen auf alle Lebensbereiche markant verändern. Für die nahe Zukunft gewinnen fortschreitende multimediale Vernetzungen ebenso wie individuelle Wertkriterien schnell an Stellenwert. Erwartungen, die von der vom Hausgerätehersteller Bauknecht in Zusammenarbeit mit Research Plus durchgeführten Studie „Komfortabel Leben 2009“ aktuell bestätigt werden. Mit ihr rücken zu ihren Einstellungen und Verhaltensweisen rund um das Thema „Wohlbefinden zu Hause“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz repräsentativ befragte Verbraucher die Küche in den Mittelpunkt des Lebens. Mehr noch – sie wird zum Herzstück gemütlicher Wohnoasen in den eigenen vier Wänden. In nahezu drei Viertel aller befragten Haushalte spielt sie bei der Auswahl der geeigneten Wohnung oder des neuen Eigenheims eine maßgebliche Rolle. Für den familiären Mittelpunkt des (Er-)Lebens gehören Aufgaben wie Kochen für Familie und Freunde, Tisch decken und Geschirrspüler ein-/ausräumen, auch das fand die Studie heraus, inzwischen zu den beliebtesten Tätigkeiten bei der Hausarbeit.

Wie sich die Wunschskala fürs Erlebnis-Wohnen mit neuem Lebensgefühl und Komfortoptimierung der Küche im kommenden Jahrzehnt verdichten könnte, bringt die vom Beschlagspezialisten Hettich vorgelegte Trendprognose „Küche Concept 2015“ (siehe Seite 31) vorausschauend auf den Punkt. Grundsätzlich wird die Vision der Küche als Mittelpunkt des Wohnens bekräftigt. Ohne vordergründig zu dominieren, soll sie sich designoptimiert in das Wohnumfeld integrieren.
Folglich können Geräte, Spülen und Armaturen, sobald sie nicht mehr in Gebrauch sind, elektrisch in der Tiefe zurückgefahren und hinter Möbelfronten verborgen werden. Zum positiven Lebensgefühl kommt somit der technische Komfort. Etwa mit Schubkästen und Frontauszügen, die sich von beiden Seiten öffnen lassen, um problemlosen Zugriff von jeder Seite des Arbeitszentrums zu ermöglichen. Auch für den Nutzer ergonomisch angepasste, höhenverstellbare Oberschränke sind angesagt – immer mehr soll sich die Küche den ergonomischen Anforderungen anpassen. Auch im Bezug der immer älter werdenden Menschen. Mit dem Fortschritt multimedialer Vernetzung werden Elektrogeräte sinnvoll miteinander kommunizieren und Internet, Fernsehen sowie die weitere Haustechnik zentral bedienbar werden.
Visionäre Ideen der kommenden Designergeneration
Ob und wie die kommende Generation kreativer Gestalter die Küche in den Mittelpunkt des Lebens rückt, wollte auch „Der Kreis Design Award 2009“ herausfinden. Der in Zusammenarbeit von Ernst-Martin Schaible, geschäftsführender Gesellschafter der Küchenspezialisten-Verbundgruppe ‚Der Kreis’, mit Prof. Dipl.-Ing. Rudolf Schricker, Präsident des Bund Deutscher Innenarchitekten (BDIA), ausgelobte Wettbewerb richtete sich exklusiv an die Studierenden der Coburger Hochschule, Fachrichtung Innenarchitektur und Design. Unter 42 eingereichten Arbeiten – ohne Ausnahme ideenreich, visionär und fantasievoll – wählte die Jury drei Entwürfe für den mit attraktiven Geldpreisen unterlegten Award 2009 aus.
Philipp Körner, dritter Preisträger, zeigte mit seinem Projekt „Freischwinger“ eine Symbiose des Kochen und Wohnens. Dazu konzentrierte er beide Bereiche zu einem wandelbaren, vielfach nutzbaren Objekt auf konzentrierter Fläche. Da wird die Küche mit einem Schwung zum Kommunikationszentrum.
Für Melisande Seebald, die mit „Kunststück“ den zweiten Preis errang, ist das Erlebnis Küche im Mittelpunkt des Wohnens gar Inspirationszentrum für Vor- und Nachdenker. Da gerät das Herzstück zu einer Kochzonen-Skulptur, die Kunst und Erlebnis des Kochens in wechselnden Stimmungen farblich angepasstes Licht rückt.
Mit „Pensilis Rotonda“, was so viel wie ‚hängende, sich im Kreis drehende Elemente’ bedeutet, bringt Catharina Klocke permanente Bewegung und damit jeder nur denkbaren Situation angepasste Bilder in die Küche. Bei ihrer mit dem 1. Preis prämierten Vision scheint wirklich alles in Bewegung.
Elemente hängen mal von der Decke, bleiben als veränderbares Ensemble aber immer schwebend und nie am Boden haftend. Vorgestellt wird ein in jeder Beziehung ausgewogenes, funktionales Küchenmobile – Technik, Stauräume und Lichtstimmungen inbegriffen. Ob Kommunikations-Plattform, Spielebene oder Szenetreff für die Kochparty – alle nur wünschbaren Möglichkeiten lassen sich hiermit – selbstverständlich auch barrierefrei – umsetzen.
Chancenmarkt „Küche“ neu aufgestellt
Für die preisgekrönten und alle anderen Entwürfe gab’s mit einer Vernissage und Fachsymposium eine glanzvolle Premiere. Begleitend zur Veranstaltung „30 Jahre Der Kreis“ in Halle / Westfalen loteten Experten wie Jutta Nagel, Küchenspezialistin aus Velen, Alno-Vorstandsvorsitzender Jörg Deisel, AMK-Geschäftsführer Frank Hüther (Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche) mit Ernst-Martin Schaible und Prof. Rudolf Schricker Tendenzen für die Küchen von morgen aus. Ziel führend hierfür, so Schaible, sei ein von seiner Verbundgruppe gemeinsam mit Psychologen, Soziologen, Designern und Küchenspezialisten initiiertes Netzwerk. Mit der Vorgabe, den Stellen- und Mehrwert individuell gestalteter Küchen im Markt besser zu kommunizieren und auszubauen, will das neue Branchennetzwerk die Brücke zwischen Innenarchitektur, Küchenspezialisten und -nutzern schlagen. Denn, so Prof. Schricker, „Räume zum Kochen sind eine konzertierte Aktion!“
Verbraucherlust und Interesse an neuen Küchen als Lebens-Mittelpunkt, so ein Fazit, könne durch Inszenierungen im Verbund deutlich gefördert werden. Eine bereits vorhandene Vielfalt an Technik und Komfort, die die Küchen in naher Zukunft optimieren wird, ist bereits heute vorhanden, aber längst noch nicht ihrer Bedeutung entsprechend umgesetzt. Innovative Küchenideen rücken nur zögerlich ins Bewusstsein der Zielgruppen ein. Wird doch viel Neues – wenn überhaupt erkennbar – meist emotionsarm gezeigt. Das Verhalten der Küchennutzer wird sich umso mehr verändern, desto erlebbarer Produktanwendungen mit ihrem Nutzen und Mehrwert präsentiert werden. Dennoch zeigt sich Prof. Schricker als praktizierender wie lehrender Designer überzeugt, dass heute noch separate Räume wie Küche, Ess- und Wohnzimmer in den kommenden Jahren in eine von allen fünf Sinnen geprägte Einheit zusammenfließen werden. Und: In dem vom einstigen Funktionszentrum zum ‚Livingroom’ mutierenden Raumensemble wird immer der Mensch im Mittelpunkt des Geschehens stehen. Vorstellungen, die die junge Generation der Gestalter bereits verinnerlicht hat und die insbesondere dem kreativen Handwerk und dem Innenausbauer eine Fülle an gestalterischem Freiraum und Chancen bieten.
Mit Blickrichtung auf zunehmenden Küchenkomfort – und inmitten kommunikativen Wohnens – wächst in einem vielschichtig und heiß umkämpften Markt der Wunsch nach Partnern, die mit ihren Leistungen auf individuelle Nachfrage perfekt eingehen. Liegt der Schlüssel dazu doch in der jedem Unternehmer eigenen Fähigkeit, Kunden durch unverwechselbare Einzigartigkeit nachhaltig begeistern zu können. Mit von handwerklichem Können geprägten stil- wie trendsicheren und ergonomisch durchdachten Lösungen wird ‘s überzeugend gelingen.
Nachvollziehbare Ideen
Interessenten, die die Visionen der Studenten verinnerlichen möchten, bekommen dazu Gelegenheit im Rahmen einer bundesweiten Aktion. Nach der Präsentation auf der Messe „Focus Küche & Bad“ soll die Vernissage auf Wanderschaft gehen und regional bei den Mitgliedshäusern (Veranstaltungsorte und Termine findet man unter www.kuechenspezialisten.de) zu sehen sein. Begleitend zum Designwettbewerb ist das von Ernst-Martin Schaible herausgegebene Buch „Die Küche im Mittelpunkt des Lebens“ erschienen. Mit Einbezug der interessantesten Arbeiten des Design Awards 2009 wird ein erlebenswerter Bogen von der Küchenkultur aus den Anfängen der industriellen Fertigung bis zur Vision der Küchengestaltung von morgen geschlagen. Küchenverständlich geschrieben und sehenswert illustriert, ist dieses Brevier gleichermaßen für Kücheninteressenten und -nutzer wie für Profis wertvoll. (Rainer Linke) ■

Drei Fragen an Prof. Rudolf Schricker, Präsident des BDIA
BM: Welche (Mega)Trends sehen Sie bei der Küchengestaltung heute und morgen?
Schricker: Wenn wir überleben wollen, muss sich die Wechselbeziehung Mensch-Küche verändern. Kochen hat sehr viel mit Entwerfen zu tun. Wer in Zukunft Küchen planen und gestalten will, sollte Problembewusstsein generieren, seine Erfahrungen einbringen und mittels Rezepturen an Visionen arbeiten; stets mit dem Ziel: es soll „schmecken“ – also die Akzeptanz und das Wohlbefinden der Menschen im Fokus haben. Die Lust auf Kochen muss gefördert werden; und Lust ist stets individuell und sehr verschieden. Ein Megatrend aus meiner Sicht: Die oft zitierte und sich in Zukunft verstärkende Individualität wird in der Küche einen flexiblen Einsatz von ebenfalls variabel zu handhabenden und steuerbaren Einrichtungen fordern. Gleichzeitig – neben der technischen Einstellbarkeit auf persönliche Bedürfnisse – sind auch Antworten auf das Verlangen nach individuellem und emotionalem Ausdruck und eigenständiger Handschrift gefordert.
Ein weiterer Trend wird gesetzt durch die Möglichkeiten der Lichttechnik: Hier vollzieht sich zurzeit ein Quantensprung; von der baulich manifestierten Elektroinstallation mit 230 V hin zur Niedervolttechnik mit schnellen Steckverbindungen. Schubkästen gehen auf und erstrahlen mit Beleuchtung; wechselnde Lichtfarben dokumentieren unterschiedliche Mentalzustände; das bewegliche Licht wird zum Begleiter beim Kochen. Licht wird so zum „Lebensmittel“.
Und weiter: Küchen werden immer mehr zum Lebensmittelpunkt: Orte, an denen „gelebt“ wird. D.h., neben dem Kochen wird dort gestritten, geliebt, kommuniziert, gearbeitet, reflektiert, inszeniert, solo oder in der Gruppe. Die starr eingebaute Küche verfällt in Agonie sobald Veränderbarkeit, Mobilität und Beweglichkeit die Kochenden dazu animiert, leidenschaftlich und mit Spaß selber die Einrichtung der Situation anzupassen, zu verändern und in Bewegung zu halten.
BM: Küchengestaltung steht im zunehmenden Wettbewerb. Industrielle, d.h. vorgefertigte Standards konkurrieren mit kreativen, an individuellen Wünschen und Bedürfnissen der Nutzer ausgerichteten Lösungen. Wie kann vor diesem Hintergrund designoptimiertes Wohnen an Stellenwert gewinnen?
Schricker: Zunächst ist Wettbewerb nichts Schlechtes; und auch die angeführte Polarität ist für mich kein Widerspruch. Die Sehnsucht der Menschen, sich individuell und authentisch einzurichten, entsprechend der Situation auch mehrmals wechselnd Anpassungen vorzunehmen, kann ja nur mit der Industrie und den entsprechend zur Verfügung stehenden Technologien realisiert werden.
Gefordert sind gleichsam intelligente und flexible Lösungen, die Standards gewähren, jedoch den Spielraum für spätere individuelle Nutzung und auch Veränderung möglichst groß halten.
Verabschieden sollte man sich von der Vorstellung, dass Designer lange vor Gebrauch eine Gestaltungshaltung entwickeln, die dann den Gebrauchern übergestülpt wird und die auch später nicht mehr veränderbar ist. Jeder Kochende sollte sein Lebensumfeld selber gestalten können, gewissermaßen individuelles Post-Design auf der Basis einer grundsätzlich guten Designvorgabe.
BM: Welche Empfehlungen geben Sie dem Innenausbauer und dem kreativen Handwerk?
Schricker: Heute muss sich ein Innenausbau neben Holz und Holzwerkstoffen, auch mit den Werkstoffen Glas, Kunststoff, Metall auseinandersetzen und vor allem für die Integration von Technik offen sein. Insbesondere die Scheu vor Niedervolttechnik und vor Licht im Möbel sollte jeder Handwerker ablegen. Menschen wollen verstärkt inszenieren; die Innenausbauer gleichen immer mehr den Bühnenarbeitern, die das „Stück“ – also den Raum – vorbereiten und den Nutzern anbieten. Dieser Trend wird sich verstärken.
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